SRT18: Loch Lomond – Blick hinter die Kulissen – VIP Destillerietour

Eine Destillerietour bei Loch Lomond? Loch Lomond hat bei uns in Deutschland nicht unbedingt den besten Ruf. Doch mit diesem Vorurteil wird gerade aufgeräumt und ich bin positiv überrascht, was die Destillerie alles zu bieten hat. Das Fabrikgebäude kann man normalerweise nur von außen anschauen. Nicht hübsch. Und Touren gibt es auch keine. Doch für mich wird eine Ausnahme gemacht, und ich nehme Euch mit auf eine ganz besondere Tour.

Bereits Ende April habe ich Donald MacLellan (Loch Lomond Group, International Sales Manager) kennengelernt und bei seinem Besuch in Hamburg (Im Profil: Loch Lomond Distillery) hat er mir versprochen, dass ich mir Loch Lomond anschauen und fotografieren darf. Ich habe ihn beim Wort genommen und heute ist es endlich soweit: Ich darf in das Innere der Fabrikhalle, an der gerade mit großem Kran Arbeiten durchgeführt werden.

Über die Destillerie

Ein wenig Hintergrundinfos zu den aktuellen Besitzern, deren Strategie und deren Malts findet Ihr hier: Im Profil: Loch Lomond Distillery. Ein paar Fakten im Zeitverlauf:

  • 1966 wird die Loch Lomond Distillery als Erweiterung der Littlemill Distillery eröffnet.
  • 1984 „eingemottet“
  • 1987 von der Bulloch Familie (Glen Catrine) gekauft und wiederbelebt
  • 1990 wird das zweite Paar der Straight Neck Pot Stills installiert.
  • 1994 wird die Grain Distillery eröffnet
  • 1998 werden die traditionellen Schwanenhals Pot Stills (wie in den meisten Destillerien üblich) installiert, gehen 1999 in Produktion
  • 2007 wird die Single Grain Coffey Still hinzugefügt
  • Die Loch Lomond Group wurde 2014 von Exponent Private Equity gegründet, nachdem man die Loch Lomond Distillery Company übernommen hat. Die neuen Besitzer sind:
    • Colin Matthews, CEO, ex-Imperial Tobacco
    • Bruce Davidson, Business Development Director, also ex-Imperial Tobacco
    • Richard Miles, CFO, ex Diageo
    • Bill White, Production Director, ex-Grants
  • 2017 hat die Destillerie 8 Potstills (13 Stills insgesamt): drei Paare Straight Neck, ein Paar Schwanenhals, eine Continuous Coffey MALT Still und zwei Paare Continuous Coffey GRAIN Stills

Meine Destillerietour Loch Lomond

Tour durch die Produktion

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Zusammen mit Distillery Manager Derrick Smith machen wir uns auf den Weg durch die Destillerie. An einigen Stellen stehen Baugerüste und es wird gearbeitet. Die erste Station ist der „De-Stoner“ eine Art Schüttelmaschine, die Steine aus dem Malz herausfiltert. Dieses Gerät befindet sich bei vielen Destillerien oberhalb der Mühle, kann aber selten auf der Tour besichtigt werden. Immer wieder faszinierend wie viele Steine sich in dem Malz befinden. Weiter geht es zur Mühle und dann zurück in die große Halle. Vorbei an den Washbacks, der Continuous Coffey Still, zur Mash Tun (alles aus Edelstahl) und weiter zu den Potstills (Kupfer). Hier findet man hauptsächlich Stills mit „Straight Neck“ also geradem Hals und nicht die üblichen Potstills mit Schwanenhals. Selbst von den beiden Schwanenhals Potstills sieht nur eine „normal“ aus. Im Nebenraum befinden sich zwei neue Straight Neck Stills. Die Destillerie unterscheidet sich nicht nur durch die schiere Größe der Halle, sondern auch bei den Brennblasen deutlich von anderen Destillerien. Weiter geht es mit Donald und Derrick ins Labor.

Produktion

Die Porteus Mühle muss für 4 Mashes pro Tag jeweils 9,5 Tonnen Malz mahlen. Davon gehen ca. 90% in die Single Malt Produktion und 10% in die Grain Produktion. Der Zyklus der Mash Tun beträgt 6 Stunden  wobei insgesamt 4 Wasser genutzt werden (d.h. die Mash Tun wird vier Mal mit Wasser gefüllt). Die letzten beiden Wasser werden für den nächsten Zyklus wiederverwendet und nur die ersten beiden in die Washbacks gepumpt. Die rund 44.000 Liter werden in zwei der Indoor (10 insgesamt, je 25.000 Liter)  oder eines der Outdoor Washbacks (11 insgesamt, je 50.000 Liter) geleitet. Wenn ich richtig gerechnet habe sind das bis zu 800.000 Liter gesamt in den Washbacks. Seit etwa fünf Jahren beträgt die Fermentationszeit 90-92 Stunden. Die Wash wird dann in einer der 4 Wash Stills (3x Straight Neck, 1x Schwanenhals, ca. 25.000 Liter) und dann als low wines in eine der 4 Spirit Stills (3x Straight Neck, 1x Schwanenhals, ca. 20.000 Liter) destilliert. Die Maximalkapazität liegt bei 5m LPA (Liter purer Alkohol) für die Malz-Destillation, aber aktuell werden nur 2,4m LPA Single Malt und 400.000 LPA Grain (auf Malz Basis) hergestellt. Bei Grain liegt die Maximalkapazität bei 20m LPA von denen derzeit ca. 10m LPA produziert werden.

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Single Grain wird in der zweiten Continuous Coffey Still aus 100% Malz hergestellt. Das ist sehr ungewöhnlich und laut Loch Lomond sind sie auch die Einzigen, die dies machen. Die Alkoholstärke beträgt 85% (und nicht wie bei einigen anderen bis zu 94%), um möglichst viele Aromen zu erhalten.

New Make Proben im Labor

Im Labor treffen wir auf drei Mitarbeiterinnen im weißen Kittel. Eine davon hat für uns sechs Proben New Make aufgebaut und führt mich sensorisch an diese heran. Alle sechs Proben unterscheiden sich – nicht nur durch mit Torf- / ohne Torfgehalt im Malz, sondern eben alleine schon durch die verschiedenen Herstellungsarten. Eine kleine Übersicht über die verschiedenen Kombinationsmöglichkeiten könnt Ihr der nachfolgenden Matrix entnehmen.

Erklärung einiger der Spirit Styles
Loch Lomond Spirit Styles Matrix

Jeder der verschiedenen Stile (Spalten) hat in der Destillerie einen eigenen Namen, der sich teilweise mit den Produktnamen überdeckt (z.B. Inchmoan). Aber wie Ihr an den Zeilen erkennen könnt, sind die Produkte meist eine Kombination aus mehreren Stilen. Mehr dazu findet Ihr hier: Im Profil: Loch Lomond Distillery. Ich durfte ein paar der verschiedenen Stile als New Make kennenlernen und man erkennt den Unterschied. Sehr faszinierend, wenn man diese Stile im direkten Vergleich als New Make kennenlernen darf.

Cooperage

Wir bedanken uns bei den Kollegen im Labor für Ihre Zeit und ich verabschiede mich von Derrick. Mit Donald verlasse ich die Fabrikhalle und wir marschieren zum Haupteingang. Dort befindet sich auch die eigene Cooperage mit 5 Vollzeit-Küfern, die ca. 10.000 Fässer pro Jahr „re-charren“ und ca. 10.000 pro Jahr reparieren. Ich darf Andy, den Head der Cooperage, bei einem kompletten Zyklus begleiten. Er erklärt und zeigt mir die verschiedenen Toasting-Stufen und wie Fässer repariert werden.

Dann kommt das Fass in eine Maschine, die mit viel Lärm die alte Kohleschicht entfernt. Weiter auf ein Schienensystem zum Brenner. Dort wird mit unterschiedlichen Temperaturen das Fass neu ausgebrannt und dann mit Wasser abgelöscht.

Fassdeckel (mit „Bunge hole“) drauf, ab in den Dichtigkeits-Test und dann Kennzeichnung mit Farbe (für das Jahr) und Barcode-Etikett. Fertig für eine Neu-Befüllung. Durch diesen Re-charr Zyklus wird praktisch wieder ein 1st fill Fass hergestellt. Das klappt so lange, bis die Holzschicht zu dünn wird und der Whisky durch die Außenwand treten würde.

Lagerhaus

Gleich nebenan befindet sich eines der Hochregallager in dem ich mich jetzt umschauen darf. Hier liegen einige Schätze herum – unter anderem auch die letzten Littlemill Fässer (1991er habe ich gefunden). Littlemill hat nur bis 1994 produziert und ist 2004 komplett zerstört worden. Eine Probe habe ich hier verkostet: Littlemill 25yo Private Cellar Edition – Tasting Notes.

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Ein Großteil der Loch Lomond Fässer wird aber auf Paletten stehend gelagert. Dafür haben diese Fässer das Loch („Bunge hole“) auch im Fassdeckel und nicht wie sonst auf der Seite. Mindestens sechs Paletten übereinander, dicht an dicht und ohne Zwischenräume. Will man also ein bestimmtes Fass oder eine Charge von anderen Ende haben, bedeutet dies ein wenig logistischen Aufwand.

Tasting

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Zum Abschluss führt mich Donald in den Tasting Room im Hauptgebäude. Dunkles Blau, gedeckte Farben, Tartanstoffe und viele Hirschgeweihe – sowohl in der Lampe, als auch in den Stühlen verarbeitet. Hinter der Bar eine große Auswahl an Fassproben und die verschiedenen Produkte der Loch Lomond Group (Loch Lomond, Glen Scotia und diverse Blends). Zu uns gesellt sich der Master Blender Michael Henry und ich darf mit ihm ein paar Drams „nosen“ (nur riechen, weil ich noch fahren muss). Michael erklärt mir, wie sich die verschiedenen Produkte zusammen setzen und wie er diese komponiert hat. Michael ist derjenige, der die verschiedenen Stile schon seit Jahren kennt und die Produktionsparameter nach seinen Bedürfnissen anpassen lässt. Somit hat er eine große Auswahl unterschiedlicher Stile und kann so sehr unterschiedliche Produkte kreieren. Eine der vielen Einblicke, die mir Michael gewährt: Als Kunde kann man sich hier seinen eigenen Blend kreieren lassen und mit Geschmacksmustern auch sehr genaue Vorgaben abstecken.

Fazit

Dies war eine fantastische Führung, die einem nicht jeden Tag geboten wird. Die Destillerie ist aus mehreren Gesichtspunkten sehr interessant und bietet deutlich mehr als die „Fabrikhalle“ mit der ich sie bisher in die Schublade gesteckt habe. Ich habe meine Vorurteile revidiert und kenne nun auch die Produktionsanlage, auf der die teilweise ungewöhnlichen Malts (und Grains) produziert werden und auch ein paar der sehr netten Mitarbeiter vor Ort durfte ich kennenlernen. Ein großartiges Erlebnis!

Eine Zusammenfassung meines Schottland Roadtrips 2018 (SRT18) findet Ihr hier mit Links auf die anderen Destilleriebesuche: Schottland Roadtrip 2018 – ganz ohne Festival. Oder Ihr nutzt das Tag an dem Artikel.

Danke Donald für diese fantastische Tour!

SRT18 - Loch Lomond

Alle Bilder meines Besuchs bei Loch Lomond
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