UA im Profil: Murray McDavid

Welche Abfüllungen gibt es von Murray McDavid? Wie viele Fässer besitzt die Firma und wie kommt sie an diese? Mal sehen, was Alexandra Roberts verraten hat…

Zusammenfassung

Gegründet wurde Murray McDavid (MMD) 1995 von Mark Reynier, Simon Coughlin und Gordon Wright. Im Jahr 2000 kam Jim McEwan dazu und die Gruppe kaufte die Bruichladdich Distillery und machte sie wieder flott. 2013 wurde sowohl Laddie wie auch MMD an Remy Cointreau verkauft, die MMD 2013 an Aceo Ltd. weiterverkauft haben. Aceo ist ein Whisky Broker und Anbieter von Dienstleistungen im Whisky-Segment. Der Managing Director ist Edward Odim. Über die Jahre wurde die MMD Range auf sechs Kategorien ausgebaut und die stillgelegte Coleburn Distillery wurde die neue Heimat. Heute arbeiten 30 Mitarbeiter in den Bereichen: Warehousing, Bottling & Logistics, Events, Creative Design und Sales.

Während des Spirit of Speyside Whisky Festivals durfte ich Edward, Alexandra und die Coleburn Distillery kennenlernen. Meine Fragen hat mir Alexandra beantwortet.

Edward ganz links und Alexandra ganz rechts im Bild, (c) MMD

Übrigens: In dem Logo mit dem Hund steht: „Clachan-A-Choin“ was übersetzt so viel wie „das allerbeste“ bedeutet. Das Gründungsdatum wurde von Aceo mit 1995 bestätigt. Die älteste Abfüllung, die ich finden konnte, ist vom Juni 1995.

Adressen – real und virtuell

Marken und Ranges

Jeder UA hat eine oder mehrere Marken unter denen er seine Abfüllungen auf den Markt bringt.  Bei Murray McDavid (MMD) gibt es die folgenden sechs Serien:

MMD Range

  • Mission Gold (Goldene Dose)
    Wird mit 50.4% oder Cask Strength abgefüllt. Hier liegt der Fokus auf seltenen und außergewöhnlichen Single Malts.
  • Benchmark (Silberne Dose)
    Das „Herz“ aller Serien mit herausragenden, reifen Single Malts, die die Kunst der Fassreifung zeigen. 46%.
  • Mystery Malt
    Single Malts ohne Herkunftsangabe.
  • Select Grain
    Single Grain Whiskys.
  • The Vatting
    Blended Malts – eine „Vermählung“ verschiedener Single Malts.
  • Crafted Blend
    Blended Whisky – hier werden Single Malts mit Grain Whisky vermählt.

Neben diesen Serien gibt es noch diverse Marken, wie z.B. Coinnich, Peatside, Righ Seumas, Siar Port, Leomhann, Loch Ile.

Auf dem deutschen Markt ist MMD seit Ende 2015 wieder aktiv: Murray McDavid wieder in Deutschland erhältlich.

Preise und Rahmenbedingungen der Abfüllungen

Altersrange5 bis 50 Jahre
Preise30.- bis 300.- GBP
Alkoholstärke46% bei den meisten Abfüllungen; 50.4% oder Cask Strength bei Mission Gold
Anzahl DestillerienAlle der etablierten Destillerien
RegionenCampbeltown, Lowland, Islay, Speyside, Highlands & Islands
Abfüllungen / JahrCa. 40 Single Cask Abfüllungen (ohne die „Blended“ Produkte). Aktuell werden etwa 15.000 Flaschen insgesamt pro Jahr produziert mit dem Ziel auf 30.000 zu erhöhen.
Abfüllungen seit GründungSeit 1994 sind ca. 700 Single Casks abgefüllt worden. Insgesamt ca. 200.000 Flaschen.
Abfüllanlage und WasserNoch in diversen Abfüllanlagen in Glasgow, aber ab nächstem Jahr (2018) wird in der eigenen (stillgelegten) Coleburn Distillery abgefüllt.

Fässer und Wood-Policy

MMD hat eigene Lagerhäuser in der Coleburn Distillery. Dort und in weiteren Lagerhäusern anderer Unternehmen in Schottland lagern insgesamt über 20.000 Fässer. Diese Fässer sind nicht nur für MMD, sondern werden auch weiterverkauft. Durch regelmäßige weitere Ankäufe wird dieser Bestand für mindestens 50 Jahre reichen.

Alexandra, welche Fässer warten in den Lagerhäusern darauf, abgefüllt zu werden?

Alexandra: „We have many different types of casks in our warehouses maturing in a variety of wood including: sherry casks from the odegas of Spain, fortified wine casks from Madeira, port pipes from Portugal and a wide selection of wine barrique from Europe’s finest vineyards. We also seek out barrels from the rum distilleries of the Caribbean and the bourbon makers of the United States. All of our casks are used to give Murray McDavid’s whisky its unique qualities and diverse style, allowing us to offer a comprehensive range of inspired scotch whiskies.

Alexandra, habt Ihr eine eigene Wood Policy?

Alexandra: „Yes, we have our own wood policy – the Art of Maturation is our unique selling point. We are sourcing casks from individual producers (vineyards, bodegas, port & rum producers as well as bourbon distillers.)

Etwas überrascht war ich über die Antwort auf meine Frage, ob auch New Make Spirit abgefüllt wird. Die meisten anderen unabhängigen Abfüller haben berichtet, dass sie auch eigene Fässer mit New Make füllen lassen. Bei MMD muss ich wohl ein wenig umdenken, denn hier werden Tankerladungen gekauft und dann selber abgefüllt. Neue Dimensionen.

Auswahl und Tasting Panel

Viele UAs haben einen ausgewählten Personenkreis, der eine „ausgebildete Nase“ hat. In einem solchen Tasting Panel werden dann nach hauseigenen Spielregeln Whiskys ausgewählt und/oder beschrieben.

Alexandra, wie sieht Euer Tasting Panel aus und wie wählt Ihr die nächste Abfüllung aus?

Alexandra: „Our tasting panel consists of ten whisky professionals and we gain opinions and tasting notes from whisky bloggers through online tastings and tweet tastings. Monitoring of our stock is ongoing. First, we select whiskies which we think are good enough for our MMD range. These whiskies are then considered by our tasting panels before final selection for MMD.

Ich habe auch noch Mal ausdrücklich nachgefragt, was mit einem Fass passiert, dass sich nicht so entwickelt, wie man es sich wünscht und der Whisky in dieser Form nicht abgefüllt werden kann. Hier ist die Antwort von Alexandra: „We have lots of very good quality cask whisky which we use for MMD and supply to other leading independent bottlers. Whisky which does not reach our standards is usually sold to companies that bottle cheaper high volume Scotch whisky blends.

Besonderheiten

Hier ist nun der Platz, an dem sich der UA selber ins beste Licht rücken darf.

Alexandra, was macht Murray McDavid so besonders? 

Alexandra: „We practise the Art of Maturation ie select top quality wood for maturing our whisky. We are offering all categories of scotch whisky in our MMD range – Single Malt, Single Grain, Blended Malt, Blended Grain, Blended Scotch. We also engage with our customers around the world by hosting whisky shows and events eg whisky tastings at shows, whisky tastings on the Murray McDavid boat in Glasgow, Opera events, local festivals etc.

Empfehlung von Murray McDavid

Auf die Frage, welche Flasche aus dem aktuellen Sortiment besonders zu empfehlen ist, antwortete mir Alexandra: „We offer exceptionally high quality whisky at very affordable prices in each of our whisky categories. We invite whisky lovers to enjoy our entire range of inspired Scotch whisky.

Das meint die Maltkanzlei

Damit Ihr nicht nur meine Meinung zu den UAs bekommt, habe ich Dirk von der Maltkanzlei um seine Unterstützung gebeten. Dirk hat viele Abfüllungen von unabhängigen Abfüllern probieren können.

Dirk, was hältst Du von den Abfüllungen von Murray McDavid?

Dirk: „Murray McDavid… der Name eines unabhängigen Abfüllers, den man aus meiner Sicht in zwei Phasen betrachten muss. Einerseits nämlich Gründung und die „Mark Reynier“-Jahre, andererseits die ACEO Jahre seit Erwerb der Namensrechte an MMD in 2013, im Anschluss an den vorangegangenen Verkauf von Bruichladdich an Rémy Cointreau. Aber der Reihe nach. Mitte der 1990er Jahre tun sich zwei Londoner Weinhändler, Mark Reynier und Simon Coughlin mit Gordon Wright von den „Springbank Wrights“ zusammen, um gemeinsam Whiskyfässer zu erwerben und unter eigenem Label abzufüllen. Sie wollen anders sein als die traditionellen, alteingesessenen unabhängigen Abfüller im Vereinigten Königreich. Den Namen, er soll natürlich schottisch klingen, „entleiht“ Mark Reynier kurzerhand bei seinen Großeltern, Harriet Murray und Jock McDavid. Ende 2000 steigt das Unternehmen bei Bruichladdich ein. Ab diesem Zeitpunkt übernimmt Jim McEwan schwerpunktmäßig die Fassauswahl für MMD, und auch die Abfüllung selbst erfolgt bei Bruichladdich. Ebenso wie Bruichladdich positioniert man MMD im Markt ein wenig rebellisch, sozusagen als ‚Enfant Terrible‘ der Whiskyszene, wie Mark es selbst gerne bezeichnete. Passend dazu wählte man augenzwinkernd den niedlichen kleinen Hund und den gälischen Slogan ‚Clachan-A-Choin‘ also Logo, was in der Tat das ‚Das Allerbeste‘ bedeutet, und den klaren Qualitätsanspruch des Abfüllers unterstreicht. Wörtlich ins Englische übersetzt, lautet das Untenehmensmotto indes ‚The Dog’s Bollocks‘. Wohl undenkbar für andere respektable Unternehmen, einen derartigen Spruch auf den Fahnen über ihrer Brennerei im Wind wehen zu sehen. Mark Reynier und seinen Partnern gefiel das. Aber auch ein grundlegend anderer Ansatz machte Murray McDavid in der Whiskyszene bekannt – und bei vielen vermeintlichen Traditionalisten durchaus unbeliebt. Während man in der Breite seit Jahrzenten auf Sherry und vor allem Bourbonfässer sowie, deutlich seltener, auf Rum setzte, machten MMD und Bruichladdich, zum Teil gegen große Widerstände, die Weinlagerung populär und verhalfen ihr aus meiner Sicht entscheidend mit zu der Marktdurchdringung, die sie heute genießt. Der damalige Aufbau des Sortiments war recht simpel, der Wertigkeit nach von unten nach oben gestaffelt. Die Basis bildeten die trinkstarken Silver Tins, darüber folgte die fassstarke Mission Gold Serie mit ihren golden Tins, darüber dann die Mission Wood Serie mit selteneren/älteren Abfüllungen und über allem thronten die Celtic Heartlands, die Whiskys beinhalteten, die Jim McEwan selbst gerne zu seinen persönlichen Favoriten zählt. Die früheren orangen Schachteln sowie die Cigar Malts lasse ich der Einfachheit halber hier mal außen vor. Als ich Jahre später die Bruichladdich Whisky Academy absolvierte, hatte Jim eine verschlossene Flasche des Bunnahabhain 1966 aus der Celtic Heartland Reihe auf dem Tisch seines kleinen Büros stehen. Während wir uns unterhielten, griff er die Flasche und fragte mich unvermittelt, ob ich den Malt kennen würde. Als ich das bejahte und erzählte, dass er selbst den Malt kurz nach Veröffentlichung im Rahmen eines Tastings bei uns in Bonn vorgestellt habe und ich ihn im Anschluss gleich erworben hätte, murmelte er versonnen, wohl mehr zu sich selbst als zu mir gewandt, er hätte einige dieser herausragenden Fässer gar nicht abfüllen lassen, sondern lieber für sich behalten sollen. Weise Erkenntnis! Zum Qualitätsverständnis gehörte bei MMD von Beginn an der lobenswerte Verzicht auf Zuckercouleur und Kühlfiltration. Neben dem Qualitätsanspruch, den wohl jeder UA in gewisser Weise für sich in Anspruch nimmt und dem Novum der Weinfinishes, war für mich das seinerzeit im Markt sehr gute Preis-Leistungs-Verhältnis bei MMD häufig ein Grund, beherzt zuzugreifen. Wenn man die geschmackliche Linie  desjenigen, der die Fässer auswählt und das Finishing übernimmt, weitestgehend teilt, dann passt das einfach perfekt. Während die Flaschen anfänglich häufig eher unbeachtet blieben, sind im Lauf der Zeit viele auf den Zug aufgesprungen. Als MMD dann die Verkäufe einstellte, war der Markt in Windeseile leer gekauft. Bestes Beispiel dafür war der ausgezeichnete Bruichladdich 19yo  ‚Laggan Point‘. Eines der eher seltenen Château Latour Finishes, abgefüllt für den Luxemburger Markt. Lange Zeit erwies sich die Single Cask Abfüllung, trotz fairen Preises, als regelrechter Ladenhüter. Außer mir und ein paar Freunden, die den Malt für sich entdeckt hatten, schien kaum jemand Freude an dieser ausgesprochen leckeren Abfüllung zu entwickeln. Als dann der MMD Run begann, und in etwa parallel der Strom an neuen Laddie Abfüllungen abebbte, waren die Regale plötzlich schlagartig leer. Heute kann man fast schon von Glück sprechen, den Malt noch unter 170,- EUR ergattern zu können. Empfehlenswerte Abfüllungen gab es viele. Alle Celtic Heartlands, die ich hatte, waren hervorragend. Aus der Mission Wood Serie haben mich ebenfalls viele Malts begeistert. Herausheben möchte ich den 32-jährige Bunnahabhain Sherry/Port von 1978. Ein wirklich traumhafter Malt. Qualitativ nah dran und seinerzeit unglaublich günstig war der 18-jährige 1992er Sherry Bunnahabhain aus der Mission Gold Serie. Aber auch die verschiedenen trinkstarken Ardbegs aus den 1990er haben mir, für kleines Geld, unheimlich Spaß gemacht. Ganz vorne natürlich der sagenhafte ‚Islay Trilogy‘, eine Mischung aus drei Fässern, Bowmore, Bunna und Laddie aus den 1960er Jahren. Ein Traum! 

Ich vermutete zunächst, mit dem Ende der alten Reihe würde man von Murray McDavid nie wieder etwas hören. Die Marke würde untergehen, wie es mancher anderen in der langen Geschichte des Whiskys ergangen ist. Aber weit gefehlt. Die neuen Inhaber haben ein äußerst breit gefächertes Sortiment auf die Beine gestellt. 2015 bin ich extra zur Interwhisky nach Frankfurt gefahren, um die neuen Abfüllungen probieren zu können. Konzentriert habe ich mich seinerzeit im Wesentlich auf den Top-Bereich, die fassstarken Single Cask Abfüllungen der neuen Mission Gold Serie. Bowmore 26yo, 1989 / Bunnahabhain 36yo, 1978 und Tomintoul 48yo 1967. Teil meines Messefazits war damals, dass es in Sachen Qualität zwar durchaus gelungen ist, wieder an gute Fässer heranzukommen, diese mir aber, selbst im damals schon recht heißgelaufenen Markt, recht teuer erschienen. Zu teuer für mich, um sie zu erwerben, leider. Ich hätte es als Konsument schöner gefunden, wenn man einen Weg gesucht hätte, Qualität UND Preis wieder in Einklang mit dem ursprünglichen MMD Erfolgsrezept zu bringen. Vielleicht würde man die Abfüllungen dann auch bei den Händlern in unserer Region wieder häufiger im Regal finden. Ich würde mich freuen.
Slàinte aus der Maltkanzlei.
Vielen Dank Dirk für Deine Meinung!

Mein Fazit

Ich habe schon unterschiedliche Abfüllungen von Murray McDavid probieren dürfen. Hier findet Ihr alle Artikel zu Murray McDavid. Die Mission Gold Serie gefällt mir am Besten, hier ein Beispiel: Tasting: Murray McDavid Tomintoul 1967 Mission Gold. Auf deutschen Messen findet Ihr die Abfüllungen bei Whiskymax.

Den Hintergrundartikel und die Links zu den anderen Artikeln findet Ihr hier: Whisky-Wissen: Unabhängige Abfüller – was steckt dahinter und welche gibt es?.