Whisky-Wissen: NAS – Whisky ohne Altersangabe

Whiskys ohne Altersangaben gibt es schon lange. Warum ich das Thema dennoch aufgreife? In den letzten Jahren hat sich daraus ein gewisser Trend entwickelt. Junge Standardabfüllung mit Altersangabe werden vom Markt genommen und durch NAS Abfüllungen mit höherem Preis ersetzt. Ist es so einfach und ist NAS damit schlecht? Ich versuche mit einigen Freunden und Bekannten das Thema zu beleuchten…

Ich bin kein Freund von „Geldschneiderei“ und habe die Whisky-Industrie noch kennengelernt als „alter“ Whisky noch ein Qualitätsmerkmal war. Ich habe damit meine eigenen Erfahrungen gesammelt und festgestellt, dass älter nicht immer besser ist (auch innerhalb einer Destillerie), sondern jede Destillerie beim Whisky ihr eigenes optimales Alter hat – für meinen Geschmack.

Mit den neuen NAS-Whiskys ohne Zusatzangaben wird es immer schwieriger sich zu orientieren, und die Preise, die ohne Zusatzinformationen aufgerufen werden, sind meist nur frech. Aber der freie Markt entscheidet. Ich möchte trotzdem dazu beitragen, dass es wieder ein weniger fairer auf dem Markt zugeht und werde mich in nächster Zeit immer wieder mal zu dem Thema äußern.

Eines vorweg: ich bin weder eine „moralische Instanz“, noch werde ich das Thema aus allen Blickwinkeln beleuchten können. Dafür habe ich mir einige Unterstützer gesucht, die mir ihre Meinung zu dem Thema mitgeteilt haben und mich auf die ein oder andere Problemstellung hingewiesen haben. Vielen Dank Euch allen!

Ich beleuchte das Thema nur aus der Perspektive Scotch Single Malt Whisky – für andere Länder und oder Whiskyarten kann das Thema in der von mir gewählten Form falsch dargestellt sein.

Altersangabe auf Whisky

Geregelt ist die Altersangabe auf Whisky unter anderem in „The Scotch Whisky Regulations“ von  2009. Diese, wie weitere Gesetze (u.a. EU-Recht), erlauben zum Schutz der Konsumenten nur wenige Angaben auf einer Flasche, damit der Verbraucher nicht irritiert oder gar getäuscht werden kann. So gibt es aktuell vereinfacht nur zwei Möglichkeiten, das Alter auf einem Whisky anzugeben:

  1. Das Alter des jüngsten Whisky in ganzen Jahren
  2. Keine Altersangabe (NAS = no age statement)

Single Malt Whisky ist in der Regel eine Mischung aus verschiedenen Fässern einer Destillerie. Nicht zu verwechseln mit Blended Malt (Mischung Single Malts verschiedener Destillerien) oder gar Blended Whisky (wie Blended Malt, aber zusätzlich meist hoher Anteil Grain Whisky).

Steht auf einer Flasche Single Malt das Alter mit 18 Jahren (yo = year old) angegeben, darf der jüngste Whisky nicht jünger als (ganze) 18 Jahre alt sein. Es kann aber auch vorkommen, dass der jüngste Whisky älter ist, wenn die Vorräte gewisser Jahrgänge zur Neige gehen und das Produkt eine gute Marktresonanz hat.

Stehen nur das Datum „Destilliert am“ und „Abgefüllt am“ auf dem Etikett, bin ich bisher davon ausgegangen, dass die ganzen Jahre dazwischen auch das Alter des Whiskys korrekt widergeben. Aber leider ist meine Annahme nicht korrekt, denn der Whisky muss nicht die ganze Zeit in Fässern gelagert gewesen sein – und nur diese Lagerzeit zählt für das „Alter“. Danke MargareteMarie und Petra für den Hinweis!

MargareteMarie


Dieser blinde Glaube an die Aussagekraft einer Altersangabe erstaunt mich immer wieder. Doch wie sinnvoll sind denn Jahresangaben, wenn Whisky unterschiedlich schnell reift? Je größer das Fass, desto länger braucht der Whisky. Eigentlich müßte viel mehr auf dem Etikett stehen – 10 Jahre in 500 l Butts/ 4 Jahre in Quarter Casks… Was aber, wenn meine Fässer unterschiedlich groß waren? Und unterschiedlich alt? Irgendwann wird’s albern, und dann kann ich es auch lassen. Altersangaben haben ihre Berechtigung. Aber sie sind nicht das alleinige Kriterium für einen guten Whisky, und wir sollten aus Altersangaben kein Glaubensbekenntnis machen.

Alter Whisky ist besser

Wir wurden in den letzten Jahrzehnten von der Whisky-Industrie darauf getrimmt, dass ältere Whiskys besser sind. Das habe ich lange geglaubt und mir nur langsam eine eigene Meinung dazu bilden können. Meine Erfahrung hierzu ist, dass die Abfüllungen der meisten Destillerien ein „bestes Alter“ haben. Das muss nicht unbedingt die älteste Abfüllung sein. Und es geht auch immer darum, welche Fässer für diese „alte“ Abfüllung zusammengestellt wurden. Jedes Fass reift unterschiedlich und die richtigen auszuwählen ist nicht nur Handwerk, sondern auch Kunst. Manche Abfüllungen sind sehr alt und vermutlich auch sehr gut. Viele werde ich aber nie probieren können.

Übergabe einer Flasche des seltensten Islay Single Malt Whisky, Bowmore 1957, an das KaDeWe - Kaufhaus des Westens, am 02.11.2015, in Berlin Photo-credit: (c) Beam Suntory Deutschland / Michael Wittig, Berlin
Übergabe einer Flasche des seltensten Islay Single Malt Whisky, Bowmore 1957, an das KaDeWe – Kaufhaus des Westens, am 02.11.2015, in Berlin
Photo-credit: (c) Beam Suntory Deutschland / Michael Wittig, Berlin

Findet selber raus, was Euch gefällt! Wie? Nehmt Euch eine Destillerie nach der anderen vor. Wenn Euch eine Abfüllung einer Destillerie gefällt, probiert auch andere davon. Fangt mit den Standardabfüllungen an (z.B. auf Messen, Tastings, Fachhändler, Destilleriebesuchen, etc.). Probiert auch Sonderabfüllungen und Unabhängige Abfüller.

Alter Whisky muss nicht besser sein, aber meist gibt ihm eine gewisse Lagerzeit mehr Komplexität und Ausgewogenheit. Ein junger Whisky ist meist ein wenig ruppiger und wilder. Aber: Ihr werdet fantastische Abfüllungen verpassen, wenn Ihr keine NAS Whiskys probiert, denn das Alter alleine ist kein Qualitätsmerkmal, sondern viel mehr kommt es auf das richtige Fass an. Und auch Ihr habt sicher schon „alten“ Whisky probiert, von dem Ihr Euch mehr versprochen habt.

NAS ist schlecht und verdrängt alten Whisky

Ich habe mir über die Jahre ein paar „Lieblingswhiskys“ zugelegt. Viele davon mit einem Alter auf der Flasche, aber nicht alle. Seit einiger Zeit verschwindet mancher dieser Whiskys. Sie werden vom Markt genommen (zumindest von einigen Ländermärkten) und durch NAS Whiskys ersetzt. Meist zum höheren Preis.

Klaus


NAS. Drei fast schon magische Buchstaben, fast ausschließlich negativ konnotiert und genug um so manchen Whiskyliebhaber auf die Palme zu bringen. Im Kampf um immer mehr Regalmeter für die eigenen Marken, im ständigen Innovationsdrang im heutigen schnelllebigen und boomenden Single-Malt Markt, sind Whiskies ohne Altersangabe ein fixer und immer stärker wachsender Bestandteil geworden. Sei es – geschmacklich oft nicht besserer und vom Alter her jüngerer – Ersatz für langjährig eingeführte Produkte (etwa Glenlivet 12, ersetzt durch den Founder’s Reserve oder moderne Auswüchse im hochpreisigen Segment um Neugier zu wecken und mit Neuheiten Nachrichten zu schaffen (aktuell denke ich an den Laphroaig Lore), es gibt immer mehr Whiskies ohne Altersangabe. Darunter sind gute, darunter sind schlechte. Unter den Whiskies ohne Altersangabe sind auch solche, die es schon seit vielen Jahren gibt – zur Markteinführung noch ohne jedes Brimborium, wie etwa den guten und günstigen (aber auch im Preis gestiegenen) Lahroaig Quarter Cask oder die NAS-Abfüllungen von Springbank. Unterm Strich gilt der gute alte Spruch „buyer beware, buyer take care„. NAS Whisky ist nicht per se schlecht, es gibt durchaus Perlen, aber keine Garantien. Deshalb heißt es als Konsument mehr denn je sich zu informieren, auch mal zu probieren.

TheGlenlivet_FoundersReserve_withCarton
The Glenlivet Founders Reserve, (c) Glenlivet

Für die meisten der Whiskys die verschwinden, gehöre ich nicht zur Zielgruppe und kaufe diese sowieso seit Jahren nicht mehr. Manche vermisse ich trotzdem. Den 12-jährigen Glenlivet habe ich immer als Qualitäts- und Preismaßstab benutzt (Jetzt offiziell: Glenlivet Founders Reserve ersetzt 12 jährigen). Ein qualitativ guter Whisky zum günstigen Preis. Kein besonders komplexer, sondern eher ein Einsteigerwhisky, den ich gerne empfohlen habe. Mit diesem Wissen zu einigen solcher Whiskys habe ich mir mein eigenes Bewertungssystem aufgebaut. Mit diesem System konnte ich zwei Whiskys „preislich“ vergleichen. Das kann ich immer noch, aber ich weiß nicht mehr, ob sich die beiden NAS Whiskys überhaupt in der gleichen „Alters-Liga“ befinden. Das macht aber nichts…

Zum „Standard“ gewordene NAS Whiskys

Whisky ohne Altersangabe ist nicht neu. Früher wurden diese Whiskys meist im „Einsteigersegment“ gefunden und sie waren jünger als 10 Jahre. Erst ab 10, besser ab 12 Jahren, war ein Single Malt auch „genießbar“ – so ein gängiges Vorurteil.

Aberlour A'bunadh

Es gibt aber auch andere Beispiele. Einige Produkte haben sich zu absoluten „Top-Sellern“ entwickelt und werden immer wieder gerne weiterempfohlen. Sie brechen aus der „Eintönigkeit“ aus und stellen etwas besonderes dar. Nicht vergleichbar mit den normalen Produkten in der „Standard-Range“. Konkret? Aberlour a’bunadh, z.B. gibt es zwischenzeitlich bereits im 54igsten Batch. Das war einer meiner ersten bewusst wahrgenommenen Whiskys ohne Altersangabe. Ich war mir nicht sicher, ob der schmecken kann, so ganz ohne Altersangabe. Aber das ist lange her und ich habe viel dazugelernt. Und ihn vielen Freunden empfohlen. Auch auf die Ardbeg-Abfüllung Corryvreckan möchte ich nicht verzichten.

Arne


No Age Statement bedeutet für den Masterblender weitgehende Freiheit bei der Zusammenstellung des Malts. Er ist nicht an Altersangaben gebunden und kann ein Produkt komplett nach seinen Vorstellungen erschaffen. Die weit verbreitete Meinung, dass nur alter Whisky gut ist, sorgt dafür, dass man sich bei den Brennereien lange nicht getraut hat, ein Alter von weniger als 10 Jahren auf die Flasche zu schreiben. Ein No-Age-Statement Whisky, der über einen geschickt formulierten Namen vermarktet werden kann, bietet hier deutlich mehr Absatzpotential als ein Whisky mit relativ junger Altersangabe.

Ein Mal in die Runde gefragt sind weiterer solcher „Standard“ NAS-Abfüllung genannt worden, die der ein oder andere nicht mehr missen möchte: „Ardmore Traditional Cask, Glenmorangie Signet, Highland Park Dark Origin, Ardbegs Uigedal & Corryvreckan, Talisker 57° North, Laphroaigs Quarter Cask, Bruichladdichs „Laddie“, Auchentoshans Valinch oder American Oak

Special Editions & Arbitrage Jäger

Jetzt kommen wir zu einem meiner beiden Problemfelder bei NAS Whisky. Viele limitierte NAS Abfüllungen werden mit viel Hype vermarktet und sind immer schneller ausverkauft. Nur um dann kurze Zeit später bei eBay & Co. für ein vielfaches des Preises wieder aufzutauchen. Jüngstes Beispiel der Ardbeg Dark Cove: nur für Commitee-Mitglieder war er trotzdem bereits nach 20 Minuten in Deutschland ausverkauft. Verkauft für 81.- EUR ist er kurz danach auf eBay schon für 369.- EUR angeboten worden.

eBay_DarkCove

Meine dringende Bitte an all diese Arbitrage Jäger: wenn Ihr Whisky-Begeisterte seid, dann lasst das. Dieses Handeln führt zum einen dazu, dass diese Sonderabfüllungen immer teurer werden, denn die Hersteller bekommen die Preisentwicklung mit und ziehen den Preis bei der nächsten Abfüllung nach. Zum anderen wirkt das auch auf die allgemeinen Whiskypreise und diese werden anziehen. Wenn Ihr keine Whisky-Begeisterten seid, dann lasst denen, für die diese Abfüllungen gedacht sind, auch die Chance, solche für einen fairen Preis zu kaufen und spekuliert mit anderen Luxusgütern.

Meine dringende Bitte an die Käufer solcher Angebote: lasst es, wenn Ihr Euch die Preise nicht noch weiter kaputt machen wollt.

Eine meiner persönlichen Erfahrungen zu dem Thema habe ich beim Feis Ile auf Islay erlebt. Hier gibt es Sonderabfüllungen, die nur zum Festival erscheinen. Auch hier tauchen solche Arbitrage Jäger (aka Flaschen Grabscher) regelmäßig auf und stellen die ergatterten Flaschen noch mit „Vorort-Bild“ in eBay ein. Die Destillerie-Mitarbeiter sind alles andere als begeistert davon, denn diese Sonderabfüllungen sind zum Trinken und für die „Freunde der Destillerie“ gedacht.

Andrea


Schwierig wird es m.E. mit alterslosen „limitierten“ Sonderabfüllungen zu enorm hohen Preisen ( Ardbeg Day Abfüllungen, Glenmorangie Limited Editions, Highland Park Valhalla Serie, Bowmore Devils Casks….), wenn die Sammler und Spekulanten die in den letzten zwei Jahren den Whisky Markt hochgetrieben haben erst mal merken, das hier die „Arbitrage“ nicht mehr so großartig ist, da die Ausgabepreise die Spekulationsluft der letzten Jahre schon beinhaltet, wird dieser Markt zusammenbrechen! Und das finde ich auch gut so! Whisky ist zum Trinken gemacht, nicht als Altersvorsorge!

Thomas


Warum ist ein Ardbeg Very Young heute so viel Geld wert? Weil die Leute bereit sind dieses Geld zu bezahlen. Dazu kommt, dass Whisky heute immer mehr zum Spekulationsobjekt wird. Leute mit Beziehungen oder Glück kaufen von Sonderabfüllungen so viel wie möglich, nur um sie später teurer weiter zu verkaufen, an Leute, die kein Glück oder Beziehungen hatten. Das ist Marktwirtschaft. Die Industrie beobachtet diese Entwicklung und zieht die Preise von vorn herein an. Warum auch nicht?

Nicht spekulieren, sondern trinken! Am besten mit Freunden, damit diese auch eine solche Sonderabfüllung probieren können.

Warum wird NAS Whisky hergestellt

Dazu habe ich eine schöne Stellungnahme von Andrea Caminneci bekommen, der das Ganze aus einer wirtschaftlichen Sicht einer Destillerie angeht (und genau darum geht es dabei):

Andrea


Wirtschaftlich ist das NAS Phänomen eher leicht zu erklären: Es gibt in Schottland ein großes Loch bei den 10 – 20 Jahre alten Whiskys, die nun mal gebraucht werden, um 10, 12 oder 15 Jahre alte Abfüllungen abzufüllen. Die Destillen sind nicht in der Lage die benötigten Mengen der entsprechenden Abfüllungen zu liefern. Jetzt gibt es vier Möglichkeiten:

  1. Ich (die Destille) stelle den 12 jährigen ein bis ich wieder genügend Fässer habe, um ihn in entsprechenden Mengen zu liefern. Umsatz = 0 (dazu jede Menge unzufriedener Kunden, weil die ja mein Produkt nicht mehr kriegen, wohl möglich sogar zu Mitbewerbern abwandern)
  2. Ich mache weiter wie bisher, liefere aber nur noch in limitierten Mengen und verkaufe dann eben nur 50 % der bisherigen Menge (Und habe wohl möglich 50 % unzufriedenen Kunden, weil die eben keine Flasche kriegen).
  3. Ich nehme vorhandene 3-10 jährige Fässer dazu und verkaufe die gleiche Menge wie bisher, dann aber als NAS und vielleicht nur zu 80 % des Preises. (riskiere aber 20 % unzufriedenen Kunden, weil denen eben der NAS nicht so schmeckt wie der 12 jährige) Das muss dann jeder für sich selber ausrechnen, ob das ertragsmäßig passt.
  4. Ich produziere geringere Mengen meines bisherigen Whiskys und gebe diesen nur noch an meine Top Märkte/Kundengruppen, für den Rest stelle ich einen jüngeren/NAS Whisky her, der günstiger ist. Dieses junge Produkt wird dann aber praktisch nur jungen Whisky enthalten, weil ich ja die vorhandenen 10 und mehr Jahre alten Fässer für mein altes Produkt brauche.

Nun muss jede Destille (bzw. jeder Konzern für jede Destille) entscheiden, was am sinnvollsten ist…

Thomas


Steigende Nachfrage und dadurch schwindende Bestände machen NAS notwendig. Dadurch werden die Preise weitestgehend stabil gehalten. Außerdem sind diese Abfüllungen oft zugänglicher „designt“ und dadurch für neue Konsumenten interessanter.

Woran kann ich mich orientieren? Qualitätsmerkmale?

Das Alter war noch nie ein Qualitätsmerkmal. Älter war noch nie besser. Auch wenn man uns beides lange Jahre lang glauben lassen wollte. Allerdings gab uns das Alter mit dem Namen der Destillerie bisher immer eine gewisse Orientierung. Ich komme noch Mal auf mein Beispiel mit dem Glenlivet 12yo. Dieser war für mich persönlich ein guter Whisky (im Einsteigersegment), zwar nur mit 40%, aber qualitativ und geschmacklich völlig in Ordnung und das zu einem vernünftigen „Dauertiefpreis“. So konnte ich jeden anderen 12-jährigen mit diesem vergleichen und mir immer die Frage stellen, ob mir dieser mehr wert ist als der Glenlivet. Und auch jüngere mussten sich preislich mit diesem messen. Analog bei den 18-jährigen. Hier habe ich den Highland Park als „Baseline“. Mit extrem hoher Nachfrage hat sich der Preis zwar nach oben entwickelt, aber mehr würde ich für einen anderen 18-jährigen nicht ausgeben, denn der HP ist einer meiner Favoriten. Meine Baselines und objektiven Werteskalen kommen zwar durch die NAS-Abfüllungen etwas durcheinander und jede NAS-Abfüllung wird zumindest bei den Sonderabfüllungen anders ausfallen, aber ich habe weiterhin solche Baselines. Einige davon habe ich bereits benannt.

Heinfried


Meiner Ansicht verkennen wir die Entwicklung, die im englischsprachigen Raum mit dem Begriff „Expressions“ verfolgt wird. Alter ist somit nicht mehr das alleinige Qualitätsmerkmal für guten Whisky. Glenrothes Motto „maturation matters, not age“ hat dies recht treffend auf den Punkt gebracht. „Terroir matters“ von Bruichladdich gibt dem dann noch eine weitere Perspektive. Man versucht die Whiskys aus einer Brennerei aus der Enge bloßer Altersqualitäten herauszuführen. Und das ist m. E. eine konsequente Weiterentwicklung des Finishing Konzepts aus den frühen 90er Jahren. Mit der Auswahl der Fässer geben wir den Whiskys den entscheidenden Kick. Als Whiskyliebhaber lasse ich mich so generell erst einmal völlig unvoreingenommen auf diese neuen „Expressions“ ein. Überzeugen Sie mich, bin ich glücklich. Wenn nicht, lasse ich sie links liegen. So einfach ist das.

Jens


Verbraucher können sich an den bekannten Whisky-Marken und Destillerien orientieren. Diese sind auch weiterhin bestrebt, qualitativ hochwertige Whiskys zu vermarkten. Neben der Qualität ist der persönliche Geschmack das wichtigste Kriterium bei der Wahl eines Whiskys. Ich empfehle Konsumenten deshalb, unvoreingenommen an neue Whiskys heranzugehen und das Geschmackserlebnis auf sich wirken zu lassen.

Mein Tipp: probieren, vergleichen und „abspeichern“.

Meinungen

Ich habe Freunde und Bekannte nach Ihren Meinungen gefragt und einige Veröffentlichungen gewältzt. Einige zitierfähige Meinungen findet Ihr hier.

MargareteMarie

Die entscheidende Frage ist doch: was ist mir die Sache wert? Die gestiegene globale Nachfrage nach Whisky in den vergangenen Jahren hat dazu geführt, dass immer mehr Menschen bereit sind, hohe Summen für bestimmte Abfüllungen zu bezahlen. Je älter ein Whisky ist, desto höher ist seine Wertigkeit, und desto mehr sind die Kunden bereit, dafür auch viel Geld auszugeben. Doch nicht jeder alte Whisky schmeckt auch wirklich gut. Neben dem Alter gibt es noch drei weitere Zauberworte, die eine hohe Wertigkeit besitzen: ‚first fill sherry cask‘, ‚Sammleredition‘ und ‚ganz viel Rauch‘. Wer eine Abfüllung mit einer hohen Wertigkeit haben will, muss heute deutlich tiefer in die Tasche greifen als vor 10 Jahren. Der Markt diktiert die Preise. Ein gutes Beispiel ist für mich der Octomore. Er ist extrem jung, und es gibt objektiv gesehen keinen Grund für seinen hohen Preis. Aber er hat eine hohe Wertigkeit, und die Kunden zahlen den Preis ohne zu murren. Dabei gibt es viele gute Whiskys abseits dieser begehrten Kategorien. Wir haben es doch in der Hand: wenn mir ein Whisky zu teuer ist, kaufe ich ihn nicht. Wenn das alle tun, werden die Preise auch wieder fallen. Allerdings wird dann auch so manche Brennerei wieder geschlossen werden. Ich glaube übrigens nicht, dass der Markt früher fairer war. Wenn Brennereien stillgelegt werden und Menschen ihre Arbeit verlieren, ist das nicht fair. Das ist die Kehrseite der Medaille: heute können wieder mehr Menschen vom Whisky leben.

Karl Rudolf


Am Ende liegt es an uns, den Käufern, vulgo den Verbrauchern, was wir den Brennereien durchgehen lassen und ergo in unsere Regale stellen. Denn richtig ist natürlich auch, dass die Zahl dieser alterslosen Abfüllungen ins Unüberschaubare steigt – mit sichtlich wenig Transparenz oder gar festgelegten Standards für die Qualität und ergo Preisgestaltung. Manchmal reicht so ein blanker Phantasiename. Und besonders ärgerlich empfand ich die Strategie sogannter „Select“ Abfüllungen, die die Whiskys aus den hier bewusst nicht genannten Brennereien in deutlich einfacherer, abgeschwächterer Version präsentierten, mit den Namen aber eine Form von spezieller Selektion suggerierten. Das kann ich nicht gutheißen.“ – aus „Der Whiskybotschafter“, 2015-4

Heinfried


Ich glaube, es liegt wirklich vor allem an uns, den Liebhabern dieser großartigen Tradition. Wir entscheiden, was sich am Markt durchsetzt und was nicht. Wir können schlechte Abfüllungen nicht verhindern. Wir können auch nicht verhindern, dass ganze Brennereien mit ihrer Abfüllpolitik quasi an die Wand gefahren werden, wofür man ebenso Beispiele benennen könnte. Aber wir können Zeichen setzen mit dem, was wir trinken und kaufen. Aber, nochmals sei betont: Gegen neue Entdeckungen in Form von Ausdrucksstärke oder -Variation einer Brennerei habe ich nichts, aber auch rein gar nichts einzuwenden. Machen wir es uns bitte nicht zu einfach und meinen uns allein auf’s Alter verlassen zu können. Damit springt man m. E. zu kurz in einer wunderbar vielfältigen Reifeangelegenheit…

Klaus

Persönlich folge ich – Altersangabe oder nicht – dem Prinzip: „Wenn es schmeckt und das Preis/Leistungs-Verhältnis einwandfrei ist, wird gekauft.“ Mit der Geldbörse abstimmen könnte man es auch nennen. Die belohnen, die NAS Whiskies „richtig“ machen und diese nicht im momentanen Boom-Markt als Instrument zur raschen Geldvermehrung mit billigem jungem Sprit missbrauchen. Das heißt auch: Den Kunden respektierende „Craft“-Abfüllung mit höherem Alkoholgehalt, Verzicht auf Färbemittel und Kältefiltration belohnen. Im Gegensatz aber auch diejenigen konsequent abstrafen, die uns für mehr Geld schlechteren Whisky andrehen wollen. Dazu gehört auch die Hoffnung, dass sich die Spielregeln ändern und auf NAS-Whiskies künftig die genauen Altersproportionen angegeben werden dürfen – was momentan nicht der Fall ist. Wer sich DANN noch der Transparenz verweigert, zeigt, dass er tatsächlich etwas zu verbergen hat und ihm der Konsument herzlich egal ist.

Chris


NAS bietet dem Genuss Trinker die Chance sich von der Kunstfertigkeit des Masterblenders überraschen zu lassen.

Thomas


Ich persönlich sehe das entspannt. Keiner wird gezwungen, NAS Whisky zu kaufen. Auf der anderen Seite verpasst man dadurch so manchen guten Tropfen. Sie sind eine Bereicherung der Whisky Welt. Singleton Tailfire, Talisker Port Ruighe und Dalwhinnie Winters Gold sind hier tolle Beispiele. Whisky die unausgewogen sind, weil z.B. die jungen Anteile zu hoch sind, werden sich auf Dauer nicht verkaufen und irgendwann automatisch verschwinden. Transparenz ist bis zu einem gewissen Punkt gut, z.B. Alkoholgehalt, Fass, etc., bringt mich am Ende aber auch nicht weiter, wenn mir der Whisky nicht schmeckt. Deswegen, immer auf den eigenen Geschmack verlassen, neue Sachen probieren und sich selbst eine Meinung bilden.

Jürgen Deibel


„Klarer Tipp: aufmachen und trinken. Tastings besuchen, Messen aufsuchen und dort die Chance wahrnehmen, um sich konkrete Abfüllungen herauszusuchen, zu probieren und dabei etwas über seinen eigenen präferierten Geschmack zu lernen und sich für den Whisky – ohne vorgefasste Meinungen – zu entscheiden, der einem persönlich am besten schmeckt. Unabhängig von Alter, Stil und Herkunft.“

Petra


Der Whisky Markt ist bunt und vielfältig. Jeder hat die Möglichkeit den Whisky zu trinken, den er möchte. Ob Single Malt, ob Bourbon, ob Scotch, ob Deutschen Whisky, ob Whisky ohne Altersangabe oder mit aufgedrucktem Alter. Wenn ein Spirituosenunternehmen sich entscheidet, einen Whisky ohne Altersangabe abzufüllen, dann ist doch niemand gezwungen, ihn zu kaufen. Ich genieße gerne einmal einen alten, edlen Single Malt. Ich freue mich aber auch, wenn eine neue alterslose Abfüllung gelungen ist und mir schmeckt. Um den gestiegenen Bedarf weltweit zu befriedigen, können einfach nicht mehr nur 12- oder 15-jährige Whiskys abgefüllt werden. Und dass jetzt mit NAS-Whiskys eine befriedigende Alternative Raum gewinnt, sollte eigentlich auch Liebhaber alter Single Malts erfreuen, denn dadurch kann das Haushalten mit älteren Fässern im Lager gewährleistet werden. Vielleicht sind neben 12- oder 15-jährigen Fässern dann auch 5- oder 7-jährige enthalten – wenn der Whisky schmeckt und Gefallen findet, dann hat der Blendmaster doch einen guten Job gemacht, oder nicht? In den letzten Jahren und Jahrzehnten wurde das Wissen um Holzreifung und Fässer deutlich vergrößert und wie sich ein Whisky entwickelt, hängt schließlich von vielen Faktoren ab und nicht nur davon, wie lange er im Fass liegt. Ich denke, dass ein wenig mehr Gelassenheit beim Umgang mit dem Thema vielen gut täte. Und etwas weniger Misstrauen, dass die Altersangabe nur verschwiegen wird, um einem etwas Schlechtes unterzujubeln, vielleicht auch. Und wer NAS-Whiskys für sich einfach aus Prinzip ablehnt, kann sie ja getrost ignorieren. Er sollte aber wissen, dass ihm dann bestimmt auch die eine oder tolle Abfüllung entgeht.

Andrea

Der geneigte Whisky – Genießer hingegen sollte das tun, was er mit den bekannten 10, 12 und 15 jährigen Abfüllungen am Anfang seiner Whisky – Lehrjahre auch gemacht hat – Die neuen NAS probieren, nüchtern beurteilen, und wenn sie ihm gefallen und für ihn ihren Preis – Wert sind… dann kann er sie kaufen, ansonsten eben nicht!

Falls ich Euch mit zu vielen Fachbegriffen „beworfen“ habe oder zu viele Dinge vorausgesetzt habe, schaut Euch mal den folgenden Artikel an: Whisky-Wissen für Einsteiger.

Mein besonderer Dank gilt den folgenden Personen, die bei diesem Artikel mitgewirkt haben:

Meine Beiträge zu NAS Whisky findet Ihr auch unter dem Schlagwort NAS. Und falls Ihr Euch für das Thema Transparenz einsetzen wollt, könnt Ihr gerne die Kampagne von John Glaser unterstützen: Ist Transparenz bei Scotch Whisky verboten?.