Im Test: Tasting Wheel (Aromenrad) von MaltWhisky.de

Tasting Wheels gibt es schon seit geraumer Zeit. Bereits zu meiner Whisky-Anfangszeit habe ich mich mit der ein oder anderen Variante auseinandergesetzt. Half es mir am Anfang ein wenig Orientierung zu bekommen, ist es doch schnell in Vergessenheit geraten. Braucht man ein solches Aromenrad und was hilft es einem? Nun habe ich das Aromenrad von MaltWhisky.de seit einigen Wochen im Einsatz und habe mich der Frage (mal wieder) angenommen.

Im Überblick

  • Viele Aromen auf dem Poster
    • 8 Aromen-Kategorien
    • 37 Untergruppen
    • Über 160 Whisky-Aromen im Überblick
  • Bereiche für Primärgeschmack, Farbe, Mundgefühl & Charakter
  • Als Poster bestellbar
    • DIN A2 im Format 40 x 60 cm, 24.90 EUR
    • DIN A1 im Format 60 x 90 cm, 34.90 EUR
  • Weitere Infos / Quellen

Die Bereiche des Aromenrades

Das Poster ist in mehrere Bereiche aufgeteilt. Den meisten Platz nehmen dabei die Aromen im Aromenrad ein mit den passenden Bildern am äußeren Rand.

Farbe

Auf dem Poster befindet sich eine Farbskala mit 12 Glencairngläsern und einer Farbe (halbvolles Glas) und eine Bezeichnung.

Ich schaue mir meine Whiskys zwar an, aber ich habe es irgendwann aufgehört, mir die Farbe zu notieren oder diese bestimmen zu wollen. Mit der Farbauswahl, die von New Make bis Schokolade reicht, kann man das aber sicher bewerkstelligen.

Die Aromen

Am äußeren Ring befinden sich die 8 Aromen Kategorien: getreidig, grasig, duftend, fruchtig, erdig, Dessert, würzig und weinartig. In der Mitte des Kreises findet man dann 37 Untergruppen, je 3-6 pro Kategorie. Und zu jeder dieser mehrere Einzelaromen.

Was macht man nun mit all den Aromen? Die Bezeichnungen sollen dabei helfen, die eigenen Sinneseindrücke in Worte zu fassen. Wonach riecht der Whisky? Würzig? Aber was genau meint man mit “würzig”? Auf dem Aromenrad gibt es dafür dann die Unterkategorien Gewürze, Kräuter, Holz, Kaffee, Schärfe und Sonstiges. Und jetzt? Reicht es mit “Riecht nach Holz” zu beschreiben? Klar reicht das, aber geht es noch genauer? Da wären dann Eichenholz, Zigarrenbox oder Tannine zur Auswahl und bei der Eiche haben die beiden auch noch Verfeinerungen angedeutet (wie “frisch gesägt, dunkel, verbrannt, etc.”). Also “riecht nach frisch gesägtem Eichenholz”? Kann man machen, wenn das für einen selbst nachvollziehbar ist. Es reicht auch Holz oder Sägespähne. Je nachdem, was man riecht und welche Aromen man selber kennt. Ein Forstwirt kennt bestimmt sehr viele verschiedene Baumarten und ein Küfer kann vermutlich diverse Hölzer, die bei der Whiskyreifung verwendet werden, genau bestimmen. Ich kann es nicht. Also was helfen mir dann die Aromenbezeichnungen? Nun, ich denke, sie sollen anregen, ein wenig genauer zu werden und sich mit den Aromen auseinander zu setzen.

Auszug Aromenrad: Würzig

Ich finde es immer wieder spannend, mit Freunden oder Gleichgesinnten Whiskys zu verkosten und dabei die verschiedenen Sinneseindrücke zu vergleichen. Wo der eine Holz riecht, hat der andere die Zigarrenbox. Mich springt manchmal Harz oder Wacholder an. Wir sind alle unterschiedlich geprägt und das zeigt sich beim Thema “Aromen” immer wieder ganz deutlich.

Was kann man noch damit anfangen? Das Aromenrad bietet einige Ideen, was man riechen könnte. Wenn man das Aroma aber nicht kennt, dann kann man – zumindest manche davon – auch einfach mal “in echt” erfahren. Wie bei den Kräutern: Minze, Salbei, Oregano, Majoran, Estragon. Und in der Küche finden sich bestimmt noch ein paar mehr, die man beim Nosing von Whisky finden könnte. Das gleiche gilt für Gewürze (Nelken, Muskat, Zimt, Anis). Und ebenso für Früchte. Man kann also versuchen anstatt “der riecht fruchtig”, ein wenig genauer werden. Das Aromenrad gibt dabei nur eine Hilfestellung, aber dank der Bilder eine gelungene Aktivierung der eigenen Prägung.

Primärgeschmack

Gleich unter der Farbskala findet man die fünf primären Geschmacksrichtungen: süß, salzig, sauer, bitter und umami.

Damit kann man natürlich arbeiten. An die kann sich vermutlich jeder erinnern, und ich nutze die bei meinen Notes ebenfalls. Sauer ist mir bisher nicht untergekommen, die anderen vier schon. Das gibt anderen schon mal eine grobe Grundtendenz mit, aber selbst bei dieser leichten Einteilung wird es schon unterschiedliche Meinungen geben.

Mundgefühl & Charakter

Hier gibt es 8 Bereiche, die man für sich bewerten und bestimmen kann: Textur, Körper, Reife, Breite, Dauer, Komplexität, Balance und Temperatur.

Ich bin die Bereiche von oben nach unten durchgegangen und habe für mich bewertet, ob eher die Beschreibungen aus der linken Spalte oder der rechten Spalte zutreffen. So findet man bei Komplexität auf der linken Seite “geradlining, fokussiert” und auf der rechten “komplex, vielschichtig”.

Dabei ist mir aufgefallen, dass bei allen Bereichen (bis auf Textur und Balance) mir die rechte Seite immer mehr zusagt. Die meisten dieser Beschreibungen verwende ich für den Abgang/Finish.

Wozu ein neues Aromenrad?

Das alte Aromenrad hatte ich mir ebenfalls angeschaut – PR: Whisky-Tasting Unterlage zum Ausdrucken und passendes Aromenrad

Lukas und Samuel haben bereits 2016 eine erste Fassung eines Aromenrades herausgebracht. Ich habe Lukas gefragt, warum sie das überarbeitet haben.

Lukas: “Wir haben unser Whisky Wheel nicht nur optisch komplett überarbeitet: Zunächst haben wir unsere Tasting Notes ausgewertet und so ermittelt, welche Aromen wir in den letzten Jahren immer wieder geschmeckt haben. Eine ganze Reihe von Aromen kam so neu hinzu. Das neue Wheel hat über 160 Aromen in 8 Kategorien mit 37 klar abgegrenzten Untergruppen und deckt so die Vielfalt des Whiskys noch besser ab. Wichtige Aromen etwa von Gebäck, Schokolade, Nüsse oder Süßspeisen werden in dem neuen Wheel besser repräsentiert. Andere Bereiche wie die „Fehlnoten“ hatten im alten Wheel viel Raum, obwohl wir diese Notes tatsächlich eher selten im Glas hatten. Mit einer neuen Mundgefühl/Charakter-Tabelle bieten wir ein Tool, welches in diesem Bereich helfen soll, schneller zu einer Einordnung zu kommen.

Fazit

Vor allem das haptische Papier (seidenmatt mit 240 g/m² ) gefällt mir sehr gut. Es fühlt sich sehr kräftig und wie beschichtet an. Das Aromenrad gibt einem ein paar Orientierungshilfen. Wer sich sensorisch weiterbilden möchte, bekommt auch ein paar Anregungen, mal wieder durch die heimische Küche zu riechen. Vor allem aber auch die Rubrik “Mundgefühl & Charakter” fand ich spannend, da sie auf der jeweiligen Seite die Eigenschaften zusammenfasst, die mir an einem Whisky gefallen. Das könnte man auch für sein eigenes Bewertungsschema nutzen. Insgesamt sehr gelungen und schön anzuschauen. Passt sicher gut in ein Whiskyzimmer und auch auf Tastingveranstaltungen. Es ist sicher nicht “der Stein der Weisen”, denn den gibt es nach meiner Meinung bei Aromen nicht. Die eigene Prägung und die Erinnerung an Aromen spielen eine große Rolle bei der eigenen Wahrnehmung. Aber das Aromenrad kann bei der eigenen Weiterbildung sicherlich behilflich sein und ist darüberhinaus auch schön anzuschauen.

Danke an Lukas und Samuel von MaltWhisky.de für das kostenlose Exemplar!