Tasting: Mortlach, Clynelish, Bunnahabhain – Wemyss „Autumn Harvest“ 2016

Im NdW 39 (Neuerscheinungen der Kalenderwoche 39) habe ich die neuen Single Cask Abfüllungen aus dem Wemyss „Autumn Harvest“ 2016 Release angekündigt. Drei aus dieser Serie darf ich heute probieren: einen Mortlach aus 1998, einen Clynelish aus 1995 und einen Bunnahabhain aus 2001. Mortlach und Clynelish gehören häufig zu denen, die mir sehr gut gefallen und Bunnahabhain kann mich immer wieder sehr positiv überraschen. Mal sehen.

  • “Ginger Glazed Gammon”, 1998, 18yo, SC, Mortlach, 306 Fl., ncf, nca, 46%, ca. 88.- EUR
  • “Pomme Piquante”, 1995, 20yo, SC, Clynelish, 340 Flaschen, ncf, nca, 46%, ca. 103.- EUR
  • “Hickory Molasses Glaze”, 2001, 14yo, SC, Bunnahabhain, 236 Fl., ncf, nca, 46%, ca. 69.- EUR

ncf = no chill-filtration (keine Kältefiltration), nca = no color added (ohne Zusatz von Zuckerkulör), SC = Single Cask, Fl. = Flaschen

Tasting Notes – Mortlach

Offizielle Notes

  • Colour: Honey
  • Nose: A boozy rum baba dessert is scattered with cherries and crystallised ginger and swims in sticky orange syrup laced with smoky Moroccan spice mix.
  • Palate: A feast is served of gammon baked in a citrus glaze followed by moist carrot and gingerbread with baked spiced red apples and red currant jelly.
  • Finish: Tingling spices soften to a warm buttery mouthfeel, with soft, sweet fudge.

Meine Notes

  • Nase: Rumtopf mit Früchten, dann kommt der Ingwer. Englische Orangenmarmelade. Und zwischen der leichten Alkoholnote blitzen immer wieder ein paar Gewürze auf. Mit Wasser bleiben Ingwer und Orange. Dazu gesellt sich ein wenig gekochter Schinken.
  • Geschmack: Leichtes Prickeln mit Zitrusfrüchten. Dann kommt leichter Ingwer und Apfel. Mit Wasser kommt mehr Buttertoffee und Gewürze auf die Bühne. Ein wenig Litschi.
  • Abgang: Würzig und angenehm, gegen Ende sehr dezente Eiche. Mit Wasser noch ein wenig softer am Anfang, dann aber mehr von der Eiche.

Der ist nicht so süß und vanillig, wie ich ihn erwartet hätte. Hier herrschen eher die Zitrusnoten und der Ingwer sehr dominant.

Tasting Notes – Clynelish

Offizielle Notes

  • Colour: Late summer sun
  • Nose: A melange of sweetness bursts from the glass: creme Anglaise, vanilla ice cream melting on waffles, and a delicate posset of lime, elderflower and gooseberries, with a veil of expensive perfumed candle in the distance.
  • Palate: A crisply laundered linen table cloth displays freshly squeezed homemade lemonade, salty crusted pisco sours with sliced green apple, freshly picked gooseberries sprinkled with white pepper.
  • Finish: Crisp yet creamy, clean and salving with waves of ozone rolling over the palate.

Meine Notes

  • Nase: Nichts vom salzigen Clynelish wie ich ihn kenne. Sehr süß mit Karamellsoße und Vanille. Das Bild mit dem Vanilleeis passt ganz gut. Auch die Holunderblüte kann ich nachvollziehen. Dann kommt der salzige Anteil zum Vorschein und verdrängt die anfängliche Süße. Mit ein paar Tropfen Wasser ist die Süße wieder zurück. Kandierter Apfel (die roten vom Jahrmarkt). Der ist schön komplex und die paar Tropfen Wasser entlocken ihm neue Aromen. Jetzt habe ich auch etwas von der Parfümnote. Dann wieder Vanille.
  • Geschmack: Ja, da ist die typische salzige Note angereichert mit Pfeffer. Schön ölig. Stachelbeeren und Äpfel. Zitrusfrucht. Mit Wasser kommt mehr Vanille und Süße. Auch die Stachelbeeren sind sehr süß. Der Pfeffer hält sich zurück.
  • Abgang: Erst der Pfeffer (sehr dezent) und dann weitere Gewürze münden in einem schönen fruchtigen Abgang, der übergeht in eine leicht trockene, nussige Eichennote. Mit Wasser wird er schärfer im Abgang, der Pfeffer wird sehr dominant.

Das ist eine sehr komplexe Abfüllung, für die man sich Zeit nehmen sollte. Es gibt viel zu entdecken und vor allem mit ein paar Tropfen Wasser eröffnen sich neue Aromenperspektiven.

Tasting Notes – Bunnahabhain

Offizielle Notes

  • Colour: Old Copper
  • Nose: Intense, rich and powerful. A Barbecue glaze made from cola, sticky dates, molasses, cinnamon, cider vinegar and caramelised shallots. Orange studded cloves complete the meaty marinade.
  • Palate: Spicy and rich with charred meat edges. Amazingly complex as the flavours jump from tart plum sauce to savoury chargrilled cutlets. A Mouth-watering and unctuous Islay with only traces of smoke.
  • Finish: Sweet meat and hickory smoke prolongs the finish.

Meine Notes

  • Nase: Das ist wieder ein Schmeichler für die Nase. Kräftige und intensive Aromen. Aber nach einem BBQ? Bei Datteln und Molasse bin ich dabei. Eines ist auch sicher: der Speichelfluss setzt sofort ein. Die Kombination lässt tatsächlich Assoziationen an eine Grillmarinade freien Lauf, aber eher der süßlichen Art. Neben Zimt und den karamellisierten Zwiebeln kommt die Orangenschale mit dazu. Sehr dezenter Rauch. Mit ein paar Tropfen Wasser kommt der Rauch deutlicher zum Vorschein. Auch fleischige Noten bemerke ich jetzt.
  • Geschmack: Jetzt sind wir wieder bei der klassischen Variante eines Sherryfasses. Die reifen Früchte, Datteln, Orange, Pflaumen. Ölig. Ganz leichter Rauch. Mit Wasser weniger Früchte, mehr trockener Sherry. Staubiger. Pfeffer.
  • Abgang: Die reifen Früchte halten an. Wenig Eiche. Harmonischer Ausklang. Auch der wird mit Wasser schärfer im Abgang und auch die Eiche wird dominanter.

Der ist schön rund und gelungen. Einer dieser „Nasenschmeichler“ aber der ist auch geschmacklich rund. Ich habe schon einige Bunnahabhains probiert, die fantastisch an der Nase waren, aber das Versprechen im Geschmack nicht halten konnten. Der hier kann das.

Mehr über Wemyss

Wemyss Malts ist ein unabhängiger Abfüller, der mit Kingsbarns auch eine eigene Destillerie besitzt. Mir gefallen vor allem die Single Cask Releases. Hier kann man nichts falsch machen, ausser zu viel zu kaufen. Erst vor Kurzem durfte ich William Wemyss in Hamburg kennenlernen. Hier findet Ihr auch ein paar Hintergrundinformationen: Meet&Greet: William Wemyss auf Deutschlandtour.

Fazit

Mortlach und Clynelish gefallen mir eigentlich immer. Auch diese beiden sind sehr gelungen, aber meine große Überraschung ist der Bunnahabhain. Der ist sehr komplex und lädt zum lange Genießen ein. Nehmt Euch Zeit und probiert es auch mit ein paar Tropfen Wasser.

Danke an Wemyss für die drei Proben!