Was macht Mickey Heads im Ruhestand?

Mickey Heads war der Distillery Manager von Ardbeg und ist weiterhin der Chairman vom Ardbeg Committee und damit Herr über die Committee Releases. Seit letztem Jahr Oktober ist Mickey im Ruhestand. Kann Mickey sich wirklich aus dem Whisky Business raushalten und sein Rentnerdasein genießen? Ab Dienstag wird zu seinen Ehren der Ardbeg Arrrrrrrdbeg! erhältlich sein. Über die neue CR Abfüllung habe ich schon berichtet, aber ich hatte bisher noch keine Chance mich mit Mickey zu unterhalten.

Bei meinem ersten Besuch auf Islay ist es passiert. Ich bin zum Ardbeg Fan geworden. Der Whisky hat mir auch vor meinem Besuch schon gefallen, aber er war auch 2012 schon teurer als andere und hinter der Destillerie steckt ein Luxusgüterkonzern (LVMH). Heute darf ich mich mit dem Mann unterhalten, der es geschafft hat, dass Ardbeg trotzdem zu einer meiner Lieblingsdestillerien geworden ist: Mickey Heads.

Ein Interview mit Mickey Heads, virtuell, 04.02.2021.

Mickey, vielen Dank, dass Du Dir für ein Gespräch mit mir Zeit nimmst. Wir können uns dieses Mal leider nur per Videokonferenz unterhalten, aber ich freue mich trotzdem sehr, dass Du bereit bist, mir ein paar Fragen zu beantworten. Wann hast Du angefangen, Dich mit Whisky beruflich zu beschäftigen?

Das war am 01.10.1979, genau 41 Jahre bevor ich in den Ruhestand gegangen bin. Damals habe ich einen Job bei Laphroaig bekommen. Ganz alltägliche Arbeiten überall in der Destillerie: den Hof saubermachen, etwas Malerarbeiten, und auch Torf habe ich einige Saisons lang gestochen. Dann habe ich im Schichtbetrieb in der Produktion mitgearbeitet, in den Maltings, im Lagerhaus, bei der Destillation und ein wenig beim Brauen. Nach ca. 10 Jahren habe ich dann den Brauer (Brewer) Job bekommen. Das war alles nicht wirklich geplant, sondern hat sich so ergeben. Ich war dann für 10 Jahre Brauer und bin dann 1999 zu Jura gewechselt und durfte die Destillerie für 8 Jahre führen bis ich dann 2007 die Möglichkeit bekam zurück nach Islay zu Ardbeg zu kommen. Das war kein geradliniger, geplanter Weg, aber er war gut und ich habe Glück gehabt. Einige Leute haben mir eine Chance gegeben und auch wenn es immer harte Arbeit war, hat es Spaß gemacht.

Gab es zum Beginn Deiner Karriere immer noch einen Daily Dram?

Nein, das hat schon vorher aufgehört, aber das hat mir nichts ausgemacht, denn ich habe damals noch gar keinen Whisky getrunken. Das habe ich erst in meinen späten 20igern, frühen 30igern begonnen, als ich Touren bei Laphroaig geführt habe und dachte, ich muss das mal probieren, wenn ich den Besuchern alles über Whisky erklären soll.

Was waren bisher Deine besten Erfahrungen in Deinem Whiskyleben?

Das ist eine schwierige Frage. Das war alles eine große Erfahrung. Ich hatte das Glück viel Reisen zu dürfen und Teile der Erde zu sehen nur um Leuten von meiner Arbeit zu berichten. Das hat mir sehr gut gefallen, dass ich mein Wissen und Erfahrungen auf diese Weise weitergeben konnte. Es war auch gut, dass ich einen Job hatte, für den ich eine Leidenschaft hatte. Die Arbeit mit den Kollegen, die Projekte, die wir gemeinsam umsetzen konnten, das war immer gut. Manchmal gab es auch Herausforderungen, aber es hat auch immer Spaß gemacht. Mir hat es gefallen, dass ich meine Erfahrungen in verschiedenen Destillerien sammeln konnte. Die große Veränderung war sicher, dass Single Malt so populär wurde. Als ich anfing, hat sich kein Mensch für eine Destillerie interessiert. Vor allen in den 90igern hat dieses Interesse begonnen und sich entwickelt und heute ist es enorm groß.

Ich konnte ein wenig der Entwicklung bei Ardbeg verfolgen und habe mitbekommen, wie Du immer berühmter wurdest und die Leute erreicht hast. Das ist nicht allen so gelungen.

Das war am Anfang neu für mich vor 20, 50 , 100 Leuten bei einem Tasting zu sprechen, aber ich habe mich mit der Zeit daran gewöhnt. Den Leuten hat es gefallen und so war das immer auch Spaß für mich. Gerade auch auf den 2-3 Reisen in fremde Märkte oder beim Ardbeg Day hat mir das immer besonders gut gefallen, Kontakte zu knüpfen und mit Leuten zu sprechen.

Ich erinnere mich noch gerne daran zurück wie Du im Jubiläumsjahr vor einer großen Menschenmenge Deine Rede gehalten hast und wir alle ein fantastisches Sampleset inklusive dem 1815 bekommen haben.

Ja, wir haben immer versucht uns etwas Neues einfallen zu lassen und den Besuchern immer etwas Besonderes zu bieten, damit sie eine gute Erfahrung mit nach Hause nehmen können. Gerade für die Leute, die jedes Jahr wiederkommen, wollten wir uns immer wieder ein paar kleine Überraschungen einfallen lassen. Und wir binden auch immer alle Mitarbeiter ein.

Eine andere tolle Erfahrung war für mich, dass ich ein Cask-Sample eines Ardbegs 1974 aus dem Archiv-Schrank probieren durfte. Der schmeckte für mich deutlich anders als ein heutiger Ardbeg. Warum ist das so und was hat sich an der Produktion verändert?

Ich glaube da hat sich nichts gravierendes geändert. In den 70ern gab es noch die Floor Maltings (Därrböden), dadurch gab es sicher einige Variationen in den Phenolen und den Torf Leveln. Heutzutage wird die Malzproduktion stark kontrolliert und liefert stabile Qualität. Als ich Ardbeg übernommen habe, haben wir versucht alles so gleichbleibend wie möglich zu halten, haben die Qualität des Brands regelmäßig kontrolliert und die Stills sind immer noch die gleichen.

Könnte es auch an den Malting Floors gelegen haben, also z.B. dass der Torf damals von Islay gekommen ist?

Auch heutzutage sind die Malzlieferungen größtenteils mit Islay Peat hergestellt. Ich sehe die Laster mit Torf hier mehrmals täglich an meinem Haus vorbeifahren. Wir haben uns auf den 10-jährigen konzentriert, haben aber auch immer versucht kreativ zu sein mit den diversen Committee Abfüllungen. Das scheint gut funktioniert zu haben, denn die Leute mögen das und zeigen großen Enthusiasmus für Ardbeg.

Ich wundere mich nur, was den großen Unterschied macht, denn auch bei anderen Destillerien unterscheiden sich so alte Abfüllungen immer deutlich von den aktuellen.

Wenn Du Dir den 1974er anschaust, dann sind das teilweise 20-30 Jahre alte Whiskys. Das bekommen wir jetzt gerade erst wieder mit dem 25-jährigen der gerade erst auf den Markt gekommen ist. Das geht in diese Richtung. Man kann diese alten Whiskys nicht mit einem jungen vergleichen.

Ja, ich muss zugeben, beim 25-jährigen war ich wieder etwas an den 1974 erinnert.

Wenn man in die Altersstufe kommt, passiert da nochmal einiges. Ab 25-30 Jahren gibt es da nochmal eine Entwicklung.

Welche der Abfüllungen magst Du selber am liebsten?

Ohoh. Das ist eine schwierige Frage. Ich trinke gerne den Uigeadail, der macht mir immer Spaß und er ist verfügbar aber ich hatte das Glück das 1977er Vintage probieren zu können und dann der Alligator. Das zeigt wieder wie unterschiedlich es sein kann, was Dir gefällt, weil es so viele unterschiedliche Stile gibt. Der Alligator hat mir sehr viel Spaß gemacht, als wir den gemacht haben. Der hat eine schöne Kombination aus Würzigkeit und Fruchtigkeit, die mir gut gefällt. Es gefällt mir auch heute noch bei Tastings das Alligator Video zu spielen. Das macht immer viel Spaß. Wenn ich sie in eine Reihenfolge bringen muss, dann den 1977er, Alligator und dann den Uigeadail. Vom 10-jährigen habe ich immer eine Flasche offen.

Du magst die Würzigkeit also. Hast Du deshalb für den Arrrrrrdbeg! die Rye-Fässer ausgesucht?

Ich mag die Würzigkeit, die hier drin steckt. Der hat eine schöne Kombination aus Würzigkeit und Zitrus und Rauch, die gut ausbalanziert ist. Ich mag den Stil. Das war mit dem Alligator dasselbe mit Ingwer und Würzigkeit. Diese tiefen Aromen und der Rauch. Das arbeitet alles gut zusammen.

Welche Fässer funktionieren am besten mit Ardbeg für Deinen persönlichen Geschmack?

Für mich funktioniert Ardbeg mit einem Bourbon Fass sehr gut. Ich mag den 10er aus 1st und 2nd Fill Fässern. Und deshalb gefällt mir auch der Alligator, der auch wenn es sehr stark verkohlte Fässer sind (heavily charred), es eben Fässer aus amerikanischer Eiche sind. Ich mag es gerne einfach. Süß, Zitrus und Rauchigkeit. Ich mag diese Art von Fässern.

Habt Ihr auch schon Chinkapin Fässer ausprobiert?

Nicht dass ich wüsste. Das ist vielleicht etwas für Colin und sein Team zum Ausprobieren.

Welches sind die ältesten Ardbeg Fässer die auf Islay im Lager sind?

Das weiß ich gar nicht so genau, aber ich denke so etwa in dem Alter des 25-jährigen also so 1995. Vielleicht auch ein paar ältere.

Bleiben wir bei den Fässern. Wie viele der Fässer werden auf Islay gelagert im Verhältnis zu denen, die aufs Festland gebracht werden?

Wir haben die fünf Lagerhäuser hier auf Islay, die relativ voll sind und das dürfte der Großteil sein. Wir bringen auch einen kleinen Teil weg, aber sobald wieder Platz ist füllen wir den auf. 

Habt Ihr schon mal Fassexperimente gemacht, die nicht funktioniert haben?

Ich weiß wir haben schon viele Experimente gemacht. Aber da war noch nie etwas dabei wo ich gesagt hätte, mach es nicht. Das braucht manchmal ein paar Jahre und man muss sich das anschauen, wie es sich entwickelt. Da passiert immer etwas interessantes. Da war nie etwas dabei, das mir nicht gefallen hätte. Und Du siehst bei den ganzen Committee Abfüllungen, dass wir mit vielen verschiedenen Dingen experimentieren.

Trinkst Du immer noch gerne ein Glas Whisky und wie trinkst Du ihn?

Ja, ich trinke gerne mal einen kleinen Dram am Wochenende. Manchmal gehe ich auch mit meinem Hund und einem Flachman an einem schönen Nachmittag zu unserem Garten runter und genieße einen Dram in der Sonne. Meistens pur, manchmal auch mit einem kleinen Schluck Wasser.

Welche anderen Marken magst Du?

Die Whiskys der Destillerien, für die ich gearbeitet habe, mag ich alle. Auch Longmorn und Glenmorangie. Highland Park. Aber ich bleibe auch gerne bei den Islay Whiskys. Einige der Glenmorangie Whiskys sind auch wirklich gut.

Welchen Whiskys magst Du am liebsten?

Ich haben einen 10er Ardbeg und einen Ardbog offen, da ist noch ein wenig in der Flasche.

Jetzt habe ich noch eine schwierige Frage für Dich. Welches ist der beste Whisky, den Du jemals getrunken hast?

Hahaha. Da muss ich vermutlich zu einem der alten Ardbegs zurück gehen, einige der Single Casks, die wir auf Tastings probiert haben. Einige hatte ich noch nie vorher probiert. Aber ich mag meine Whiskys auch gerne jung. Frisch und zitrus. Aber nur einen könnte ich da nicht nennen, das wäre nicht fair. Es gibt so viele verschiedene Stile. Genieße sie einfach alle.

Als ich Dich das letzte Mal bei Ardbeg getroffen habe, saßt Du auf dem kleinen Hügel hinter der Destillerie und hast Dein Mittagessen mit Blick auf die Bucht genossen. Vermisst Du das?

Das ist ein großartiger Platz. Wir sind vor dreieinhalb Jahren weggezogen, aber das war ein toller Platz um einfach hinter seinem Haus an die Bucht zu gehen und aufs Meer zu blicken. Meine Frau und ich saßen dort auch oft beim Frühstücken und haben dem Sonnenaufgang zugeschaut. Ja, das sind schöne Erinnerungen.

Das kann ich verstehen. Ich war da nur ein paar Mal und vermisse ihn schon.

Das ist ein sehr schöner Flecken. Da ist ein kleiner Felsen in dem Garten von dem ich auch immer gerne gefischt habe. Man konnte sich dort hinsetzen und keiner hat dich hinter dem Felsen gesehen.

Vermisst Dich Dein Team schon?

Ich hoffe, dass sie sich gerne an mich erinnern. Aber ich sehe sie regelmäßig, wenn ich sie besuche. Du weißt wie das ist, wenn man nette Kollegen verlässt. Zur Zeit sehen wir uns natürlich nicht so oft, sondern schreiben uns nur E-mails. Aber wenn alles wieder normaler wird, werde ich wieder zum Mittagessen oder auf einen Kaffee vorbeikommen.

Was ist Dein Ratschlag für Colin?

Genieße es! Es ist viel harte Arbeit. Er muss sich um viele Dinge kümmern, wenn das neue Stillhouse produktiv geht. Er ist ein Whisky Enthusiast und bringt Erfahrung mit. Es kommen viele spannende Dinge auf ihn zu. 

Du hast ihm große Schuhe hinterlassen, in die er noch hinein wachsen muss.

Oh, ich bin mir sicher, die füllt er aus. In ein paar Jahren, werden die Leute sagen, wer war der Kerl vor Colin.

Das glaube ich nicht, dass man Dich vergessen wird. Du hast Dir für alle Besucher Zeit genommen und versucht mit allen zu sprechen.

Ja, die Leute kommen teilweise von weit her, um Ardbeg zu besuchen und ich habe immer versucht mir ein wenig Zeit für sie zu nehmen.

Diese Herzlichkeit von Dir und dem gesamten Team hat mich zu einem Ardbeg Fan gemacht. Ich erinnere mich noch gut daran, wie mich Jackie nach meinem zweiten Besuch angesprochen hat und meinte, dass ich doch schon mal da war und hat mich dann nach meinem Namen gefragt. Seitdem begrüßt sie mich (und viele andere auch) mit meinem Vornamen. Sehr herzlich! Danke dafür! Gibt es schon irgendwelche Pläne Deinen Abschied mit dem Committee Mitgliedern zusammen zu feiern?

Jetzt kommt erst Mal das neue Committee Bottling und dann müssen wir mal sehen, wie sich die Lage entwickelt. Bisher haben wir noch keine Pläne und warten erst einmal darauf bis wieder etwas Normalität einkehrt.

Kein virtuelles Tasting?

Bis jetzt haben wir noch nicht darüber gesprochen. Könnte schon sein. Wir haben zwei Videos in den Maltings gemacht und einige Fragen beantwortet. Hast Du die Videos gesehen?

Ja, die habe ich mir angeschaut. Das ging Dir ganz schön zu Herzen, oder?

Ich habe sie mir nicht angeschaut. Das schaue ich mir nie selber an, sondern frage immer andere, ob es OK war. Am Anfang ging es gut, aber als dann einige Fragen kamen ging es mir schon ein wenig nah. Ich habe gerne hier gearbeitet und immer mit einer Passion. Die letzte Woche war sehr emotional.

Was war die größte Veränderung für Dich jetzt im Ruhestand zu sein?

Ich bin früher immer um 6 Uhr aufgestanden und habe mich für die Arbeit fertig gemacht. Ich habe dann von 7:30 Uhr in der Destillerie gearbeitet und es gab immer etwas zu tun. Ich bin jetzt kein Langschläfer geworden, aber ich stehe jetzt etwas später auf. Nicht nach 8 Uhr. Wenn dann der Frühling kommt habe ich viele Pläne. Mich ums Haus kümmern, Fischen gehen. Jetzt im Winter ist es ein wenig ruhiger. Ich achte darauf fit zu bleiben, gehe an die frische Luft und gehe mit unserem Cocker Spaniel Spazieren. Ich versuche mich aktiv zu halten. Still sitzen kann ich nicht. Ich bin gerne im Freien.

Zu guter Letzt. Würdest Du jungen Menschen heute dazu raten für eine Destillerie zu arbeiten? Und welche Ausbildungsmöglichkeiten gibt es?

Wenn Du Dir die Beliebtheit der Destillerien auf Islay anschaust, gibt es viele Möglichkeiten einzusteigen. Sei es im Visitor Center, in der Produktion oder im Business. Bei den Destillerien gibt es immer noch ein großes Wachstum. Heute gibt es viele Möglichkeiten sich auch Online weiterzubilden (IBD). Wenn Du die Möglichkeit bekommst bei einer Destillerie anfangen zu können, solltest Du die Chance nutzen. Ich habe es immer gemocht. Wenn Du den Enthusiasmus hast, ist das wirklich interessant. Gerade auf Islay entstehen so viele neue Möglichkeiten.

Eines muss ich doch noch fragen. Hast Du schon Pläne wieder aktiv ins Whisky Geschäft einzusteigen. Etwa so wie Jim McEwan es gemacht hat?

Darüber habe ich bisher noch nicht nachgedacht. Für eine Weile will ich erst mal ein wenig relaxen und abwarten, wie sich das so entwickelt. Ich bin nicht in Eile. Es ist eine kleine Insel und man läuft sich über den Weg. Wir werden sehen.

Vielen Dank für Deine Zeit Mickey. Es war schön Dich zu sprechen und zumindest virtuell zu treffen. Vielen Dank für die vielen tollen Erinnerungen die Du mir mit Deinem Team möglich gemacht hast.

Und danke auch an Tobias, den ich ebenfalls lange nicht mehr gesehen habe. Es war sehr unterhaltsam und angenehm mit Euch beiden zu sprechen. Ich hoffe ich kann Euch bald mal wieder in echt treffen und mit Euch zusammen einen schönen Whisky genießen!

Alles Gute für Dich Mickey und für Deine Familie!

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