Blind Tasting: 3 Single Malts – 7+1 Blogger

Habt Ihr schon mal einen Whisky „blind“ verkostet? Ich bin immer wieder davon fasziniert, wie sehr wir uns von Marketing und Verpackung sowie den Informationen auf der Flasche beeinflussen lassen. Zeit für einen Versuch mit mehreren Bloggern, die sich regelmäßig mit Whisky auseinandersetzen und Tasting Notes verfassen. Ich habe sieben Freiwillige gefunden, die für mich blind verkostet und der Veröffentlichung ihrer Notes zugestimmt haben. Und ich habe natürlich auch mit gemacht….

Wie funktioniert mein Blind Tasting?

Von einem Whisky-Importeur und unabhängigen Abfüller habe ich drei Flaschen zur Verfügung gestellt bekommen, für die ich mich interessiert habe. Diese habe ich in 5cl Probeflaschen umgefüllt und an meine unabhängigen Bloggerfreunde verteilt. Beschriftet habe ich diese nur mit einer Samplenummer 1-3. Keiner kennt den UA (unabhängigen Abfüller), die Abfüllung, die Region, die Destillerie oder die Alkoholstärke. Nada. Nichts. Nur ich kenne dies alles, aber auch nur in Teilen, denn der UA hat ohne Angabe der Destillerie und ohne Altersangabe (NAS) abgefüllt. Deshalb bin ich nicht ganz blind und habe mich auch nur als „+1“ gezählt. Offizielle Tasting Notes kenne ich zu den Abfüllungen nicht und wenn es die gibt, will ich mich davon nicht beeinflussen lassen. Somit zumindest ein wenig „blind“. Mal sehen, was bei dem Versuch rauskommt, denn wir haben natürlich auch noch alle unterschiedliche Geschmäcker.

Wer hat mitgemacht?

Ich habe die drei Samples vorab verkostet, damit ich durch die anderen Meinungen nicht beeinflusst werde.

Die folgenden Blogger haben mitgemacht (in der Reihenfolge des Eingangs der Tasting Notes):

Ein paar weitere Proben habe ich zwar verteilt, aber die Probanden haben es leider nicht geschafft diese bisher zu verkosten.

Tasting Notes – Sample #1

Nase

  • PM: Jung und frisch. Erinnert mich an einen fruchtigen New Make mit Menthol. Malzig und leichte süße sowie würzige Noten. Mit ein wenig Zeit entwickelt der sich im Glas und er bekommt etwas mehr Tiefgang. Vielleicht ein wenig Heidekraut und Preiselbeeren? All zu viel kann ich hier aber nicht entdecken.
  • AA: Das Aroma kommt mir im ersten Moment als ausgewogen in die Nase und ich kann schon eines ausschließen, das 1. Blindsampel ist ein unpeated Malt. Im zweiten Moment will nun doch eine alkoholische Schärfe aus dem Glas. Gleichzeitig kommen die ersten Gedanken, um welches Fass es sich handelt und ob da auch ein Finish dabei gewesen sein könnte. Ich kann Vanille erkennen, der eine schwache Grasnote anhaftet. Mir kommt Bourbon in den Sinn. Etwas dezent Florales kann ich erkennen, Korn- oder Strohblumen. Brotlastige Note erscheinen. Grüner Apfel ist dabei, der aber im Hintergrund verweilt. Auch eichenlastige Nuancen sind zu riechen. Die Detailnoten sind sehr schwierig zu erkennen, so daß ich langsam in die Verkostung übergehe.
  • MS: malzig, Getreide, Keksteig, wenig Alkoholschärfe, leichte Vanillenoten, nach einer Weile leicht mineralische Noten, Zitrus / mit Wasser: Vanille verfliegt, etwas würziger, leichte Honignote
  • NF: eine deutliche Vanille macht sich breit, überreife Früchte treten in den Vordergund, frischer, warmer Kuchenboden und ein fast nicht wahrnehmbarer Rauch hinterlässt seine Spuren.
  • TP: Vornehmlich fruchtig. Durchaus kräftig und stabil. Unter Anderem habe ich
    Blockmalz, Zitrusfrüchte, helle Weintrauben und naturtrüben Apfelsaft entdecken können. Gegebenenfalls weiter hinten auch ein paar Dörrpflaumen und etwas blühnenden Klee.
  • AE: Im ersten Moment kommt er etwas flach daher mit leicht holzig-bitteren Noten, aber schon nach wenigen Sekunden setzt sich eine schöne Fruchtigkeit durch. Äpfel sind ebenso zu finden wie Pfirsiche und Aprikosen, die Holzigkeit bleibt erhalten, ist nun aber nicht mehr bitter. Je länger er steht, desto fruchtiger wird der Whisky.
  • MaS: Zunächst einmal ein sehr angenehmer Whisky. Nicht zu aufdringlich, wenig alkoholisch. Alkoholstärke eher im 40-50% Bereich. Was rieche ich? Zunächst einen Hauch Vanille und eine Süße. Dann kommt etwas Nuss hinzu. Bei der zweiten Verkostung einen Tag später ist diese Note aber weniger präsent. Dann nehmen Kräuter zu, das Aroma wechselt in eine herbere Richtung. Dann kommt noch etwas gekochte Birne.
  • OF: malzig süß, Haferflocken, rote Äpfel, weiche Birne, Pfirsich, etwas Zimt, ein Hauch Nuss

Geschmack

  • PM: Hier finde ich den New Make von der Nase noch, aber der ist geschmacklich reifer. Süßigkeiten. Marshmallow, Candys und Orangenschalen neben der mentholischen Fruchtnote. Malzige Williamschristbirne.
  • AA: Der Whisky kommt ohne große Schärfe im Mund an, vom Trend her eher weich. Es dauert seine Zeit bis sich Geschmacksnoten entfalten, was auf ich auf eine Alkoholstärke schiebe, die zwischen 40% und 46% liegen dürfte.Wie schon in der Nase, tauchen Vanillie und grasige Noten auf. Die Zunge neigt zum Austrocken, bedingt durch die Gerbstoffe des Fasses, ein Zustand der nicht lange anhält. Mir kommen Eichennoten in den Sinn. Ich bin gerade dabei meine Meinung zu revidieren und tippe darauf, das es sich auch um ein reines Eichenfass gehandelt haben könnte. Hält man den Whisky im Mund etwas zurück, erscheint eine Schärfe, wie von Ingwer. Was meine Vermutung zulässt, das dieser Malt 46% haben könnte.
  • MS: dezente Schärfe, etwas salzig, mineralisch, weich, leichte Honignote
  • NF: Er ist sehr Cremig im Mund, die reifen Früchte bleiben, dazu ein paar Haselnüsse, welche von einem deutlich scharfen Ingwer abgelöst werden.
  • TP: Süffig und gefällig, aber auch recht dünn und einfach. Neben Apfelmus mit Schlagsahne waren Honig, Karamell und Vanille für mich die dominantesten Noten.
  • AE: Hier wiederholt sich das Spiel mit der holzigen Bitterkeit, die dann etwas Platz macht für süße, helle Früchte und Karamell. Der Alkoholgehalt scheint sich eher im unteren Bereich zu bewegen und dominant ist ein herber Apfel.
  • MaS: Auch hier zunächst schön angenehm. Ich lege mich auf mal auf 46% Alkohol fest. Überraschend trocken liegt der Whisky im Mund. Malzigkeit vernehme ich zunächst, dann wieder kräuterig. Beim ersten Tasting habe ich „definitiv Birne“ notiert, im zweiten Durchgang komme ich da nicht mehr ganz hin. Dann kommt ein wenig Bitterkeit, holzig-eichige Noten.
  • OF: malzig, etwas Vanille, weniger fruchtig

Abgang

  • PM: Menthol und würzige Eiche. Nicht unangenehm, aber jung.
  • AA: Den Abgang finde ich relativ kurz. Die am Ende erscheinende Schärfe nimmt die grasigen Noten, den Eichengeschmack und die Vanille an die Hand und verabschiedet sich auf eine schnelle Art aus dem Mund.
  • MS: Ingwer, kurz
  • NF: der Abgang ist lang, der leichte Rauch zeigt sich noch einmal im Einklang mit einer leicht getoasteten Eiche.
  • TP: Kurz und weniger fruchtig als das anfängliche Nosing vermuten lassen würde. Ein bisschen Nuss, ein wenig Malz und ein Schuss Vanille. Das war’s.
  • AE: Und wieder grüßt die bittere Holznote, diesmal länger, als man es sich wünscht. Die Holzigkeit bleibt überraschend lang erhalten, die Äpfel blitzen nur noch ganz leicht auf.
  • MaS: Der Abgang ist relativ kurz und unkompliziert. Ein wenig Nuss, am ehesten Walnuss, dann Holzwürze und Bitterkeit. Insgesamt aber immer auf der milderen Seite.
  • OF: mittellang, wärmend, feinwürzig

Kommentare

  • AA: Zuerst einmal zur Sache, um was für einen Whisky es sich handelt. Also die erste Vermutung, es handelt sich um ein Bourbonfass revidiere ich, zugunsten der Aussage, das es sich um ein amerikanische Eichefass handelt. Der Alkoholgehalt übersteigt nach meinem Befinden die 46%-Grenze nicht und vom Alter her dürfte er zwischen 7 und 10 Jahre alt sein. Die Brennerei die den Whisky lieferte, dürfte in der Speyside liegen. Auch dürfte er weder gefärbt oder kühlgefiltert sein. Das er nicht kühlgefilter wurde ist eher eine Vermutung, denn eine Erkenntnis.
    Ich mag Whiskys, die rein nur in Eichenfässer gelegen haben und finde ihn auch nicht übel. Mir persönlich fehlt es aber doch ein wenig am Geschmack. Woran das liegt, ob zu jung, zu wenig Alkoholvolumen oder vielleicht um ein Fass, das doppelt belegt wurde, darüber kann ich leider keine Aussage treffen.
  • MS: nicht sehr komplex, evtl. Re-Fill Bourbon Fass, ca. 46%, wenn ich es in eine Region einordnen sollte: Highland an der Grenze zu Lowland, also etwa Loch Lomond…
  • NF: Ein schöner Runder und ausgewogener Whisky, der denk ich aus einem Bourbon Fass kommt. Regionen technisch würde ich auf die Inseln tippen und einer Alkoholstärke von 46 – 48% Vol.
  • TP: Ein einfacher, schnörkelloser Whisky. Im Mund hätte ihm etwas mehr Wumms nicht geschadet, finde ich. Wenn er preislich im Einsteigersegment untergebracht ist, passt’s für mich. Ins Blaue geraten: Ein junger (6-8 Jahre) Highlander (Macduff) aus dem Bourbonfass in Trinkstärke (40-43%).
  • AE: Das wird vermutlich nicht mein Favorit werden. Ich habe das Gefühl, diesen Whisky schon einmal getrunken zu haben, kann es aber nicht mehr zuordnen (eventuell ein junger Glenlivet mit 40%, dafür fehlt mir aber Getreide?). Mir sind die Bitternoten zu dominant, die Fruchtigkeit hat nicht genug Kraft, um sich dagegen durchzusetzen.
  • MaS: Ein schöner Whisky. Spannend, dass ich hier zwei unterschiedliche Erlebnisse hatte. Am ersten Abend eher mild und fruchtiger, am zweiten trockener mit etwas mehr Würze und Eiche. Tipp: Ich bleibe mal bei der Birne: Glenlivet, 46%, Speyside. Um es zu erweitern: Ex-Bourbon und maximal 15 Jahre alt. Es könnte aber auch ein relativ unbekannter Malt sein, Glen Elgin oder Mannochmore. Who knows…
  • OF: 43%, Speyside, NAS – schöner Trinkwhisky, daily dram, interessanter Unterschied zwischen Nase und Mund

Tasting Notes – Sample #2

Nase

  • PM: Satter, kräftiger, speckiger Rauch streichelt über meine Nasenflügel. Ich bin zu Hause auf meiner Lieblingsinsel. Ich würde auf einen jungen Laga tippen. Meeresbrise und zugleich ein wenig muffig. Vanille und Karamell. Pfeffer. Der Rauch verflüchtigt sich mit der Zeit und lässt den anderen Aromen mehr Spielraum, die sich zu einem homogenen Gesamteindruck verbinden: gefällt!
  • AA: Unverkennbar, Islay! Das ist eine der leichtesten Dinge, die man über den Whisky herausfinden kann. Dann kommen mir medizinische Noten unter. Von der Art her, wie der Malt in der Nase ankommt, schätze ich ihn so ein, dass er in Fassstärke abgefüllt wurde. Süßliche Aromen, wie Vanille, kann ich riechen, sowie schwach grasige und florale Noten. Der Rauch macht es schwer andere Aromen zu finden. Karamell kann ich aus dem Aromabukett definieren.
  • MS: etwas Holz, erdiger, weniger Zitrus, Seeluft, aschiger Lagerfeuerrauch
  • NF: ein sehr schöner, aromatischer Rauch macht sich in der Nase breit, es dauert eine Weile bis sich eine leichte süße durchsetzten kann, hinter der sich auch frische Zitrusfrüche und ein Hauch Anis verstecken.
  • TP: Direkt und gradlinig mit ordentlich BBQ-Rauch, sowie schwelendem Holz und getrockneten Wildfrüchten. Ein paar Kräuter und etwas Minze runden das Aromaprofil ab.
  • AE: Jetzt gibt es süßen Torfrauch in die Nase. Auf dem Teller würde mir kandierter Speck mit Marshmallows und flambierten Gummibärchen nicht gefallen, in der Nase schon.
  • MaS: Zurückhaltender relativ trockener Rauch. Dahinter liegt etwas Vanille, die eine schöne Süße rüberbringt. Mit etwas Zeit wird der Rauch voller und erhält Töne von Fleisch und Speck.
  • OF: Torfrauch, kalte Asche, etwas phenolisch, fruchtige Süße, dunkle Trauben

Geschmack

  • PM: Eher leichter Antritt mit ein wenig Kribbeln auf der Zungenspitze. Fühlt sich ein wenig verwässert an. Wenn ich Wasser reingetan hätte, hätte ich mich dafür gerügt. Obwohl ich die Angaben kenne, hätte ich hier auf 40% getippt. Leichte Rauchnote, malzig und würzig. Vanille und Pfeffer über einem Kohlebrikett.
  • AA: Im Antritt ist er weniger kräftig, als er in der Nase erscheint. Eichenholzartige Aromen kommen zuerst auf der Zunge an. Ganz leichter bitterer Beigeschmack ist dabei. Die Zunge wird trocken. Dann ein Geschmack, der von Bourbon kommen könnte, leider nicht sehr markant.
  • MS: säuerlich, etwas Plastik, leichte Süße
  • NF: Viel Kraft und Rauch bringt er mit, wärmend füllt er den Mundraum und hinterlässt eine Spur Ingwer
  • TP: Abermals recht einfach und unkompliziert. Den Rauch spürt man auf der Zunge weniger stark als in der Nase. Meine erste Assoziation war Schweinebraten mit Kräuterrand. Hinzu kommen noch ein paar Phenole und eine mitschwingende Süße.
  • AE: Im Mund muss sich der Rauch erst entwickeln, ist jetzt aber nicht mehr so speckig wie in der Nase. Im Vordergrund steht zunächst eine ausgeprägte Süße von Zuckerwatte und einem leichten Apfelaroma.
  • MaS: Das Mundgefühl finde ich etwas dünn. Da könnte mehr Power hinter sein. Man könnte sagen: Der Whisky fährt mit angezogener Handbremse. Auch hier eher 43% oder 46%. Eine leichte Malzigkeit / Süße, cremiger werdend und trockener Rauch.
  • OF: leicht getorft, blumig, frisch, helle Trauben, Gurke, etwas Thymian, zarte vanillige Süße, ein wenig Jod, maritim

Abgang

  • PM: Leichter Chilli-Kick, speckiger Rauch und Menthol. Dann kommt die Würze von der Eiche.
  • AA: Langer Abgang, der von einem holzartigen Beigeschmack überschattet wird.
  • MS: relativ kurz
  • NF: der Abgang ist für mich Mittelgang, der Rauch bleibt präsent und hinterlässt ein wenig Asche.
  • TP: Der Whisky klopft kurz an den Geschmacksknospen an und ist dann auch flux wieder weg. Zurück bleiben leichte Anklänge von aschigem Rauch, dezenter Fruchtigkeit und der zuvorgenannten Süße.
  • AE: Im Abgang bleibt zunächst die Süße, dann kommt noch einmal ein wenig Torf durch, insgesamt ist der Eindruck aber auch relativ schnell wieder verschwunden.
  • MaS: Der Rauch nimmt kaum zu, ist aber vorhanden. Bitter mit leicht holziger Note.
  • OF: eher kurz, blumig, leichte Süße

Kommentar

  • AA: Die Region dürfte zu garantiert Islay sein. Dann vermute ich, das der New Make in einem 2nd fill Bourbon Barrel gelagert und reifen durfte. Wenn ich bei meiner Ansicht über die Abfüllung in Fassstärke von ca. 52% ABV bleibe und die Intensität des Geschmackes hinzuziehe, so gehe ich von einem Alter um die 14 Jahre aus. Als Brennerei neige ich zu 95% zu Laphroaig, mit einer Restunsicherheit von 5% würde ich Bunnahabhain nehmen.
    Mit den Vermutungen kommt auch das Feedback zu diesem Whisky. Ganz kurz ausgedrückt, ein schöner rauchiger Malt auf Basis eines Bourbon. Vorne dominiert der Rauch und als Hintergrund kommen süßliche Noten, wie Vanille und Karamell. Der Alkohol ist gut eingebunden. Mit Wasser würde ich persönlich nicht unbedingt experimentieren, das nimmt ihm die Kanten.
  • MS: schätze auch 46%, könnte das selbe Destillat wie 1 sein, welches in einem Ardbeg-Fass lag, oder eine getorfte Variante derselben Destille
  • NF: Das sollte eindeutig ein Islay Whisky sein und wenn ich mich nicht irre, erkenne ich hier einen Caol Ila, die zu meinem Lieblingsdistillen gehört! Ich mag an diesem Whisky den rauen und ungestümen Charakter. Alkoholtechnisch würde ich hier schon bei über 51% Vol. ansetzten.
  • TP: Ähnlich wie Nummer eins. Es würde mich nicht wundern, wenn die beiden Teil derselben Serie wären. Allerding mit dem Unterschied, dass einer die Highlands repräsentiert und der andere Islay. Ins Blaue geraten: Ein junger (6-8 Jahre) Islaymalt (Lagavulin) aus dem Bourbonfass (eventuell mit ganz dezentem Sherryfinish) in Trinkstärke (40-43%).
  • AE: In der Nase kann der Whisky voll und ganz überzeugen. Leider kann er am Gaumen dann nicht mehr alles halten, was er zunächst versprochen hat. Trotzdem ergibt sich insgesamt ein rundes Bild. Auch hier würde ich eher auf eine geringe Volumenzahl tippen. Tippen würde ich an dieser Stelle auf einen Islay-Blend.
  • MaS: Nicht wirklich mein Fall. Für mich eher eindimensional und – böse ausgedrückt – langweilig. Man könnte auch sagen: Leichte Vanillesüße mit Rauch. Viel mehr kommt für mich hier nicht rüber. Tipp: Ardmore, 43% – 46%, Highlands. Erweiterung: Auch hier ex Bourbon, wahrscheinlich Refill.
  • OF: 43%, Speyside, NAS – sehr frisch und leicht, wirkt noch etwas jung, erinnert mich an den Spey Fumare

Tasting Notes – Sample #3

Nase

  • PM: Speckiger Rauch mit Menthol. Hier sind mehr Umdrehungen als bei Sample #2 im Glas. Ist aber nicht stechend sondern schön eingebundener Alkohol. Solange Alkohol und Rauch so kräftig sind, haben andere Aromen wenig Chancen. Also: Zeit lassen, Glas schwenken und immer wieder riechen. Ich würde mal auf die gleiche Destillerie wie bei #2 tippen, aber das könnte auch ein Kilchoman sein. Mit der Zeit kommt ein wenig Crème brûlée.
  • AA: Mein erster Gedanke, nachdem meine Nase über das Glas kommt, süßes und grasiges Aroma. Die Süße überwiegt eindeutig das Grasige. Ich muss festhalten, mir wird das Riechen durch starkes Begegnen des Alkohols mit der Nase erschwert. Eichennoten sind präsent. Dieser Whisky ist eindeutig eine harte Nuss, die es zu knacken gilt. Nuancen von Toffee und Schokolade habe ich noch entdecken können.
  • MS: Nougat, Cafe, Holz, Muskatnuss, Getreide
  • NF: Auch hier wird es wieder rauchig, jedoch ist er viel fruchtiger und der Alkohol macht sich leicht bemerkbar, trotzdem wirkt alles harmonisch und gut eingebunden, es zeigt sich Vanille und Toffe, getrocknete Limetten und gezuckerte Grapefruit.
  • TP: Kräftig und massiv mit Zitrone, Salzlakritze, Fischernetzen und schwerem Schornsteinrauch. Ein Hauch von Minze sorgt inmitten der dichten Ruß- und Qualmwolke für etwas Frische. Je mehr Luft der Whisky bekommt, desto rauchiger wird er.
  • AE: Hier scheint nun etwas mehr Alkohol im Spiel zu sein, der in der Nase ankommt. Wieder ein torfiger Tropfen, der aber weniger süß ist. Der Torfrauch ist recht dominant und lässt kaum Spielraum für die leicht herben Fruchtnoten, die leicht durchschimmern.
  • MaS: Ja, die vorgeschlagene Reihenfolge ist gut gewählt. Hier kommt der kräftigste Rauch aus dem Glas. Voll, kräftig und mit tollem Volumen. Verkohltes Holz, Lagerfeuer, das ausgebrannt ist. Dahinter kommen ein paar Kräuter aus dem Kräutergarten dazu.
  • OF: feine Würze, Gartenkräuter, Thymian, etwas Rosmarin, Salbei, eine Spur Rauch, Toffee

Geschmack

  • PM: Vollmundig und nach etwas Zeit breitet sich von der Zungenmitte kommend ein Kribbeln aus. Malzige Süße mit Rauch. Menthol und Williamschristbirne. Deutlich kräftiger als #2. Wird mit der Zeit ölig im Mund.
  • AA: Würzig scharfer Antritt. Der kommt eindeutig in Fassstärke daher. Ist die ingwerscharfe Würze abgeklungen, baut sich ein Eichengeschmack auf. Dann entschwindet die Eiche und ein trocken süßer Geschmack fordert die Geschmacksrezeptoren heraus. Dies macht mir ebenfalls die Festlegung schwer, von welcher Fassart diese Geschmacksentwicklung kommt. Sherry? Hier bin ich mir ziemlich sicher und gehe soweit von einem trockenen Sherry zu reden. Sporadisch kommen mir nussige Noten unter.
  • MS: Süße, Toffee, etwas Schokolade, Grapefruit
  • NF: Kräftig und mundfüllend präsentiert er sich hier, der Rauch ist jetzt dominanter, lässt aber noch genug Raum für die süßen Zitrusfrüchte die einem den Speichel aus den Wangen ziehen.
  • TP: Kräftig und ziemlich „peaty“. Das Mundgefühl ist trocken und wenn man den Whisky etwas länger über die Zunge tanzen lässt, entzieht es einem förmlich die Spucke. Neben einer guten Dosis Rauch erwarten uns auch eine merkliche Ingwerschärfe, eine an Hustenbonbons erinnernde Süße und eine maritim-ölige Komponente.
  • AE: Jetzt wird die herbe Fruchtnote aus der Nase näher spezifiziert, es handelt sich um eine klare Grapefruit-Note. Dazu kommen aber auch Orangen und Zitronen, erst nach einigen Sekunden im Mund kommt der kalte Aschenbecher und eine leichte Medizinnote dazu.
  • MaS: Puh, kräftiger Rauch. Etwas Antritt vom Alkohol. Zum dritten Mal Bourbonlagerung? Würde ich sagen. Eine ganz leichte Säure, dann wieder typische Bourbonfass-Noten: Vanille, malzig. Der Rauch ist weiterhin auf der „vollen“ Seite. Speckig, kräftig, etwas dreckig.
  • OF: kräftiger Antritt, voluminös, cremiges Mundgefühl, Rauch deutlicher, süßer Sherry, brauner Zucker, reife Pflaumen

Abgang

  • PM: Asche vom Lagerfeuer, Menthol und Würze. Hält lange an und brennt nicht. Geht über in eine nussige Note.
  • AA: In Sachen Abgang stufe diesen Whisky als mittellang ein. Dieses Trockensüße, mit nussigem Beigeschmack flaut nach einiger Zeit ab, übrig bleibt süßes Eichenholz.
  • MS: länger, wärmend
  • NF: der Abgang ist lang, es bleibt Rauch und ein deutlicher Touch verkohlter Eiche.
  • TP: Andauernd und kraftvoll mit viel Schokolade. Selbige hat sich in der Nase und auf der Zunge noch nicht wirklich gezeigt, tritt zum Ende hin aber deutlich in den Vordergrund. Der eingangs erwähnte schwere Rauch ist ebenfalls mit von der Partie. Außerdem habe ich im Finish noch angebranntes Karamell und gebackene Kastanien ausmachen können.
  • AE: Auch im vergleichsweise Abgang setzt sich die Grapefruit durch, die abwechselnd von Zitronen und kaltem Rauch begleitet wird. Die in Asche panierte Grapefruit bleibt dabei am längsten.
  • MaS: Weiterhin kräftig, kalte Asche, die lange verbleibt. Im letzten Abgang dann ordentlich Eiche, die lange und trocken verbleibt.
  • OF: mittellang, rauchig, cremig süß

Kommentar

  • AA: Dieser Whisky ist für mich wirklich eine harte Nuss, die kaum zu knacken gewesen ist. Die nach meiner Ansicht hohe Fassstärke, wird von dem Whisky kaum zurückgehalten, was die Nase als auch den Geschmack betrifft. Eine Aussage zur Destille mache bei dem Whisky nicht, dazu fehlen mir greifbare Ansätze. Allgemein gefällt mir dieser Whisky richtig gut. Hätte ich diese Flasche in Besitz käme es zu einem zweiten Durchlauf mit Wasser, um ihm etwas von seiner Kraft zu nehmen, die er nicht zurückhalten möchte. Region: Highland oder Speyside, Alter: ca. 7 bis 9 Jahre, Alkoholgehalt: 56% ABV, Fassart: 2nd fill Sherry Cask.
  • MS: ebenfalls 46%, könnte ein Grain sein…
  • NF: Ein hervorragender Whisky! Ich würde wieder auf Islay tippen und auch wieder auf die Brennerei Caol Ila, jedoch diesmal mit etwas mehr alter. Alkoholtechnisch würde ich wieder bei über 51% Vol. ansetzen.
  • TP: Ein muskulöser, kanntiger Raucher. Der erhöhte Alkoholgehalt tut dem Whisky gut und sorgt für ein spannendes, intensives Verkostungserlebnis. Ins Blaue geraten: Ein nicht mehr ganz junger (9-11 Jahre) Islaymalt (Bunnahabhain) aus dem Bourbonfass in Cask Strength (50-55%).
  • AE: Bei diesem Whisky stehen die Zitrusnoten im Vordergrund, was mir grundsätzlich erst einmal gut gefällt. Der Rauch geht mir etwas zu sehr in Richtung Aschenbecher und die leichte Medizinnote sagt mir nicht zu. Könnte es hier in Richtung eines Laphroaig gehen? Der Alkoholgehalt ist sicherlich etwas höher, ich würde auf gute 50% tippen.
  • MaS: Die Raucher sind nicht so mein Jagdgebiet. Dieser hier gefällt mir ganz gut, denn er macht, was man wohl erwartet. Ordentlicher Rauch, etwas mehr Kraft als Nummer 2. Kaufen würde ich mir diesen hier aber auch nicht unbedingt.
    Tipp: Ein Islay, aber welcher? Ich kenne mich da nicht so aus. Für Caol Ila ist er eigentlich zu speckig. Aber ich nehme mal die Brennerei. Bestimmt hat er mehr Prozente, ich rate mal ganz frei 55,7%.
  • OF: 43%, Islay, NAS – schöne Kombination aus Rauch und Süße, erinnert mich an den Lagavulin 16, ohne dessen Ausgewogenheit und Komplexität zu erreichen

Fazit

Ihr glaubt gar nicht, wie oft ich bei einem Blind Tasting schon meilenweit daneben lag. Wenn man einige Rahmenparameter kennt, wird es einfacher, aber wenn man genau DIE Abfüllung nicht kennt, hilft einem manchmal auch der Destillerie Charakter nicht weiter.

Die #2 hat mir an der Nase, die #3 insgesamt am Besten gefallen.

Mein Lob und Dank allen Freiwilligen, die mir erlaubt haben, ihre Tasting Notes zu veröffentlichen!

Und das meinten meine Freiwilligen dazu:

  • AA: Nummer 2 und 3 haben mir in gleichen Masse am besten gefallen. Das Erste rangiert dahinter, auf Platz drei. Platz 2 gibt es hier für mich nicht.
  • MS: Bin sehr auf die anderen Reviews und das Ergebnis gespannt.
  • NF: Wir hatten hier 3 wundervolle Whiskys im Glas. Und jeder kann auf seine eigene Art bestechen! Mir persönlich hat Sample Nummer #3 am besten gefallen! Die Mischung aus Rauch und reifen Zitrusfrüchten hat mich hier vom Hocker gehauen. Zudem nochmal einen großen Dank an dich Peter für dieses schöne kleine Tasting und ich bin sehr gespannt, was als Auflösung dabei heraus kommt!
  • TP: Mein Favorit ist klar die Nummer 3, da hier am meisten passiert und es sowohl in der Nase als auch im Mund einiges zu entdecken gibt. Eventuell bin ich total auf dem Holzweg, aber ich habe das Gefühl, dass die zusätzliche Tiefe nicht nur dem höheren Alkoholgehalt, sondern auch einer etwas längeren Reifezeit zu verdanken ist.
  • AE: Wahrscheinlich würde ich mir keinen der drei Whiskys kaufen. Die Nummer 1 hat mir gar nicht zugesagt, der Whisky wirkte zu flach und vor allem zu bitter. Zwischen Nummer 2 und 3 würde ich meinen Favoriten aus der Runde wählen, wobei beide etwas zu bieten haben. Nummer 2 bietet eine schöne Süße, ist aber am Gaumen nicht so stark wie in der Nase. Bei Nummer 3 fand ich die Zitrusfrüchte extrem gut, aber der Rauch und die Medizinnote waren eher nicht mein Fall. Trotzdem wäre Nummer 3 mein Favorit.
  • MaS: Tipp für den Abfüller: Vielleich Signatory oder G&M. Die hätten zumindest diese Bandbreite.
  • OF: Spannende Auswahl sehr unterschiedlicher Whiskys! Als Fan getorfter Whiskys liegt die No. 3 mit dem kräftigen Antritt und den gehaltvollen Noten vorne. Auch No. 2 gefällt mir durchaus und würde mir als Raucher für den Sommer Freude bereiten. Dahinter folgt No. 1 als daily dram oder Einsteiger in einen Tasting-Abend.

Ich bin echt überrascht, über die verschiedenen Meinungen. Manche haben die Nummer 3 nicht als rauchig erkannt. Im Nachhinein würde ich sagen, dass dies am hohen Alkoholgehalt liegen könnte. Wir haben alle (vermutlich) andere Rahmenbedingungen gehabt (Gläser, Tageszeit, Temperatur, etc.), d.h. die Ergebnisse sind natürlich nicht mit einem „Tasting Panel“ vergleichbar. Das war aber gar nicht die Absicht für diese Aktion.

Was können wir noch daraus lernen? Nun, ich finde, dass wir alle unsere eigenen Geschmacksnerven und -erinnerungen haben. Ihr könnt die drei Whiskys probieren und dann mit den verschiedenen Meinungen hier abgleichen. Wer kommt Euren persönlichen Geschmacksnerven am nächsten? Dann könnt Ihr Euch zukünftig öfters mal an der Meinung orientieren.

Einen kleinen Fehler habe ich bei der Auswahl der Blogger gemacht, denn ich hatte nur eine Frau im Panel, die es dann aber nicht rechtzeitig geschafft hat. Ich hoffe Euch gefällt die Gegenüberstellung trotzdem und beim nächsten Mal bemühe ich mich um eine höhere Frauenquote! Und nun……

Auflösung

Und nun zum Schluss die Auflösung, welche Abfüllungen wir verkostet haben. Alle drei aus der Spirit & Cask Range, „The True Malts“

Auflösung des Blind Tastings

  • #1: MALT, Highlands, 40% – ca. 24.- EUR
  • #2: PEAT, Islay, 40% – ca. 26.- EUR
  • #3: PEAT, Islay, 55% – ca. 40.- EUR

Vielen Dank an Whiskymax für die drei Flaschen!