Tasting: es gibt Kuchen – Glenmorangie A Tale of Cake

Ein ungewöhnlicher Name für einen Whisky, aber auch bei Glenmorangie arbeitet man gerne mit Bildsprache, um die Sinne gleich auf den Whisky einzustimmen. Da passt auch das Bild mit Dr. Bill Lumsden, der mit einer Torte beworfen wurde als er den Glenmorangie A Tale of Cake verkostet. Sehr schöne Einstimmung! Nun bin ich gespannt, ob sich dieses Bild genauso festsetzt, wie mir das beim Milsean ergangen ist.

Im Überblick

  • Glenmorangie A Tale of Cake, Limited Edition, 46%, UVP 87.- EUR

Über die limitierte Edition verrät Glenmorangie wie immer nicht sehr viel. Weder die Anzahl der Flaschen, das Alter, Kältefiltration oder Zusatz von Zuckerkulör – nichts davon wird verraten. Aber wann man ihn kaufen kann, hat man mir verraten: bereits seit dem 22. September ist er erhältlich – im Fachhandel und bei CLOS19.com. Ein paar Cocktail Empfehlungen und Videos findet Ihr auf der Glenmorangie A Tale of Cake Webseite. Und nicht ganz unwichtig für die Geschmacksgebung ist die Nachreifung in (ungarischen) Ex-Tokajer Dessertwein Fässern.

Glenmorangie A Tale of Cake

Zu den „Limited Editions“ gehören der Astar (2009 und 2017) und der A Midwinter Night’s Dram (2015 und 2017).

Tasting Notes

Offizielle Notes

  • Farbe: Dunkles Kupferrot
  • An der Nase: Komplex, reich und vielschichtig, mit viel Passionsfrucht, Pfirsich, Birne und Mango. Köstliche Aromen folgen von gebackenem Brot, saftigem Eichenholz und einer feuersteinähnlichen Mineralität, die langsam entweicht. Danach klassische Glenmorangie-Noten mit Honig, Vanille und Mandeln und einer Spur Milchschokolade. Mit etwas Wasser: Zitruspikante Noten von Aprikose, Holunderblüte, Honigpollen und Pfirsichsirup.
  • Am Gaumen: Überraschend süß und säuerlich zugleich, mit Regenbogenkuchen, weißer Schokolade, Aprikose, Vanillemandeln und Birne, gut balanciert mit den typischen Glenmorangie-Aromen von spritzigen Orangen und einer Brise Menthol.
  • Im Nachhall: Langanhaltend und an eine köstliche Mischung aus Honigwaben, Schokoladenmandeln und Pekannüssen erinnernd.

Meine Notes

  • Nase: Nun Kuchen habe ich nicht in der Nase. Ich kann es noch nicht richtig in Worte fassen. Der erste Eindruck ist süßes Menthol, denn es riecht ein wenig säuerlich scharf aber zugleich süß wie von kräftigem Waldhonig und Pfirsich. Der ist schön komplex und verändert sich immer wieder im Glas. Dem muss man Zeit lassen, damit er seine Klasse zeigen kann. Wenn ich jetzt in Kuchen denken muss, dann vielleicht Zitronenkuchen mit einer dicken Schicht Zuckerguss? Dezent erdige Noten mit viel Frucht. Mit der Zeit werden die Früchte immer exotischer. Und je länger man ihm Zeit gibt, desto mehr wandelt er sich. Mit ein paar Tropfen Wasser kommt er mir (wie so oft) erst mal etwas schärfer vor. Das verfliegt mit der Zeit wieder und die Orangenschalen kommen ganz kräftig zum Vorschein.
  • Geschmack: Da ist sie wieder die Mischung aus süß und sauer. Menthol mit weißem Pfeffer auf der Zungenspitze und dahinter ganz viel Fruchtsüße. Ananas mit Vanille und etwas Würzigkeit. Mit Wasser verschwindet der säuerliche Anteil bzw. nimmt sich ein wenig zurück. Mehr Süße, Frucht und Nüsse. Bitterschokolade mit Chilli und Orangenstücken.
  • Abgang: Zuerst flammt der weiße Pfeffer nochmal auf und hinterlässt ein trockenes Mundgefühl. Nussig und etwas Eiche wie bei Virgin Oak Fassreifung. Mit Wasser habe ich mehr Bitterstoffe und die Eiche wird noch mehr betont.
  • Wertung: o

Mein Bewertungsschema

Bewertet wurde(n) die Probe(n) nach folgendem einfachen Schema und rein auf Basis des persönlichen Geschmackes:

+gefällt mir, würde ich mir kaufen
ook/gefällt mir, muss ich aber nicht haben
trifft nicht meinen Geschmack

Was man bei einer Verkostung beachten sollte und wie ich dabei vorgehe findet Ihr übrigens hier: Whisky-Wissen für Einsteiger. Und: wenn ich einen Whisky zur Verkostung zur Verfügung gestellt bekomme, ändert dies nichts an meiner Bewertung. Ich versuche immer fair zu bewerten, sage aber auch, wenn der Whisky nicht meinen persönlichen Geschmack trifft.

Fazit

Das ist ein schöner und komplexer Whisky mit dem man viel Zeit verbringen kann und sollte. Die Nase gefällt mir am besten und dieses „süß-saure“ ist eher ungewöhnlich bei Whisky. Ein Whisky, den jeder mal probiert haben sollte, denn er ist „anders“ und ich kenne auch nicht viele Abfüllungen mit einem Tokajer-Finish. Aber beim Abgang merkt man, dass er entweder sehr jung oder Anteile von sehr frischen (virgin oak?) Fässern enthält. Das ist mir ein wenig zu viel, aber wer einen bitteren, würzigen Abgang mag, dem gefällt das bestimmt. Für ein + in der Wertung fehlt ein wenig beim Abgang, um mich vollends zu begeistern. Aber ähnlich wie beim Milsean hat sich die Marketingbotschaft „Kuchen“ jetzt festgebrannt.

Wenn Ihr jetzt Lust auf einen virtuellen Besuch bei Glenmorangie bekommen habt – Blick hinter die Kulissen: Glenmorangie sieht für eine Woche „schwarz“

Danke an Tobias Russ und Glenmorangie für das Sample!