Bruichladdich und Port Charlotte von WHIC

Tasting: 2x Bruichladdich & Port Charlotte (WHIC)

Heute ist Islay-Time angesagt. Dazu treten zwei Bruichladdich und ein Port Charlotte (also ein dritter aber torfiger Bruichladdich) an. Alle drei stammen vom Abfüller WHIC. Alle drei jung und stark limitiert. Ich bin gespannt.

  • Bruichladdich, 2006/2015, whic, 9yo, Cask #317, 55.2%, ncf, nca, 48 Flaschen, 83.- EUR
  • Bruichladdich, 2003/2015, whic, 11yo, Cask #1333, 46%, ncf, nca, 36 Flaschen, 110.- EUR
  • Port Charlotte, 2003/2015, whic, 12yo, Cask #660, 56%, ncf, nca, 180 Flaschen, 90.- EUR

ncf = no chill-filtration (keine Kältefiltration), nca = no color added (ohne Zusatz von Zuckerkulör)

Im Vergleich zu dem 18yo Ben Nevis, der ebenfalls in Fassstärke abgefüllt wurde und nur 70.- EUR gekostet hat, schlägt hier die Beliebtheit von Bruichladdich durch. Mal sehen, was die drei zu bieten haben.

Tasting Notes – Bruichladdich 9yo

Reifen durfte der Whisky in einem Ex-Bourbon Faß. Ins Faß kam er am 10.05.2006 und abgefüllt wurde er am 14.08.2015.

Offizielle Notes

  • Aroma: Birnen und überreife Herbstfrüchte, insgesamt sehr Süß, etwas Parfüm, Florale Noten (typisch Laddie), etwas Eiche.
  • Geschmack: Wieder Frucht, Birnen, Pfirsich, Viel Eiche mit ordentlich Taninen, Rosenwasser mit etwas Pfeffer.
  • Abgang: Floral, Würzige Eiche hält vor. Sehr leicht für die hohe Alkohlstärke.

Meine Notes

  • Nase: Süße malzige Vanillenote ist mein erster Eindruck. Vom Alkoholgehalt merke ich an der Nase nichts. Der typische Laddie-Charakter mit den floralen und parfümierten Noten ist vorhanden. Karamell und Crème brûlée übernehmen. Dann kommen die dezenten Fruchtnoten – Papaya und Mango? Auch ein wenig Honigmelone. Süß und vielleicht sogar kandiert. Mit etwas mehr Luft und Zeit kommt der Alkoholgehalt mit Eiche zum Vorschein.
  • Geschmack: Süße Früchte mit Chilli kombiniert. Sehr ausgewogen und rund. Auch wenn es eine kleine Chilli-Explosion auf der Zunge gibt ist die Alkoholstärke sehr schön eingebunden. Ein kleines Crème brûlée Dessert mit viel Vanille.
  • Abgang: Die Eiche kommt auch im Finish mit einem leicht nussigen, trockenen Abgang zum Vorschein.

Tasting Notes – Bruichladdich 11yo

Der 11-jährige Bruichladdich stammt aus einem Sherry Hogshead. Ins Faß wurde er am 26.11.2003 und in die Flasche am 27.08.2015 gefüllt. Auf der Webseite findet sich auch noch folgender Hinweis: „Ungefiltert! Der Whisky wurde vor der Abfüllung nicht bzw. nur minimal gefiltert, weshalb in der Flasche deutlich Schwebteilchen (Fass-Sedimente, Öle und Fette)  zu sehen sind. So sieht ein Whisky aus wenn er direkt aus dem Fass kommt.

Offizielle Notes

  • Aroma: Saftige Grapefruit, süße aromatische Erdbeermarmelade, sonnengegerbtes Leder, süß und ausdrucksstark.
  • Geschmack: Marmelade, Rosinen, etwas Salz, maritime Noten, leichte Anklänge von Räucherfisch, Haselnüssen und würzige Eiche.
  • Abgang: Ausgewogen mit süßen und würzigen Elementen.

Meine Notes

  • Nase: Tatsächlich habe ich zuerst die Ledernote an der Nase. Nicht so malzig und auch nicht so süß wie der 9-jährige. Mit Zucker angesetzte Erdbeeren entdecke ich, die man schon eine Weile hat ziehen lassen. Dann nussige Gewürznoten. Auch salzige, maritime Noten schimmern durch. Und dann habe ich wieder den Lederohrensessel vor meinem geistigen Auge. Ein komplexer Charakter mit dem man etwas Zeit verbringen kann.
  • Geschmack: Hier habe ich dann plötzlich doch die malzigen süßen Noten eines typischen Laddies. Gewürze. Ein wenig maritimes. Der hat Kraft für die „nur“ 46%.
  • Abgang: Eine unerwartete Pfeffernote mit einem Hauch von Rosinen. Dann nach etlicher Zeit, denn der hält lange an, kommt ein wenig trockenes Mundgefühl mit leichter Eichennote.

Tasting Notes – PC 12yo

Der torfige Bruichladdich wurde am 07.07.2003 ins Ex-Bourbon Fass und am 01.09.2015 in die Flasche gefüllt. Hinweis auf der Webseite: „Auf dem Label findet sich die Angabe Distilled at Bruichladdich Distillery – Heavily Peated„. Von Port Charlotte findet sich nichts auf dem Label.

Offizielle Notes

  • Aroma: Asche, Lagerfeuer, Jod, Räucherschinken, Tabak, süße Noten, frisches Heu.
  • Geschmack: Rauch, Schinken, Käse, Pfeffer, Citrusnoten und Salz. Deftig.
  • Abgang: Leichte Aschennote gepaart mit einer Prise Pfeffer.

Meine Notes

  • Nase: Ja. Asche, Lagerfeuer und Rauch. Viel Rauch. Aber im Hintergrund kommt das süßliche Malz wieder zum Vorschein. Ein wenig Zitrus und auch der Räucherschinken ist vorhanden. Unreife Haselnuss zwischen den Fingern zerrieben. Sägespäne.
  • Geschmack: Pfeffer und Chilli kämpfen um den freien Platz auf meiner Zunge. Dann kommt der Rauch mit dem salzigen Schinken. Ich muss ans Grillen denken. Auch die süße Malznote ist vorhanden.
  • Abgang: Röstaromen wie beim BBQ. Kaltes Lagerfeuer.

Fazit

Der neunjährige hat mir erstaunlich gut gefallen. Evtl. bin ich gerade im Nachtisch-Modus, aber in dem jungen Alter mit der Alkoholstärke hätte ich einen ruppigeren und nicht so lieblichen Bruichladdich erwartet. Die drei Abfüllungen sind gelungen und für vergleichbare Abfüllungen anderer unabhängiger Abfüller auch gar nicht so teuer. Mein Favorit aus den dreien war trotzdem der neunjährige – und das mir als Torf-Liebhaber.

Mehr zu Bruichladdich

Bruichladdich habe ich schon mehrmals besucht: 2012, 2014 und 2015 während des Feis Ile. Bis Mitte letzten Jahres hat Jim McEwan die Ausrichtung der Destillerie bestimmt. Jetzt ist die „nächste Generation“ an der Reihe. Das schöne an Bruichladdich ist, dass sehr viele Arbeitsplätze geschaffen wurden und alles „per Hand“ läuft. Keine Computer. Keine Automatismen. Handarbeit ist gefragt. Man versucht auch beim Anbau der Gerste auf regional (sprich Islay) zu setzen und die Lagerung erfolgt ausschließlich auf der Insel. Das ist alles in allem teuer, aber sehr sympathisch. Meine Artikel zu Bruichladdich findet Ihr am besten über das Schlagwort oder Ihr klickt Euch durch meine Reiseberichte. Bilder findet Ihr auch in den Galerien.

Mehr zu whic

Whic.de ist ein Online-Shop für Whisky. Sitz ist in München. Neben einem sehr guten Sortiment findet man dort auch hin und wieder selbst abgefüllte Whiskys. Neben den drei hier probierten gibt es auch noch einen Tobermory, den ich demnächst probieren werde. Bereits ausverkauft sind ein Aultmore und ein Ben Nevis (Tasting: Whic Ben Nevis 1996/2015 18yo). Wenn Ihr Euch selber einen Eindruck verschaffen wollt: Whic.de – Suche nach WHIC. Unter den Abfüllungen findet Ihr übrigens auch Tasting Notes anderer Blogger.

Vielen Dank an WHIC für die drei Proben!

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