Tasting: Diageo SR 2016 – Caol Ila & Lagavulin (1/5)

Leider hatte ich keine Zeit an der deutschen Vorstellung der Diageo Special Releases 2016 in Berlin teilzunehmen, aber ich hatte Glück und habe von allen zehn Abfüllungen ein Sample abbekommen. Heute: Teil 1 – Caol Ila tritt gegen den Lagavulin an.

  • Caol Ila, 15yo, 2000, 61.5%, Limitiert, 90.- GBP / 119.- EUR
  • Lagavulin, 12yo, 57.7%, Limitiert, 80.- GBP / 109.- EUR

Die GBP-Preise stammen aus der englischen , die EUR-Preise aus der deutschen Pressemitteilung. Alle Hintergrundinformationen zu den Diageo Special Releases 2016 findet Ihr hier Diageo Special Releases 2016 – mit Tasting Notes. Meine anderen Notes findet Ihr hier:

Tasting Notes – Caol Ila

Offizielle Notes

  • Farbe: Helles Goldgelb mit grünen Reflexen. Feine kurze Perlung.
  • Nase: Geruhsam, fein und präzise; gibt wenig Hinweise auf den kräftigen Gaumen. Frisch und blitzsauber; zunächst frische grüne Äpfel über einer weichen cremigen Schicht von Toffee und Malz. Saure Note, die allmählich ins Maritime übergeht (Salz, getrocknetes essbares Seegras); angenehm sprittig, mit Minze und Anklängen von Zitrusfrüchten (frischer Zitrone) sowie einer trockenen Stachelbeerschärfe. Rein und insgesamt vorsichtig definiert; Wasser bringt eine weichere kühlere Note von frisch gewaschener Baumwolle hervor, gefolgt von einem ganzen Obststand frischer Früchte sowie Nuancen von Erdbeere, Karamell und Harz.
  • Körper: Leicht.
  • Gaumen: Anspruchsvoll und vielleicht zu kräftig für den Genuss in natürlicher Fassstärke; dennoch im Wesentlichen frisch, leicht und temperamentvoll; mit süßem Geschmack. Kühlendes Menthol, pikante Frucht, dann viel Malz und Toffee. Mit Wasser viel zugänglicher mit weichem, leicht süßlichem und saftigem Geschmack; die fruchtige Süße wird durch Salz und leichte Säure abgemildert (wie bei Bitter Lemon). Am Ende zäh, mit noch mehr Frucht, Gerstenzucker und Minze.
  • Abgang: Verlockend, aber dennoch kraftvoll. Ausgesprochen wärmend, mit einer späten belebenden Note von Menthol und Eukalyptus. Mit Wasser weich und sanft; kürzer, aber nach wie vor wärmend und ingwerbetont, mit bitterem fenchelähnlichem Charakter und einem Nachgeschmack, der an Pistazien erinnert.

Meine Notes

  • Nase: Eine mentholische Frische paart sich mit leicht speckigem Rauch. Birnen mit Toffee und Malz. Der ist recht komplex – ich bin überrascht. Lässt man dem Alkohol ein wenig Zeit sich zurückzuziehen, kommen fruchtige Noten zum Vorschein. Und dann kommen auch die salzigen Noten mit einer leichten Meeresbrise. Weiter geht es mit ein wenig Milchschokolade. Mit Wasser treten Menthol und Alkohol zurück. Der speckige Rauch wird dominanter und macht dann Eukalyptus Platz. Zeit lassen. Toffee ist jetzt noch kräftiger.
  • Geschmack: Viel Kraft und Pfeffer nimmt den Mundraum ein. Zitrone. Menthol. Wird ölig und süßer. Mit Wasser (ich habe 10 Tropfen hinzugefügt) deutlich milder und malziger.
  • Abgang: Verhältnismäßig mild für diesen kraftvollen Antritt, hält pfeffrige Süße mit viel Menthol an. Lange. Und dann kommt da noch eine leicht Nussnote. Mit Wasser auch hier milder aber das Menthol kommt später und bleibt dann lange.

Tasting Notes – Lagavulin

Offizielle Notes

  • Farbe: Sehr blasses Goldgelb mit graugrünen Reflexen. Langsame Perlung („Beine“).
  • Nase: Auf einer Ebene, direkt und schnörkellos. Schnell riecht man kräftigen schwelenden Torfrauch, begleitet von frischen reinen Noten. Dann Entfaltung einer breiten Fülle süßer Aromen; zunächst Puderzucker, kompensiert durch reinigende Noten, gefolgt von Zitrone und Pfefferminz über Sirup auf warmem Baguette. Spuren von Alkohol und Orangenzesten. Später Aromen von Grillfleisch, Ahornsirup und Nuancen von Kiefer und Eukalyptus. Und schließlich Zuckerwatte und vulkanischer Rauch. Mit Wasser jünger und lebhafter. Jetzt süß und minzig, mit herbsüßer Frucht; dann entfernt vulkanischer Rauch und sauberes Zeitungspapier.
  • Körper: Leicht, weich und ölig.
  • Gaumen: Erstaunlich mild, weich und süß, durch Salz ausbalanciert. Intensiv und kühl; zunächst mit fruchtiger Schokolade, dann wärmend und rauchig; mit körnigen Cerealien, Minze und vulkanischem Rauch. Aber auch fein und ölig mit weichen Tanninen. Mit Wasser entspannter im Geschmack, kühl und ölig; in eine intensive zähe, von Rauch und Honig geprägte Süße übergehend, die durch Salz ausbalanciert wird; zunehmend leicht verbrannt und wärmend. Insgesamt aromatisch, holzig und leicht reinigend.
  • Abgang: Sehr lang und raffiniert; zunächst weich und kühlend, dann wärmend, scharf und rauchig mit appetitlich bitterer Note. Mit Wasser bleiben alle Aromen erhalten; langanhaltend, süß und nach wie vor scharf, aber mit belebenden Kräutern und rauchigem Abgang.

Meine Notes

  • Nase: Ein Lagavulin, aber ein ungewöhnlicher (für mich). Viel Torfrauch (ich stehe gerade vor einem geöffnetem Kilnofen und schaue auf die lodernden Flammen). Auch das Grillfleisch kann ich nachvollziehen und muss aufpassen, nicht ins Glas zu beißen. Dann mit Wasser (8 Tropfen) – toller Rauch, der aber tatsächlich frischer wird. Insgesamt sehr komplex trotz dem vielen Rauch.
  • Geschmack: Auch der hat richtig Kraft. Pfeffer breitet sich auf der Zunge aus. Rauch und Menthol. Salzige Schokolade. Trotz Wasser bleibt der kräftig und pfeffrig. Rauch aber wenig Menthol. Wird mit Wasser richtig ölig im Mund. Salzig und Honigsüße.
  • Abgang: Mhhhhmmmm. Langer Rauch mit Menthol. Mit Wasser ist immer noch genügend Rauch dabei. Ein wenig Asche gesellt sich dazu. Und da sind noch viele Kräuter dabei.

Fazit

Beide sind überraschend anders als die „normalen“ Abfüllungen. Beide haben mir gut gefallen. Vermutlich schlägt jetzt der Lieblingsdestillerie-Bonus zu, aber der Lagavulin hat mir besser gefallen.

Weitere Informationen

Die Special Releases aus den letzten Jahre findet Ihr hier:

Danke an Diageo und Thomas Plaue für die Samples!