SRT17 – Glen Keith – versteckte Destillerie mit einer Verbindung zu Strathisla

Heute darf ich während des Spirit of Speyside Whisky Festivals (SoSWF) einen Blick hinter die Fassade von Glen Keith werfen. Normalerweise für die Öffentlichkeit nicht zugänglich. Leider habe ich den angegebenen Treffpunkt übersehen und stehe ganz alleine vor der Destillerie in Keith. Ob das wohl gut geht? Ja tut es…

Hintergrund

Gegründet wurde Glen Keith erst 1957, damals von Seagrams. 1970 gab es hier die ersten Gas-befeuerten Stills in ganz Schottland. 1976 werden die Saladin Boxes und 2000 die Produktion komplett eingestellt. Es dauert bis 2012 bis Chivas den Umbau und die Renovierung startet. Seit 2013 wird wieder produziert. Der älteste Whisky aus der „neuen“ Brennerei ist damit gerade einmal 4 Jahre alt. Alles davor hat mindestens 17 Jahre Ruhe gehabt. Ein Visitorcenter gibt es nicht und in der Regel kann man die Destillerie auch nicht besuchen. Während des SoSWF bietet sich eine der wenigen Chancen, doch einen Blick ins Innere zu werfen. Das Gebäude war früher eine Mühle und ist ein „listed building“ (Vergleichbar mit unserem Denkmalschutz).

Glen Keith - Frontansicht

Die Adresse lautet: 23 Station Road, Keith, Banffshire AB55 3BU (hier in der Whisky Map seht Ihr die Nähe zu Strathisla sehr gut; nutzt die Suche nach Glen Keith)

Meine Tour

Als ich einen der wenigen Parkplätze vor der Destillerie ergattern konnte, war ich noch ziemlich alleine. Keine Menschengruppe und keine anderen Besucher. Kein Visitor Center. Kein offener Eingang. Doch dann stößt ein deutsches Paar zu mir und wir finden jemanden, der uns weiterhelfen kann. Der Treffpunkt ist bei Strathisla. Also nichts wie hin. Und somit reihen wir uns als letzte Teilnehmer der Tour im Visitor Center von Strathisla zu den anderen Wartenden ein.

Glen Keith und Stratishla

Mark Cruickshank, zuständiger Distillery Manager für Glen Keith, Strathisla und Longmorn, empfängt uns und nimmt uns mit auf einen kleinen Fußmarsch dahin zurück wo ich gerade hergekommen bin, aber auf einem schöneren Weg. Wir verlassen Strathisla zur Rückseite des Gebäudes, weiter entlang der Lagerhäuser, über eine Brücke und stehen schon fast vor Glen Keith. Aber unterwegs zeigt uns Mark etwas nicht alltägliches. Zwei Rohrleitungen verbinden Glen Keith mit Strathisla. Eine davon für den New Make, der bei Strathisla gesammelt und getankert wird. Diese Leitung wurde in früheren Jahrzehnten auch das ein oder andere Mal angebohrt, um an den jungen Alkohol zu kommen.

Glen Keith - Mash Tun

Vor dem Gebäude erzählt uns Mark ein wenig zur Geschichte der Destillerie. Unter anderem wurde diese auch eine Zeit lang als Versuchsbrennerei genutzt. Dann geht es endlich ins Innere. Wir sehen eine riesige Briggs Mash Tun. Der Großteil der Washbacks ist aus Holz, einige sind aus Edelstahl. Auf allen Washbacks befinden sich Switcher (das ist eine Art Ventilator, das die Blasenbildung niedrig hält), allerlei Messvorrichtungen und „Seifenspender“ sind zur Regulierung installiert. Dann geht es weiter zu den Stills. Auffällig sind die steilen Winkel der Lyne Arms, die zu einem Kondensator führen. Das Still House hat eine schöne Glasfassade.

Wir gehen mit Mark zurück zu Strathisla, denn hier folgt jetzt noch ein Tasting der Distillery Only Abfüllung in Fassstärke. Ich muss fahren und nehme meine Probe mit. Weiter geht es für mich zur nächsten Destillerie von Mark: Longmorn.

Produktion

Die vier Malt Bins fassen je 35 Tonnen. Je acht Tonnen Malz kommen (gemahlen) in die Briggs Mash Tun, die ca. 1 Mio. GBP gekostet hat. Ein Durchgang mit drei Mal Wasser dauert gerade einmal vier Stunden und es werden dabei 65.000 Liter sehr klarer „Wort“ (Würze) für die Washbacks produziert. Insgesamt gibt es davon 14. Neun der Washbacks sind aus Lärche, die restlichen fünf aus rostfreiem Stahl (stainless steel). Hinzu kommen 250 Liter flüssige Hefe. Die Fermentationszeit beträgt bei ca. 18°C zwischen 56-120 Stunden.

Glen Keith - zwei Paare

Mit ca. 8% Alkoholgehalt wird ein Washback in einen Wash Charger weitergeleitet und von dort in sechs Teilen an die drei Wash Stills (je 12.000 Liter Kapazität) gepumpt. Weiter geht es von dort in jeweils drei Spirit Stills (je 9.000 Liter Kapazität). Die Stills haben steile Lyne Arms und münden in einem Kondensator mit einem Sub-Cooler. Produziert wird hier an 5 Tagen pro Woche und im Jahr werden so in etwa 4 Millionen LPA (Liter purer Alkohol) hergestellt und zu Strathisla gepumpt.

Fazit

Ein schönes Gebäude mit viel neuer Technik. Gesteuert wird mit Computer. Trotzdem schön anzuschauen. Wem sich die Möglichkeit bietet: machen. Und wenn nicht: schaut Euch meine Bilder an.

Die anderen Stationen meiner Reise (SRT17 = Schottland RoadTrip 2017) findet Ihr hier: Schottland Roadtrip 2017 – 20 Destillerietouren in 14 Tagen.

Alle Bilder meines Besuchs

SRT17 - Glen Keith

Mein Besuch bei Glen Keith während meinem Schottland Roadtrip 2017.
Strathisla - Rückansicht
Glen Keith und Stratishla
Glen Keith verbunden mit Strathisla
Glen Keith - Frontansicht
Glen Keith - Mash Tun
Glen Keith - Washback
Glen Keith - Washback Technik
Glen Keith - Switcher
Glen Keith - Washbacks aus Holz
Glen Keith - Lyne Arm
Glen Keith - Lyne Arms im Vergleich
Glen Keith - zwei Paare