Tasting Glenlivet Nadurra im Vergleich

Tasting: Nadurra 16 gegen drei Nachfolger im Blind Tasting

Glenlivet hat einen meiner Lieblinge vom Markt genommen. Der Nadurra 16yo wurde in verschiedenen Batches immer wieder in Fassstärke aufgelegt. Das hat sich vor einiger Zeit geändert, denn Glenlivet (eine Destillerie von Pernod Ricard) setzt auch hier auf alterslosen Ersatz – NAS. Sind diese Abfüllungen schlechter? Ich wage das Experiment.

Ich habe noch ein wenig Reserve vom Glenlivet Nadurra 16yo. Durch eine private Flaschenteilung habe ich mir – auf meinen persönlichen Wunsch hin als Blind Tasting (d.h. ich weiß nicht welcher Nadurra hinter der Nummer steckt) – drei weitere Proben der „Nachfolge-Nadurra“ bezogen. Nur meine Probe (den 16yo) kenne ich – welcher Nadurra hinter den anderen drei Proben steckt, weiß ich nicht.

  • Glenlivet, Nadurra, 16yo, Batch 0614C, 06/14, ncf, CS, 55.2% – vom Markt genommen
  • Glenlivet, Nadurra, Probe 2
  • Glenlivet, Nadurra, Probe 3
  • Glenlivet, Nadurra, Probe 5

ncf = no chill-filtration (keine Kältefiltration), nca = no color added (ohne Zusatz von Zuckerkulör), CS = Cask Strength (Fassstärke)

Alle Nadurras werden/wurden in First Fill Bourbon’s gefüllt.

Meine Notes

16yo

Auf dem Label meines 16yo steht „Original Distillery Character“ und besser als mit einer Fassstärke und ohne Kältefiltration kann man Glenlivets wirklichen Charakter nicht kennenlernen. Hier findet sich eine deutlich mächtigere Aromenvielfalt. Aber: Alle Batches weichen voneinander ab.

  • Nase: Süße Früchte, Banane mit Vanille, fast schon ein Hauch von Marille. Viel Honig und Heide-Kräuter. Dann ein wenig wie gekochte Erbsen mit Fleisch. Ein wenig blitzen die reifen Früchte durch.
  • Geschmack: Mit Kraft. Prickeln in der Mitte der Zunge entfaltet sich langsam. Eine süße Kaugumminote mit Minze und Früchten. Getrocknete, gezuckerte Papaya.
  • Abgang: Erst leichte Eiche geht über in kräftige Minznote, die dann mit Eiche endet.

Probe 2

  • Nase: Hier ist nichts von der Süße. Trockene Eiche. Auch hier nach etwas Zeit die Erbsen mit Fleisch. Leicht parfümierte Noten.
  • Geschmack: Sanfter als 16yo. Leicht bitter. Dann ein wenig Süße.
  • Abgang: Kräftige Eiche. Trocken. Minze.

Ich tippe mal auf einen recht jungen mit weniger Alkohol. Ca. 46%? Dafür zu viel Eiche, richtig trocken.

Probe 3

  • Nase: Fast keine Kraft. Zwar ist eine Alkoholnote vorhanden, aber wenig Aromen. Nach langem Warten kommt auch hier ein wenig von der süßen Note des 16yo.
  • Geschmack: Hier hat er Kraft. Das Prickeln ist mehr auf der Zungenspitze. Minze und Kaugumminoten.
  • Abgang: Hinterlässt einen trockenen Mund. Da bleibt sogar mal die Spucke weg. Zieht mir gegen Ende die Wangen zusammen.

Ich tippe auf über 58%.

Probe 5

  • Nase: Ähnliche Nase wie mein 16yo, aber bei weitem nicht so mächtig. Viel dezenter. Nur leichte Süße. Dann herbe Noten nach Eiche. Auch hier habe ich gekochte Erbsen und Fleisch. Nicht ganz so reif.
  • Geschmack: Prickeln auf der Zunge, denn auch der hat Kraft. Nicht ganz so viel wie die Nummer 3. Weniger Minze, aber auch hier ein wenig Kaugummi.
  • Abgang: Viel Eiche, aber nicht so trocken, wie Probe 3.

Ich tippe auf über 50%.

Auflösung

Die anderen Glenlivet Nadurra aus der Blindverkostung sind:

  • Probe 2: 16yo, Batch 0313E, 03/13, 48%
  • Probe 3: First Fill Selection, Batch FF0714, 07/14, 63.1%
  • Probe 5: 16yo, Batch 0114A, 01/14, 55.3%

Meinung von Frank

Danke an Frank Otte für die Flaschenteilung und die Etikettierung der Blind Samples. Toll gemacht. Ich habe Frank nach seiner Meinung zu den Nadurras gefragt.

Frank: „Die NAS-Nadurras sind hochwertige Ex-Bourbonmalts, keine Frage. Sie bilden den fruchtigen Brennereicharakter Glenlivet’s perfekt ab und können ihre Jugend dabei sogar weitgehend kaschieren, was für eine gute Fassauswahl spricht. Was ihnen deutlich abgeht ist das Volumen, die Tiefe. Typische Fassaromen sucht man vergeblich. So fehlt der Partner für die hellen Früchte (Birne, Ananas, Mango) und die Fudge-Vanilletöne. Im 16yo Nadurra werden sie ergänzt durch Pflaume und vollreifen Pfirsich und die Eichenwürze gibt dem Aroma, Geschmack und Abgang einfach eine höhere Qualität. Als Standardabfüllung ist dieser Nadurra inzwischen wohl (leider!) einfach zu gut für diese neue Whiskywelt, in der wir uns als langjährige Genießer wiederfinden.

Fazit

Bei der Probe zwei lag ich ganz gut mit der Stärke, aber nicht mit dem Alter. Auch bei Probe drei lag ich ganz gut mit dem Alkoholgehalt und würde mal darauf tippen, dass hier sehr viel junge wilde dabei sind. Und auch bei Probe drei hatte ich ein ganz gutes Gefühl bei der Alkoholstärke. Aber nicht beim Alter.

Was habe ich gelernt? Die Aromenvielfalt variiert von Batch zu Batch mehr als ich dachte. Aber der NAS (Probe 3) ist am weitesten von meiner Idealvorstellung entfernt. Dies hatte ich allerdings auch erwartet.

Ich werde mir den 16yo noch Mal im Vergleich zu den aktuellen NAS vornehmen, denn die waren nicht unter den drei Blindsamples. Der Nadurra 16yo bleibt für mich ein kantiger Glenlivet mit viel Charakter. Ein schöner kräftiger Dram, mit dem man etwas experimentieren kann.

Facebooktwitter

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Time limit is exhausted. Please reload CAPTCHA.