Tasting: Bruichladdich Barley Provenance Serie

In der Barley Provenance Serie gibt es drei Abfüllungen, die ich mir heute vornehme. Bruichladdich versucht mit der Serie, Unterschiede aufzuzeigen, die rein an der Gerste liegen. Bei den drei verschiedenen Sorten handelt es sich um Islay Barley, Organic Barley und Bere Barley. Schmecke ich den Unterschied? Mal sehen…

Im Überblick

Die drei Abfüllungen aus der Barley Provenance Serie verkoste ich:

  • Islay Barley, 2011, 6yo, 50%, ncf, nca, limitiert, 53.- EUR
    • Getreide: Publican und Oxbridge
    • 75% 1st fill American Whiskey Fässer,
    • 10% 1st fill Riversaltes Weinfässer,
    • 15% 2nd/3rd fill Süßweinfässer (Österreich und Frankreich)
  • Organic, 2010, 8yo, 50%, ncf, nca, 18.000 Flaschen, ca. 70.- EUR
    • Getreide: Bio-zertifiziert (Biodynamic Assoc.) / Mid-Coul-Farm
    • 100% American Oak Fässer (Ex-Bourbon)
  • Bere Barley, 2010, 8yo, 50%, ncf, nca, 18.000 Flaschen, ca. 70.- EUR
    • Getreide: Bere, Agronomy Institute of Orkney College (UHI)
    • 100% American Oak Fässer (Ex-Bourbon)

Aus rein „technischer Sicht“ hat der Islay Barley die deutlich mehr Aroma gebenden Fässer abbekommen. Dafür wurde er nur sechs Jahre gereift. Für einen vergleichbaren Unterschied hätte ich mir die „gleichen“ Fässer wie bei Organic und Bere gewünscht, denn lt. Presseinfo geht es um die Gerste: „Der Einfluss der Fässer darf nicht zu dominant sein, sondern die Reifungsart und -dauer soll den Charakter des Whiskys unterstützen.“ Und weiter „Deshalb werden die Whiskys der Provenance Serie in der Regel nach sechs bis acht Jahren abgefüllt.“

Tasting Notes

Islay Barley

  • Nase: Erinnert mich an die Malt Bins bei Laddie. Staubig und malzig. Ein wenig Trauben, die mich entfernt an Grappa erinnern. 
  • Geschmack: Deutlich süßer im Geschmack. Schön rund und ausgewogen mit leichter Pfefferschärfe. Etwas herbere Weinbergpfirsiche. Das Malz ist klar zu finden. 
  • Abgang: Ein leichter Anflug der Trauben und weiterhin das Malz. 

Organic

  • Nase: Das Malz ist auch hier noch zu erahnen, aber Vanille und Karamell machen den an der Nase deutlich süßer. Ein wenig Ananas gesellt sich zu dem süßen Potpourri. Dann erahne ich reife Birnen und ein wenig säuerlich, spritzige frische Granny Smith. Ein wenig erinnert mich das an die englischen Bonbons mit Puderzucker. 
  • Geschmack: Auch hier süßer aber auch der Pfeffer auf der Zungenspitze scheint mir schärfer. Wenn ich es nicht besser wissen würde, wäre ich von einer höheren Alkoholstärke ausgegangen. Wird mit der Zeit cremig. Pfirsiche. Reife Birne. 
  • Abgang: Leichte Mentholnote, dann ein wenig Frucht bevor ein dezente Trockenheit mit leichter Eiche einkehrt. 

Bere Barley

  • Nase: Ganz anders als die anderen beiden. Das ist vermutlich das Ur-Malz. Ein wenig erinnert es mich an eine Lederpolitur. Gurken Relish kommt mir in den Sinn. Eine leicht fleischige Note. 
  • Geschmack: Sehr ähnlich zur Nase. Die Politur schlägt um zu süß-säuerlicher Gurke. Fast ganz ohne Pfeffer aber dafür ein wenig Menthol. Lakritze meine ich zu erahnen. 
  • Abgang: Menthol und Malz gehen über in ein trockenes Mundgefühl. 

Fazit zur Barley Provenance Serie

Von den drei verschiedenen Produktranges von Bruichladdich bin ich der Port Charlotte, dann Octomore und dann erst Laddie Fan. Die sind mir meist zu leicht, aber das kann man nicht generalisieren. Spannend ist auf jeden Fall das Aufzeigen von Unterschieden im Herstellungsprozess oder eben beim „Terroir“. Habe ich den Unterschied geschmeckt? Nun, in einer Blindverkostung wäre ich vermutlich nicht gut weggekommen.

Der Islay Barley ist für mich Malz-technisch nicht auffallend. Das Malz ist kräftig vorhanden, aber das kenne ich von jungen Whiskys. Der Bere Barley ist anders und das würde ich tatsächlich dem Malz zuschreiben. Am besten gefallen hat mir der Organic. Er ist etwas süßer als die anderen beiden. Für mich hält er ein paar mehr Aromen parat und ist etwas komplexer. Ob das an dem „organic“ liegt, kann ich nicht sagen. Dazu müsste man alle anderen Parameter gleich lassen und einen direkten Vergleich probieren. Die Lagerdauer und die Fässer waren bei Organic und Bere aber vergleichbar und so scheint es tatsächlich einen deutlichen, auch nach 8-jähriger Reifung feststellbaren Unterschied zu geben. Interessantes Experiment!

Vielen Dank an die EGGERS & FRANKE GmbH für die Proben!