SRT18: Besuch der Lindores Abbey Distillery

Die Lindores Abbey Distillery habe ich bei meinem Schottland Roadtrip 2017 (SRT17) im Rohbau besuchen dürfen und hatte eine erste Ahnung, was mich erwartet. DAS habe ich allerdings nicht erwartet. Das ist kein „typisches“ Visitor Center, sondern erinnert mich eher an ein Kloster. Ein wenig vielleicht auch an ein Museum. Sehr gelungen und eine tolle Erfahrung.

Historisch

Bereits 1494 wurde auf einem Steuerbeleg (Exchequer Roll) der Bruder John Cor, ein Mönch der Lindores Abbey, vermerkt. Er sollte für König James IV Aqua Vitae herstellen. Das sind die ältesten schriftlichen Aufzeichnungen, die auf die Herstellung von Whisky verweisen und so kann Lindores von sich behaupten, hier sei der erste Whisky Schottlands produziert worden. Von der Abbey ist heute bis auf ein paar Außenmauern nicht viel übrig geblieben.

Ein wenig mehr zu dem Gründer der Destillerie Drew McKenzie Smith und dem Steuerbeleg erfahrt Ihr hier: Hier wurde der erste Whisky gebrannt.

Auf meiner Tour im letzten Jahr durch Fife habe ich mit Gary Haggart (Distillery Manager) den Rohbau von Lindores besuchen dürfen. Die schöne Lage und die Glasfenster der Produktionshalle habe ich gesehen. Den Rest konnte ich mir trotz der vielen Bilder, die seit der Eröffnung am 05.10.2017 zu sehen waren, aber nicht vorstellen.

Meine Destillerietour

Betritt man die Destillerie, blickt man erst Mal auf einen schier endlos langen Tisch, der in einem langen Gang steht. Nicht ganz unähnlich einem Kreuzgang in einem Kloster. Davor der Shop. Nach rechts der Tastingraum und das Cafe. Viel Glas, viel Licht, viel Holz. Bis zu meiner Tour dauert es noch einen Moment und ich schaue mich ein wenig um.

Tourbeginn im Kreuzgang (The Cloister)

Ich habe mich für meine Tour angemeldet und werde zusammen mit einem kanadischen Paar und ihrem Sohn von Ronnie durch die Destillerie geführt. Die Tour beginnt am langen Tisch und Ronnie erzählt uns von der Geschichte der Lindores Abbey, dem Bau und dem ersten Jahr der Destillerie. Interessante Information: Die Grenze zwischen Highlands und Lowlands verläuft direkt an der Straße, und so steht die Destillerie in den Lowlands, während dessen die Reste der Abbey auf der anderen Straßenseite in den Highlands stehen. Man hätte sich also auch für eine andere Whiskyregion beim Bau entscheiden können.

Tour durch die Produktion

Weiter geht die Tour vor der Mühle, die hinter einer Glastür in der Verlängerung des langen Tisches steht. Von dort über ein paar Treppen hoch zur Produktionsplattform. Weiter von der Mash Tun zu den Washbacks und dann den Stills. Hier ist noch genügend Platz, um zu erweitern. So gut mir Destillerien auch gefallen, aber der nächste Raum hat es mir wirklich angetan: die Legacy Bar.

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Der gleiche Blick wie die Stills auf die alte Abbey über der Straße, aber mit gemütlichen Sitzmöbeln und kleinen Tischen. Leider kann ich mich hier nicht mit meinem Fotoapparat austoben, denn eine Damenrunde genießt gerade Afternoon Tea. Das sieht sehr gemütlich aus. Das muss ich mit meiner Frau hier auch unbedingt mal machen.

Dunnage Warehouse

Weiter geht es ins Freie. Dort sehen wir die Malt Bins (die Behälter für das Malz) und den Anhänger für die Überbleibsel aus der Mash Tun (Draff / Treber). Dann noch eine Runde ins Lagerhaus. Dort dürfen wir an verschiedenen Fassproben aus unterschiedlichen Fässern und unterschiedlicher Lagerzeit riechen. Auch das erste und das 500.te Fass befinden sich hier. Der abgetrennte Raum ist ebenfalls ein Lagerhaus, aber mit Heizung. Dieser wird aktuell noch nicht genutzt.

Am Ende der Tour bekommen wir im Tastingraum Aqua Vitae und einen Cragganmore 12yo serviert. Für Autofahrer werden diese auch in Plastikdöschen gefüllt. Aqua Vitae ist ein „Spirit Drink“, der auf dem New Make von Lindores basiert („Today, our Aqua Vitae is distilled in pot stills and then infused with a blend of spices and herbs, including cleavers, lemon verbena, douglas fir and sweet cicely, which all grow in our gardens, amidst the grounds of the ancient Abbey„). Diesen kann man sich als Erinnerung hier selber abfüllen und versiegeln. Der Cragganmore ist ebenfalls ein Produkt von Garry, denn er hat früher für Diageo bei Cragganmore gearbeitet. Mir gefällt auch der Tastingraum sehr gut. Er erinnert an einen alten Apothekerraum und hat eine sehr schöne Lichtstimmung.

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Produktion

Die Mühle stammt von CTS (Cottingham Technical Services Ltd) und muss pro Mash zwei Tonnen mahlen. Die Mash Tun aus Edelstahl hat einen Kupferdeckel und wird zusätzlich zu den zwei Tonnen Grist mit 16.000 Litern Wasser gefüllt. Auch hier wird mit drei Wassern gearbeitet und nach 4-5 Stunden wird eine klare Würze (wort) in eines der 4 hölzernen Wahsbacks geleitet. Diese fassen jeweils 13.000 Liter, werden mit 10.000 Litern gefüllt und sind mit Switchern ausgestattet. Bei zweien beträgt die Fermentationszeit 72 Stunden, bei den anderen beiden 96 Stunden. Die Wash Still (Doro von Dorothee) fasst 10.000 Liter, die beiden Spirit Stills (Pops von Poppy und Gee von Georgina) je 3.500 Liter. Schaut man in Richtung der Abbey aus dem Fenster sind die Stills von rechts nach links: Doro, Gee und Pops. Die Jahresproduktion wird 260.000 LPA betragen.

Und sonst?

Bei den Stills dürfen wir an zwei Proben New Make riechen, die trotz identischer Bauweise der beiden Spirit Stills sehr unterschiedlich ausfallen. Die eine sehr weich und rund (wie es gewollt ist), die andere komplexer und kräftiger. Eine Erklärung konnte mir Gary noch nicht liefern, und auch der Hersteller der Stills hat darauf noch keine Antwort. Aber ob gewollt oder nicht, gibt dies doch Spielraum, um unterschiedliche Whiskys zu kreieren. Das Lagerhaus mit der Heizung wird noch nicht genutzt, denn obwohl es eine Idee vom zwischenzeitlich leider verstorbenen Dr. Jim Swan war, ist eine durchgängige Beheizung aktuell aus Kostengründen noch nicht geplant.

Nach der Tour setze ich mich mit einem guten Kaffee und einem schönen Stück Kuchen ins Cafe. Hier gibt es zwar keine Fenster, es ist aber trotzdem ein schöner Raum, der auch als Galerie genutzt wird und für einige Besucher Platz bietet.

Leider treffe ich Drew auch dieses Mal nicht, aber Gary und das Team von Lindores kümmern sich sehr gut um mich. Und fotografieren darf ich auch (wie alle anderen Besucher).

Fazit

Ich verfolge die Entstehung der Destillerie schon seit vielen Jahren und war bereits sehr früh mit Drew in Kontakt. Es freut mich heute zu sehen, was aus dieser Idee von damals geworden ist. Die Kombination aus Whisky-historisch wertvollem Ort und der behutsamen Umsetzung in einen magischen Ort ist meiner Meinung nach sehr gelungen. Mich fasziniert dieser Ort und die freundlichen Mitarbeiter tragen sicher zum Wohlfühlen bei. Ich werde sicher wieder kommen und beim nächsten Mal auch einen Afternoon Tea buchen. Vielleicht gibt es dann auch schon den ersten eigenen Whisky, denn vor wenigen Tagen, am 05.10., wurde 1-jähriges Jubiläum gefeiert. Herzlichen Glückwunsch!

Eine Zusammenfassung meines Schottland Roadtrips 2018 (SRT18) findet Ihr hier mit Links auf die anderen Destilleriebesuche: Schottland Roadtrip 2018 – ganz ohne Festival. Oder Ihr nutzt das Tag an dem Artikel. Mehr Informationen direkt auf der Webseite: lindoresabbeydistillery.com.

Alle Bilder meines Besuchs

SRT18 - Lindores

Destillerietour bei Lindores Abbey auf meinem Schottland Roadtrip 2018
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