Tour durch die Mannochmore Distillery 2022

Die Mannochmore Distillery kennst Du nicht? Das wundert mich nicht, denn außer in der Flora und Fauna Serie gibt es von der Mannochmore Distillery (gehört Diageo) keine offiziellen Standard-Abfüllungen. Das Besondere an Mannochmore ist, dass es eine „neue“ Destillerie (1971) auf dem Grund der (älteren) Glenlossie Destillerie (1876) ist. Die Mannochmore Distillery ist normalerweise nicht für Besucher zugänglich.

Hintergrundwissen

Die Mannochmore Distillery wurde 1971 im Auftrag von John Haig & Co. Ltd. errichtet. Zwischen 1985 und 1989 wurde die Produktion eingestellt, ebenso wie zwischen 1995 und 1997. Eigentümer waren unter anderem DCL, United Distillers und schließlich Diageo. 2013 wurde die Destillerie renoviert und erweitert. Die Mashtun wurde ausgetauscht, die Steuerung von einem Schaltpult auf PC umgestellt und zwei zusätzliche Stills wurden eingebaut. In einigen Quellen habe ich gelesen, dass die Brennerei nur in den Wintermonaten betrieben wird, aber bei meinem Besuch im Mai 2022 war Mannochmore im Betrieb (im Gegensatz zur Glenlossie Distillery) und produziert nahe der maximalen Kapazität. Die erste Abfüllung in der Flora & Fauna Serie kam 1992 auf den Markt.

Ich wollte mir im Vorfeld einen ersten Eindruck verschaffen und habe nach Bildern der Mannochmore Distillery gesucht. Die meisten Bilder stammen zwar von dem Areal, zeigen aber nicht die Destillerie. Das Titelbild zeigt das wirkliche Produktionsgebäude der Mannochmore Distillery.

Tour durch die Produktion

Die Mannochmore Distillery ist, ebenso wie die Glenlossie Distillery, normalerweise nicht für die Öffentlichkeit zugänglich. Im Rahmen des Spirit of Speyside Whisky Festival 2022 konnte ich aber eine Tour buchen. Wir wurden im Stillhouse der Glenlossie Distillery von Annelise in Empfang genommen. Annelise hat früher Mannochmore geleitet und vertritt heute den Distillery Manager. Begleitet wird sie von Rebekah, die dafür sorgt, dass keiner verloren geht.

Nach einer kurzen Sicherheitsunterweisung und ein wenig Hintergrund zur Mannochmore Distillery geht es wieder ins Freie quer über den Hof. Wenn Du auf dem Parkplatz von Glenlossie stehst und gerade über den Hof siehst, kannst Du die Mannochmore Distillery erkennen (siehe Titelbild). Im Eingangsbereich wurde das ehemalige Schaltboard an die Wand geschraubt. Die Mühle dürfen wir nicht sehen, denn die ist in Produktion. Vor der Mashtun erklärt uns Annelise den Produktionsprozess von der Mashtun in die Washbacks. Dann geht es weiter nach draußen und wir bekommen die Stainless Steel Washbacks zu sehen. Von hier oben hat man auch einen guten Überblick zu den gemeinsamen Lagerhäusern.

Weiter geht es nun in das „alte“ Stillhouse. Hier erklärt uns Annelise den weiteren Produktionsprozess bevor es weiter in das neue Stillhouse (gleich im Nebenraum) geht. Die Lagerhäuser bekommen wir nicht zu sehen, aber das macht nichts, denn der New Make wird mit Tankern in die zentralen Lager von Diageo befördert.

Nun fehlt nur noch das Tasting. Mit auf unserer Tour waren auch vier Mitarbeiter von Diageo und einer war der Brand Ambassador Ervin Trykowski, der in den letzten Jahren bei den Online Tasting das Thema „Cocktails“ übernommen hat. Und wenn schon mal ein Brand Ambassador dabei ist, darf er auch das Tasting leiten. Neben einem Cocktail gab es einen Mannochmore 12yo (Flora & Fauna), den Glenlossie 10yo (Flora & Fauna) und einen Johnnie Walker Black Label Speyside Origin. Ich habe mir ein Drivers Pack genommen, denn ich musste noch fahren.

Technische Daten

Die Mühle schafft 3,5 Tonnen pro Stunde. Insgesamt werden ca. 27 Tonnen Malz pro Woche verarbeitet. Die Mashtun ist von Brigg aus dem Jahr 2001, wurde 2013 hier installiert und fasst 11.12 Tonnen Malz. Ein Mash Cycle dauert 5,5 Stunden wobei ca. 4 Stunden für die Filtration und das Überführen in die Washbacks benötigt wird. Die 8 hölzernen Washbacks sehen neu aus und befinden sich im Mash House. Die 8 Stainless Steel befinden sich im Freien an der Rückseite des Gebäudes. Jedes Washback hat ein Fassungsvermögen von 54.000 Litern. Die Fermentationszeit beträgt 100 Stunden. Das ist relativ lange und fast doppelt so lange wie der kürzeste Standard, den ich kenne. Als Hefe wird „Cream Yeast“ verwendet.

Bei den Spirit Stills gibt es gleich mehrere ungewöhnliche Details. Zum einen füllen zwei Wash Stills jeweils eine Spirit Still (häufig ist das ein 1:1 oder ein 1:2 Verhältnis). Zum anderen sind die Spirit Stills mit 15.000 Litern Fassungsvermögen größer als die Wash Stills mit 13.400 Litern. Zu den 3 Wash und 3 Spirit Stills ist 2013 ein weiteres Paar dazu gekommen. Damit gibt es jetzt 8 Potstills. Die maximale Produktionsmenge sind 6m LPA (Liter purer Alkohol pro Jahr) bei einem 24×7 Betrieb. Aktuell werden ca. 5,5m LPA produziert.

Fazit meiner Tour durch die Mannochmore Distillery

Die Mannochmore Distillery liegt etwas abseits der Hauptstraße nach Elgin (kurz vor Benriach). Alleine das ist schon ein Grund, dass sie nicht leicht zu finden ist, aber es gibt auch keinerlei Hinweisschilder und erst recht kein Visitor Center. Mannochmore ist eine relativ junge Destillerie, die mit viel Automatismus betrieben wird. Trotzdem hat mir die Tour sehr gut gefallen. Annelise und Rebekah haben einen guten Job gemacht, uns viel Insiderwissen vermittelt und auf alle Fragen eine Antwort gehabt.

Eine Zusammenfassung meines Besuchs beim Spirit of Speyside Whisky Festival 2022 (#dram22) findest Du hier mit Links auf die anderen Destilleriebesuche: #dram22 – ein spontaner Besuch in der Speyside. Oder Du nutzt das Hashtag #dram22 an dem Artikel.

Und wenn Du noch mehr Destillerien aus der Nähe sehen willst, wirst Du hier fündig: Hauptmenü -> Themen -> Destillerietouren (neueste zuerst; oder auf der Seitennavigation – alphabetisch).

dram22 - Mannochmore Distillery

Meine Tour durch die Mannochmore Distillery 2022
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