26. Blind Tasting Challenge – Sherry Reifung weltweit

Mit dem Fokus auf Sherry gab es schon ein paar Challenges. Aber dieses Mal habe ich den Schwierigkeitsgrad noch etwas gesteigert. Neben Land und Art der Reifung wollte ich auch noch die Sherrysorte wissen. Das ist schon anspruchsvoll, aber neun Kenner haben sich der Herausforderung gestellt und alles gegeben.

Wie funktioniert mein Blind Tasting?

Mindestens einer der Whiskys kommt aus Schottland. Und die anderen? Aus welchem Land kommen die drei und wie ist der Sherry in den Whisky gekommen – als Vollreifung oder als Finish? Dann wollte ich auch noch wissen, ob die Sherrysorte erkannt werden kann (Fino, Oloroso, PX, Amontillado, etc.). Erkennen sie die Unterschiede ? Alle drei Whiskys sind normal erhältlich. Mehr verrate ich aber nicht. Geschickt habe ich jedem je drei 5cl Sample, die mit Sample #1 – #3 nummeriert waren. Als Ergebnis wollte ich …

  • Aufgabe 1: Was hast Du im Glas (Typ, Stärke, Produkt. Sherrysorte und Reifung)?
  • Aufgabe 2: Welcher gefällt Dir am Besten?
  • Aufgabe 3: Aus welchem Land und aus welcher Destillerie kommen die Whiskys?

Dieses Projekt findet NICHT unter Laborbedingungen statt. Ich habe keine Gläser vorgegeben und auch sonst keine Vorgaben gemacht, WIE der/die Einzelne seinen Whisky zu verkosten hat.

Wer hat mitgemacht?

Die folgenden Blogger haben mitgemacht (in der Reihenfolge des Eingangs der Tasting Notes):

  • zwei weitere Teilnehmer haben es leider nicht rechtzeitig geschafft.

Auflösung – Welche Whiskys waren es?

Nur einer der drei ist aus Schottland. Angefangen habe ich mit einem irischen, dann geht es weiter mit israelischem Whisky und dann schließlich ein klassischer schottischer Vertreter für Sherry gelagerten Single Malt. Und diese drei waren es konkret:

  1. The Whistler, Bourbon / Oloroso Finish, irischer Blended Whiskey, ncf, nca, 43%, ca. 32.- EUR
  2. M&H Elements Sherry, Bourbon / PX / Oloroso, israelischer Whisky, ncf, nca, 46%, ca. 55.- EUR
  3. GlenDronach, Revival, 15yo, PX & Oloroso, nca, 46%, ca. 73.- EUR

ncf = no chill-filtration (keine Kältefiltration), nca = no color added (ohne Zusatz von Zuckerkulör), yo = years old (Altersangabe)

Alle drei unterscheiden sich bei der Herstellung. Beim Whistler wurde der New Make (35% irischer Malt und 65% Grain Whiskey separat) in 1st fill ex-Bourbon Fässer gefüllt und am Ende der Reifezeit (min. 4 Jahre) wurden diese für mindestens ein Jahr in Ex-Oloroso-Sherry-Fässer umgefüllt. Der Malt Anteil wurde dreifach destilliert. Mehr Infos auf der Boann Webseite.

Der M&H (Milk & Honey) Elements Sherry ist ein Single Malt aus Israel, der in drei verschiedenen Fasstypen (ex-Bourbon, ex-PX und ex-Oloroso) lagerte und dann vermählt wurde. Die Sherry Fässer wurden für M&H mit Oloroso und PX „seasoned“, d.h. für ein Jahr belegt. Die Fässer sind „kosher“. Das Besondere bei M&H sind die extremen Temperaturschwankungen die zu einem sehr hohen Angel Share führen und den Whisky schneller reifen lassen.

GlenDronach ist bekannt und beliebt für seine Sherry-gelagerten Whiskys. Beim Revival wurden ex-PX und ex-Oloroso gelagerter Whisky am Ende vermählt. Somit wurden beide über mindestens 15 Jahre in den ex-Sherryfässern gelagert.

Den M&H habe ich schon mal verkostet: Milk & Honey Elements Sherry und 2 Fassexperimente und vom Whistler habe ich schon mal die Cask Strength Abfüllung verkostet: The Whistler – Irischer Whiskey von Boann. Der Revival ist einer DER Sherry-Whiskys und wird von vielen als sehr gelungen beschrieben. Umso interessanter, ob ihn einer der Kollegen erkennt und wie er grundsätzlich angekommen ist. Er ist auch der einzige Schotte und mit Abstand der älteste Whisky der Sherry Challenge.

Und was meinten meine Kollegen, was sie im Glas hatten?

Das war dieses Mal gar nicht so einfach und die Meinungen, welche(r) denn schottische Whiskys sind drifteten weit auseinander. Aber zwei der drei wurden von je einem Teilnehmer erkannt. Mehr dazu findest Du bei den Einzelbewertungen.

Sherry Challenge - aus welchem Land kommen die Whisk(e)ys?

Wertung – welcher hat am Besten gefallen?

Die Details der Wertung findest Du bei den jeweiligen Proben. Hier nur noch die Zusammenfassung.

Favorit

Sherry Challenge - Welcher Whisk(e)y war der Favorit?

Wertung

Bewertet wurden die Proben nach folgendem einfachen Schema und rein auf Basis des persönlichen Geschmackes:

+gefällt mir, würde ich mir kaufen (für diesen Max-Betrag)
ook, muss ich aber nicht haben
trifft nicht meinen Geschmack
Sherry Challenge - Wertung: Würdest Du den kaufen?

Sample #1

Stärke und Produkt?

  • PS: Unglaublich spannendes Teil, der hat von allem etwas. Weil er so komplex und im besten Sinne „all over the place“ war, fand ich es super schwer ihn zuzuordnen. Auf Grund der Würzigkeit und nicht wirklich vorhandenen typischen schweren Sherry-Frucht würde ich sagen ist ein Manzanilla oder Fino. Außerdem auch keine Vollreifung, sondern eher ein Finish. Aroma und Farbe deuten schwer daraufhin. (Oder ein Re-Refill-Cask?) Mit der geschätzten ABV von 46%. Clynelish 1996 SV (20 Jahre). Eine spannende, durchgeknallte Achterbahnfahrt: +
  • AM: Single Malt, ist nicht übermäßig stark, würde um die 46% abv tippen. Sherry eher ein leichter Typ, Fino oder Manzanilla… oder ein sehr ausgelutschtes Faß. Ist auch nicht mehr ganz jung, würde sagen 12 Jahre. Da mir ein wenig die typischen Bourbonnoten fehlen, tippe ich auf Vollreifung. Destillerie würde ich in der Speyside verorten. Wertung: o.
  • AE: Ich finde das wahnsinnig schwierig. Ich glaube, dass wir es hier mit einem nicht mehr ganz jungen Tropfen zu tun haben, der seine komplette Reifezeit in einem minimum Second Fill Fass verbracht hat, vielleicht sogar Third oder Fourth Fill. Der Alkoholgehalt wird bei ca. 43% liegen. Ich tippe auf 18 Jahre im Oloroso-Fass. Land/Destillerie? Ich glaube, dass wir in Schottland sind und tippe auf Glenfarclas. Fazit: +
  • TW: Das könnte alles oder nichts sein. Ein solider easy to drink Whisky ohne Fehlnoten, dafür auch ohne Wiedererkennungswert. Beim Land tippe ich auf Schottland, könnte durchaus ein Blend sein zwischen 40 und 43% Vol.. Produkt: Nomad Blended Outland Whisky (also teilweise auch Spanien bei Land. Sherrysorte/Reifung: Refill PX Cask Finish nach exBourbon Reifung. Bewertung: o
  • MS: Wenn hier ein Sherry-Fass dabei ist, dann ein recht ausgelutschtes (3rd oder 4th Fill) und evtl. auch nur als Batch in Kombination mit einem Bourbon Fass. Das bringt mich auf Mackmyra (z.B. der Brukswhisky) Also: Blended Malt, 42% Vol., Mackmyra, Refill-Oloroso Sherry, Blend aus (kurzer) Vollreifung Sherry und Bourbon (-)
  • RB: Whisky mit Olorosofinish, ca. 43% Trinkstärke. Ich tippe mal ins blaue auf einen irischen [richtig!] Vertreter. Glendalough? Wertung: o
  • JH: Single Malt, 46%, Ex-Bourbon + Sherry Cask Finish (PX), Schottland. Glendronach 12er, Wertung: + 55€. Ein runder, satter Whisky, der zum Schlemmen einlädt.
  • KD: Single Malt, Stärke: 43%, Produkt: ? Sherrysorte: Fino, Reifung: Finish Bewertung: o. Fühlt sich für mich an wie ein frisches Finish von einem nicht allzu alten Ex-Bourbon-gereiften Whisky, das könnte schottische Sparsamkeit sein.
  • WG: Blended Malt, vielleicht auch ein Grain?, 40-43 %, aufgrund der Farbe und des Geschmacks tippe ich auf Fino- oder Manzanilla-Sherry. Ich entscheide mich für Manzanilla-Finish. Bei Manzanilla-Finish fällt mir eigentlich nur der Tobermory ein, das wäre aber zum einen ein Schotte und die Farbe passt nicht. Finos gibt es viele von Kavalan, aber meist sehr hochprozentig. Ich rate daher einfach mal Japan.

Tasting Notes

  • PM // Nase: Kräftige Oloroso Noten. Ein wenig Kakao. / Geschmack: Sherryfrüchte und auch hier etwas Kakao. Etwas Menthol. / Abgang: Leichte Schärfe, die mich an jungen Whisky erinnert
  • PS // Karamellige, zuckrige Süße, florale Noten (Lavendel?) und würze Wiesenkräuter (Bärwurz?), dazu schön Holz und Maggi-umami. On Top dann noch eine überraschende leicht fleischige Note (Hack mit Zwiebeln, Bullette). Ein großartiger-verrückter Tropfen.
  • AM // Sehr spannende Nase. Gefühlt verändert sie sich mit jedem neuen Versuch. Erst hatte ich Rosinen, dann eine Art Shortbread, dann etwas schönes, dreckiges, modriges. Das Modrige bleibt auch etwas länger, erinnert mich ein bisschen an vergammelte Pflaumen (in a good way!) Zusätzlich nehme ich eine Süße wahr, die weniger von Zucker, sondern eher von Honig stammt. Knete, die schon ein paar Mal von verschiedenen Leuten durchgeknetet wurde. Ein leichter Hauch einer frischen Meeresbrise und Salzkaramel. Auf der Zunge zunächst dezent zurückhaltend, wird dann relativ süß, hat was von Bayrisch Creme und zum Finish hin etwas würziger, aber eher eine Chiliwürze als eine Pfefferwürze. Ansonsten auf der Zunge leider nicht ganz so spannend wie die Nase. Das Finish eher würzig und kurz.
  • AE // Direkt nach dem Einschenken strömt schon eine tolle Mischung aus süßen und würzigen Aromen aus dem Glas. Erst Eindruck: Das könnte mir sehr gut gefallen! Nach etwas Ruhe im Glas erkenne ich Äpfel, Vanille und Honig, dazu aber auch Quitten und helle Pflaumen. Ganz im Hintergrund tauchen Beeren auf. Am Gaumen wirkt der Whisky sehr mild und die Aromen aus der Nase spiegeln sich auch hier wieder. Jetzt mischt sich allerdings doch noch einmal etwas Würze ins Profil. Der Abgang fällt überraschend lang aus und bringt etwas Eichenaroma und Minze mit. Fast könnte man meinen, da schwingt ein ganz leichter Rauch mit.
  • TW // Nase: Hellfruchtig (Süßlicher roter Apfel, Sternfrucht, weißer Pfirsich), mild, zarte Vanillenoten, jedoch recht eindimensional. / Geschmack: Angenehm rund. Nicht zu süß, aber merklicher Holzeinfluss, weniger fruchtig als in der Nase. Kandierte helle Frucht in diesem Fall. / Finish: Eher kurz, Honig, helles Holz, ein Hauch Ingwer
  • MS // Nase: etwas Funky / schwefelig, jung, Holz, Keksteig, mineralisch / Gaumen: Lakritz, süß, Süßholz, mineralisch / Nachklang: süß/salzig, mittellang
  • RB // Nase: Im Antritt etwas Muff und Staub. Nach ein paar Minuten öffnet er sich, voll, rund und tiefgängig kommt er nun daher. Nüsse. Gaaaanz viele Nüsse. Pekanuss, Paranuss, Walnuss, alles vermengt in einem kräftigen harzigen Sirup. Der Muff und die nussige Note lassen auf Olorosofassreifung schließen. / Geschmack: Sanft und mild, vanillig mit Trockenfrüchten. Ebenfalls ein vollmundiger Eindruck, an den Seiten etwas adstringierend und prickelnd. Sultaninen, Brombeeren, Trockenaprikosen. / Finish: Im Abgang kurz und einfach gehalten mit anklingenden Malzkaffeenoten. Ganz am Ende eine milde Grappa-Note.
  • JH // Fruchtig, Erdbeeren, süße Nektarinen, Vanille, Baumharz, Wildhonig, Pfirsich, Feigen, Rosinen / Apfel, Erdbeerbowle, Holztrockenheit, Marmelade, Agavendicksaft, Rosinen
  • KD // In der Nase etwas „Sherryfunk“ der mich an den Alkohol-Schimmelgeruch in Dunnage-Lagerhäusern erinnert. Dahinter kommt Vanille zum Vorschein, gepaart mit bitteren Traubenkernen und Sultaninen. / Am Gaumen trocken und vanillesüß zugleich im Antritt, eher mäßig im Alkohol aber nicht zu wässrig. Etwas bitter – Traubenkerne und frische Eiche sind im Spiel. / Im Abgang trocken, etwas bitter, Vanille, frische Eiche.
  • WG // Nase: fruchtig, Walnuss, Menthol, leicht sprittig / Geschmack: leicht und wenig komplex, undefinierbare süßliche Fehlnote, nicht so gut wie die Nase / Abgang: eher schwach, leichte Trockenheit bleibt am Gaumen

Sample #2

Stärke und Produkt?

  • PS: Aufgrund des schweren Sherry-Einschlags in der Nase würde ich Oloroso Sherry tippen. Trotzdem ist dieser Dram nicht alt (ca. 6 Jahre), sondern einfach vom Sherry erschlagen. Das was man vom Brennerei-Charakter noch zu vernehmen vermochte, überzeugt mich nicht wirklich. Deswegen gehe ich davon aus, dass es kein Schotte ist. Am Ende runter verdünnt auf 40%. Hatte eine tolle Nase, hat mich aber am Gaumen und im Abgang ziemlich enttäuscht. Hier gibt es ein –
  • AM: Ich denke, wir haben es hier mit einem Grain zu tun, der ein paar mehr Jahr auf dem Buckel hat. Ich tippe auf einen 28-jährigen Cameronbridge mit einer Vollreifung in einem Refill-PX-Butt. Gefällt mir gut. Wertung: +.
  • AE: Ich denke, dass dieser Whisky jünger ist als #1. Er könnte sogar einen Rye-Anteil haben. Ich tippe hier auf sechs bis sieben Jahre und eine Vollreifung in einem frischen Amontillado-Fass, alternativ wäre ich bei Oloroso. Der Alkoholgehalt dürfte bei ca. 48% liegen. Land/Destillerie? Beim ersten Schnuppern war ich in Skandinavien. Die Ecken und Kanten haben mich an Stauning erinnert, ich tippe also auf Dänemark, obwohl mir keine Abfüllung von Stauning aus einem Amontillado-Fass bekannt ist. Fazit: o
  • TW: Der geht in eine ganz andere Richtung. Der Sherryeinfluss ist hier viel intensiver und dominiert den Whisky. Ich denke wir sind hier in Irland und ich habe einen Single Potstill im Glas. Vielleicht einen 46%er aus Midleton? Produkt: Redbreast Lustau Edition. Sherrysorte/Reifung: Sherry Finish im Oloroso Cask. Bewertung: + (50€)
  • MS: Wenn ein Schotte dabei ist, würde ich sagen: der hier. Eher trockene Sherry-Noten zwischen Fino und Oloroso, also vielleicht Amontillado Also: Single Malt, 43 % Vol., Glenkinchie Distillers Edition, Amontillado Finish (o)
  • RB: Gefährlich süffig und zugleich sehr spannend! Der Süße, Vollmundige mit dem gewissen würzig-firschen Kick. Ich tippe auf einen deutschen Vertreter mit PX-Vollreifung mit einer Trinkstärke von 46%. Wertung: +
  • JH: Single Malt, 46%, Ex-Bourbon Matured + Sherry Cask Matured (Oloroso), Israel, Milk & Honey, M&H Elements Sherry [Glückwunsch! Volltreffer!]. Wertung: + 50€. Ein Sherry Experiment mit viel Kraft, die trotzdem nicht alt und brettig wirkt.
  • KD: Single Malt, Stärke: 53%, Produkt: ? Sherrysorte: Oloroso, Reifung: Vollreifung, Bewertung: o. Deutschland.
  • WG: Single Malt, 46 %, Amontillado-Finish. Deutschland, Nine Springs.

Tasting Notes

  • PM // Nase: deutlich weniger Sherry dafür etwas erdig und Geranien. Etwas Marzipan. / Geschmack: Eher sanft und auch hier sehr zurückhaltend. / Abgang: Eine dezente Sherrynote und etwas Menthol.
  • PS // Ganz anders als der erste. Immens viel Holz, Tannenwald, Waldboden, Baumrinde und dahinter fruchtige Zitronen, Orangen und Äpfel. Dazu etwas Menthol/Eukalyptus. Ein großartige Nase. Im Mund hingegen enttäuschend. Zwar zunächst mild und süß, dann aber sehr schnell einen komischen Beigeschmack. Fast schon eine Fehlnote, die mich an Zitronen-Spühlmittel („Fit“) und im Abgang an Fanta und Apfelring erinnert hat. Das war irgendwie nix.
  • AM // Deutlich vollere Nase. Dunklere Früchte und die Holzabteilung aus dem Baumarkt. Ein kleiner Anflug von Lösungsmittel. Könnte statt Baumarkt auch die Möbelfabrik von Ikea sein. Mirabellen und Maraschino-Kirschen, ein Hauch von Schokolade. Leicht säuerlich-minzige Note, die mich an eingelegte Shiso-Blätter erinnert, wie man sie bei Umeboshi findet. Dazu ein Hauch von Sauerkraut. Auf der Zunge setzt sich die Nase fort. Eher trocken, weniger süß. Im Mund zieht sich alles zusammen, wirkt fast etwas betäubt. Es bleiben die leicht chemischen Noten aus der Möbelfabrik, dazu die Minze, und Marashino-Kirschen, die aber schon fast in die Richtung von emeukal-Kirschbonbons gehen. Dazu eine feine Würze, die das ganze abrundet. Abgang eher unspektakulär und kurz.
  • AE // Hier ist die Nase ganz anders als beim ersten Whisky. Hier erkenne ich Karamell, viel Würze, Johannisbeeren, Orange, Rosinen und etwas Säure. Je länger der Whisky im Glas ist, desto mehr formen sich die Aromen zu einem Gesamtbild und desto stärker treten die süßen Noten hervor. Am Gaumen gibt es ebenfalls zunächst süße und fruchtige Aromen, dann kommt die Würze stärker zum Vorschein. Rosinen und Säure tauchen ebenfalls wieder auf. Der Abgang ist kürzer als beim ersten Whisky und bringt zum Ende neben Früchten und Eiche sogar etwas Schärfe mit.
  • TW // Nase: Süße und dunkle Noten steigen aus dem Glas auf. Reife Äpfel treffen auf saftige Orangen. Mit der Zeit wird die Fruchtkomponente etwas „tropischer“ Ein paar Röstaromen finde ich. Tabak, Leder und ein paar Küchengewürze. Im Hintergrund gebrannte Mandeln. Scheint nicht all zu alt zu sein, da er trotz des gut eingebundenen Alkohols durchaus lebhaft wirkt. / Geschmack: Sehr angenehmes Mundgefühl mit gut eingebundenem Alkohol. Apfel und reife Pflaumen, dazu Orangen. Nicht ganz so intensiv wie die Nase. Hier fällt er etwas ab. Interessant ist, dass er zuerst recht süß wirkt aber nach hinten heraus immer trockener wird. / Finish: Medium und saftig. Etwas Eichenholz und wieder die Mandeln. Angenehm trocken. Man mag sofort den nächsten Schluck nehmen.
  • MS // Nase: süß, Vanille, Schokolade, Karamell, auch leicht säuerlich / Gaumen: Frucht-Gummi, Kirsche, Pflaume, etwas salzig / Nachklang: leichter Pfeffer, mit Wasser: Kirsche, mittellang
  • RB // Nase: Getrocknete Erdbeeren (wie in diesen Müslipackungen) und tiefe und volle Vanille. Süßholz, Sandelholz, Räucherstäbchen, Erde und frische Bitterstoffe wie von Stengeln frischer Schnittblumen. Dann öffnet man eine Packung geschwefelter Trockenaprikosen. Dahinter, ganz leichte Anklänge von Frucht-gefüllter Bitterschokolade. / Geschmack: Die frischen Früchte machen den Anfang mit leichten Zitrus- und Ananasnoten wie von Erfrischungsstäbchen, erst hinten auf der Zunge gesellen sich sirupartigere und dunklere Noten hinzu. Alles in allem etwas spritziger als der erste Kollege. Jetzt sogar einige Würznoten wie bei Gin – Wacholder und Pinie! / Finish: Ungewöhnlicher Abgang, leicht und voll aromatisch zugleich, buttrig und etwas warme Terrakottafliesen.
  • JH // Unreife Pflaume, Johannisbeeren, Kirschwasser, tropisch, nasses Holz / Fass, Traubenzucker / Süß, fruchtig, Weißwein, leichte Trockenheit, etwas Holz, Rosinen, etwas Vollmilchschokolade
  • KD // Schwefel ist das Erste, was mir in die Nase steigt – aber dezent. Dahinter folgen die Aromen von Rumpflaumen, Sultaninen und einer Spur Tonkabohne. / Am Gaumen zuerst trocken, dann schlägt der Alkohol zu, gefolgt von schöner Süße, etwas Tonkabohne, etwas Sherry und Sultaninen mit einem Hauch von Schwefel im Hintergrund. / Im Abgang trocken, etwas schwefelig  und bitter mit Rumpflaume und Sherry.
  • WG // Nase: auch hier zunächst deutliche frische Minznote, dahinter ein wenig Eiche, nach etwas Zeit im Glas Nutella / Geschmack: erst leicht scharf-alkoholisch, dann rote Grütze, geröstete Nüsse, Bittermandel, immer öliger und trockener werdend / Abgang: mittellang bis lang, angenehm trocken am Gaumen

Sample #3

Stärke und Produkt?

  • PS: Hier bin ich mir ziemlich sicher, dass es sich einen der perfekten „Standards“ handelt und tippe auf den Glenfarclas 15yo. Sherry Whisky in ausgewogener Perfektion. So muss der sein: +
  • AM: Vom Geschmack könnte es sich auch fast schon um einen Bourbon oder der Würzigkeit nach sogar um Rye handeln. Die Nase ist allerdings eher Richtung Single Malt unterwegs. Sehr spannender Tropfen auf jeden Fall. Ich leg mich mal auf Rye fest, der zunächst in Virgin Oak und dann in Refill Oloroso gelegen hat. Alkohol 48%. Wertung: o.
  • AE: Ich glaube, dass wir uns hier irgendwo im Bereich um und bei 12 Jahren bewegen. Bei der Fassart habe ich zunächst zwischen Oloroso und PX geschwankt, nach dem Probieren tendiere ich aber eher zu Oloroso, wieder tippe ich auf eine Vollreifung. Beim Alkoholgehalt wäre ich bei ungefähr 46%. Land/Destillerie? Ich tippe auf Fettercairn, demnach also Schottland. Fazit: +
  • TW: Beim Sample Nr. 3 spricht mich auf jeden Fall schon einmal die Farbe an – ein toller Kupferton. Ich würde sagen 46% Vol. und dieses mal ein Scotch Single Malt. Mich erinnert dieser Malt sehr an die Brennerei Glendronach, deswegen ist dies auch mein Tipp für das Produkt: Glendronach 15. Sherrysorte/Reifung: Double Cask PX & Oloroso Sherry. Bewertung: + 75€ [Glückwunsch! Volltreffer!]
  • MS: Das ist der schwierigste (wenn man das noch steigern kann). Hier die deutlichsten Sherry-Noten, besonders, wenn man ihn eine Weile atmen lässt. Nicht zu süß und auch kein Sherry-Monster. Also eher 2nd Fill Oloroso, oder Batch mit Bourbon Casks. Also: Single Malt, 46% Vol., Penderyn Sherrywood, Batch aus Oloroso & Bourbon Casks (Vollreifung) (o)
  • RB: Ich vermute einen schottischen Vertreter mit leicht würzigem Sauternes-finish, 40% Trinkstärke. Arran? Wertung: o
  • JH: Single Malt, 44%, Sherry Cask Matured Oloroso + PX Matured [Gut erkannt!], Schottland, Kingsbarns Balcomie. Wertung: + 40€. Ein Sherrywhisky, der zeigt, dass auch das Holz ordentlich Einfluss hat und Süße nicht alles ist.
  • KD: Single Malt, Stärke: 55%, Produkt: ? Sherrysorte: PX, Reifung: Vollreifung. Bewertung: + (70€). Taiwan
  • WG: Single Malt, Fassstärke (über 50 %), Palo Cortado-Finish. Schottland, Deanston

Tasting Notes

  • PM // N: Schöne runde Sherrynase. Ein kleiner Hauch Essig mit Gewürzen und erdigen Noten. Öffnet sich mit der Zeit und es kommen die fruchtigen Aromen in den Vordergrund. Oloroso und PX vermischen sich zu einem homogenen Ganzen. / G: Schöne Süße mit leichter Pfefferschärfe auf der Zungenspitze. Sowohl die würzigen wie auch die fruchtigen Noten kommen langsam zum Vorschein. Ein wenig Orangenschale. / A: Leichte Schärfe und etwas Menthol.
  • PS // So muss Sherry-Whisky sein. Altes Holz, Holzhütte, dahinter fruchtig schwerer ganz typischer Sherry mit Rosinen, Erdbeeren, Kirschen), einfach phantastisch. Dazu jede Menge Vanille und Speyside Fruchtigkeit. 
  • AM // Hmm… nach dem zweiten Dram ist die Nase hier am Anfang kaum wahrnehmbar. Sehr sehr dezent. Ich kriege ein paar sprittige Noten, etwas Süße, aber das ist es dann eigentlich auch schon. Marshmallows, Haribo Erdbeeren, und Schokoküsse… allerdings ohne die Schokolade, nur das weiße. Ein leichter Anflug von Fudge. Auf der Zunge ist von der Süße gar nichts mehr zu spüren. Sehr herzhaft. Ungesüßte Erdnussbutter, Brot, Kräuter, konzentriertes Instant-Suppenpulver, Minze, frische Sesamblätter. Finish auch eher kurz und sehr würzig.
  • AE // Das dritte Sample wirkt im ersten Moment sehr süß, gleichzeitig ist hier aber auch eine schöne Sherry-Würze präsent. Darüber hinaus erkenne ich Aprikosen, aber auch helle und dunkle Trockenfrüchte. Mit der Zeit kommt die Würze noch mehr zum Vorschein, mischt sich aber sehr schön mit den eher süßen Aromen. Am Gaumen wird es erst süß, bevor man von rauchig-würzigen Aromen überrascht wird, wobei der Rauch sehr dezent bleibt. Vielleicht wird aber auch einfach nur mit stark geröstetem Malz gearbeitet. Außerdem erkenne ich dunkle Schokolade und Milchkaffee. Der Abgang fällt lang und vor allem am Ende sehr schokoladig aus.
  • TW // Nase: Zu Beginn recht verhalten, doch mit etwas Handwärme öffnet sich dieser Whisky. Angenehme dunkle Aromen strömen aus dem Glas. Schokolade, etwas Karamell, Rosinen, Orangen, etwas ätherisches, Honig und Leder. Alles passt toll zusammen und wirkt dadurch durchaus reif. / Geschmack: Rund und voll mit einem angenehmen Punch. Schöne Sherrynoten, die die Nase perfekt wiedergeben. Super! / Finish: Medium mit Anklängen von Orange und geröstetem Toast. Etwas Honig und Orangenabrieb.
  • MS // Nase: Holz, Leder, dunkle getrocknete Früchte, alter Schrank, Tabak, etwas Nelke / Gaumen: Schokolade, Beeren, Eiche / Nachklang. mittellang bis lang, Ingwer, Muskatnuss
  • RB // Nase: Sandelholzparfüm mit einem Tropfen Orange und Tonkabohne. Nelken, Kardamom und Zimt. Alles eingebunden in die vanillige und teigige Orangenwolke. Applecrumblepie mit sabschigen Krümeln vervollständigt das Bild. / Geschmack: Würziger Start, vor allem prickelnd und tänzelnd auf der Zunge. Spritzig und doch vollmundig spielt er mit allen Zotten im Mundraum. Wenn er sich beruhigt ergibt sich ein zitroniger aber auch siruplastiger Eindruck. Cremig, etwas buttrig und angenehm fließt er hinunter und hinterlässt einen wärmenden Eindruck. / Finish: Klassisch malzig, vanillig und hellholzig.
  • JH // Orangenmarmelade, modriges Holz, gegorener Fruchtsaft, Anis / Marmeladig, viel nasses Holz, dunkle Früchte, trocknend, erfrischend
  • KD // Ebenfalls eine Spur Schwefel in der Nase, gefolgt von süßem Sherry, Rosinen, Dörrpflaumen, Feigen, Datteln und Karamell. / Am Gaumen zuerst etwas trocken und würzig, dann folgen die Datteln, Rosinen und Dörrpflaumen gepaart mit einem Schuss Sherry und dezenter Eichenwürze. Süß und voll. / Im langen und trockenen Abgang zuerst würzig, dann kommen die Trockenfrüchte wieder zum Vorschein.
  • WG // Nase: süßer Pfeifentabak, fruchtig, Weinnote, ebenfalls leicht minzig / Geschmack: hält nicht, was die Nase verspricht, würzig-süß, ölig/cremig, aber weit weniger komplex, als in der Nase / Abgang: mittellang bis kurz, etwas trockene Süße bleibt am Gaumen kleben

 

Fazit der Blind Tasting Challenge Sherry

Ich fand diese Challenge spannend. Ich habe gleich mehrere Schwierigkeiten eingebaut. Gerade mal zweien ist es aufgefallen, dass es sich bei dem Whistler um einen Blend handelt und dass er aus Irland kommt hat nur Rieke getippt. Warum ist das so? Nun, meine Vermutung ist, dass gerade Blends einer großen Masse gefallen sollen und somit wenig Ecken und Kanten haben, an denen man sie erkennen kann. In der Kombination mit Sherry werden weitere Aromen überdeckt, die bei einer Unterscheidung oder zum Erkennen relevant sind. Überrascht hat mich, dass hier teilweise ein sehr hohes Alter (bis 20 Jahre) geschätzt wurde.

Beim M&H waren sich die meisten einig, dass er nicht aus Schottland kommt (7 von 9). Deutschland bietet sich bei einer Blind Challenge da immer wieder gerne an, war es aber nicht. Auch ein junger Schotte könnte es sein. Aber nein, er kommt natürlich aus Israel. Glückwunsch an Jonas, der das Produkt erkannt hat! Durch die großen Temperaturunterschiede reift der Whisky schneller ist aber für meinen Geschmack nicht mit schottischen Whisky vergleichbar, sondern ist auf seine Weise ein eigenständiges Produkt. Hier gab es sogar eine Schätzung auf 28 Jahre (Grain).

Am meisten überrascht hat mich allerdings der GlenDronach. Ich kenne viele, für die der 15yo Revival das „non plus ultra“ bei den Sherry gereiften Whiskys ist. Glückwunsch an Tim, der dieses Produkt korrekt erkannt hat. Eine der wenigen Destillerien (neben anderen wie Aberlour oder Glenfarclas), die hauptsächlich und fast ausschließlich in ex-Sherry-Fässern reifen. Hier waren sich einige Teilnehmer (3 von 9) sicher, dass es kein schottischer Whisky ist.

Mein Fazit daraus ist, dass Sherry-Reifungen und -Finishings den Destilleriecharakter deutlich überdecken und es damit sehr schwierig wird, überhaupt das Land der Produktion zu erkennen. Und auch ob es ein Blend, Blended Malt oder Single Malt ist, kann man mit genügend Sherry-Einfluss deutlich „verschleiern“. Mir persönlich gefallen „ehrliche“ Bourbonfassreifungen und Rezepturen, bei denen der Hauscharakter nicht überdeckt, sondern zusätzliche Komplexität hinzugefügt wird. Alle drei Abfüllungen sind aber grundsätzlich gut angekommen.

Und das meinten die Teilnehmer:

  • PS: Dram 1 + 3 fand ich großartig. Beide bekommen ein +. Dram 3 war Sherry Whisky in ausgewogener Perfektion. So muss der sein. Dram 1 war eine spannende, durchgeknallte Acherbahnfahrt. Deswegen sehe ich Dram 1 knapp vorne. Das hat echt Spaß gemacht und war super interessant.
  • AE: Diesmal muss ich sagen, dass mir alle drei Abfüllungen grundsätzlich gut gefallen haben. Die Abfüllungen #1 und #3 haben sich aber noch deutlich von #2 ab. Mein klarer Favorit ist aber #3.
  • TW: Vielen Dank wie immer, das hat Spaß gemacht! Mal wieder eine tolle Challenge. Ganz schön harte Nüsse, aber ich denke wie immer, dass ich alle drei richtig gelöst habe (Smiley)
  • RB: Also wieder einmal Chapeau an dich für die tolle Challenge, ich habe schwer herumraten müssen, aber ich habe so ein Gefühl, dass diesmal evtl der ein oder andere Treffer dabei ist
  • JH: Geschmacklich top, leider musste ich wirklich absolut wird raten, was das für Produkte sein könnten. Vielen Dank für die tolle Challenge.
  • KD: Für mich ist der Favorit ganz eindeutig die #3 – für mich der harmonischste Whisky im Feld – den würde ich mir unter Umständen kaufen, auch, wenn ich eher der Ex-Bourbon-Typ bin. Der ist schön! Die Destillerie fange ich gar nicht erst an zu erraten – der Sherry ist bei allen drei dermaßen dominant, dass jeglicher Brennereicharakter in der Reifung hops gegangen ist. Sherry kann ziemlich unterschiedlich sein. Europäische oder amerikanische Eiche oder was ganz anderes? Frisch oder 2nd Fill? Vollreifung oder Finish? Gar nicht einfach, hier zu raten, wo die Whiskies denn herkommen. Das ist für mich auch ein wenig die Krux an diesen extremen Fässern, egal ob Sherry oder sonstige Weinreifungen – vom Charakter des Destillats bleibt am Ende wenig übrig, es wird mit Fremdaromen aus dem Fass erschlagen. Dabei kommen oft schöne Sachen raus – ich mag aber lieber die „Ehrlichkeit“ eines (Refill-)Bourbonfasses. Bin schon gespannt auf die Auflösung!
  • WG: Am besten gefällt mir die Nummer 2, knapp vor der Nummer 3. Dann kommt die Nummer 1. Alle drei fallen für mich in die Kategorie o: ok, muss ich aber nicht haben. Mehr als 50 Euro würde ich für keinen der drei ausgeben. Ich verlasse mich jetzt mal darauf, dass aufgrund des Titels der Challenge auch tatsächlich mindestens ein Nicht-Schotte dabei ist. Internationale Whiskys haben für mich persönlich oft eine gewisse Eigenheit, die sie von Scotch unterscheidet. So wirklich aufgefallen ist mir dies aber bei keiner der Proben, weshalb ich auch überlegt habe, ob vielleicht doch alles Schotten sind. Das dürfte bislang die schwierigste Challenge sein, bei der ich mitgemacht habe. Grundsätzlich bin ich ein Fan von Sherryfass-gereiften Whiskys, wenn der Sherry nicht zu dominant ist. Dies schien mir bei allen drei Proben der Fall, weshalb ich nur auf Finishes und keine Vollreifung tippe. Da ich bisher vorwiegend Whiskys mit Oloroso- und PX-Reifung oder Finish kenne und mir einbilde, die dafür typischen Aromen bei keiner Probe herausgeschmeckt zu haben, habe ich die beiden Sherry-Sorten ausgeschlossen. Was mir bei allen drei Proben aufgefallen ist, ist eine deutliche Nussnote. Bei den 3 Proben war keine dabei, die ich überhaupt nicht gemocht habe, aber auch keine, die mich total überzeugt hat. Insgesamt wieder eine äußerst spannende und herausfordernde Challenge.

Danke allen fürs Mitmachen!
Vielen Dank an Florian Weiß von Kammer-Kirsch für die Proben!

Die restlichen Challenges kannst Du hier nachlesen