Die besten Whisky Destillerietouren in Schottland

„The best whisky distillery tours in Scotland“… so titelt Spectator Life in einem Artikel. Ich halte nicht so viel von „TOP“ und „Beste“ Listen. Wir haben alle unterschiedliche Bedürfnisse und Erwartungshaltungen. Aber wir wollen auch alle an den Erfahrungen anderer teilhaben und fragen dann schon mal nach, welche Destillerietour denn besonders toll ist. Ich lass Euch hier an meinen Überlegungen teilhaben.

Für die Auswahl der passenden Destillerietour gibt es sicher viele Parameter. Ich mache es mal an den Folgenden fest:

  • Kann man die Destillerie besichtigen, hat sie ein Visitorcenter und bietet sie Touren an?
  • Lage (kommt Ihr in die Region oder könnt einen Abstecher dorthin machen)?
  • Ist die Destillerie sehenswert?
  • Was verbindet Euch mit der Destillerie?
  • Welche Art von Tour gefällt Euch? Sehen? Wandern? Trinken?
  • Wieviel darf die Tour kosten?
  • Welcher Guide macht die Tour?

Bietet die Destillerie Touren an?

In der heutigen Zeit ist diese Frage meist einfach zu beantworten. Google & Co finden meist die Webseite der gewünschten Destillerie und dort findet man in der Regel auch die Touren. Auf meiner Destillerien-Liste könnt Ihr die Suche-Eingabebox am oberen Ende der Tabelle als Filter nutzen und dort „VC“ eingeben. Ihr bekommt dann eine Liste, die Ihr dann mit weiteren Filtern versehen könnt oder nutzt die Weblinks für die Destillerien. Wenn Angaben fehlen oder falsch sind, sagt mir bitte Bescheid.

In der Regel gibt es eine Standard-Tour. Das ist die günstigste, führt ein Mal durch die Destillerie (meist „guided“, d.h. mit einem Tourguide) und am Ende gibt es das Standard-Produkt zum Probieren. Darüber hinaus lassen sich viele Destillerien aber etwas einfallen. Manche um Geld zu verdienen, die meisten aber, um uns etwas Besonderes zu bieten. Häufig gibt es die Standard-Tour kombiniert mit einer größeren oder anderen Tasting-Auswahl, d.h. es werden dann bis zu sechs Whiskys ausgeschenkt. Die hochwertigste Variante davon sind dann die Warehouse-Tastings. Hier gibt es meist direkt aus dafür vorgesehenen Fässern etwas ins Glas eingefüllt. Authentischer geht es nicht mehr.

Darüber hinaus gibt es auch häufiger eine Manager-Tour. Da wird man dann vom Distillery Manager durch seine Brennerei geführt. Hier habt Ihr die Chance die Dinge zu fragen, die Ihr schon immer wissen wolltet. Ob Ihr eine Antwort bekommt ist dann ganz von dem Humor und den Entertainer-Qualitäten abhängig. Manchmal leider auch vom Wissen, denn in der Zwischenzeit gibt es auch hier eine gewisse „Manager Kultur“, d.h. nicht jeder Distillery Manager kennt sich auch mit den Produktionsprozessen aus. Das sollte die Ausnahme sein, ist mir aber leider schon passiert (Glen Elgin).

Wo liegt die Destillerie?

Auch hier ist Google mit Maps hilfreich. Die meisten Destillerien lassen sich dort einfach finden. Wenn Ihr den Überblick behalten wollt und mehrere (oder gar alle) Destillerien auf einen Blick sehen wollt, findet Ihr auf meiner Seite auch eine Whisky Map. Dort habe ich mit verschieden farbigen Icons auch gekennzeichnet, ob die Destillerie ein Visitor Center hat oder eine Anmeldung erforderlich ist. Manche sind gar nicht zugänglich, dann könnt Ihr nur von außen einen Blick darauf werfen.

Welche Destillerien sind sehenswert?

Das ist eine sehr schwierige Frage, denn Schönheit liegt im Auge des Betrachters und die Gründe, warum man sich für eine Destillerie interessiert sind unterschiedlich.

Unter dem Motto „schön“ steht vermutlich bei vielen TOP10-Listen Stratishla sehr weit vorne. Bei manchen Destillerien kann man Produktionsprozesse sehen, die es bei anderen nicht mehr zu sehen gibt. Ein Beispiel dafür sind Maltings. Die Malting Floors und Kiln sind noch bei einigen Destillerien vorhanden, werden aber nur noch bei weniger als zehn genutzt (z.B. Balvenie, Laphroaig, Springbank, Bowmore). Dann gibt es kleine, alte, traditionelle. Es wird noch fast alles per Hand gemacht wie vor 100 Jahren (z.B. Edradour, Balvenie, Springbank). Dann gibt es die großen Fabriken, die Menge produzieren (Glenfiddich, Glenlivet, Glen Grant) und darunter solche, die man normalerweise nicht besuchen kann (z.B. Roseisle und Dalmunach). Andere wiederum sind auf ihre ganz eigene Art sehenswert. Da fällt mir Knockdhu (anCnoc) ein. Sehr traditionell, und viele kleine Accessoires wie alte Maschinen, Beine aus dem Kiln hängend und ein halb aufgeschnittener Kilntrichter, den man damit von innen sehen kann. Etwas „aufgeschnittenes“ gibt es auch bei Tomatin, aber dort ist es eine Mash Tun, die man begehen kann. Eine Potstill soll folgen.

Alt & Neu - Destillerietouren

Ihr könnt Euch auf Seiten umschauen, die Bilder von Destillerietouren zeigen. Dann bekommt Ihr einen ersten Eindruck und passt die Erwartungshaltung an. Nichts ist schlimmer als enttäuschte Erwartungshaltung. Mir ging es bei Glenlivet so. Ich war nicht auf die Fabrik mit Touri-Bussen und Fotografierverbot gefasst und massiv enttäuscht. Das Stillhouse gehört aber trotzdem zu einem der schönsten, weil sie ein riesiges Fenster in ihrer „Kathedrale“ haben.

Meine Tourenbeschreibungen mit Fotos findet Ihr entweder unter Themen->Destillerietour, über die Suche oder über das Sidebar-Menü „Destillerietouren“. Ihr könnt auch durch die Galerie stöbern und nur Fotos schauen.

Habt Ihr eine Lieblings-Destillerie?

Wenn ja, dann sollte die ganz weit oben auf Eurer Besuchsliste stehen. Ich wollte immer mal sehen, wie in meinen Lieblings-Destillerien gearbeitet wird und wie die so aussehen. Mit Bildern kann man ein wenig das Aussehen erahnen, aber vor Ort besuchen und mit allen Sinnen erleben ist noch Mal etwas ganz anderes. Aber seid vorsichtig mit der Erwartungshaltung. Informiert Euch vorab. Wie groß ist die Destillerie (seht Ihr an der Produktionsmenge, LPA)? Wie alt ist sie? Handarbeit mit mehreren Mitarbeitern oder alles per Computer mit nur einem Operator im Schichtdienst? Arbeitet die Destillerie bei Eurem Besuch (Wartungs-Shutdown oder Wochenende)? Wenn Ihr Fragen habt, erkundigt Euch vorher. Bucht die Tour vorab und seid dann rechtzeitig da. Und wenn es wirklich DIE Destillerie ist, die Ihr sehen wollt, dann seid nicht knausrig und gönnt Euch die Tour, die Euch am meisten zusagt. Die Standard-Touren sind meist nicht die, die Euch in Erinnerung bleiben werden.

Tour-Auswahl

Nun wird es richtig schwierig. Deshalb erzähle ich Euch, was mir besonders gut gefällt und wonach ich die Touren auswähle.

  • Warehouse-Tastings
    Es ist eine fantastische Atmosphäre und der beste Ort, um einen Dram authentisch zu verkosten. Am Besten direkt aus dem Fass. Wenn es dann noch ein „deconstructed“ Tasting gibt, seid Ihr im siebten Himmel. Dabei wird Euch gezeigt, aus welchen Bestandteilen eine Standardabfüllung hergestellt wird.
  • Distillery-Manager / Entertainer
    Je mehr der Tourguide über die Herstellung weiß und sich nicht nur angelesen hat (viele Saison-Tourguides helfen nur aus), desto interessanter kann die Tour sein. Wenn dann noch Entertainer-Qualitäten ins Spiel kommen, dann wird das ein unvergesslicher Besuch.
  • Wanderungen zur Quelle
    Auch das Umland kann interessant sein. Meist sollte man dafür aber ausgerüstet sein, denn häufig geht es dabei um moosige Wiesen. Und so bekommt man nicht nur den einen oder anderen Whisky als Wegzehrung, sondern auch noch viel frische Luft.
  • Einmalige Gelegenheiten
    Manche Dinge gibt es nur noch an wenigen Orten zu sehen. Bei Speyburn stehen z.B. noch alte Trommelmaltings. Bei Edradour ein alter Kühler. Bei Tomatin eine aufgeschnittene Mashtun. Bei Knockdhu ein aufgeschnittener Kiln-Trichter. InchDarnie nutzt einen Mashfilter anstatt einer Mashtun. Und zu manchen Destillerien bekommt man keinen Zutritt. Wenn es dann doch eine Möglichkeit gibt, nutzen.

Den Produktionsprozess werdet Ihr vermutlich bei der zweiten Tour schon nicht mehr hören wollen. Aber auch bei der Herstellung gibt es immer mal wieder Besonderheiten. Hinhören und Nachfragen kann sich lohnen, wenn man daran interessiert ist. Der Preis spielt natürlich auch eine Rolle. Sucht Euch das passende für Euer Budget aus und macht die teuren Touren bei den Destillerien, die Euch wirklich interessieren. Was hilft Euch ein Warehouse-Tasting, wenn Ihr den Whisky nicht leiden könnt.

Richard schenkt ein

Meist könnt Ihr nicht beeinflussen, wer Euch herumführt. Gerade bei den kleineren Destillerien sind die Chancen aber ganz gut, dass es jemand ist, der sich auskennt. Je größer die Destillerie, und je mehr Besucher pro Jahr durchlaufen, desto höher ist auch die Wahrscheinlichkeit, dass es Aushilfskräfte sind, die Euch führen. Das muss nicht schlecht sein, aber bei Detailfragen ist sehr schnell Schluss. Mancherorts fühle ich mich auch ein wenig an Disneyland erinnert. Wer das mag, dem kann ich Glenlivet, Glenfiddich oder Cardhu empfehlen. Bus-Touristen gehören nicht zu den Dingen auf meiner Wunschliste, die ich bei meinen Touren gerne antreffe. Sucht Ihr Euch aber eine Manager oder Entertainer-Tour aus, wisst Ihr, was Ihr bekommt.

Empfehlungen

Einige habe ich bereits im Text genannt. Aber fangen wir mal mit den Empfehlungen an, die ich mit einer Umfrage eingesammelt habe. Aufgelistet habe ich alle mit mindestens 2 Empfehlungen. In Klammern findet Ihr die Anzahl der Stimmen für die jeweilige Destillerie:

  1. Balvenie (24)
  2. Springbank (8)
  3. Bruichladdich (8) – Empf.: Warehouse Tasting
  4. Laphroaig (6) – Empf.: Water to Whisky Tour
  5. Edradour (5)
  6. Deanston (5)
  7. Glen Moray (3)
  8. Lagavulin (3) – Empf.: Warehouse Tasting (mit Pinkie)
  9. Strathisla (3)
  10. Highland Park (2) – Empf.: Die große Magnus Tour
  11. Ardbeg (2)
  12. Arran (2)
  13. Aberlour (2)
  14. Ballindalloch (2)
  15. Kilchoman (2)
  16. Royal Lochnagar (2)
  17. Glenfiddich (2)
  18. Glenkinchie (2)

Bisher war ich noch nicht bei allen in der Empfehlungsliste. Ob es die BESTEN sind, müsst Ihr selber entscheiden. Ergänzen möchte ich aus eigener Erfahrung noch die Folgenden:

Und von denen, in die man nicht so einfach hineinkommen kann:

Tipps

Ach ja, das wichtigste hätte ich fast vergessen: je mehr Interesse Ihr zeigt, desto aufgeschlossener sind die Tourguides in der Regel. Die Stimmung wird meist besser und einen Extra Dram gibt es dann manchmal auch. Zeigt Ihr kein Interesse, kann das schnell zum herunter gespulten Standard werden. Bei einigen Destillerien hat man auch während eines Festivals eine Chance auf eine ganz besondere Tour. Hier kann ich das Spirit of Speyside Whisky Festival empfehlen, bei dem jedes Jahr einige Destillerien die Türen öffnen, die sonst verschlossen sind.

Und noch ein Tipp: nicht zu viele Destillerien einplanen, wenn Ihr nicht mit Leuten unterwegs seid, die auch ganz viele sehen wollen. Meine Familie meinte bei unserer ersten gemeinsamen Schottlandreise: „Jetzt haben wir doch schon zwei Destillerien gesehen und wissen wie Whisky hergestellt wird. Was willst Du denn in der dritten noch sehen“.

Bei manchen Destillerien bekommt man die Tour kostenlos, wenn man Mitglied ist. So kann man z.B. die Diageo Destillerien kostenlos besuchen, wenn man Mitglied bei den „Classic Malts“ wird.

Don’t drink and drive! In Schottland gilt die Null Promille Grenze. Ich nehme mir kleine Flaschen mit und fülle mir meine Probe ab. Für ein Warehouse-Tasting sollte man aber vielleicht eine andere Lösung (öffentliche Verkehrsmittel, Taxi, o.ä.) suchen.

Meine Beste Tour? Das ist schwierig, aber als Gesamterlebnis: Feis Ile: The Ultimate Islay Tour – Lagavulin, Caol Ila und Maltings.

Was sagen andere dazu?

Hier findet Ihr noch andere Meinungen, wie man an das Thema herangehen kann: