Destillerietour Raasay – die kleine Nachbarinsel von Skye ist um eine Attraktion reicher

Von meinem B&B auf Skye schaue ich direkt auf den Fähranleger der kleinen Nachbarinsel Raasay. Dort erwartet mich Chris Hoban und führt mich durch die erst 2017 eröffnete Destillerie. Besuchenswert!

Hintergrundwissen

Viel historisches gibt es über die Raasay Distillery nicht zu berichten, denn Sie wurde erst 2017 eröffnet. Bisher gab es auf Raasay keine (legale) Destillerie. Ein Teil der Destillerie wurde in ein altes Hotel gebaut und mit Anbauten sehenswert erweitert. Erbaut wurde sie von R&B Distillers, die u.a. den Blended Whisky „Tweeddale“ produzieren. Bekannter dürften aber hierzulande die „While we wait“ Abfüllungen sein. Gründer von R&B Distillers sind Alasdair Day und Bill Dobbie. Eine weitere Destillerie soll in den „Borders“ gebaut werden (Walkerburn).

Raasay - Blick vom Parkplatz

Raasay erreicht man nur mit der Fähre von Skye (Sconser) aus. Es gibt ein Visitor Center mit kleinem Shop und schöne Zimmer für Übernachtungsgäste in der Destillerie. Direkt neben der Destillerie befindet sich ein Imbiss-Container an dem es Sandwiches und andere Kleinigkeiten gibt.

Tour durch die Produktion

Ich fahre mit der frühen Fähre (ohne Auto) und werde von Chris am Terminal abgeholt. So vergeht die Zeit auf dem zehnminütigen Spazierweg wie im Flug und ich stehe vor dem goldenen Eingangsportal. Im Visitor Center erwartet uns Callum, der uns heute durch die Destillerie führen wird. Ich merke schnell, dass Raasay anders ist. Positiv anders. Auf normalen Touren ist das Fotografieren nicht erlaubt, aber wenn man freundlich fragt, wird es manchmal möglich gemacht.

Raasay - Weg zum Lagerhaus

Die Tour startet hinter dem Gebäude, denn dort steht der Malzbehälter. Viel spannender ist für mich aber die kleine Rohrleitung, denn durch die wird der New Make auf den Hügel ins Lagerhaus gepumpt. Da könnte man auf Gedanken kommen….. Zurück ins Visitor Center.

Wir gehen ein paar Treppen hoch und sehen von oben auf die kleine Mühle durch ein Sichtfenster. Hier ist nicht viel Platz und deshalb werden die Touren auch nur mit wenigen Teilnehmern durchgeführt.

Produktionshalle

Raasay - Mashtun

In der Halle halten wir zuerst an der kleinen Edelstahl Mashtun. Daneben gibt es neben zwei Wassertanks aus Edelstahl auch sechs Washbacks aus Stahl. Auf jeder Seite des Gitterweges stehen drei. Und dahinter stehen die beiden Potstills. Beide von dem italienischen Hersteller Frilli, denn der konnte schneller liefern als Forsyths.

Raasay - Produktionshalle

Der Spirit Safe ist etwas ungewöhnlich, aber typisch für Frilli. Neben den Kondensatoren steht ein kleinerer Zylinder, der mit einem „Botanic Basket“ versehen werden kann und den man für die Gin Herstellung nutzen kann. Zwischenzeitlich darf ich darüber berichten, denn der erste Gin ist vor wenigen Tagen (Anfang August) vorgestellt worden. Weiter geht es ins Lagerhaus.

Lagerhaus

Bisher gibt es nur ein Lagerhaus und das füllt sich zusehends. Die Sicht von hier oben ist fantastisch. Callum zeigt uns die drei verschiedenen Fasstypen, die hier verwendet werden: Toskanische Wein-, Virgin Bourbon- und Rye-Fässer. Die kleinen 30 Liter Fässer kann man kaufen und hier für drei Jahre einlagern. Aber auch größere Fässer kann man kaufen. Eines davon hat Callum extra mit dem Familien Tartan bemalt.

Raasay - Blick ins Lagerhaus

Hier wird der durch die Rohrleitung gepumpte New Make in einem Spirit Receiver gesammelt und von dort dann in Fässer gefüllt.

Callum erzählt und uns auch, dass man gerade dabei ist, weitere Lagerhäuser und eine Bottling Hall zu bauen, und nach dem Tasting unternehmen Chris und ich noch einen kleinen Spaziergang zur Baustelle.

Technische Daten

Der Malt Bin kann 28 Tonnen fassen. Das Wasser kommt aus einer Quelle direkt vor Ort und wird durch einen Filter gepumpt (u.a. wird Eisen entzogen). Es wird sowohl peated (mit 42-48 ppm) als auch unpeated produziert. Man hat die letzten Jahre mit dem Anbau von Gerste experimentiert und letztes Jahr die erste kleine Ernte mit „Raasay Barley“ (zwei verschiedene Sorten aus Skandinavien waren bisher am viel versprechendsten) eingefahren. Am 16.08.2019 wurde das lokal angebaute Malz das erste Mal verarbeitet. Getrocknet und gemälzed wurde die Gerste aber nicht auf der Insel. In Summe reicht die kleine Menge noch nicht für die Produktion, aber den benutzten Torf holt man von der Insel.

Raasay - Stillhouse

Die Mashtun ist aus Edelstahl und fasst 1 Tonne Grist. Die drei Wasser werden über den Sprinkler zugeführt. Die entstehenden 5.000 Liter werden in die Washbacks aus Edelstahl gepumpt. Die lange Fermentationszeit von 90-115 Stunden werden durch Wasser gefüllte Kühlmanschetten reguliert.

Die Wash Still (V-700) wird mit 5.000 Litern gefüllt, die Spirit Still (V-710) mit ca. 3.600 Litern. Beide Stills sowie das restliche Zubehör stammen von dem italienischem Hersteller Frilli. Es wird auch ein Purifier verwendet.

Produziert wird von Montag bis Freitag in zwei Schichten mit je zwei Operatoren. Die Jahresproduktion liegt bei knapp unter 1 Millionen LPA (Liter purer Alkohol).

Tasting

Noch gibt es keinen Raasay Whisky, aber Callum hat neben dem Standard-Tasting noch einen New Make für uns mitgebracht.

Raasay - Tasting mit Callum
  • New Make (63.5%)
  • While we wait, Lightly peated, finished in Tuscan red wine casks, 46%
  • Tweeddale, Grain of truth, Single Grain, 46%
  • Tweeddale, The Evolution, 28yo, Blended Scotch Whisky, 52%

Die Rotweinfässer aus der Toskana stammen von Montechiari, und der Rotwein kann auch in der Destillerie gekauft werden (ist mit 27-49.- GBP aber nicht ganz günstig). Der While we wait stammt aus der Speyside und soll in etwa den späteren Raasay Charakter widerspiegeln.

Selbst der Blended Whisky mit seinen 52% war weich und sanft, aber auch nicht mit viel Komplexität. Der New Make war vielversprechend, und ich bin auf den ersten eigenen Whisky gespannt. Ab Ende 2020 könnte es soweit sein.

Fazit meiner Destillerietour bei Raasay

Raasay hat den „local spirit“. Hier arbeiten nur Leute von Raasay. Die lokalen Bauern holen die Reste aus der Produktion ab und füttern damit ihre Tiere. Gerste wird in der zweiten Saison auf der Insel angebaut, reicht aber noch lange nicht für die komplette Produktion. Die Destillerie als Erweiterung an das ehemalige Hotel zu bauen ist meiner Meinung nach optisch gut gelungen. Am meisten hat mich persönlich aber der herrliche Blick fasziniert. Raasay ist eine Reise wert und wer genügend Zeit hat, sollte hier auch übernachten. Ich bin auf den ersten eigenen Whisky gespannt!

Eine Zusammenfassung meines Schottland Roadtrips 2019 (SRT19) findet Ihr hier mit Links auf die anderen Destilleriebesuche: SRT19 Schottland Roadtrip 2019 – Speyside, Skye und Dornoch. Oder Ihr nutzt das #Tag an dem Artikel.

Und wer noch mehr Destillerien aus der Nähe sehen will, wird hier fündig: Hauptmenü -> Themen -> Destillerietouren (neueste zuerst; oder auf der Seitennavigation – alphabetisch).

SRT19 - Raasay

Hier findet Ihr alle Bilder meines Besuchs bei Isle of Raasay Distillery
Raasay - Fähre von Skye (Sconser)
Raasay - Blick auf Sconser
Raasay - Blick von der Fähre
Raasay - Blick von der Destillerie
Raasay - Blick vom Parkplatz
Raasay - Neubau
Raasay - Besucherzentrum
Raasay - Shop
Raasay - Malt Bin
Raasay - New Make Pipeline
Raasay - Weg zum Lagerhaus
Raasay - Mashtun
Raasay - Blick in den Gärtank
Raasay - Produktionshalle
Raasay - Proben aus dem Washback
Raasay - Potstills von Frilli
Raasay - Potstills mit Ausblick
Raasay - Spirit Safe
Raasay - Operator
Raasay - Tour
Raasay - Stillhouse
Raasay - Washbacks
Raasay - Blick vom Lagerhaus
Raasay - New Make Tank
Raasay - Zapfpistole
Raasay - Tartan
Raasay - 30 Liter Fässer
Raasay - Blick ins Lagerhaus
Raasay - Cask #1
Raasay - Tasting Room
Raasay - Tasting Room mit Ausblick
Raasay - Tasting mit Callum
Raasay - Rotwein aus der Toskana
Raasay - Blick von der anderen Seite
Raasay - Lagerhaus Baustelle
Raasay - Idylle