VIP Tour bei der Lochlea Distillery mit John Campbell

Bei der Lochlea Distillerie handelt es sich um eine Farm, auf der einst der schottische Volksdichter Robert Burns gelebt hatte. Aus der ursprünglichen Farm wurde vor etwas mehr als drei Jahren eine Destillerie mit dem Ziel, alles vor Ort selbst zu produzieren. Zum Jahreswechsel hat John Campbell die Führung übernommen. Ein Grund mehr, mich endlich vor Ort umzuschauen. Mit Sondererlaubnis, denn Lochlea ist nicht öffentlich zugänglich. Hier findest Du meine Eindrücke aus 07/2022.

Hintergrundwissen

Von 1777 bis 1781 lebte und arbeitete der schottische Nationaldichter Robert Burns (1759-1796) auf dieser Farm. Ab 2014 begannen die Planungen für die Destillerie und im August 2018 floss unter der Leitung von Malcolm Rennie der erste New Make. Die Lochlea Distillery hat am 25.01.2022, dem Geburtstag von Robert Burns, ihr erstes Release auf den Markt gebracht (siehe hier meine Eindrücke: Lochlea First Release). Eine sehr junge und sehr besondere Destillerie. Zum Jahreswechsel 2021/2022 gab es auch einen Wechsel an der Führungsspitze, und John Campbell (ehemaliger Manager bei Laphroaig) hat die Rollen Production Director und Master Blender übernommen.

Lochlea ist normalerweise nicht öffentlich zugänglich, aber ich bin mit David Ferguson, dem Commercial Director von Lochlea verabredet.

Tour durch die Produktion

Ich starte meinen Rundgang mit David hinter der Destillerie. Wir stehen mitten im Gerstenfeld, das bald abgeerntet wird. Das Feld gehört zur Farm und die Gerste wird für den Whisky verarbeitet. Für eine Produktionssteigerung können weitere Felder in der direkten Umgebung dazu gepachtet werden. Wir gehen weiter in die Lagerhalle, in der das Malz gelagert wird. Noch ist etwas übrig und sollte reichen, bis die neue Ernte kommt.

Weiter geht es in das Lagerhaus #1. Das ist zwischenzeitlich voll und platzt aus allen Nähten. Neben einigen wenigen im Dunnage Stil gestapelten Fässer (2-4 Reihen hoch) gibt es auch Racks und Pallatized. Das zweite Lagerhaus ist gerade fertiggestellt und wartet auf die finale Abnahme. Zwischenzeitlich dürften auch dort schon Fässer eingezogen sein. David zeigt mir einige der verschiedenen Fasstypen und natürlich auch das Fass #1.

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Nun geht es weiter ins Hauptgebäude. Im Eingang befindet sich eine gemütliche Sitzecke, wenn mal ein Gast warten muss und dahinter gleich der „Sample Room“ der zugleich ein Meetingraum ist. Mir gefällt das Ambiente. Viel Glas, Holz und Stein mit Oberlichtern. Vieles ist weiß gehalten. Spontan hätte ich dies weder als Farm noch als Destillerie ausgemacht.

David dreht mit mir die Runde vorbei an der Mühle in das kombinierte Wash- und Stillhouse. Hier hat man die gesamte Produktion im Überblick (bis auf die Mühle). Der modernen Mashtun hat man einen Kupferdeckel verpasst. Die Washbacks sind aus Holz und die beiden Potstills haben ein Panoramafenster bekommen. Viel Licht, viel Holz, viel Kupfer. David zeigt mir im Nebenraum auch noch den Spirits Receiver in dem verdünnt und dann in Fässer abgefüllt wird.

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Neben einem Rundgang durch die optisch sehr ansprechende Destillerie habe ich darüber hinaus auch die Möglichkeit, mich mit John zu unterhalten. John hat einige Parameter in der Produktion verändert und probiert weiterhin einiges aus, um am Ende den bestmöglichen Whisky produzieren zu können. Ich habe ein hervorragendes Timing und kann vor Ort einen kleinen Einblick auf die neuen Produkte werfen und unter anderem die neue Standardabfüllung Our Barley probieren. Auch die nächsten beiden Abfüllungen und einige Geschmacksmuster stehen bereit.

Technische Daten der Lochlea Distillery

Gerste & Malz

Die Farm verfügt über 220 Acres (das entspricht ca. 89ha also knapp 1 km2) „eigenen“ Grund für den Anbau der Gerste. Aktuell kommen so ca. 600t von den eigenen Feldern. Die Gerste wird getrocknet und gelagert und dann zu Beards zum Mälzen ausgelagert. Derzeit wird bei Lochlea nur UNPEATED verwendet.

Produktion

Von dem angelieferten Malz werden 2x 1t (pro Bag) mit der 4-Roller CTS Mühle pro Batch verarbeitet. Pro Mash werden 2 Tonnen und 5 Mashes/Woche in der Semi-Lauter Mash Tun (2t) prozessiert. Analog zu den üblichen 3 Wassern wird hier mit „continuous water“ gearbeitet, d.h. das Wasser wird fortlaufend gesprüht. Und nun wird es spannend: Jeden 2.ten Tag wird der Rechen aktiviert, denn das ergibt einen „cloudy wort“, d.h. am Ende einen grasigen Charakter. Die restliche Zeit wird ohne Rechen gearbeitet und das ergibt klare Würze und somit einen delikaten und fruchtigen Stil.

Lochlea verfügt über 6 hölzerne Washbacks mit einer Kapazität von je 15.000 Litern. Diese werden mit 10.000 Litern Würze gefüllt. Bei dem klaren Wort wird nach der Hefe bereits Seife hinzugefügt, sonst würden die Washbacks übergehen (keine Switcher). Nicht erschrecken, ja Seife. Das machen viele Destillerien, aber die meisten behaupten das nur im „Notfall“ zu machen. John ist hier wie immer sehr transparent und ehrlich.

Erreichen möchte John einen fruchtigen aber kräftigen („bold“) New Make mit Zerrealien Charakter. Die Fermentation ist an zwei Tagen kurz (66h) und an drei Tagen lang (116h). Selbst die „kurze“ Fermentation ist schon länger als bei vielen Destillerien.

Die 10.000 Liter aus einem Washback werden in die Wash Still gefüllt (das ist die maximale Füllkapazität) und nach ca. 7,5h werden daraus ca. 6.000 Liter Low Wines. Diese kommen in die Spirit Still, die einen „Boil Ball“ (als Reflux) hat und maximal 7.000 Liter fassen kann. Nach ca. 6,5h landet das Ergebnis dann im Spirits Receiver (Volumen 7.800 Liter). Und ja: obwohl es eine „Lowland Brennerei“ ist, wird nur 2-fach destilliert.

Gearbeitet wird aktuell 1 Schicht pro Tag (8-16 Uhr), 5 Tage pro Woche mit einem 4-köpfigen Produktionsteam mit 2 Operator, 1 Distillery Manager und John (all hands on). Dieses Jahr werden ca. 200.000 LPA erzeugt, aber mit dem aktuellen Equipment könnten durch Manpower und 24×7 maximal 600.000 LPA erzeugt werden.

John hat einige Produktionsabläufe angepasst, um Lochlea für die zukünftigen Bedürfnisse optimal aufzustellen. Unter anderem wird jetzt auch der Rechen eingesetzt (klar und cloudy werden erzeugt) und die Geschwindigkeit der Washproduktion wurde verlangsamt. Die Cutpoints und Geschwindigkeiten bei den Stills wurden ebenfalls angepasst. Spannend.

Lagerhäuser

Es werden überwiegend 1st fill ex-Bourbon Casks von Maker Mark (die haben dickere Deckel) und Sherry Butts von Miguel Martin verwendet. Darüber hinaus werden zur Zeit noch ca. 15 weitere Fassarten (u.a. Rum, Port, Sauternes, Peated QC von Laphroaig, diverse STR Varianten) verwendet. Die Fässer werden direkt gekauft, denn dadurch kann die Qualität sichergestellt werden. Das bereits gefüllte Warehouse #1 ist voll und enthält aktuell ca. 5.000 Fässer. Das Warehouse #2 wurde neu gebaut und wird gerade abgenommen. Es ist etwas größer und fasst 6.000 Fässer (aktuell leer). Pro Woche werden ca. 30-32 Fässer gefüllt.

In Flaschen abgefüllt wird derzeit noch bei externen Partnern. Langfristig hat Lochlea geplant alle Prozesse auf der eigenen Farm zu gestalten. Das Motto: „From Barley to bottle“.

Abfüllungen

Neben den ersten beiden Abfüllungen als Sondereditionen wird es den „Our Barley“ zukünftig in Batches als Standardprodukt geben. Darüber hinaus gibt es eine 4 Seasons Reihe, bei der passend zur Jahreszeit jedes Jahr ein neues Batch kreiert wird.

Fazit meiner Tour durch die Lochlea Distillery

Aktuell ist Lochlea nicht für öffentliche Touren geöffnet und man darf das Gelände nur nach Vereinbarung betreten. Das wird sich aber vermutlich über die Jahre verändern. Die Destillerie ist auf jeden Fall sehenswert! Es war schön, David kennenzulernen und John wiederzusehen. Mehr Einblick habe ich bisher nirgends bekommen. Danke für die Transparenz und das tolle Erlebnis!

SRT22 - Lochlea

Mein Besuch bei Lochlea im July 2022 während meines Schottland Roadtrips
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Eine Zusammenfassung meines Schottland Roadtrips 2022 (#SRT22) findest Du hier. Oder Du nutzt das Hashtag #SRT22 an dem Artikel.

Und wenn Du noch mehr Destillerien aus der Nähe sehen willst, wirst Du hier fündig: Hauptmenü -> Themen -> Destillerietouren (neueste zuerst) oder auf der Seitennavigation (alphabetisch). Die Webseite der Lochlea Distillery bietet weitere Informationen.