Whiskyversand aus UK – ein Selbstversuch nach dem Brexit

Seitdem mit dem Brexit nun zum Jahreswechsel 2020/2021 auch neue Regelungen bezüglich Steuern und Zoll in Kraft getreten sind, muss man vorher überlegen, ob und bei wem man noch direkt in UK kaufen möchte. Ich war zwar vorgewarnt, aber ich wollte es selber ausprobieren und teile meine Erfahrungen mit Dir und gebe Tipps, worauf Du Dich beim Whiskyversand aus UK einstellen musst.

Im Überblick – Zoll und Abwicklung

ACHTUNG! Dieser Beitrag stellt keine Rechtsberatung oder zollrechtliche Auskunft dar, sondern soll Dir nur meine Erfahrungen näher bringen!

Vor einer Bestellung habe ich mich über die Abwicklung beim Zoll informiert. Hier findet man zum Thema Postsendungen aus Drittländern:

  • Warenwert bis 22 Euro:
    Hier fallen kein Zoll und keine Einfuhrumsatzsteuer an. Die Verbrauchsteuern, wie zum Beispiel für Alkohol oder Tabak, werden erhoben.
  • Warenwert über 22 Euro bis 150 Euro:
    Die Einfuhrumsatzsteuer in Höhe von 19 % oder 7 % und gegebenenfalls Verbrauchsteuern werden erhoben.
  • Warenwert über 150 Euro:
    Neben der Einfuhrumsatzsteuer fallen auch der warenabhängige Zoll und gegebenenfalls die Verbrauchsteuern an.
Einfuhrabgaben - Regelfall - Whiskyversand aus UK
(c) Zoll.de

Quelle: Der Internethandel boomt: So kommt Ihr Paket durch den Zoll und Internetbestellungen

Update, 09.03.2021: ACHTUNG! Ab dem 01.07.2021 gibt es neue Regeln. Unter anderem fällt die 22.- Euro Grenze weg und es gibt ein neues Verfahren für die Zollanmeldung (IOSS). Hier erfährst Du mehr: Zoll Online – Neuerungen eCommerce. Hier ein Ausschnitt für Drittländer.

Das ändert sich bei Sendungen aus Nicht-EU-Ländern ab dem 1. Juli 2021:

Abschaffung der Befreiung von der Einfuhrumsatzsteuer für Waren in Kleinsendungen mit einem Wert bis zu 22 Euro 

Verpflichtung zur Abgabe elektronischer Zollanmeldungen

Einführung einer Einfuhrregelung für Fernverkäufe von aus Drittgebieten oder Drittländern eingeführten Gegenständen in Sendungen mit einem Sachwert von höchstens 150 Euro an Endkunden (Privatpersonen) in der EU (Import One Stop Shop – IOSS)

Schaffung einer (optionalen) Sonderregelung für die Erklärung und Entrichtung der Mehrwertsteuer (MwSt) bei der Einfuhr (Special Arrangement) ebenfalls für Sendungen mit einem Sachwert bis 150 Euro, bei denen der IOSS nicht genutzt wird: Die Einfuhrumsatzsteuer für die Einfuhren eines Monats wird dabei durch die Beförderer (Post- bzw. Expresskurierdienstleister) von den Sendungsempfängern vereinnahmt und im Folgemonat gesammelt an die Zollverwaltung entrichtet

Zollanmeldungen für Sendungen bis zu einem Wert von 150 Euro oder 45 Euro bei Geschenken können nur in dem Bestimmungsland abgegeben werden, wenn nicht das IOSS-Verfahren genutzt wird

Was ändert sich bei Sendungen aus Nicht-EU-Ländern ab dem 1. Juli 2021?Zoll Online

Was genau bedeutet das bei Whiskyversand aus UK?

Nun, egal ob von Privatperson an Privatperson oder von Unternehmen an Käufer wird eine solche Sendung mit Alkohol als Internetbestellung behandelt. Damit fallen bis zu einem Gesamtwert (inkl. Versand!) von 22.- EUR nur die Alkoholsteuer (sh. Branntweinsteuer) als Verbrauchssteuer von ca. 3,65 EUR (0.7 Liter mit 40%) – 5,66 EUR (0.7 Liter mit 62%) an. Da Du aber sicher keine 0.7 Liter Flasche Whisky für 22.- EUR inklusive Versand bestellst, sind wir wohl eher in der Kategorie über 22.- und da fallen dann auf den Gesamtwert zusätzlich 19% Einfuhrumsatzsteuer an.

Update: Bei einem Gesamtwert über 150.- EUR fallen dann zusätzlich auch noch Zölle an. Wie hoch die sind, konnte ich noch nicht herausfinden. Anfrage beim Zoll läuft. Auf Scotch Single Malt Whisky fällt kein Zoll an TARIC-Massnahmen. Bei Bourbon aus den USA sind es hingegen 25%! (Danke Henryk!)

Die Berechnung der Alkoholsteuer kannst Du hier genauer nachlesen: Wie hoch ist die Steuer und wie wird sie berechnet? Berechnung der Alkoholsteuer aus dem Beispiel:

  • 40% / 0.7 Liter: 1.303,- EUR * 0,4 * 0,007 = 3,65 EUR
  • 62% / 0.7 Liter: 1.303,- EUR * 0,62 * 0,007 = 5,66 EUR

Erfahrungen und verschiedene Möglichkeiten für den Whiskyversand aus UK

Beispiel 1 – Bestellung im Wemyss Shop

Wemyss hat im Onlineshop keinen Hinweis darauf, wie die Abwicklung genau erfolgt, sondern nur einen Hinweis eingefügt, dass zusätzliche Abgaben anfallen können. Ich habe nachgefragt und eine sehr genaue und detaillierte Antwort bekommen, die auch so eingetreten ist. In der Zwischenzeit sind die Angaben etwas detaillierter und auch die lange Lieferzeit speziell nach Deutschland wird erwähnt.

Brexit - lange Bearbeitungsdauer beim Zoll

Im Shop habe ich die englische VAT mitbezahlt, diese wurde mir aber nachträglich erstattet. Da ich das vorab schriftlich per E-Mail bestätigt bekommen habe, konnte ich damit leben. Als korrekte Shop-Abwicklung würde ich das aber nicht ansehen. Da wird sicher noch nachgebessert.

Die genauen Kosten waren in dem Fall 149.95 GBP + 14.- GBP Versand abzüglich der 24.99 GBP UK VAT also 138,96 GBP – ca. 160.- EUR. Branntweinsteuer und Einfuhrumsatzsteuer waren schon klar, aber wie wird das Paket zollrechtlich behandelt und was / wer kommt jetzt auf mich zu? Erstmal ist das Paket aus der Sendungsverfolgung verschollen. Nachdem es am 02.02.2021 East Midlands verlassen hat, war es bis zum 19.02.2021 nicht in der Sendungsverfolgung. Da wurde dann auch die Zollquittung vom 03.02.2021 sichtbar. Mein Paket war also „nur“ beim deutschen Zoll verschollen. Warum? Keine Ahnung, denn es hat niemand mit mir Kontakt aufgenommen. Am 20.02.2021 hat ein DHL Express Bote das Paket bei mir abgegeben.

Und die Steuern? Die hat DHL Express für mich ausgelegt. Ich hatte gehört, dass diese erst bezahlt werden müssen, bevor das Paket zugestellt wird. Ich habe auch gehört, dass der DHL Bote an der Türe abkassieren wollte. Bei mir ist es einfach zugestellt worden. Einige Tage später kam dann eine Rechnung per Post. Neben der Einfuhrumsatzsteuer und der Alkoholsteuer, kein Zoll. Hmmm…. eigentlich über 150.- EUR. OK. Aber dafür hat DHL Express eine Handlingpauschale abkassiert.

Insgesamt kam mich die Flasche also:

  • 160.- EUR (Wemyss) +
  • 3,91 EUR (Alkoholsteuer) +
  • 27,55 EUR (Einfuhrumsatzsteuer) +
  • 14,88 EUR (Zollservice und Zusatzleistungen / Kapitalbereitstellungsprovision) =
  • 206,34 EUR (im Vergleich zu 164.- GBP / ca. 188,50 EUR ein Plus von 17,84.- EUR)

Im Großen und Ganzen ist also nur die Kapitalbereitstellungsprovision von DHL Express on top gekommen. Dass man diese nicht vorher konkret erfährt ist natürlich ärgerlich und sollte in der heutigen Zeit anders lösbar sein. Und dass die Handlingpauschale in etwa genau so teuer ist wie der gesamte Transport ist auch nicht glücklich. Und, hat es sich rentiert? Eigentlich nicht, denn wie der ein oder andere vermutet hat, war dies ein Untold Riches, der einige Tage nach meiner Bestellung auch in Deutschland erhältlich war – für Preise zwischen 169.- bis 179.- EUR (+Versand) – also in etwa zu dem UK Preis. Und die deutschen kamen auch früher an. Danke Zoll und DHL Express. Das war keine Glanzleistung.

Update: ich habe den Tipp bekommen, dass man diese Kapitalbereitstellungsprovision umgehen kann, indem man DHL Express eine Einzugsermächtigung ausstellt. Das hilft zwar nicht bei allen Logistikern, scheint aber zumindest bei DHL Express eine gute Lösung zu sein. (Danke Don!) – Ergänzung: das klappt nur für Gewerbekunden (juristische Personen oder Personengesellschaften), wie mir DHL geschrieben hat.

Beispiel 2 – Bestellung bei der SMWS

Die SMWS (wer sie nicht kennt: UA im Profil: The Scotch Malt Whisky Society (SMWS)) hatte bereits Ende letzten Jahres die Lieferungen an deutsche Mitglieder eingestellt, denn wie viele Shops in UK war man noch nicht auf die finalen Bestimmungen und Prozeduren eingestellt. Dann kam der Januar Outturn und für die europäischen Mitglieder gab es immer noch keine Lösung. Dafür gab es einen Monat Mitgliedschaft kostenlos und einige Flaschen wurden zurückgehalten. Diese wurden dann in einem Losverfahren interessierten Mitgliedern angeboten, als man eine Lösung für die Abwicklung hatte. Ich war erfolgreich und konnte drei Flaschen (telefonisch) bestellen. Angekommen sind diese bis heute nicht, denn die SMWS wickelt diese mit dem Februar Outturn zusammen ab – der war Anfang Februar. Das Prozedere ist aber anders als bei den „normalen Shops“. Die SMWS sammelt die Bestellungen pro Land, übergibt diese an Länder-Importeure und dann werden sie von da weiter versendet – ohne zusätzliche Kosten. Unter anderem hat die SMWS dafür wohl eine irische (und damit EU) Niederlassung genutzt, denn auf meiner Rechnung steht: „The Artisanal Spirits Company (Ireland) Limited“ mit Sitz in den Vaults in Edinburgh. Wann die Sendung ankommt? Keine Ahnung, aber sie kommen bestimmt an.

Beispiel 3 – Bestellung bei Laphroaig

Nur zwei Versuche wäre ja langweilig, darum habe ich auch noch bei Laphroaig im UK Shop bestellt. Bei Versandkosten von 6,06 EUR war ich mir ziemlich sicher, dass die Ware direkt aus Deutschland versendet wird. Und so war es auch. Es gab zwar keinen Hinweis darauf (weder positiv noch negativ), aber die Ware war innerhalb weniger Tage bei mir. Vorbildlich! Es geht doch. Wurde aber nicht aus UK versendet. Ganz im Gegenteil, denn für einige Zeit wurden alle Bestellungen (auch die für UK) aus Deutschland verschickt.

Beispiel 4 – Samples von einer Destillerie als Geschenksendung (Drittland)

Bereits im Januar hatte ich einen Kontakt mit der Zollabwicklung von DHL Express (Leipzig). Ich sollte Angaben zu einer Geschenksendung machen. Worum es sich handelt und von wem, hat man mir vorsichtshalber nicht mitgeteilt. Nach einem Anruf war klar, worum es sich handelt: eine Destillerie aus einem Drittland hat mir etwas geschickt und als „Geschenk“ deklariert. Das hat dem Zoll nicht ausgereicht und er wollte von DHL und die von mir mehr Informationen dazu. Nun ich weiß nicht wie es Dir so geht, aber wenn mir jemand ein Geschenk sendet, weiß ich in der Regel nicht, was darin enthalten ist. Aber so scheint das allgemeine Prozedere zu sein und nachdem ich alle Informationen eingesammelt und beigesteuert habe, musste ich auch noch eine EORI Nummer beim Zoll beantragen. Denn wir oben bereits ausgeführt wird eine solche Sendung als Internetsendung behandelt und muss die entsprechenden Zollpapiere enthalten. Dieses Prozedere hat sich auch unglücklich in die Länge gezogen und ca. 14 Tage extra gekostet. Zugestellt wurde mir das Paket dann (nach freundlicher Beschwerde) umgehend nach finaler Klärung der Details. Auch hier ohne vorherige Bezahlung und bis heute habe ich dazu auch noch keine Rechnung erhalten. Ob die noch kommt? Ich weiß es nicht.

Die Damen und Herren von der Zollabfertigung DHL Hub Leipzig waren am Telefon auf jeden Fall sehr freundlich und hilfsbereit. Das Paket ist mit 14 Tagen Verzögerung auch angekommen. Ich werde vermutlich mindestens Alkoholsteuer zahlen müssen und vermutlich auch die Abwicklungsgebühr. UK ist jetzt ebenfalls Drittland und das bedeutet, dass das Thema Sampleversand aus UK für mich erst mal nicht mehr interessant ist.

Fazit zum Thema Whiskyversand aus UK

Der deutsche Zoll und einige Logistikdienstleister scheinen aktuell (vor allem am Standort Kassel) mit solchen Sendungen komplett überfordert zu sein. Die zeitliche Verzögerung finde ich persönlich nicht schlimm, aber man muss sich darauf einstellen, dass es länger dauern kann. Viel ärgerlicher ist für mich, dass eine zusätzliche Gebühr von ca. 15.- EUR für die Zollabwicklung erhoben wird, obwohl alle Zollpapiere ausgefüllt waren und vorlagen. Vorbildlich hat sich Laphroaig auf das neue Prozedere eingestellt und versendet Waren nach Deutschland aus Deutschland. Auch bei der SMWS scheint man die Waren selber zu importieren und dann von Deutschland aus zu versenden. Das erspart den Käufern einiges an Ärger und zusätzlichen Kosten. Ich habe von einigen gehört, dass man Sendungen noch im Dezember zu alten Bedingungen bestellt hat und die jetzt erst ab Januar unter neuen Regeln verarbeitet wurden. Damit kommen da schnell mal ein paar Euro mehr zusammen. Einige Shops liefern noch nicht (wieder) nach Deutschland und viele machen noch keine genauen Angaben. Springbank hat dies schon lange mit einem eigenen Import über Cadenhead gelöst. Ich vermute, solche Szenarien werden jetzt auch für andere Destillerien und Hersteller interessant. Wie sich das mit den Online-Shops und Auktionshäusern entwickelt, steht aber auf einem anderen Blatt Papier. Mein Fazit: ich kaufe nur noch in Deutschland (oder Europa) und nur in Ausnahmefällen direkt in UK (z.B. bei der SMWS oder bei Springbank).