SRT17 – Tormore – die etwas andere Destillerie

Tormore ist anders als andere Destillerien. Für jeden bereits von außen sichtbar. Aber von innen ist Tormore selten zu besichtigen. Außer zum Spirits of Speyside Whisky Festival, denn da macht der Hausherr schon mal eine Ausnahme.

Für meine Fahrt von Pitlochry nach Tormore habe ich die hügelige Route durch den Cairngorm Nationalpark gewählt. Die letzten Tage gab es in der Region Schnee, aber mir wurde gesagt, dass die Straßen befahrbar sind. So fahre ich an Braemar vorbei und nehme die 4939 entlang am Lecht Skigebiet. Hier oben liegt tatsächlich noch Schnee, aber ich komme gut durch. Die Straße ist für mich immer ein Highlight. Fantastische Ausblicke und einige Teilstücke sind noch als Single Track Road erhalten geblieben. Schottland pur!

Hintergrund

Tormore wurde erst 1958 von Schenley International (Long John) erbaut und ging 1960 in Produktion. Zuständig für den Bau war der Architekt Sir Albert Richardson. Damit handelt es sich um eine der jüngeren Destillerien, die im Boom nach dem zweiten Weltkrieg erbaut wurde. Nach einigen Übernahmen ist seit 2005 Chivas Brothers (Pernod Ricard) der aktuelle Besitzer der Destillerie. 1972 wurde die Anzahl der Stills verdoppelt und Ende 2011 die Produktionsmenge um weitere 20% erhöht. Mit dem Neustart nach der Renovierung im Januar 2012 wurde von zwei auf einen Operator umgestellt. Vor der Destillerie befinden sich die ehemaligen Mitarbeiterunterkünfte, die zwischenzeitlich alle an Privatpersonen verkauft wurden.

Wasserquelle von Tormore

Wie üblich bei Chivas gibt es einen Distillery Operations Manager für meist zwei bis drei Destillerien. Für Tormore ist Graeme Cruickshank zuständig. Neben Tormore ist Graeme auch für Aberlour verantwortlich. Bis zum Verkauf der Glenallachie Distillery war auch diese unter seiner Obhut.

Tormore liegt an der A95 zwischen Aberlour und Grantown-on-Spey. Die Adresse lautet:
4 Richardson Rd, Advie, Grantown-on-Spey PH26 3LR, Vereinigtes Königreich

Und virtuell könnt Ihr hier vorbeischauen: tormoredistillery.com.

Meine Tour

Meine Tour habe ich mit Graeme bereits vor einiger Zeit vereinbart, denn die einzigen beiden Tourtermine dieses Jahr im Zuge des Spirit of Speyside Whisky Festivals passen leider nicht in meinen vollen Kalender. Graeme nimmt mich auf dem Parkplatz in Empfang, denn ein Visitor Center oder eine Klingel gibt es hier nicht. Wir marschieren bergauf zur Quelle. Der Boden ist feucht und es liegt noch ein wenig Schnee. Entlang einem Wasserlauf, vorbei an einem Kühlturm kommen wir in ein kleines Wäldchen und dort wird das Wasser aufgestaut. Das Gelände ist schön angelegt und der Spaziergang an der frischen Luft tut gut. Zurück in der Destillerie drehen wir die klassische Runde von den Malt Bins, über die Mühle, zur Mash Tun, den Washbacks und zu den Potstills. Sobald wir die Treppen Richtung Mash Tun erklommen haben, sehe ich von innen, worauf ich mich schon die ganze Zeit gefreut habe: der Lichteinfall ins Spirit House.

Tormore - Kathedrale

Durch die besondere Konstruktion fällt extrem viel Tageslicht ins Innere und lässt die Destillerie in herrlichem Sonnenlicht erstrahlen. Drei der Washbacks wurden bei der Erweiterung in ein Nebengebäude (Clock Tower) eingebaut. Die Runde erspare ich Graeme, denn er hat sich bereits sehr viel Zeit für mich genommen und muss schon langsam wieder los und bei Aberlour nach dem Rechten sehen. Zum Abschluss drückt er mir noch eine Anbruchflasche der Tormore „Distillery Only“ Flasche in die Hand, da er weiß, dass ich noch fahren muss. In den Chivas Brothers Destillerien mit Visitor Center kann man aus dieser Serie meist die einzigen Abfüllungen der anderen Destillerien erhalten. Von Tormore gibt es darüber hinaus noch einen 14yo und einen 16yo.

Produktion

Pro Laster werden 30 und pro Woche 180 Tonnen Malz angeliefert. In den acht Malzbehältern haben je ca. 15 Tonnen Platz. Nach ca. vier Stunden Mahlen in der Porteus Mühle werden 10,4 Tonnen davon in die Full Lauter Mash Tun gefüllt. Der sechs Stunden dauernde Brauprozess wird wie bei den meisten Destillerien mit dreimaliger Zugabe von Wasser durchgeführt. 48.000 Liter werden dann in eines der 11 Stainless Steel Washbacks gefüllt und bei 18°C mit 200 Litern flüssiger Hefe (Mauri) versetzt. Ein Washback wird dann auf die vier Wash Stills (je 18.500l mit 12.000l gefüllt) und dann in die vier Spirit Stills (13.900l mit 8.500l gefüllt) aufgeteilt. Der komplette New Make wird per Tankwagen zu den Keith Bonds transportiert und von dort gelangt ein Teil zurück und lagert in einem der 10 Lagerhäuser. Produziert werden pro Jahr aktuell 4,8m LPA.

Fazit

Endlich habe ich Tormore von Innen gesehen. Oft bin ich daran vorbeigefahren und habe mich gefragt wie es von Innen aussieht. Mir gefallen Destillerien mit natürlichem Oberlicht und davon gibt es bei Tormore einige. Die „Kathedrale“ (das Still House mit den Potstills) ist sehenswert und hat mir sehr gut gefallen. Aber das Beste an allem war Graeme.

Graeme, vielen Dank für diese tolle Tour!

Die anderen Stationen meiner Reise (SRT17 = Schottland RoadTrip 2017) findet Ihr hier: Schottland Roadtrip 2017 – 20 Destillerietouren in 14 Tagen.

Alle Bilder meines Besuchs

SRT17 - Tormore

Mein Besuch der Tormore Distillery
Wasserquelle von Tormore
Wasserquelle Tormore
Tormore - Kühlturm
Tormore - Rückansicht
Tormore - Mühle
Tormore - Mash Tun
Tormore - Mischer
Tormore - Mash Tun von oben
Tormore - Washbacks
Tormore - Oberlichter
Tormore - Kathedrale
Tormore - die Stills
Tormore - zwei Paare
Tormore - die linken Paare
Tormore - Acht auf einen Streich
Tormore Distillery
Tormore - Außenanlage
Tormore - Mitarbeiterhäuser
Tormore - Dachkonstrukion
Tormore - Clock Tower