Tasting: Aberlour vs. Ben Nevis – zwei Neue von whic

whic.de ist nicht nur als Whiskyshop bekannt, sondern hat sich zwischenzeitlich auch einen guten Ruf als unabhängiger Abfüller erarbeitet. Meist in kleineren Serien werden dabei häufig ältere Single Malts mit ausgefallenen Labels abgefüllt. Den 22-jährigen Ben Nevis aus der Nymphs of Whisky und den 21-jährigen Aberlour aus der Architecture of Taste Collection habe ich mir heute vorgenommen.

  • whic, Aberlour, 21yo, Architecture Of Taste, 59.8%, CS, ncf, nca, 122 Flaschen, ca. 130.- EUR
  • whic, Ben Nevis, 1995/2018, 22yo, Nymphs Of Whisky Collection, ncf, nca, 52.9%, 472 Flaschen – ausverkauft

Tasting Notes – Aberlour

Offizielle Notes

Weitere Infos: „Wer an Aberlour denkt, hat meistens eine schwere Sherry-Bombe wie den Aberlour A’bunadh im Sinn. Doch dass die Brennerei am Flusse Spey mehr Facetten zu bieten hat, zeigt dieser wohlgereifte Single Malt auf beeindruckende Art und Weise. Der hier vorliegende Aberlour verbrachte 21 Jahre in einem Hogshead, in welchem zuvor Bourbon gelagert wurde.

  • Aroma: Opulent mit frischer Süße. Süßer Fresienduft steigt aus dem Glas herauf. Pfirsicheistee, Papaya, kandierte und frische Ananas sowie Apfelmus liefern eine Fülle an süßen Fruchtnoten und geben dem Whisky einen exotischen Anstrich. Zuckerwatte, Vanille und Honig greifen das Thema Süße weiter auf. Die Honignoten gehen schon in Richtung Honigwein. Etwas schwarzer Tee gibt mehr Tiefe und frisch geschnittenes Gras gibt dem Aberlour eine erstaunlich frische Note.
  • Geschmack: Süß und vollmundig. Aprikosenmarmelade und Karamell bilden den fruchtig-süßen Auftakt. Das Alter des Aberlour zeigt sich in aromatischen Tabaknoten, altem Holz und kräftigen Kaffeeröstaromen. Überhaupt hat dieser Whisky einen schön kräftigen Körper mit erdigen Malznoten. Hinzu kommen frisch gemahlener Pfeffer und Ingwer.
  • Nachklang: Langanhaltend und wohlbalanciert zwischen kräftiger Eichenwürze und angenehmer Süße.

Meine Notes

  • Nase: Eine sehr frische, süße Vanillenote kommt mir entgegen, als ich den Deckel das erste Mal abnehme. Ananas und Pfirsich und weitere süße Fruchtnoten mischen sich ein. Honig und Mango. Auch ein wenig erdige Aromen wie frisch geschnittenes Gras kann ich entdecken, aber die sind sehr dezent. Bei dem Alter hätte ich nicht mit so viel Menthol gerechnet. Gibt man ihm ein wenig Zeit, verfliegt das Menthol. Jetzt muss ich an diese süßen. hauchdünnen, holländischen Honigwaffeln denken. Mal sehen, was 5 Tropfen Wasser bewirken. Die Frische ist erst mal weg. Ein wenig muss ich an Eisen denken. Möbelpolitur (ja ich weiß, dass das kein Sherry ist). Aprikosenkerne. Mit der Zeit kommen die süßen Töne wieder zurück. Auch die Ananas ist dabei.
  • Geschmack: Erst Ananas und dann kommt die Kraft zum Vorschein. Die Zungenspitze wird langsam aber sicher betäubt. Langsam kommt die Süße zurück. Karamell und Aprikosen. Jetzt wird er ölig. Mit Wasser ist er sanfter und die Süße kommt sofort zum Vorschein. Ananas und Karamell aber auch ein wenig Tabak. Pfeffer ist immer noch dabei.
  • Abgang: Leichte Eiche mit Frucht, dann ein wenig Kirsche und Menthol im Nachklang. Mit Wasser ein wenig lieblicher.

Tasting Notes – Ben Nevis

Offizielle Notes

  • Aroma: Intensive sherrysüße Fruchtnoten, reife Sommerfrüchte wie Himbeeren, Erdbeeren und Johannisbeeren, aber auch Rosinen und Datteln. Abwechslungsreiche Getreide- und Malznoten mit deftigem Roggeneinschlag werden von der leichten Säure frisch geschnittener Apfelschale abgelöst. Komplexe Ledernoten und aromatischer Tabak zeigen das hohe Alter dieses Whiskys auf beeindruckende Weise. Etwas Pfeffer und die Asche eines Holzkohlegrills sorgen für Kontrast.
  • Geschmack: Sehr süße Himbeermarmelade vielleicht auch ein paar eingekochte Pfirsiche, aber vor allem findet sich das kräftige Aroma von Rosinen mit Dattelsirup und Johannisbeergelee. Zartbitterschokolade, eine Prise weißen Pfeffers und feines Eichenholz. Insgesamt nach hinten heraus eher trocken und trotzdem ölig und schwer.
  • Nachklang: Mittellanger bis langer Abgang. Süße Marmeladennoten mischen sich mit cremiger Schokolade und herben Kaffeenoten.

Meine Notes

  • Nase: Erdbeeren und Himbeeren mit Milch übergossen und ein wenig Sherry. Das ganze erinnert mich eher ein wenig an Madeira. Das sind für mich erst mal nicht die „typischen“ Sherrynoten. Aber Rosinen und Datteln verdrängen die Milch ein wenig. Dann geht es weiter mit Leder und dem muffigen (schönen) Geruch aus einem Dunnage Warehouse. Die Zugabe von 5 Tropfen Wasser bringen ihn zurück ins Sherrylager. Ganz deutlich habe ich jetzt die süßen Früchte, allen voran wieder die Datteln und Rosinen. Aber dann wird er ein wenig schärfer. Es ist immer wieder interessant, wie Whiskys auf Wasser reagieren.
  • Geschmack: Ich empfinde den gar nicht als besonders süß, muss ich sagen. Zartbitterschokolade. Leder und Tabak. Einen Hauch von Pfeffer. Ein wenig von Erdbeeren mit Milch schwingt noch mit. Mit Wasser mischt sich noch ein wenig Litschi unter die Frucht- und Ledernoten. Die Schokolade ist weg. Orangen dafür hinzugekommen.
  • Abgang: Schöner Abgang wie Praline mit Espresso. Dann kommt ein wenig Eiche, aber sehr dezent. Mit Wasser Orange mit Espresso und einer Schoko-Kaffebohne.

Fazit

Der Aberlour kann ein paar Tropfen Wasser gut vertragen. An der Nase solltet ihr erst mal ohne Wasser ein wenig aushalten und nach dem Wasser wieder ein wenig warten. Insgesamt ein sehr schöner Bourbon Fass gelagerter Whisky von Aberlour. Der Ben Nevis ist ungewöhnlich. Sowohl der Hausstil an und für sich, als auch die Sherryfasslagerung. Das ist mal eine andere Art von Sherry-gelagertem Whisky. Beide Abfüllungen finde ich sind gut gelungen. Wenn man dem Aberlour ein wenig von seiner Kraft nimmt, gefällt er mir einen Ticken besser.

Vielen Dank an Leonie und Arne von whic.de für die Samples!