SRT17 – Mein Besuch bei Annandale

Auf meiner diesjährigen Schottlandrundreise ist die Annandale Distillery in Annan meine erste Destillerietour dieser Reise. Für mich ein magischer Ort mit unwahrscheinlich schönen Lichtverhältnissen. Der Weg in den Süden hat sich bereits gelohnt.

Historisch

Auf Grund und Boden, teilweise in den noch vorhandenen Gebäuden der ursprünglichen Destillerie, die von 1836 bis 1918 in Produktion war, wurde eine neue errichtet. Die heutige Annandale Distillery wurde nach historischem Vorbild für ca. 10,5 Millionen GBP wieder aufgebaut. Schon 2009 starteten die Planungen und seit 11/2014 ist die neue Annandale Distillery wieder in Betrieb. Bereits sehr früh hatte ich Kontakt mit dem Gründer Professor David Thomson, als er öffentlich machte, dass er Annandale nach ca. 90 Jahren Ruhepause wiederbeleben möchte.  Spätestens seit ich die Bilder des neuen Stillhouse gesehen hatte, habe ich darauf gewartet, endlich ein Mal persönlich vorbeizukommen.

Annandale - Verschlossenes Tor

Meine erste Destillerietour 2017

Ich bin noch vor 10:00 Uhr am Tor und finde dieses verschlossen vor. Es ist Sonntag und ich bin froh, dass die etwas außerhalb am Ortsrand gelegene Destillerie überhaupt geöffnet hat. Man geht es ganz gemütlich an und ich bekomme erst Mal einen Kaffee. Frederick wird heute mein Tourguide sein, und ich sein einziger Gast auf der frühen Tour. So haben wir alle Zeit der Welt und ich keine Leute, die mir durchs Bild laufen.

Die Tour startet quer gegenüber im Kiln. Frederick erzählt mir ein wenig von der Geschichte, der Produktion und beantwortet mir alle Fragen. Der Kiln ist ausgehölt. Man sieht bis unters Dach und auch die Stelle, an der der Zwischenboden früher einmal eingezogen war, ist leicht zu erkennen. Hier sehe ich weitere aufwändige Holzarbeiten. Seien es die Türen mit Bullaugen oder die Treppe, die zum Produktionsraum führt. Aber zuerst gehen wir zur Mühle. Dann die Treppe hoch und ich bekomme meinen lang ersehnten Blick auf die Lichtspiele im „Still House“.

Annandale - Blick in die Produktionshalle

Rechts vorne ist die Mash Tun, links der Warmwasserbehälter mit Schaltpult. Alles mechanisch (bis auf die Schaltboards). Keine Computer. Sechs Washbacks für sechs Tage Produktion. Eine große Wash Still und zwei kleine Spirit Stills. Und sehr viele Deckenlichter und seitliche Fenster. Die Sonne steht gut und ich bekomme einige Lichtstrahlen eingefangen. Frederick lässt mich schalten und walten, öffnet mir Luken und gibt mir Zeit. Sehr schön.

Produktion

Ein wenig zur Produktion für die Interessierten unter Euch. Ungetorft und getorft (45 ppm) wird zu je 50% produziert. Deshalb gibt es auch je zwei Malt Bins mit jeweils 15 Tonnen Fassungsvermögen. Vor der Mühle gibt es einen De-Stoner. Die Porteus Mühle stammt von Caperdonich. Das Mahlverhältnis ist mit 18/70/12 (grit/husk/flour) etwas ungewöhnlich (meist 20/70/10). Pro Tag werden 2,5t Grist verarbeitet. Produziert wird nur von Montag bis Samstag, d.h. heute ist kein Betrieb in der Produktionshalle, sondern es ist alles sauber und ruhig. In der Mash Tun wird mit drei Wassern gearbeitet: 9.000l / 68°C, 4.000l / 80°C gesprinkelt, 9.000l / 86°C (wird als erstes Wasser wieder verwendet). Nach 20 Minuten einmaischen wird über 40 Minuten lang das Wasser wieder entleert. Bei dieser Geschwindigkeit wird trüber Sud (cloudy Wort) erzeugt. In die 6 Washbacks aus Pinie werden je 12.000 Liter gefüllt und 36kg Hefe hinzugefügt. Die Fermentationszeit beträgt 62-66 Stunden bzw. 92-98 Stunden. Auf den Washbacks befinden sich „Switcher“ (Rotoren, die den Schaum unten halten). Weiter geht es mit der 12.000 Liter Wash Still und zwei 4.000 Liter Spirit Stills. Die zwei kleineren Spirits Stills sollen den Kupferkontakt erhöhen (gegenüber einer 8.000 Liter Spirit Still). Die first fill Ex-Bourbon Fässer stammen von Buffalo Trace und Heaven Hill, die second fill Fässer von einer schottischen Destillerie.

Annandale - Lagerhaus

Nach dem Still House gehen wir noch in eines der beiden Lagerhäuser. Hier ist das Fotografieren leider untersagt. Es liegen schon allerhand Fässer herum und die beiden neuen „New Make Spirits“ (getorft/ungetorft) gibt es hier zu probieren. Ich nehme mir die zwei Proben des Rascally Liquor mit. Vor ein paar Tagen habe ich von Alba Import erfahren, dass man Annandale ab sofort in Deutschland vertritt, und auch die beiden New Makes an diesem Wochenende das erste Mal in Deutschland präsentiert werden. Ab 2018 wird es dann auch den ersten Whisky geben.

Annandale - das alte Still House

Zum Abschluss gehen wir noch zu der umzäunten und wissenschaftlich untersuchten Ausgrabung der alten Reste des Still Houses. Hier wurden die Stills direkt befeuert.

Fazit

Neben den Lichtspielen in der Produktionshalle fand ich vor allem die Holz- und Schmiedeeisenarbeiten sehr auffällig und beeindruckend. Dafür wurden regionale Handwerksbetriebe engagiert. Einen Besuch von Annandale kann ich jedem nur empfehlen, und wer Hunger oder Durst mitbringt kann sich hier auch wunderbar stärken. Der Ausflug in die Lowlands hat sich für mich bereits gelohnt, aber das war erst der Anfang.

Die anderen Stationen meiner Reise (SRT17 = Schottland RoadTrip 2017) findet Ihr hier: Schottland Roadtrip 2017 – 20 Destillerietouren in 14 Tagen.

Alle Bilder meines Besuchs

SRT17 - Annandale Distillery

Mein Besuch bei Annandale auf meinem Schottland Roadtrip 2017
Annandale - Verschlossenes Tor
Annandale Welcome Fässer
Annandale mit aufwändigem Tor
Der Innenhof von Annandale
Annandale - Cafe und Visitor Center
Annandale - Kuchenauswahl
Annandale - De-Stoner
Annandale - Mühle
Annandale - Blick in die Produktionshalle
Annandale - Wassertank
Annandale - Blick in die Mash Tun
Annandale - Still House Impressionen
Annandale - Wash Still
Annandale - Spirit Stills und Spirit Safe
Annandale - Blick auf die Washbacks
Annandale - Spirit Safe
Annandale - Still House Impressionen II
Annandale - das alte Still House
Annandale - Lagerhaus
Annandale - Lagerhäuser
Annandale Distillery