Speyside – „Distillery Tour“ mit Sandy Jamieson

Spirit of Speyside Whisky Festival: Speyside Distillery

Speyside ist nicht nur die Bezeichnung einer Whisky-Region in Schottland, sondern auch der Name einer kleinen, sehr romantischen aber für die Öffentlichkeit nicht zugänglichen Distillery in der Speyside. Während des SoSWF wurden 2015 auch hier das erste Mal unter dem Motto „Speyside shares its secrets“ die Türen für Besucher geöffnet, und ich habe die Chance genutzt und habe ein Ticket ergattert.

Erst 1962 beginnt Alex Fairlie hier eine Destillerie zu bauen, aber erst 1987 wird diese fertiggestellt. 2012 wird die Destillerie dann an Harvey’s of Edinburgh verkauft, die ab 2014 eine neue Range mit dem Namen SPEY auf den Markt bringen. Aber immer der Reihe nach.

Die Fahrt von Aberlour bis zur Distillery nahe Kingussie beträgt in etwa 50 Meilen (81 km) und dauert knapp über eine Stunde. Unterwegs werden auf der Straße noch Eiswarnungen angezeigt und das Wetter ist bewölkt. Erst vor Ort sehe ich, dass ich etwas früher an einem Sammelpunkt hätte sein sollen, um einen Bustransfer zu bekommen. Naja, ich habe die Adresse und mache mich auf den Weg. Es wird vor einer nicht gut ausgebauten Straße gewarnt und so denke ich mir nichts, als der Weg immer schwieriger wird. Tiefe Löcher, kein Asphalt mehr. Nun werde ich wohl doch nicht mehr rechtzeitig mein Ziel erreichen. Doch als mich Google endlich am Ziel wähnt, muss ich feststellen, dass der Marker „Speyside Distillery“ definitiv keine Destillerie ist. Also umdrehen und zurück. Nach einer gefühlten Ewigkeit und mit vereinten Kräften (ein Besucher-Paar aus der Schweiz ist ebenfalls auf der Suche) finden wir die Destillerie doch noch.

Der Rest der Gruppe hat bisher nur eine Sicherheitseinweisung bekommen und so kommen wir gerade noch rechtzeitig zur Führung. Der Anfang ist wie immer die Mühle. Diese befindet sich in einem winzigen Raum und mehr als zwei Leute haben hier gleichzeitig keinen Platz. Der Rest des Gebäudes ist der Malzspeicher, in den das angelieferte Malz per Unterdruck hineingesaugt wird. Nun führt uns Sandy Jamieson, der Distillery Manager, in das Hauptgebäude. Hinauf über Gitterböden und -treppen kommen wir an der Mashtun an. Vier Tonnen (4,6t) haben hier Platz. In den vier Washbacks aus rostfreiem Stahl haben je 20.000 Liter Platz. Dort verweilt die Wash im Durchschnitt für 60 Stunden (2x 94-96h) bevor es in die 13.000 Liter fassende Wash Still weitergeht. Die Spirit Still fasst 7.400 Liter. Fasslager gibt es hier leider keines. Gelagert wird in Rutherglen bei Glasgow. Mit acht Mashes pro Woche werden im Jahr ca. 600.000 Liter purer Alkohol (LPA) produziert.

Das gesamte Ensemble wird durch zwei Dachfenster beleuchtet und wirkt ein wenig magisch. Insgesamt hinterlässt die Destillerie auf mich einen positiven Eindruck, denn sie liegt an einem schönen Ort, direkt an einem kleinen Bach, der früher das alte Mühlenrad angetrieben hat. Vor der Destillerie gab es hier eine Mühle, von der noch ein Teil erhalten geblieben ist. Dieses Idyll war in der BBC-Serie Monarch of the Glen die „Lagganmore Distillery“.

Am Ende des Rundgangs führt uns James in einen kleinen Anbau, in dem uns bereits Patricia Dillon, Managing Director der Speyside Distillery, und John Harvey McDonough, CEO von Harvey’s of Edinburgh Ltd., erwarten. John und Patricia heißen uns willkommen und erzählen uns ein wenig von der Geschichte der Destillerie. Alle drei stellen uns einen Teil der aktuellen Range vor und verteilen großzügig von jedem einen Dram:

  • Tenné
  • 12 yo
  • Chairman’s Choice
  • Royal Choice

Der Tenné ist noch nicht auf dem Markt als wir ihn probieren dürfen. Und den Royal Choice gibt es offiziell nur an ausgewählten „königlichen“ Verkaufsstellen (Historic Royal Places) zu kaufen. Ich habe beide in der Zwischenzeit aber auch schon bei deutschen Händlern entdeckt. Ich durfte vor Ort leider nicht probieren – don’t drink & drive. Aber Patricia war so freundlich, mir von der gesamten Range (inklusive dem 18yo) eine Probe mitzugeben. Vor einiger Zeit habe ich bereits über meine „Mitbringsel“ berichtet (Vertical Tasting: SPEY aus der Speyside Distillery), denn ich habe das komplette Set bereits mit Freunden verkostet.

Aus Zeiten vor Harvey’s of Edinburgh gab es diverse Abfüllungen unter den Marken Speyside (12/15yo), Drumguish und Cu Dubh (fast schwarz). Die Marke Speyside wird es nicht mehr geben und unter SPEY wird es nur noch hochwertige Abfüllungen in aufwendiger Verpackung geben. Der ehemalige Fußballprofi Michael Owen ist Markenbotschafter (Global Ambassador) der Marke SPEY und kümmert sich vor allem um den asiatischen Raum, denn hier ist der Hauptabsatzmarkt.

Patricia hat mich noch einen kleinen Blick auf eine ganz neue Abfüllung werfen lassen, die vermutlich im Herbst auf den Markt kommen wird. Bis dahin treu dem Motto der Speyside Distillery darf ich noch nichts verraten: „Shh…. Keep the secret“.

SoSWF 2015 - Speyside Distillery

Besuch bei der Speyside Distillery während dem Spirit of Speyside Whisky Festival 2015
Welcome
Die Mühle
Sandy Jamieson
Mashtun
Washback A
Speyside Potstills
Potstill Nahaufnahme
Spirit Safe
Stillroom
Lagganmore
Malzlieferung
Wasserrad
Octave Casks
Kleine Brennblase
Tasting von The SPEY