Blind Tasting: 10 Blogger stellen sich der Sherry Challenge

Das dritte Blogger Blind Tasting fokussiert sich auf Sherry Whiskys. Viel Informationen habe ich auch dieses Mal nicht herausgerückt und so wird der eine oder andere wohl überrascht sein, was er im Glas hatte. Erkennen sie den Unterschied der verschiedenen Sherryarten? Und haben sie schottischen Single Malt im Glas? Mal sehen, wer dieses Mal richtig liegt.

Wie funktioniert mein Blind Tasting?

Finish oder Fulltime? Schottland oder nicht? Nun, dieses Mal verrate ich: NIX. Geschickt habe ich jedem je drei 5cl Sample, die mit Sample #1 – #3 nummeriert waren. Als Ergebnis wollte ich …

  • Aufgabe 1: Welcher gefällt Dir am Besten?
  • Aufgabe 2: Was hast Du im Glas?
    • Typ,
    • Stärke,
    • Land/Region
    • Reifung (Finish oder Fulltime, was ist Deine Einschätzung?),
    • welcher Sherry war vorher im Fass (optional)

Wer mag kann mir auch gerne schicken:

  • Tasting Notes
  • Kommentare
  • Tipp, um welche Abfüllung es sich handelt (Treffer halte ich wieder für sehr unwahrscheinlich)

Dieses Projekt findet NICHT unter Laborbedingungen statt. Ich habe keine Gläser vorgegeben und auch sonst keine Vorgaben gemacht, WIE der Einzelne seinen Whisky zu verkosten hat.

Wer hat mitgemacht?

Die folgenden Blogger haben mitgemacht (in der Reihenfolge des Eingangs der Tasting Notes):

Wertung – welcher hat am Besten gefallen?

So sieht die Zusammenfassung aus:

Welcher Whisky hat im Blind Tasting am besten abgeschnitten?

  • JS: #2
  • KD: #2
  • TW: Am besten hat mir das Sample #2 gefallen. Das war subjektiv betrachtet einfach Rund mit tollen dunklen und würzigen Noten und kam mir schön gereift vor. Sample 1 liegt direkt dahinter, leider fehlt mir da etwas der Kick auf der Zunge. Sample 3 war leider gar nicht mein Fall.
  • NF: Auf jeden Fall macht es die Sherryreifung bei der ganzen Sache noch ein wenig schwieriger. Mir persönlich hat Sample #1 am besten gefallen. Hier hatte das Fass noch nicht die Überhand und alles wirkte sehr harmonisch. Für mich also ein klarer Sieger!
  • AE: Mir gefällt Sample #2 am besten, weil es das rundeste Profil bietet. #1 hat meinen Geschmack leider gar nicht getroffen, #3 hätte vielleicht noch etwas Zeit im Fass gebraucht, um ein spannenderes Profil zu entwickeln.
  • AB: Ich muß mich zwischen #2 und #3 entscheiden. Die Wahl ist dann auf #3 gefallen. Find ich insgesamt am interessantesten und passt bissl mehr in meine “aktuellen” Vorlieben. Ich mag Sherryeinfluss, kann aber auch schnell mal zuviel sein – da bin ich bissl schwierig. Auch wenn #2 die Wahl im kalten Winter womöglich gewonnen hätte.
  • ML: #3 ist mein Favorit, weil er für mich das größte Aromen-Spektrum bietet, außerdem erzeugt er auch noch ein tolles Mundgefühl und war alles in allem die größte Überraschung. Ich meine auch ihn irgendwie zu kennen, aber ich komme einfach nicht drauf – auf diese Auflösung bin ich richtig gespannt!
  • MS: In der Reihenfolge: 1, 3, 2
  • HW: Sample #2.
  • MaS: Solange ihr mir nichts mehr von Sample 2 andreht ist mir alles egal! Wenn ich mich entscheiden muss: #3.

Auflösung

Vorab die Auflösung, welche Abfüllungen wir verkostet haben:

  • #1: C&S Dram Good, Glentauchers, Sherry Puncheon, Single Malt, 05/2010-02/2018, 47.5% ncf, nca, 699 Flaschen
  • #2: Kavalan, Sherry Cask, taiwanesischer Single Malt, 46%
  • #3: Old Perth, Sherry Cask, Cask Strength #1, Blended Malt, 61.8%

Ein wenig Details zu den dreien hat mir Andrea Caminneci, Verkaufsleiter für den Bereich Whisk(e)y bei Schlumberger, verraten:

  1. Glentauchers war ein Puncheon, amerikanische Eiche und seasoned
  2. Kavalan verwendet ausschließlich amerikanische Eiche. Für die Sherry Solisten und Sherry Oak werden zu 95 % Oloroso Fässer verwendet. Alle Fässer werden vor der Befüllung sehr heay getoasted. Daher die extrem dunkle Farbe und auch die starken Röstaromen
  3. Old Perth könnte alles sein, aromatisch würde ich auf mind. 80 % Oloroso tippen… Die Fässer kommen von Glentauchers und George Grant. Es sind Butts, Hoggies und Puncheons. Lagerung komplett in Sherry Fässern, kein Finish! Die Whiskys sind zwischen 6 und 10 Jahren alt, im Zweifelsfall alles amerikanische Eiche und „seasoned Casks“

Tasting Notes – Sample #1

Einschätzung Blind Tasting – Was ist das im Glas?

  • JS: Single Malt, 55%, Indien, Amrut, ziemlich unausgewogen, tw. alkoholisch in der Nase und am Gaumen. Finish/NAS (jung) Manzanilla.
  • KD: Schön trinkbarer, süßer Malt mit einer blumigen Note, mit der ich zuerst kämpfen musste. Diese verschwindet aber mit der Zeit. Kategorie daily dram. Mein Tipp: Single Malt, 46%, Speyside. Reifung: Amerikanische Eiche, eher jung (10-14 Jahre) mit sehr aktiven Fässern. Auf Grund der extremen Süße tippe ich auf ein Finish (Oloroso)
  • TW: Single Malt Whisky, 40-43% Vol., Schottland, Islands. Reifung: Finish in (refill) sherry casks. Am besten gefällt mir die Nase hier. Schade, dass er im Mund nicht wirklich präsent ist.
  • NF: Ich würde sagen es handelt sich hier um einem Blended Malt mit 46-48% Vol. aus Schottland der aus Malts mit Oloroso Sherry Finish zusammengestellt wurde. Ein schöner runder Whisky mit einer ordentlichen Ladung Sherry, bei dem trotzdem alles noch sehr harmonisch und rund wirkt.
  • AE: Die Nase beginnt sehr vielversprechend, auch am Gaumen gefällt mir der erste Eindruck gut, dann kommt aber leider eine zu starke bittere Holznote durch, die sich auch im Abgang etwas zu stark zeigt. Ich glaube, dass dieser Whisky relativ jung ist, eventuell sogar ohne Altersangabe abgefüllt wurde. Ich tippe auf 43% und ein Sherry-Finish, bei der Destillerie muss ich aber passen. Eventuell könnte es ein Tomatin sein.
  • AB: Typ: Blended Whisky, 40%, Irland, Bushmills oder Powers? Reifung: Finish, Oloroso. Entspannter Whisky dem man den Sherryeinfluss leicht anmerkt, aber ich meine dass da auch Grain eine Rolle spielen könnte.
  • ML: Single Malt, Speyside, Olorosso Sherry Finish, 43%.
  • MS: Typ: Single Malt, 46% Vol., Schottland, Speyside. Reifung: Finish – PX. Keine Notes.
  • HW: Single Cask, 55%, SC Speyside. Reifung: sherry second fill.
  • MaS: Blended Whisky, 40-43%, Schottland. Reifung (voll / finish): Finish (Fino). Die Challenge geht los und schon stehe ich sehr ratlos da! Dieser Whisky ist zwar mild und einigermaßen „easy-drinking“ aber zeigt auch erstaunlich wenig Charakter. Ich gehe daher mal von einem Finish aus und eher von einem Blend. Es könnte aber auch gar kein Schotte sein

Nase

  • PM: Schöne dezente Sherrynoten, dahinter lauert Zitrone und Malz. Das ist kein Sherrybrett und hat auch keine kräftigen Sherryaromen. Aber: Eine sehr angenehme Verbindung, das hätte ich dem jungen Malt gar nicht zugetraut. Marshmallows über einem Feuer erhitzt. Schwenkt (oder dreht) man ihn im Glas, dann kommt eine Alkoholnote zum Vorschein, der hat also Biss. Lasst den Alkohol verfliegen und gebt ihm etwas Zeit im Glas.
  • JS: Himbeere, Kirsche, subtile Gewürze, Alkohol
  • KD: Süßes Parfüm mit Veilchen, künstlicher Vanille, Zuckerherzen, kandierter Orange, Blutorange, Leder, ein Hauch Schwefel zu Beginn.
  • TW: Maritim, frisch, dreckig zu Beginn, saure Früchte, Toffee, Schokolade. Nach einer Weile kommen Himbeeren, Kirschen, Vanille und Muskat durch.
  • NF: Er ist sehr fruchtig, dunkle Früchte zwischen getrockneten Pflaumen und Datteln die leicht vom Alkohol getragen werden. Etwas buttriges Gebäck und dazu eine schöne Note von frischen Kakao.
  • AE: Eine intensive Mischung aus Süße und Würze, wobei eher Zuckerwatte, Kuchenteig und Getreide im Vordergrund stehen, Früchte dagegen nicht so stark vertreten sind. Mit der Zeit kommt aber ein stark gesüßtes Pfirsich-Aroma zum Vorschein.
  • AB: Eher dezent und unaufgeregt. Ein wenig fühlte ich mich etwas an Schokorosinen erinnert. Aroma von Birnenkompott und Orangenschale
  • ML: fruchtig und frisch, rote Beeren, Limette, leicht schokoladig, Kaffee-Aromatik
  • HW: Früchte, Orange, leichte Nussigkeit, Eichenoten
  • MaS: Die Nase lässt mich zuerst an einen Bourbon denken. Schon merkwürdig bei einer Sherry-Challenge. Dann kommt ein wenig Kirsche, rot-fruchtige Aromen steigen mir dazu in die Nase. Insgesamt eher zurückhaltend, aber auch nicht unangenehm. Leicht, fruchtig, mild. Viel mehr finde ich hier nicht.

Geschmack

  • PM: Angenehmes Mundgefühl. Leichte Süße mit reifen Früchten. Banane und Feigen.
  • JS: prickelndes Ingwer auf der Zunge, viel Eiche, Orange, Muskat, Karamell
  • KD: Voll, den Gaumen auskleidend, öig und sehr süß. Veilchenparfüm, Zuckerherzen, kandierte süße Orangen in dunklem Schokomantel, minimale Würze. Voluminös aber nicht überkomplex.
  • TW: Pfeffrig, trocken, etwas Salz, metallische Jugend, helle Frucht. Etwas dünn.
  • NF: Ein öliges Mundgefühl. Auch hier hat man wieder viel buttriges Gebäck. Dazu ein dunkler Sherry der einem den Speichel aus den Wangen zieht und den Mundraum belegt.
  • AE: Auch am Gaumen gibt es eine ausgeprägte Süße, die allerdings mit Stachelbeeren und Zitrusnoten gemischt ist. Leicht bittere Holznoten stören das Gesamtbild etwas, da sie für mich einfach nicht zu den restlichen Aromen passen.
  • AB: Fruchtig, hauptsächlich Aprikose und Pfirsich. Florale Eindrücke paaren sich mit ziemlicher Honigsüße. Dezent kommt aber auch das Holz etwas durch.
  • ML: zunächst deutliche Schärfe, dann cremiges Karamell und sanfter Honig
  • HW: würzig, dann cremige Malzigkeit, leichte Pfeffrigkeit
  • MaS: Der Geschmack ist angenehm, zunächst sehr mild. Etwas Vanille, leichte Gartenkräuter. Dann kommt kurz eine Haselnuss hervor. Die Kräuter nehmen dann wieder stärker zu. Starkes Sherryaroma vernehme ich hier gar nicht.

Abgang

  • PM: Die süßen Fruchtnoten halten lange an und gehen über in eine sehr dezente Mentholnote.
  • JS: lang und überraschend süß
  • KD: Mittellang. leicht alkoholisch zu Beginn, später süß und ölig mit leicht herbaler Bitterkeit, kandierten Orangen und dunkler Schoko
  • TW: Medium, leicht bitter und etwas Eiche bleibt.
  • NF: Der Abgang ist lang, wärmend und sehr fruchtig.
  • AE: Der Abgang fällt nicht besonders lang aus. Im ersten Moment kommt noch einmal die Süße zum Vorschein, danach setzt sich aber bitteres Holz durch.
  • AB: Der Abgang ist trocken, vielleicht sogar ein wenig schwefelig. Grundsätzlich eher kurz süß und malzig.
  • ML: pfeffrig, lang und intensiv, gleitet dann aber am Ende in Richtung eines Kaffee-Likörs, ein wenig Anis und etwas ledrig
  • HW: weich, lang, feine Süße
  • MaS: Etwas prickelnder werdend mit einem Hauch von Eiche. Relativ kurz und unspektakulär verlässt der Whisky meinen Mund und gibt dann schnell Ruhe.

Tasting Notes – Sample #2

Einschätzung Blind Tasting – Was ist das im Glas?

  • JS: Single Malt, 55%, Schottland, Hazelburn. Vollreifung, 15 Jahre 2nd Fill Oloroso. Sehr komplex und ausgewogen.
  • KD: Hui, hier wird es schon speziell – beim Wein würde man von „knochentrocken“ sprechen. Der Whisky lebt von der intensiven Fasswürze, vom Charakter der Destillerie bleibt nicht sonderlich viel übrig. Mein Tipp: Single Malt, Fasstärke, 55% oder knapp darunter, erinnert mich sehr an junge asiatische (taiwanesische? Kavalan? Nantou?) Whiskies, die in frischen Fässern unter diesen klimatischen Bedingungen besonders intensiv reifen. Reifung: Zur Gänze in europäischer Eiche, mit Oloroso vorbereitet.
  • TW: Single Malt Whisky, 40-43% Vol., Schottland, Highlands (Speyside). Reifung: Fulltime im Oloroso Butt. Mir kommt es so vor, als hätte dieser Malt schon ein paar Jahre auf dem Buckel. Schön.
  • NF: Ein Single Malt aus Schottland, der Alkoholgehalt sollte zwischen 48-51% Vol. liegen. Dazu eine Vollreifung in einem 1. Fill PX Sherry Fass. Wow. Was haben wir denn hier für eine Sherrybombe?! Ein ziemlich krasser Vertreter aus dieser Region. Er ist nicht schlecht, aber meiner Meinung nach vielleicht etwas zu viel.
  • AE: Dieser Whisky gefällt mir gut. Früchte, Süße und Würze harmonieren gut miteinander, der Pfeffer im Abgang kommt etwas überraschend, gibt dem Whisky aber ein spannendes Element. Hier tippe ich auf eine Vollreifung im Sherryfass, abgefüllt auch mit rund 43%. Bei der Destillerie kommt mir als erstes Glengoyne in den Sinn, dabei glaube ich, dass diese Abfüllung keine Altersangabe tragen wird.
  • AB: Single Malt, 46%+ (aber nicht über 50%), Schottland, Highland/Speyside, Edradour wäre ein Tip. Reifung: Vollreifung – Oloroso. Insgesamt ein schönes Sherryding. Alles irgendwie dezenzt aber insgesamt dann wieder sehr voll und aromatisch. Durchaus fein, gerade mit dem leichten Schwefelanflug. Ich hab den an zwei unterschiedlichen Abenden probiert und tu mich etwas schwer, beim genauen Einschätzen. Ich würde schon von einem schottischen Malt ausgehen Speyside/Highlands. Aber als ich dann versucht habe noch genauer zu werden, haben sich alle Ideen dann an anderer Stelle ausgeschlossen. Ich würde mal auf Edradour tippen – kurz war ich beim Caledonia – was aber die Vollagerung ausschliessen würde. Alles nicht so einfach
  • ML: Single Malt, Highland, min. 30% seiner Zeit in PX-Sherry-Casks, 40%
  • MS: Single Cask, ca. 55% Vol., Deutschland, Hammerschmiede. Reifung: Fulltime – Oloroso. Keine Notes.
  • HW: Single Malt, >50%, D/ Slyrs? Reifung: Sherry Finish (PX). Ich finde ein sehr komplexer Whisky, von den dreien mein Favorit.
  • MaS: Single Malt, 43% (passt zum Gesamttipp, eigentlich würde ich mehr sagen – 50%), Deutschland, Coillmór.
    Reifung (voll / finish): Vollreifung (jung! Oloroso). Ich will hier niemandem zu nahetreten, aber der ist nichts für mich. Im Sinne der schottischen Whiskykultur hoffe ich, dass es keiner aus Schottland ist. Ich tippe auf Deutschland, da könnten es aber viele sein.

Nase

  • PM: Das ist einer aus der Kategorie Sherrybrett. Den hätte man mir auch als Sherry unterjubeln können. Kräftige Sherryfrüchte, allen voran Rosinen und getrocknete Feigen, Datteln und noch mehr. Der alte Ledersessel kommt mir in den Sinn. Kräftiger Oloroso Sherry. Die süßen Früchte nehmen über die Zeit etwas ab, aber das Leder bleibt.
  • JS: Créme Brulée, Haselnuss, Anis, leichte Meeresbrise
  • KD: Hui, da ist was los! Kräftige Portion Alkohol auf die Nase mit einer gehörigen Portion Würze hinterher. Wermut und Propolis, Kräutertee, Zimtrinde und Piment mit frischer Zigarre und einem Hauch von Trockenfrüchten.
  • TW: Leder, Demerara-Zucker, Backpflaumen, Orangen, Honig, Kaffee, Schoko, Haselnuss und etwas Weihnachtsgebäck. Insgesamt schon eher gesetzt und reif.
  • NF: Hier hat man zu aller erst unglaublich viel Süße vom Sherry in der Nase, es klebt schon fast. Eine leicht säuerliche Würze, die übergeht in eine leicht scharfe Note. Und etwas das mich ein wenig an Rauch erinnert??! Nachdem sich die Nase an den ersten Schwung gewöhnt hat, kommt viel Karamell zum Vorschein, in Verbindung mit Zartbitterschokolade.
  • AE: Dieser Whisky bietet Rosinen, Kirschen und rote Trockenfrüchte, die ein süß-würziges Gesamtpaket abliefern. Dabei schreit er seine Aromen nicht heraus, sondern möchte erkundet werden. Der Eindruck ist dezent, aber sehr rund.
  • AB: Leichte Schwefelnote, Nüsse werden mit Trockenobst und Gewürzen vermengt. Ein Hauch von Curry und Karamel schwebt im Hintergrund. Nase war beim ersten Versuch sehr intensiv, hat auch leicht gestochen – beruhigte sich dann aber schnell.
  • ML: dunkle Schokolade, frisches Holz, sogar leicht erdige Töne, Zuckerwatte
  • HW: Sherry, leichte Vanille, reife Garten Früchte, Trockenfrüchte, Tabak, Eiche
  • MaS: Viel kräftiger als Sample #1. Schwer, auf den ersten Kontakt sogar etwas sperrig. Richtig, richtig dunkel. Erinnert mich an Rumtopf, eingelegte oder getrocknete Pflaume und Pflaumenmus. Dazu ein Hauch Rosine, aber auch etwas muffig. Puh, ist das ein Scotch? Schön, diese Verunsicherung…

Geschmack

  • PM: Hier ist zwar immer noch kräftiger Sherry im Antritt, aber ich bekomme jetzt auch deutliche Zartbitter Schokolade. Ein leichtes Kribbeln auf der Zunge.
  • JS: pfeffriger (weiß) Antritt, Espresso, Feige, verbrannte Nüsse, salzig
  • KD: Wie schon in der Nase sehr würzig und trocken, aber voll. Kräuter, Wermut, Propolis, Piment, frischer Ingwer, dunkle Schokolade und ein Hauch von Trockenfrucht (ohne Süße)
  • TW: Leicht ölig, dunkle Frucht, sehr weich auf der Zunge. Wieder etwas Leder, Pflaumenmus und ordentliche Eichenfracht. Etwas dünn.
  • NF: Er hat ordentlich Kraft auf der Zunge. Viel Sherry der extrem drückt und den Mundraum flutet, es bleibt diesmal wirklich eine klebrige Süße und eine leicht scharfe Eiche ist spürbar.
  • AE: Im ersten Eindruck ist der Whisky sehr süß, kurz danach kommt eine angenehme Würze hinzu. Die Sherry-Aromen sind stark ausgeprägt und bringen auch eine trockene Note mit. Der Fruchtmix aus der Nase ist im Hintergrund noch immer gut wahrnehmbar.
  • AB: Vollmundig und ölig. Recht viele Aromen, aber alle eher dezent und in Kombination dann so voll und intensiv. Leichte Schärfe, bissl Bitterschokolade, Röstaromen von Kaffee und dunkle Trauben. Ebenfalls sind leichte Schwefelnoten spürbar.
  • ML: fast schon klebrig süß, Kräuter als hätte er eine Weile nahe Wolfenbüttel gelagert, dunkle Kirschen und natürlich Kakao
  • HW: weich, cremig, dunkle Sahnebonbons, Schokolade
  • MaS: Zunächst süß, dann sauer. Fast wie ein Pflaumenwein im Geschmack. Puh, muffig und richtige Pflaume. Ich würde sagen, dass das hier kein Schotte ist. Im Geschmack kommt für mich auch nichts weiter außer muffiges Pflaumenmus durch. Gutmütig würde ich ein wenig Nuss hinzudichten.

Abgang

  • PM: Auch hier ist der Sherry noch lange zu spüren. Gegen Ende etwas trockene Eiche.
  • JS: lang – Eiche, Tabak, Waldhonig
  • KD: Sehr trocken und würzig, lang anhaltend, intensiv
  • TW: Lang, bitterer werdend und angenehm wärmend. Etwas Backkakao und Ingwer.
  • NF: Der Abgang ist lang, dunkle, reife Früchte dominieren und nur ein wenig Platz für einen Hauch Milchschokolade.
  • AE: Der Abgang ist mittellang und ist zunächst überraschend würzig mit leicht pfeffrigen Noten. Danach kommt aber auch der Sherry noch einmal durch, insgesamt hinterlässt der Whisky ein trockenes Mundgefühl.
  • AB: Abgang ist eher so mittellang und wird sehr vom Holz dominiert.
  • ML: immer noch sehr süß, dazu holzige Seiten, sehr Karamell betont, cremiges Mundgefühl
  • HW: lang weich
  • MaS: Pflaume, kaum Eiche. Bleibt (leider) relativ lang.

Tasting Notes – Sample #3

Einschätzung Blind Tasting – Was ist das im Glas?

  • JS: Single Malt, 48%, Schottland, Ledaig. Fino.
  • KD: Puh, mit Abstand der schwierigste Whisky der Reihe. Sehr kräftig im Alkohol, dazu von den Aromen sehr „hell“ und trocken. Ein Whisky für die Liebhaber trockener Weißweine, mir persönlich fehlt etwas der Gegenpol zum Alkohol und den hellen Tönen. Mein Tipp: Whisky…, 55% aufwärts, Nicht Schottland. Tendentiell USA (Erste Eingebung war, er erinnert mich sehr stark an etwas, was die „Lost Spirits“ Distillery mal selbst produziert hat, der war aber rauchig…). Reifung: Erinnert mich an Fino/Amontillado/Manzanilla – sehr kräftig und überlagernd. Wenn es ein Finish ist, dann hat es das vorherige Fass völlig überlagert. Eventuell auch Vollzeitlagerung im dominanten Refillfass.
  • TW: Single Malt Whisky, 46-48%, Deutschland. Reifung: Kurze fulltime Reifung in einem kleinen Fass. Nicht so mein Fall.
  • NF: Ein Single Malt, aber ich würde eher sagen aus dem Internationalen Bereich. Vielleicht Taiwan? mit einer Vollreifung in Oloroso Sherryfäassern. Der Alkohol liegt zwischen 48-51% Vol.
  • AE: Hier haben wir sicherlich eine Fassstärke, die wahrscheinlich sogar knapp an den 60% kratzen dürfte. Der Whisky schmeckt mir gut, ist aber nicht sonderlich komplex. Die Abfüllung dürfte eher jung sein. Sofern es sich um PX oder Oloroso handelt, ist es nur ein Finish. Denkbar wäre aber auch eine Vollreifung im Fino mit maximal 10 Jahren. Bei der Destillerie kann ich diesmal keinen Tipp abgeben.
  • AB: Single Malt, 56+%, Indien? Amrut Intermediate? Reifung: keine Vollagerung – Oloroso.
  • ML: Single Malt, Inseln, Fino-Finish für vielleicht ein Jahr, 40%
  • MS: Single Malt, 46% Vol., Schottland, Campbeltown, Springbank. Reifung: 40% Fulltime Sherry (Oloroso), 60% Bourbon. Keine Notes.
  • HW: Single Malt, 55%, SC Spey. Reifung: Finish. Bei diesem liege ich wahrscheinlich völlig daneben… fand den schwierig und der ist auch so garnicht meiner.
  • MaS: Single Malt, 46%, Highlands, Ardmore. Reifung (voll / finish): finish (Oloroso). Dieser Whisky wirkt für mich am ehesten schottisch und ich würde auf einen unabhängig abgefüllten Malt tippen. Jung wird er auch sein (6-10 Jahre). Wo er herkommt? Puh, ein rauchiger Bunna kommt in Frage, ebenso Ardmore.

Nase

  • PM: Ein wenig Harz (Wachholder für mich). Die Sherryaromen halten sich zurück. Mit der Zeit verfliegt der Wachholder und er wird runder und angenehmer. Schokolade. Sehr würzig.
  • JS: Kirschwasser, leicht rauchig, Vanille
  • KD: Sehr speziell – in Farben ausgedrückt ein „heller“ Tropfen wie ein trockener Weißwein. Schale eines sauren Apfels, Chlorophyll, Gelbe-Pflaumen-Brand, Zitrus mit Schale. Vorsichtig schnuppern – der Alkohol spielt im Hintergrund noch kräftig mit.
  • TW: Kräuter, Torf, Säure und etwas alkoholische Frische. Auch hier finde ich wieder eine metallische Jugend, die aber keineswegs stört. Was aber stört ist die Assoziation mit Nivea Creme.
  • NF: Auch hier haben wir zu aller erst einmal eine Süße in der Nase, welche aber nicht ganz so stark ausgeprägt ist. Dazu helle Früchte wie Quitten oder gelbe Pflaumen. Eine schöne Mischung aus Karamell und Vanille, dazu macht sich der Alkohol zum Ende hin bemerkbar.
  • AE: Vanille und Karamell verbinden sich hier mit Butterkeksen, Pfirsich, Papaya und gelber Pflaume. Hält man seine Nase zu tief ins Glas, kommt auch der Alkohol durch, so dass hier vermutlich ein paar Volumenprozente mehr im Spiel sind.
  • AB: Erstmal buttrige Vanillenoten, etwas dunkle Schokolade und Piment. Zitrusnoten und Lakritze.
  • ML: super zurückhaltend, sanft + elegant, etwa auch ein Hauch von saftigem Torf?
  • HW: kand. Früchte, Karamell
  • MaS: Schnell Nummer 2 vergessen und weiter geht es. Sample 3 ist wieder etwas heller als der 2., und eher auf dem Niveau von Sample 1. In der Nase vernehme ich zunächst ein wenig Malzigkeit und Rauch. Kräuterig und etwas alkoholisch-medizinisch. Nach einiger Zeit kommt Vanille mit dazu. Sherry? Hm.

Geschmack

  • PM: Kräftiger Antritt mit leichtem Prickeln auf der Zungenspitze. Auch am Gaumen finde ich ein wenig Wachholder. Mit der Zeit wird er ölig im Mund. Nüsse und Milchschokolade.
  • JS: scharfer Antritt, Chili, voll rauchig – mundfüllend, maritim, Honig
  • KD: Kräftiger Antritt mit deutlichem Alkohol, erstaunlich voll und ölig, dennoch trocken. Grüner Apfel, roter Apfel, gelbe Pflaumen, etwas Ingwer, Anklang von Eiche und Tanninen, sehr spritzig und „hell“. Keine jungen Fehlaromen vom Rohbrand mehr, aber dennoch noch sehr jugendlich.
  • TW: Kandierter Ingwer, Honig, Pfeffer, Zitrusnoten, ein paar Kräuter.
  • NF: Sehr kräftig, der Alkohol ist auch hier spürbar und entzieht einem jeglichen Speichel aus dem Mund, dahinter kommt dann eine leichte Frucht und etwas bittere Eiche.
  • AE: Der erste Eindruck ist süß und kräftig. Auch hier kommt der Pfirsich wieder durch, der hier mit einem sahnigen Karamellbonbon kombiniert wird. Tannine sind deutlich spürbar und sorgen für trocken-herbe Noten, die aber gut eingebunden sind.
  • AB: Ziemlich intensiver Antritt und schafft sich sofort richtig Platz im Mund. Kräftige Eiche, süße Rosinen, rote Beeren und eingelegte Orangen. Mit der Zeit kommt noch cremige Schokolade hinzu. Abgerundet wird der Gaumen durch würzige Kräuternoten.
  • ML: überraschend würzig, Lebkuchen, Zimt, Ingwer, Zitrus, leichte Orange
  • HW: Feine Süße, Früchte, gefolgt von einer pfeffrigen Würzigkeit
  • MaS: Der Geschmack ist relativ rau und „ins Gesicht“. Ich habe zunächst eine Vanillesüße, die schon nach einer Sekunde durch stürmische Kraft verdrängt wird. Herbe Kräuternoten von Thymian und Majoran wirbeln durch den Mund, zusammen mit Eiche, Bitterkeit und Rauch. Der Whisky prickelt ein wenig, vielleicht unterschätze ich die Alkoholstärke gnadenlos?

Abgang

  • PM: Auch hier kräftig. Menthol. Dann ein wenig Eiche.
  • JS: mittellang, erdig, pfeffrig. Ein Täuscher: Das Aroma verbirgt den Rauch
  • KD: Erstmal eine Ladung Alkohol beim Schlucken, danach kehrt die Trockenheit zurück mit Apfelschale, Ingwer, Pfeffer und zunehmenden Anklängen von Eiche zum Schluss. Mittellang.
  • TW: Medium mit etwas Eichenwürze. Dazu Zitrus, Schoko und etwas bitterer werdend.
  • NF: Der Abgang ist lang, sehr wärmend und wird begleitet von einer immer trockener werdenden Eiche.
  • AE: Der Abgang fällt mittellang aus und bietet zunächst süße Aromen, die aber schnell einer trockenen Würze weichen.
  • AB: Der Abgang ist schön lang und süß – leicht pfeffrig und maritim. Ganz geil.
  • ML: sanfte Schärfe, die den gesamten Gaumen einfängt, leichter Kakao-Anteil, Anis und durchaus deutliche Minze
  • HW: lang und intensiv
  • MaS: Auch hier nicht weniger wild. Der Whisky verbleibt lange und ist trocken und mittelkräftig im Rauch. Ich habe noch nach Minuten Eiche und einen alten, trockenen Kamin im Mund. Der Rauch ist allerdings nicht speckig oder von einem frischen Kamin, eher gesetzt und zurückgezogen.

Fazit

Ich danke allen Teilnehmern. Ihr habt Euch gut geschlagen! Hier noch Mal zusammengefasst, wofür die drei Proben gehalten wurden:

Blind Tasting - Welcher Whisky Typ?

Ihr seht mal wieder, das ist gar nicht so leicht! Obwohl beim Kavalan (#2) alle richtig mit der Einschätzung lagen, dass es sich um einen Single Malt hält. Dass es ein Kavalan ist, hat nur einer getippt – zwei waren hingegen der Meinung, dass es ein deutscher Whisky ist. Und einer wollte ganz schnell was zum nachspülen. Die Geschmäcker sind verschieden. Das Blind Tasting Projekt gibt Euch eine gute Möglichkeit, einen Blogger mit einem ähnlichen Geschmack wie Euren eigenen zu finden.

Kleiner Hinweis: zur Feststellung des Alkoholgehalts, gibt es einen kleinen Trick. Zumindest findet man damit heraus, ob der Whisky über 50% hat oder nicht: SCHÜTTELN!

Mehr dazu findet Ihr hier: SMWS Masterclass mit Charles MacLean (siehe Video 4).

Mein Danke geht dieses Mal an Andrea Caminneci von Schlumberger, der mir die drei Flaschen zur Verfügung gestellt hat!