Tasting: HYPERnova – der bisher rauchigste Ardbeg

Auch dieses Mal hat mich eine Probe aus meiner Lieblingsdestillerie erreicht. Der Ardbeg HYPERnova ist der bisher rauchigste Whisky der Islay Destillerie mit mehr als 170ppm (parts per million) Phenolgehalt. Wieviel davon im fertigen Produkt noch geschmacklich vorhanden ist, will ich jetzt rausfinden.

Im Überblick – HYPERnova

  • Ardbeg Hypernova, Committee Release (CR), 170ppm, ncf, nca, 51%, 210.- EUR (Online in Deutschland ausverkauft)

ncf = no chill-filtration (keine Kältefiltration), nca = no color added (ohne Zusatz von Zuckerkulör)

Das sagt Dr. Bill Lumsden dazu: „Es ist der rauchigste Ardbeg bislang. Wir sind an Grenzen gegangen, wo Ardbeg bislang nicht war. Eine Hypernova ist eine Sternenexplosion einer fernen Galaxie. Ich glaube zwar nicht, dass dieser Whisky Raum und Zeit durcheinanderwirbelt, dennoch strotzt diese Abfüllung vor fantastischem Torfrauch.“

Ardbeg HYPERnova

Ich gehe mal davon aus, dass die Marketingabteilung nicht nur wegen der Steigerungsform vom SUPERnova auf den HYPERnova gekommen ist, sondern das aktuelle Kaufverhalten am Markt dazu geführt hat. Auch dieses Committee Release war in Deutschland wieder ruckzuck ausverkauft. Und auch auf eBay sind kurz danach schon wieder die ersten Flaschen für Mondpreise aufgetaucht. Ich kann nur hoffen, dass sich die Steuerbehörden mal für diese Verkäufe interessiert.

Tasting Notes

Meine Tasting Notes

  • Nase: Der Torf ist nicht so dominant wie erwartet. Etwas ätherisch und auch die Nähe zum Kuhstall drängt sich auf. Dann die typische süße Kombination aus Teer und Anis. Mit der Zeit gesellen sich Schokolade und Espresso dazu. Frische noch grüne Haselnüsse. 
  • Geschmack: Regelrecht sanft zu Beginn aber dann kommt ganz langsam ein wenig Pfeffer auf die Zungenspitze. Würzig mit viel Anis und etwas Nelke. 
  • Abgang: Torf und ein wenig trocken. Die Trockenheit nimmt mit der Zeit zu und trocknet den Mundraum regelrecht aus. 
  • Wertung: +

Der braucht viel Zeit, um sich zu entfalten. Der Torf macht Platz für komplexe Aromen.

Offizielle Tasting Notes

  • Farbe: Blasser Schwefel
  • An der Nase: Kräftig, intensiv und fast brachial in seiner Intensität, füllen Wellen von Teer, Rauch, Meersalz und einem beinahe „Landluft-Aroma“ die Leere. Ätherische Fruchtnoten, die an blühende schwarze Johannisbeeren erinnern, gehen in kräftige Noten von Pfefferminz über. Mit ein paar Tropfen Wasser etwas abgerundeter, mit einem Hauch von Lavendel und einer leicht schokoladigen Note, die sich in ungewöhnlichen Anklängen von Knete und verbranntem Gummi verändern.   
  • Am Gaumen: Explosiv, pfeffrig am Gaumen mit bizarren Tönen süßer Schokolade, kühler Minze, scharfem Torfrauch, Bittermandeln und einem unendlich langen, anhaltenden Ausbruch von Gewürznoten mit Anis und Gewürznelken.
  • Im Nachhall: Der Nachhall kollabiert in sich selbst mit enormem, schwerem Rauch, bevor erdige Noten von geröstetem Kaffee und geräuchertem Heidekraut übernehmen.

Mein Bewertungsschema

Bewertet wurde(n) die Probe(n) nach folgendem einfachen Schema und rein auf Basis des persönlichen Geschmackes:

+gefällt mir, würde ich mir kaufen
ook/gefällt mir, muss ich aber nicht haben
trifft nicht meinen Geschmack

Was Du bei einer Verkostung beachten solltest und wie ich dabei vorgehe findest Du übrigens hier: Whisky-Wissen für Einsteiger. Und: wenn ich einen Whisky zur Verkostung zur Verfügung gestellt bekomme, ändert dies nichts an meiner Bewertung. Ich versuche immer fair zu bewerten, sage aber auch, wenn der Whisky nicht meinen persönlichen Geschmack trifft.

Fazit

Mein Sample war leider in den Fängen eines Paketservices gefangen und hat dank Feiertag und veralteter Technik sowie unwilliger Boten nicht rechtzeitig den Weg zu mir gefunden. Ich habe mir trotzdem eine Flasche bestellt, die kurz nach dem Sample bei mir eingetroffen ist. Bereue ich den Kauf?

Nein, ich bereue den Kauf nicht und freue mich den gemeinsam mit Freunden aufzumachen. Er ist deutlich sanfter, bietet mehr Aromenvielfalt und Komplexität als erwartet. Du fragst Dich vielleicht, ob der Preis gerechtfertig ist? Nun, wie immer muss das jeder selber wissen. Ich hätte mich gefreut, wenn er für 80-100 EUR erhältlich gewesen wäre, aber wie der Name des HYPERNOVA schon zeigt, ist da deutlich HYPE im Spiel. Den Arbitragejägern sei Dank. Ich hoffe, dass irgendwann auf ihren Flaschen sitzen bleiben und selber trinken müssen.

Danke an Tobias Russ und Ardbeg für das Sample!

Nach dem Fermutation im Januar und dem Ardcore im April ist der HYPERNOVA eine weitere Sonderabfüllung von Ardbeg für das Committee: