Whisky-Wissen für Einsteiger

In letzter Zeit bin ich häufiger darauf angesprochen worden, welche Whiskys ich empfehlen kann, was man alles so zum Whiskytrinken benötigt, wie ich ein Tasting vorbereite und durchführe und schließlich, was denn ein Single Malt Whisky überhaupt ist. Den Artikel habe ich schon lange geplant – jetzt ist es Zeit dafür!

Hier findet Ihr typische Fragen und ein paar Antworten darauf. Wichtig ist mir: das sind meine Erfahrungen und meine Meinung. Bei Whisky geht es hauptsächlich um Geschmack und Erfahrung, und da sind wir alle sehr unterschiedlich. Ich probiere aber gerne aus und versuche so meinen Erfahrungsschatz zu erweitern und das Gleiche kann ich Euch auch nur empfehlen. Probiert aus und verfolgt die Dinge, die funktioniert haben, weiter.

Was ist Whisky?

Für die Bezeichnung Whisky gibt es gesetzliche Regelungen. Wenn ich auf meinem Blog von Whisky schreibe, dann meine ich in der Regel schottischen Whisky (Scotch Whisky). Dieser muss nach der Scotch Whisky Regulation unter anderem folgende Regeln einhalten:

  • Scotch Whisky darf nur in schottischen Destillerien hergestellt werden
  • Scotch Whisky darf nur aus Wasser und gemälzter Gerste (und je nach Art weiteren Getreidesorten) hergestellt werden
  • Der Rohbrand darf mit maximal 94,8% Alkoholgehalt destilliert sein
  • Scotch Whisky darf ausschließlich in Schottland für mindestens drei Jahre in Eichenfässern mit einer Größe von maximal 700 Litern lagern
  • Die Abfüllung muss in Schottland erfolgen (ein exportiertes Fass darf zwar in einem anderen Land abgefüllt werden, aber nicht als Scotch Whisky!)
  • Es sind keine Zusätze außer Wasser und Zuckerkulör erlaubt
  • Scotch Whisky muss mindestens 40% bei der Abfüllung haben

Mit einfachen Worten ist es ein Getreidedestillat, das mindestens drei Jahre im Eichenfass gelagert und mit mindestens 40% abgefüllt werden muss.

Malzböden

Malting Floor

Bei der Herstellung kommen dann Fachbegriffe wie Malting Floor (Därrboden), Mashtun (Maischebottich), Washback (Gärbottich), Potstill (Brennblase) oder LPA (Liter purer Alkohol) ins Spiel. Einige davon verwende ich hier ohne diese jedes Mal zu erklären und auch gerne in Englisch.

Laphroaig Distillery - Im Kiln

Kiln

Ardmore Distillery  - Mash Tun

Mashtun

Ardmore Distillery Wash Back

Washback

Ardmore Distillery - Stills

Potstill

Ardmore Distillery - Warehouse 3

Lagerhaus

Es gibt einige gute Artikel über die Herstellung von Whisky, die Ihr Euch bei Interesse durchlesen solltet:

Was unterscheidet Whisky vom Whiskey?

Das hat sich traditionell in einigen Ländern unterschiedlich entwickelt. Bei Whiskey (mit „e“) denke ich in der Regel an amerikanischen oder irischen Whiskey. Bei Whisky gehe ich in der Regel von Scotch Whisky aus. Bei amerikanischem und irischem Whisky gelten andere Regeln als beim schottischen Whisky und das wirkt sich auf den Geschmack aus. Ich mache es mir hier leicht und gehe nur auf die typischen Unterschiede kurz ein, die den späteren Geschmack betreffen.

Amerikanischer Whiskey kann aus den unterschiedlichsten Getreidesorten gewonnen werden. Häufig werden für die Herstellung verschiedene Getreidesorten gemischt und meist gibt es nur eine Festlegung, wie viel von einer Sorte mindestens enthalten sein müssen. Neben dem typischen Bourbon (>51% Mais) gibt es auch wieder mehr Rye (>51% Roggen). Die amerikanischen Vorschriften schreiben eine Lagerung in frischen Eichenfässern und für Straight Bourbon eine minimale Lagerzeit von zwei Jahren vor. Bourbon ist meist deutlich süßer und vanilliger als Scotch Whisky. Die Schotten freuen sich übrigens über die gebrauchten Bourbonfässer.

Irischer Whiskey besteht meist aus gemälzter und ungemälzter Gerste und wird dreifach destilliert. Irischer Whiskey muss ebenfalls mindestens drei Jahre im Eichenfass reifen (dreijährige Holzfassreifung gilt in der gesamten europäischen Union). Durch die dreifache Destillation gehen Aromen verloren und der Whiskey ist meist milder als Scotch Whisky.

Wer jetzt noch ein wenig tiefer einsteigen möchte und nach ein paar einprägsamen Bildern sucht, findet hier bei EyeForSpirits etwas passendes.

Was bedeutet Single Malt?

Es gibt verschiedene Arten von Scotch Whisky. Der hochwertigste Whisky ist in meinen Augen der Single Malt. Auch diese Bezeichnung ist in der Scotch Whisky Regulation geregelt:

  • Der Scotch Whisky darf nur aus einer Brennerei stammen
  • Nur aus Wasser und gemälzter Gerste (mit Hefe) hergestellt werden (und kein anderes Getreide enthalten)
  • Muss ausschließlich in Potstills gebrannt werden

Werden Single Malts aus verschiedenen Destillerien miteinander vermischt, entsteht daraus ein Blended Malt (früher Vatted Malt). Werden darüber hinaus auch noch Grain Whiskys dazu gemischt, spricht man vom Blended Whisky. Grain Whiskys werden in der Regel nicht in Potstills hergestellt, sondern in einem „kontinuierlichen“ Verfahren und bestehen aus anderen Getreidesorten. Das „Blending“ ist eine Kunst für sich und man benötigt eine sehr gute Nase und viel Erfahrung, um einen guten Blend herzustellen.

Auch Single Malts werden aus einer Mischung aus verschiedenen Fässern hergestellt, damit wir Konsumenten ein möglichst gleichbleibendes Produkt kaufen können. Single Malt sind die Scotch Whiskys, auf die ich mich hier in diesem Blog am meisten konzentriere. Warum? Weil es für mich geschmacklich und aromen-technisch die spannendste Whisky-Kategorie ist. Und bei über 100 Destillerien mit vielen verschiedenen Abfüllungen gibt es genug zu entdecken.

Welche Informationen finde ich auf dem Etikett?

Neben den allgemeinen gesetzlichen Vorschriften wie Flascheninhalt und Hersteller findet Ihr unter anderem die Alkoholstärke (mindestens 40%) auf dem Etikett. Je mehr Alkoholstärke, desto teurer aber auch hochwertiger. Beliebt waren lange Zeit eine Trinkstärke von 43% aber auch 46%. Bei 40% handelt es sich häufig um günstige Einsteigerwhiskys oder solche, die unbedingt ein wenig günstiger auf dem Markt auftreten müssen. Bei 43% fängt es an, dass man auch mit Wasserzusatz „arbeiten“ kann (dazu später mehr). Ab 46% flockt der Whisky nicht mehr bei Kälte und wurde deshalb vor allem für den Export nach Amerika eingeführt. Das ist meine bevorzugte Stärke. Sind mehr als 46% angegeben, handelt es sich meist um Fassstärke Whiskys, d.h. es wurde kein zusätzliches Wasser hinzugefügt. Dann steht aber auch meist Cask Strength auf dem Etikett.

Das Etikett vom "Livet"
Das Etikett vom „Livet“

Das Alter meint die Lagerung im Fass. In der Flasche reift Whisky nicht mehr. 16 years auf der Flasche bedeutet, dass der jüngste Whisky für mindestens 16 Jahre im Fass lagern durfte. In der Regel werden aber auch ältere Fässer in der Mischung enthalten sein, damit unser Geschmack getroffen wird. Meist werden auch verschiedene Fassarten (ex-Bourbon und ex-Sherry Fässer) gemischt. Auf Single Cask Abfüllungen stehen meist sogar das Datum der Destillation und der Abfüllung drauf. Lange hat man den Konsumenten erklärt, dass älterer Whisky der bessere und hochwertigere Whisky ist. Nun gibt es seit ein paar Jahren einen Gegentrend: sogenannte NAS (no age specification), d.h. Whisky ohne Altersangabe ist immer öfter anzutreffen und manchmal zu horrenden Preisen. NAS muss nicht schlecht sein, und bei jeder Destillerie gibt es nach meiner Erfahrung ein „bestes Alter“ beim Whisky. Der Älteste muss nicht immer der Beste sein.

Neben dem Namen der Destillerie, in der Single Malt Scotch Whisky hergestellt wurde, tauchen bei besonderen Whiskys auch Zusätze wie Non Chill-Filtered oder No Chill-Filtration auf. Dies bedeutet, dass vor dem Abfüllen in die Flaschen nur grobe Partikel herausgefiltert wurden, aber feine „Schmutzpartikel“ im Whisky verblieben sind. Diese Whiskys haben dadurch mehr Aroma, denn diese Partikel sind Aromenträger. Meist wird dann mit 46% oder mehr abgefüllt, denn sonst würden diese Partikel zum oben beschriebenen Ausflocken führen. Der Whisky wird sonst milchig.

Der Zusatz von Zuckerkulör ist grundsätzlich erlaubt. Für die Puristen ist deshalb auch No Colour Added (oder ähnlich) ein wichtiger Hinweis auf dem Label. Zuckerkulör wird verwendet, damit der Whisky dunkler wird und damit hochwertiger erscheint. Auch zum Angleichen der Produkte, damit jede Charge die gleiche Farbe hat, wird der Zusatz verwendet.

Will man einen unverfälschten Whisky, so wie er im Fass war, dann sollte Single Cask auf dem Etikett stehen. Noch besser auch noch Cask Strength (oder eine dem Alter entsprechende Rest-Alkoholstärke).

Für die fortgeschrittenen Whisky-Liebhaber empfehle ich  Single Cask, Cask Strength Abfüllungen ohne Chill-Filtration und ohne Zusatz von Zuckerkulör. Authentischer geht es nicht. Findet man eine solche Abfüllung direkt von der Destillerie, ist davon auszugehen, dass diese die typischen Aromen widerspiegelt. Nimmt man die von einem unabhängigen Abfüller, dann kann es auch sein, dass der Single Malt ganz anders als gewohnt schmeckt und riecht. Dies liegt daran, dass jedes Fass dem Whisky etwas andere Aromen „mitgibt“. Bei vielen Destillerien bekommt man ein solches hochwertiges Produkt nur von unabhängigen Abfüllern, denn diese Produkte sind Kleinstauflagen mit 70-300 Flaschen. In der Regel einzeln nummeriert und mit der Fassnummer versehen. Werden wenige spezielle Fässer gemischt, dann geschieht dies meist in sogenannten Batches oder Tuns. Daraus werden dann meist tausende Flaschen abgefüllt. Jedes Batch/Tun wird sich aber von dem Vorgänger unterscheiden.

Wo kaufe ich ein? Und welchen Whisky wähle ich?

Wie so oft: Das kommt ganz darauf an. Nach Möglichkeit solltet Ihr vorher probieren, bevor Ihr Euch eine große Flasche kauft. Dafür gibt es viele Möglichkeiten:

  • Bei Freunden probieren
  • Im Fachhandel
  • In einer Bar
  • Eine sogenannte Flaschenteilung (z.B. in Facebook-Gruppen oder mit Freunden)
  • Einen Mini (0,05 Liter), falls es den gibt
  • An einem Tasting teilnehmen

Ich kaufe nur noch selten sogenannte „Standardabfüllungen“. Standardabfüllungen sind die, die Ihr regelmäßig aus der jeweiligen Destillerie bekommen könnt. Meist sind diese Abfüllungen durch Ihr Alter (im Fass) zu unterscheiden: 10, 12, 15, 16, 18, 20, etc. Jahre (ich schreibe meist yo für years old). Wenn Ihr einen Whisky gefunden habt, der Euch gut gefällt, dann probiert auch andere Abfüllungen aus derselben Destillerie (also ältere oder Sonderabfüllungen). Es gibt auch ähnliche Whiskys, d.h. torfige Islay-Whiskys oder sherry-lastige Speyside-Whiskys. Aber das klappt nicht immer, denn nicht alle Islay-Whiskys sind torfig. Wenn Ihr aber einen Whisky gefunden habt, der Euch gefällt, dann fragt einen Freund oder einen Händler, ob er Euch einen ähnlichen Whisky empfehlen kann.

Ja, ich kaufe auch Online, aber nur aus Bequemlichkeit. Aber meist bei kleinen Händlern, die auch ein Fachgeschäft führen. Manche Spezialabfüllungen bekommt man nur vor Ort in der Destillerie. Manche nur Online in den Shops der Produzenten. Unterstüzt die kleinen, lokalen Fachhändler nach Möglichkeit, dann kommt Ihr vielleicht auch an Spezialabfüllungen, die schnell vergriffen sind.

Wie lagere ich Whisky richtig? Und wie lange?

Stehend, denn die Alkoholstärke von 40% und mehr frisst den Kork auf Dauer auf. Und idealerweise dunkel. Dafür gibt es die Umverpackungen. Und die dunklen Flaschen. Ob der Whisky im Licht geschmacklich oder farblich leidet, ist mir aber nicht bekannt. Bei den geöffneten Flaschen verhält sich das ein wenig anders. Je mehr Luft in der Flasche vorhanden ist und je länger die Flasche geöffnet ist, desto mehr werden Aromen ‚verfliegen‘. Auch dafür gibt es den ein oder anderen Trick wie z.B. Auffüllen mit „Glasperlen“ oder Umfüllen in kleinere Flaschen mit Schraubverschluss (trotzdem stehend). Je nachdem wie oft Ihr die Flasche öffnet und somit „frische Luft“ an das Destillat lasst, findet ein Aromenaustausch statt. Ein halbes Jahr ist kein Problem, aber innerhalb eines Jahres sollte die geöffnete Flasche leer sein. Hebt Euch ein Vergleichssample auf (kleine Flaschen!), wenn Ihr Euch nicht trennen wollt. Oder ladet ein paar Freunde ein. Auch tauschen von kleinen Proben unter Freunden und Bekannten ist sehr beliebt.

Wie verkoste ich Whisky?

Genießen solltet Ihr den Whisky so wie er Euch am besten schmeckt. Das kann von Tag zu Tag anders sein. Ihr müsst Euch an keine Rituale halten. Aber Ihr solltet immer darüber nachdenken, was Ihr da gerade im Glas habt. Ein Whisky der viele Jahre im Fass geschlummert hat und dann in eine verkorkte Flasche gefüllt wurde, will atmen. Gebt ihm Zeit sich Euch angemessen zu präsentieren. Vor allem, wenn Ihr den Whisky das erste Mal probiert, solltet Ihr Euch ein wenig mehr Zeit lassen.

Glenmorangie Tùsail
Tasting: Glenmorangie Tùsail

Worauf solltet Ihr beim Riechen achten? Zum einen braucht der Whisky Sauerstoff. Das klappt am besten mit einem geeigneten Glas, das Euch die Möglichkeit gibt, den Whisky über die Glaswand zu verteilen und dann daran zu riechen (Nosing). Über das richtige Glas gibt es immer wieder kontroverse Diskussionen. Aber auch hier: probiert es aus. Ich rate Euch von sogenannten „Tumblern“ ab, wenn es ums Riechen und Finden von Aromen geht. Dafür besser geeignet sind diverse Nosinggläser. Zwei Standardgläser, mit denen Ihr anfangen könnt sind das Glencairnglas und das (große) Classic Malts Glas oder noch besser das Glenmorangie Glas mit Deckel. Der Deckel, ein Uhrglas oder einfach nur ein Blatt Papier helfen dabei, das Aroma im Glas zu behalten. Zu kleine Gläser geben zu wenig Raum „zum Atmen“. Bei zu großen Gläsern verfliegen die Aromen zu schnell (z.B. Cognacschwenker).

Ferner sollte der Whisky Handwärme haben. Dabei entwickeln sich die Aromen am besten. Mit dem richtigen Glas klappt das automatisch. Manche Profis umschließen das gesamte Glas mit den Händen, bis es warm genug ist, bei anderen ist das Berühren der oberen Glasteile unter Todesstrafe gestellt (siehe Richard Paterson: „I’ll kill you.“ ;-)). Das Glas immer wieder mal schwenken und den Whisky über die Glaswand verteilen. Manche Gläser kann man auf den Tisch legen und rollen (ohne Whisky zu verschütten). Deckel drauf. Warten. Riechen. Wiederholen. Achtung beim Riechen: Verätzungsgefahr! Die Nase vorsichtig in das Glas stecken oder nur drüber halten. Beide Nasenlöcher einzeln probieren (eines klappt meist besser). Zwischendurch mal wieder „neutralisieren“ (das kann man z.B. mit Kaffee oder der Handrückseite machen).

Das Nosing kann man beliebig lange machen, bis der Whisky dann verraucht ist. Also auch mal probieren (Tasting). Der Whisky sollte eine gewisse Zeit im Mund bleiben, bevor Ihr ihn herunterschluckt. Manche sagen für jedes Jahr im Fass eine Sekunde im Mund. Ausprobieren! Nach dem Schluck aus dem Glas, den Kopf nach vorne neigen und durch leicht geöffnete Lippen ein wenig Sauerstoff einsaugen. Den Whisky oberhalb und unterhalb der Zunge bewegen. Evtl. auch über die Nase zusätzlich Sauerstoff ansaugen. Da die Nase deutlich besser Aromen unterscheiden kann, hilft sie Euch beim Identifizieren dieser. Und dann Schlucken. Achtet auch hier auf Aromen und versucht sie für Euch zu benennen. Vorsicht beim „was schmeckst Du bei dem Whisky“! Jeder hat eine andere Vergleichsbasis. Sich mit anderen auszutauschen hilft dabei, die Aromen besser benennen zu können. Aber, selbst aus der selben Flasche in gleiche Gläser ausgeschenkt, kann der Whisky unterschiedliche Aromen freigeben! Ihr glaubt mir nicht? Dann macht die Prozedur mal mit Freunden und riecht an deren Gläsern (Cross-Nosing). Es würde mich sehr wundern, wenn die alle exakt gleich riechen!

Mit ein paar Tropfen Wasser (je nach Alkoholstärke, ab 43% meist problemlos möglich) entwickelt der Whisky sich meist weiter. Es werden sogenannte „Estherbrücken“ aufgebrochen und so werden neue Aromen freigesetzt. Für ein reines Nosing (ohne Tasting) kann man den Whisky auch 1:1 mit Wasser verdünnen. Das möchte ich aber dann auch nicht mehr Trinken. Versucht Euch einfach mal mit den „Wasserspielen“.

Eis mache ich mir nie in einen guten Whisky, bei dem ich mich an die Aromen herantasten möchte, denn dazu braucht er Handwärme und keine Kälte. Ich habe aber auch schon Whisky-Mixgetränke mit Eis getrunken und war positiv davon überrascht. Das ist dann aber ein Sommergetränk, und ob man dafür seinen guten Single Malt opfern möchte, muss jeder selbst wissen.

Bei einem Tasting werden in der Regel vier bis sieben Whiskys hintereinander verkostet. Meist fängt man mit leichteren Whiskys an und kommt gegen Ende zu den rauchigen und torfigen Kandidaten.

Warum trinke ich Whisky?

Ich bin Aromenjäger und Genussmensch. Das ist für mich das richtige Getränk, um „runterzukommen“. Entschleunigen. Ich lasse mir mit einem Glas Whisky viel Zeit. Manchmal rieche ich ein bis zwei Stunden an einem Glas. Das ist kein Getränk, um sich „abzuschießen“. Mein „Aha-Erlebnis“ mit Whisky hatte ich auf einem Tasting, bei dem mir Ernst Vollmer seine Wasserspiele näher gebracht hat, und ich gemerkt habe, dass sich der Whisky in meinem Glas die ganze Zeit verändert und mir immer neue Aromen preisgibt. Das klappt nicht mit allen Whiskys gleich gut, aber manche komplexe Abfüllungen können das über eine lange Zeit.

Welches ist mein Lieblingswhisky?

Das ist ganz unterschiedlich. Das kommt nicht nur auf die Jahreszeit an, sondern auch auf die Tagesverfassung. Ich habe meinen Geschmack auch über die Jahre verändert und das wird vermutlich auch so weiter gehen. Es gibt viele Destillerien mit interessanten Whiskys, aber zu meinen derzeitigen Lieblingen gehören die Folgenden:

  • Islay: Ardbeg (u.a. Corryvreckan), Lagavulin und Laphroaig (u.a. An Cuan Mor)
  • Speyside: Glenlivet (Nadurra), Speyside (Bein Dubh), BenRiach, Dailuaine, Aberlour (u.a. a’bunadh)
  • Highland: Highland Park (18), Glenmorangie

(Auf der rechten Seite im Browser findet Ihr viele Stichwörter unter anderem auch von diesen Destillerien. Wenn Ihr darauf klickt findet Ihr Artikel dazu.)

Wo kann ich mich weiter informieren?

  • Whiskyblogs
    Es gibt viele Blogs, die meisten davon englisch-sprachig. Einige Deutsche findet Ihr auf meinen Linkseiten. Eine Liste mit vielen Blogs findet Ihr bei Whiskyphiles (Top 200).
  • Facebook-Gruppen
    Es gibt eine ganze Reihe von Facebook-Gruppen, in denen Ihr Euch über Whisky austauschen könnt. Eine, in der auch sehr viele Flaschenteilungen angeboten werden, ist die Gruppe Whisky.de.
  • Videos und TV-Reportagen
    Sowohl auf YouTube als auch auf vielen Webseiten gibt es diverse Videos zur Herstellung, zum Nosing und Tasting usw. Manche „Originale“ (z.B. Richard Paterson, David Stewart) sind darunter. Auch im Fernsehen gibt es immer wieder Reportagen über Schottland und seinen Whisky. Viele schwören auch auf Verkostungsvideos. Zwei Klassiker sind Horst Lünings Video Blog (Whisky.de) und Ralfy’s Videoblog (YouTube). Mein Lieblingsfilm ist Flüssiges Gold.
  • Tastings
    Whiskyfachgeschäfte oder Volkshochschule (VHS). Whiskymesse oder Freundeskreis. Es gibt viele Orte und Möglichkeiten an einem Tasting teilzunehmen. Meist habt ihr nur wenig Zeit und könnt dabei den Whisky nicht so (in Ruhe) genießen, wie Ihr das vielleicht wollt. Ich nehme mir deshalb immer kleine Fläschchen mit, um mir den einen oder anderen für später aufzuheben. Bei einem Tasting lernt man meist viele neue Abfüllungen kennen und bekommt so eine Idee, wo man mal weiterforschen kann.
  • Fachgeschäft
    Manche Fachgeschäfte haben offene Flaschen und lassen Euch probieren. Das hilft, um im direkten Gespräch die richtige Richtung zu finden und sich weiterhelfen zu lassen. Die meisten Fachhändler sind das aus Leidenschaft.
  • Whiskymessen und -festivals
    Nicht nur in Deutschland, auch International gibt es viele Whiskymessen. Bei deutschen Messen zahlt man in der Regel Eintritt und bekommt dafür ein Nosingglas. An jedem Stand bezahlt man dann für die Probe einen kleinen Probierpreis. Auch hier nehme ich gerne ein paar kleine Flaschen mit und fülle mir den einen oder anderen Tropfen ab. In Schottland gibt es darüber hinaus auch noch ein paar regionale Festivals. U.a. das Spirit of Speyside Festival (Reisebericht 2015) und das Feis Ile auf Islay (Reisebericht 2015). Termine findet Ihr auf meiner Eventseite.
  • Bücher und Zeitschriften
    Es gibt viele Bücher über Whisky. Auch gibt es viele „Experten“, die Whiskys bewerten und dies jedes Jahr mit einem neuen Buch tun müssen. Das kann Euch helfen, mir hat es nicht geholfen. Spannender finde ich Bücher über die guten alten Tage. Mein Lieblingsbuch: „Wort, Worms & Washbacks“ von John McDougal und Gavin D. Smith. Und auch das Malt Whisky Yearbook von Ingvar Ronde kaufe ich mir seit Jahren. Auf Deutsch gibt es u.a. den kostenlosen Whisky Herald und den „Der Whisky Botschafter“. Ich habe auch das englische Whisky Magazine (per App) abonniert. Bei den kostenlosen Varianten sind auch noch das Whisky-Buch von Whisky.de, die eBooks von whic und die eBooks und Downloads von Eye for Spirits zu erwähnen.
  • Virtuelle Destillerientour
    Seit letztem Jahr kann man einige Destillerien via Google (Maps) auch betreten. U.a. geht das bei einigen Diageo Destillerien, aber auch andere sind schon darunter. Wer also noch nie eine Destillerie von innen gesehen hat, hat hier die Möglichkeit dazu. Wer das mit Erklärung haben möchte, sollte aber lieber die „virtuelle“ (Video-)Tour mit John Campbell durch Laphroaig machen.

Ich hoffe, ich konnte Euch ein paar Tipps geben, die Ihr noch nicht kanntet. Ich habe mich auch ein wenig umgehört, was anderen geholfen hat und das mit eingearbeitet. Wenn Ihr noch weitere Tipps und Ratschläge habt, gerne als Kommentar direkt an diesen Artikel oder per Mail an mich. Und jetzt: viel Vergnügen beim Ausprobieren und Informationen sammeln!