UA im Profil - SMWS

UA im Profil: The Scotch Malt Whisky Society (SMWS)

In meinem ersten Artikel aus der Reihe ging es um Gordon & MacPhail, einem der größten unabhängigen Abfüller (UA) überhaupt. Heute nehme ich mir einen etwas anderen Typ von UA vor. Denn die The Scotch Malt Whisky Society (SMWS) ist bis vor kurzem ein geschlossener Club gewesen, der erst seit einigen Monaten jedem seine Whiskys verkauft. Welche Abfüllungen gibt es von SMWS? Wie viele Fässer besitzt die Firma und wie kommt sie an diese? Mal sehen, was die SMWS verraten hat…

Zusammenfassung

Die Anfänge der SMWS gehen zurück in die 1970iger. Damals haben sich ein paar Whisky-Begeisterte ein Fass gekauft und mit Freunden geteilt. Daraus ist 1983 offiziell die SMWS entstanden, zwischendurch im Besitz von Glenmorangie (ab 2004), ist sie seit 2015 wieder in den Händen privater Investoren. Als zahlendes Club-Mitglied kann man die SMWS-Abfüllungen – in der Regel Single Cask und Cask Strength – vergünstigt kaufen. Aber neben der kostenpflichtigen Mitgliedschaft gibt es auch eine kostenlose Mitgliedschaft und somit kann jeder solche Abfüllungen zentral über die Webseite der SMWS kaufen. Über die neue Club-Struktur habe ich hier berichtet: SMWS mit neuer Struktur – was ist neu?.

Chairman der SMWS ist Paul Skipworth. Bei der SMWS arbeiten derzeit 25 Personen in den Bereichen Administration, Marketing, Financial, International Operations, UK Operations und Whisky Supply & Production. Die SMWS verfügt über mehrere Veranstaltungsorte – zwei in Edinburgh und einem in London. Neben dem Hauptsitz für UK und Europa in den „Vaults“, gibt es noch internationale Standorte in USA, Japan, Taiwan, Dänemark und weiteren Ländern.

In dem folgenden Artikel fokussiere ich mich auf die Rolle des unabhängigen Abfüllers.

Adressen – real und virtuell

Marken und Ranges

Flavour ProfilesJeder UA hat eine oder mehrere Marken unter denen er seine Abfüllungen auf den Markt bringt.  Bei der SMWS gibt es nur eine Marke und alle Abfüllungen haben die gleiche Aufmachung. Unterschieden wird aber in zwölf sogenannte Flavour Profiles.

Für diese Flavour Profiles gibt es einen (psychologischen) Test, der einem verrät, welches Profil am besten zu einem passt. Hat bei mir nicht so gut funktioniert. Einfach mal ausprobieren: Discover the perfect whisky for your personality type. Noch ein paar Hintergrundinformationen findet Ihr hier: A GUIDE TO SMWS FLAVOUR PROFILES. Diese zwölf verschiedenen Profile haben unterschiedliche Farben und sind im Shop und in den diversen Veröffentlichungen ebenso gekennzeichnet.

Das Label erklärt

SMWS Label

Der Name jedes Fasses (1) basiert auf den essentiellen Aromen und Charakteristiken. Jede Flasche der Society trägt einen „Bottle Code“ (2). Die erste Zahl ist der Schlüssel zur Destillerie, die zweite Zahl die Anzahl der Fässer, die von dieser Destillerie bereits abgefüllt wurden. Auf dem Label seht Ihr also die 89.igste Abfüllung der Destillerie 26 (Clynelish). Die Schlüssel der Destillerien werden nicht offiziell bekannt gegeben, aber es gibt einige Listen wie z.B. hier: SMWS Bottle Codes. Auch die Tasting Notes (3) werden auf jeder Flasche abgedruckt, genauso wie das Alter (4), das Destillationsdatum (5), die Anzahl der Flaschen (5, nennt sich auch „Outturn“), den Fasstyp (6) und die Alkoholstärke. Die einzelnen Flaschen sind nicht durchnummeriert.

Die Regionen auf der Flasche entsprechen den Regionen der SWA, aber in der weiteren Kommunikation werden diese noch ein wenig genauer angegeben.

SMWS SWA
Campbeltown Campbeltown
Highland Eastern Highland
Highland Island Highland
Highland Northern Highland
Highland Southern Highland
Highland Western Highland
Islay Islay
Lowland Lowland
Speyside Deveron Speyside
Speyside Findhorn Speyside
Speyside Lossie Speyside
Speyside Spey Speyside

Preise und Rahmenbedingungen der Abfüllungen

Altersrange Ab 5 Jahre, der Durchschnitt ist ca. 16 Jahre
Preise  ca. 40.- bis 600.- GBP (50.- bis 700.- EUR)
Alkoholstärke In der Regel Single Cask (Einzelfass), Cask Strength (Fassstärke); immer ohne Kältefiltration (ncf) und immer ohne Zuckerkulör (nca).
Anzahl Destillerien Aktuell sind Abfüllungen von 132 verschiedene Destillerien aus allen Regionen Schottlands im Sortiment. Darüber hinaus wurden auch Whisk(e)ys aus Wales, USA, Irland und Japan abgefüllt. In 2017 sollen weitere Länder folgen. 2016 wurden Whiskys aus 57 unterschiedlichen Destillerien abgefüllt.
Regionen Die Standard-Regionen wie Campbeltown, Lowland, Islay, Speyside, Highlands & Islands werden bei der SMWS noch genauer gefasst und so findet man Angaben wie z.B. Highland Northern oder Speyside Lossie.
Abfüllungen / Jahr Am ersten Freitag eines jeden Monats werden ca. 20 neue Fässer/Abfüllungen im Shop angeboten. Daraus werden in der Regel dann mehr als 250 Abfüllungen pro Jahr.
Abfüllungen seit Gründung  Alleine im Jahr 2016 wurden über 500 Fässer abgefüllt.
Abfüllanlage und Wasser  Abgefüllt wird durch eine externe Firma in der Nähe von Edinburgh

Fässer und Wood-Policy

Der Großteil der Fässer wird im SMWS Lagerhaus in Glasgow gelagert. Neben dem eigenen Lagerhaus werden Fässer auch in Destillerien in ganz Schottland gelagert. Wie viele Fässer sich aktuell in den Lagerhäusern befinden, möchte die SMWS nicht verraten. Aber, man arbeitet mit einem 15-Jahres Versorgungsplan, d.h. es ist noch für lange Zeit für Nachschub gesorgt. Mit den verschiedenen Angaben in dem Artikel kann man jetzt ein wenig spekulieren, aber diese Spekulationen wurden ebenfalls nicht bestätigt. Kai Ivalo hat mir aber folgendes zum 15-Jahres-Plan verraten: „The number of casks in the warehouse is confidential and is constantly changing. We have a stock plan what to buy (and use) over a rolling 15 year period. Some casks may have already been in our warehouses for a long time already, and we may buy stock now which we do not bottle for 15 or more years. Other casks will be spend less time in our warehouses and released at a younger age.

Spirit und Whisky wird in verschiedenen Altersstufen eingekauft (vom New Make bis zu 30 Jahren und älter). Eingekauft werden die Fässer aus unterschiedlichen Quellen. Mit den meisten Whiskyproduzenten in ganz Schottland gibt es Handelsbeziehungen und auf diesem Weg werden auch die meisten Fässer angeschafft. Manchmal werden auch Fässer von Privatpersonen aufgekauft. Bei New Make Käufen werden in der Regel auch eigene Fässer genutzt, damit der Stil und Geschmack des Whiskys für die zukünftigen Bedürfnisse reifen kann.

Mit dem hauseigenen „Finishing Program“ erzeugt die SMWS unterschiedliche Stile, um ein breites Spektrum der zwölf Flavour Profiles bedienen zu können.

Im Portfolio gibt es viele verschiedene Fasstypen. Die SMWS arbeitet mit Fassmachern in Schottland, USA, Frankreich und Spanien zusammen. Dabei wird großer Wert auf die eigene „Wood-Policy“ gelegt. Die einzige Information, die ich dazu erhalten konnte: „our own wood policy is driven by a combination of factors to ensure that we always offer our members wide variety of styles and flavours. The following things may drive our wood selection; the most desired flavour profiles from our members, experimentation, what is available to us to purchase, the pursuit of a particular flavour„. Mit den verschiedenen Fässern versucht man zur Zeit sehr kreativ zu sein. So gab es im Januar z.B. „5.178 The dunnage bakehouse“ – ein Glen Moray gereift im GIN-Fass.

Auswahl und Tasting Panel

Viele UAs haben einen ausgewählten Personenkreis, der eine „ausgebildete Nase“ hat. In einem solchen Tasting Panel werden dann nach hauseigenen Spielregeln Whiskys ausgewählt und/oder beschrieben. Wie funktioniert das bei der SMWS?

SMWS Tasting Panel

Das Gremium (Panel) wird aus einem Pool von 30 Personen ausgewählt. Angeführt werden die Gremien von erfahrenen Experten wie Charles MacLean und Robin Laing und auch SMWS Spirits Director Kai Ivalo und Spirits Manager Euan Campbell.

Das Tasting Panel besteht in der Regel aus bis zu vier Personen, die sieben Whiskys pro Sitzung verproben. Die Samples werden blind verkostet und werden in der folgenden Reihenfolge bewertet: Aroma und Geschmack in voller Stärke und dann in reduzierter Stärke. Die Panel-Mitglieder diskutieren und beschreiben die Samples und bewerten sie dann. Es besteht keine Pflicht für das Panel irgendeine der Proben freizugeben. Euan Campbell reviewed die freigegebenen Samples und spricht dann seine Empfehlung aus, welche abgefüllt werden sollen. Die Panel-Mitglieder schreiben auch die Tasting Notes für jedes Fass.

Ich habe auch noch Mal ausdrücklich nachgefragt, was mit einem Fass passiert, dass sich nicht so entwickelt, wie man es sich wünscht und der Whisky in dieser Form nicht abgefüllt werden kann. Hier ist die Antwort von Euan: It depends on the reasons why the Panel chooses not to pass the cask so there are several options which are common to all independent bottlers and other whisky producers. The cask can be left to mature further or we may decide that finishing it in a fresher cask or different cask will help us to get the best out of the whisky. But if we believe that the cask isn’t something that we would consider for SMWS members then it will probably be sold to another whisky company for use in blending.

Besonderheiten

Hier ist nun der Platz, an dem sich der UA selber ins beste Licht rücken darf. Kai Ivalo, was macht SMWS so besonders? 

Kai: „SMWS is different because we are also a membership club. As a member not only do you have access to our exclusive single cask whiskies but you also have the opportunity to become involved and you belong to something special. You can join us at our tasting events, enjoy drams at our partner bars and our fantastic venues in the UK and you also receive copies of our highly acclaimed magazine ‘Unfiltered’. SMWS focuses on single cask whiskies which means that members have the opportunity to try extremely rare and exclusive single malt whiskies from a wide range of distilleries and covering a spectrum of flavours so there really is a whisky for everyone. And, we release around 20 new single casks every month. So there is plenty of opportunity to get involved and learn more about malt whisky. SMWS offers the world’s widest selection of single casks across 12 unique SMWS flavor profiles.“

Kai, warum sollte ich mir unbedingt eine Eurer Abfüllungen kaufen (was ich auch schon mehrfach getan habe und diese Frage damit auch selber beantworten könnte)? 

Kai: „Quality, rarity, flavour. All are single casks, natural strength, natural colour and unchillfiltered. As we bottle from single casks, once the cask is finished it cannot be repeated. Our bottles represent a moment in whisky history.

Empfehlung von SMWS

Auf die Frage, welche Flasche aus dem aktuellen Sortiment besonders zu empfehlen ist, antwortete mir Euan:

46.47 Mexican Breakfast
We started off with a Mexican breakfast; chilli tomato stew with onions, garlic and bay leaves, fried eggs and cheese all wrapped in lightly fried corn tortillas and our ‘huevos rancheros’ was ready. In the taste we added fresh coriander leaves, ginger and turmeric and a semi- sweet hot chilli sauce. With a drop of water, we remembered what we drank last night before we went to bed, a clove-y, gingery and cinnamon-y liqueur and a splash of Fernet Branca. After 13 years in an Oloroso sherry butt, we transferred this whisky directly into a 1st fill Pedro Ximenez butt for the remainder of its maturation.

  • Flavour profile: Spicy & dry
  • Colour: Aztec gold
  • Drinking tip: With a late brunch
  • Cask: 1st fill Pedro Ximenez butt
  • Outturn: 600
  • 59.8% Abv
  • 14 years old
  • Date of distillation: 31-May-02
  • Price: £57.70

Das meint die Maltkanzlei

Damit Ihr nicht nur meine Meinung zu den UAs bekommt, habe ich Dirk von der Maltkanzlei um seine Unterstützung gebeten. Dirk hat viele Abfüllungen von unabhängigen Abfüllern probieren können.

Dirk, was hältst Du von den Abfüllungen von SMWS?

Dirk: „Die SMWS erscheint mir immer ein wenig wie die „Mutter aller Whiskyclubs“. Vermutlich gibt es ältere und auch größere Clubs, aber die SMWS mit ihren, laut Whiskybase, mittlerweile gut 400 fassstarken Einzelfassabfüllungen, ist eben allgegenwärtig und im wahrsten Sinne des Wortes in aller Munde. Schön finde ich die meist kreativen Bezeichnungen, wie ‚Huge dilemma‘ oder ‚Horse harness and mescal ‚worms“ auf dem neueren Flaschentyp. Daneben gefällt mir schon immer auch das System der Distillery Codes, das neben der einfacheren Adminstration auch eine unvoreingenommene(re) Verkostung ermöglichen soll. Allerdings sind 1/10/23/27/33/96 und 127 doch auch nicht wirklich schwer zu merken, oder? Geschmackliche Glanzlichter gab es über die Jahre reichlich, auch wenn ich selbst nie Mitglied der SMWS geworden bin. SMWS 1.129 ‚Opportunity to good to miss‘ und 1.100 ‚Blackcurrant jam and cigar boxes‘ möchte ich exemplarisch erwähnen, zwei meiner bislang liebsten Glenfarclas überhaupt, und last but not least 127.7 ‚A sense of elemental freedom‘ – ein mehr als passender Titel für eine hervorragende 2010er Port Charlotte Abfüllung.

Slàinte aus der Maltkanzlei.

Vielen Dank Dirk für Deine Meinung!

Mein Fazit

Ich habe schon unterschiedliche Abfüllungen von SMWS probieren dürfen. Besonders gut gefällt mir, dass man einige der monatlichen Abfüllungen einen Tag vorher probieren darf. Über ein solches Preview-Tasting habe ich bereits berichtet: Tasting: SMWS Oktober Outturn – 64.80|9.111|46.40|93.69|10.98. Ich habe bisher nur Flaschen gekauft oder probiert, die qualitativ hochwertig waren.

Von mir bekommt die SMWS eine klare Empfehlung! Hier findet Ihr alle Artikel zu SMWS.

Den Übersichtsartikel zu den unabhängigen Abfüllern im Allgemeinen findet Ihr hier: Whisky-Wissen: Unabhängige Abfüller – was steckt dahinter und welche gibt es? Dort sind auch alle Artikel der UAs im Profil verlinkt.

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