VIP Tour bei der Tullibardine Distillery 2022

Die Tullibardine Distillery findest Du in Blackford direkt an der A9 zwischen Stirling und Perth. Im Logo ist die Jahreszahl 1488 zu sehen, aber die Destillerie gibt es erst seit 1949. Vorher war das hier eine Brauerei. Auf den ersten Blick sieht die Destillerie wie ein modernes Fabrikgelände aus. Ich bin gespannt, was mich erwartet.

Hintergrundwissen

Bereits 1488 gab es hier in Blackford eine Brauerei mit dem Namen Tullibardine. Aber erst 1947 wurde die Brauerei zu einer Destillerie umgebaut und 1949 wurde der erste Whisky destilliert. 1993 wurde die Destillerie geschlossen und erst 2003 wieder eröffnet. 2011 hat Picard Vins & Spiritueux Tullibardine übernommen. Tullibardine gehört zum Spirituosenzweig, der als Terroirs Distillers Artisanal Brands neben Tullibardine und Highland Queen auch Cognac, Rum, Tequilla, Gin und Likör in seinem Portfolio hat. 2013 wurden weitere Lagerflächen erworben und eine Abfüllanlage gebaut.

Aktuell gibt es bei Tullibardine verschiedene Ranges. In der Signature Range gibt es diverse Abfüllungen ohne Altersangabe, aber mit einer Zahl (typische Fassgrößen), 15yo, 20yo und 25yo. Bei den Limited Editions gibt es „The Murray“ mit diversen Abfüllungen und vier „Distillery Editions“, die es nur im Shop vor Ort gibt. Und dann gibt es noch die Custodian Collection, in der es sehr alte Abfüllungen wie z.B. den bisher ältesten Whisky von Tullibardine gibt: 60yo aus 1952 für 20.000.- GBP (in der Destillerie „ausverkauft“).

Tour durch die Produktion

Die Ausfahrt von der A9 zur Destillerie war schon ein kleines Abenteuer, denn ich musste die Gegenfahrbahn kreuzen. Die Destillerie ist ausgeschildert und auch nicht zu übersehen. Ich schaue mich ein wenig im Shop um, bevor ich auf die Visitorcenter Managerin Sabine Hallyburton treffe, die aus Deutschland stammt aber schon viele Jahre in Schottland lebt. Sabine hat für mich Sam eingeteilt, die mit mir alleine eine Tour durch die Produktion machen wird. Auf den normalen Touren darf man im Produktionsbereich nicht fotografieren, deshalb freue ich mich über eine Sonderführung.

Sam startet mit mir im Innenhof beim „Malt intake“ also dem Aufzug für das Malz. Wir folgen dem Weg des Malzes zu den Malzbehältern.

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Weiter geht es zu einem sehr großen „Destoner“ von Bühler mit zwei separaten Sieben, der Steine und Staub aus dem Malz schüttelt. Die Mühle ist eine traditionelle (alte) Porteus Mühle.

Die Mashtun steht zusammen mit den vier Potstills in einem Raum. Somit hat man von der Empore der Mashtun auch die Potstills im Blick. Bei meinem Besuch im Juli wird die Destillerie gewartet und somit ist die Mashtun leer und alles sauber. Weiter geht es zu den Edelstahl Washbacks, die analog zu hölzernen Washbacks einen Deckel (aus Metall) haben. Einer der Deckel ist aus Holz, da es mit dem alten Deckel Probleme gab.

Dann geht es wieder zurück ins Stillhouse. An den Kondensatoren der Wash Stills steht eine Leiter gelehnt und die Deckel sind geöffnet. Links stehen die beiden Wash Stills, rechts die beiden Spirit Stills. Die „Paare“ stehen sich jeweils gegenüber. Die Wash Stills haben die Sichtfenster ziemlich tief sitzen. Hier entdecke ich auch ein Kontroll- und Steuerpult für die vier Potstills und die Mashtun.

Wir gehen weiter in eines der Lagerhäuser. Hier stehen drei Fässer von denen Sam die Deckel abnimmt und mich an den Fässern riechen lässt. Gleich dahinter steht der Behälter für den New Make, der hier in Fässer gefüllt wird. Neben einigen Fässern, die hier im Dunnage Stil gelagert werden, werden hier auch Fässer geleert. Dazu werden die Metallplatten vom Boden genommen und die Fässer über die Rinne gerollt mit Öffnung nach unten. Dann werden die Stöpsel entfernt und die Fässer entleeren sich. In der Rinne befinden sich Siebe, die u.a. die groben Kohlepartikel herausfiltern.

Weiter geht es in das WH4 (Warehouse Nummer 4), das älteste Lagerhaus. Sam geht mit mir durch sämtliche Gänge und wir sehen auch das Fass #1 aus 2003. Das erste gefüllte Fass nach der Wiedereröffnung. Das WH4 ist ein „racked warehouse“, d.h. die Fässer werden in einem Rack gelagert. Die meisten Racks sind hier vier Etagen hoch. Die meisten Racks an den Außenwänden haben Platz für 2-3 Fässer in einer Reihe und sind damit relativ leicht zu entnehmen.

An manchen Stellen gibt es aber Racks, die parallel zu den Gängen ausgerichtet sind. Diese Reihen müssen dann mühsam geräumt werden, um an ein spezielles Fass zu kommen. Im WH4 treffen wir auch auf Sams Mann, der hier im Lager arbeitet und mir ein wenig zu den verschiedenen Fässern erzählt.

Der Weg zurück in den Shop führt uns durch den Tasting Raum, in dem am Ende einer Tour der Whisky verkostet werden kann. Das Ambiente gefällt mir. Sehr gemütlich.

Technische Daten der Tullibardine Distillery

Die beiden Malt Bins haben ein Fassungsvermögen von je 30 Tonnen. Der Bühler Malt Destoner entfernt die Steine bevor das Malz in der Porteus Mühle verarbeitet wird. Die Mühle mahlt 3 Tonnen pro Stunde. 6 Tonnen werden pro Mash in der Mash Tun verarbeitet.

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Es gibt insgesamt neun Edelstahl (Stainless Steel) Washbacks mit einer Kapazität von 38.000 Litern, die mit 30.000 Litern gefüllt werden. Acht der Washbacks befinden sich im Inneren, eines ist im Freien. Die Fermentationszeit beträgt 52 Stunden.

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Die beiden Wash Stills haben eine Kapazität von je 21.500 Litern, die beiden Spirit Stills von je 16.200 Litern. Gefüllt werden die beiden Wash Stills mit je der Hälfte eines Washbacks (also mit 15.000 Litern). Die Spirit Stills werden dann mit jeweils ca. 12.000 Litern befüllt. Gearbeitet wird 24/7 mit 8 Operators, je 2 pro Schicht im 2-Schicht Betrieb. Die Jahresproduktion beträgt 3 Millionen LPA.

Es gibt drei Lagerhäuser vor Ort mit einer Kapazität von bis zu 20.000 Fässern. Der Großteil in den Lagerhäusern sind ex-Bourbon Fässer der Rest sind einige Finishing Fässer aus ex-Sauternes, ex-Sherry und ex-Burgunder. Um die Fässer kümmert sich ein eigener Küfer (Cooper) in der eigenen Küferei (Cooperage).

Fazit meiner Tour durch die Tullibardine Distillery

Ich habe bisher nur wenige Abfüllungen von Tullibardine probiert. Die Destillerie ist deutlich interessanter, als ich ursprünglich gedacht habe. Es gibt einige interessante Details bei Tullibardine zu entdecken und wenn Du in der Gegend bist, solltest Du einen Stopp in Blackford einplanen.

SRT22 - Tullibardine

Mein Besuch bei Tullibardine während des Roadtrips 2022
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Eine Zusammenfassung meines Schottland Roadtrips 2022 (#SRT22) findest Du hier. Oder Du nutzt das Hashtag #SRT22 an dem Artikel.

Und wenn Du noch mehr Destillerien aus der Nähe sehen willst, wirst Du hier fündig: Hauptmenü -> Themen -> Destillerietouren (neueste zuerst) oder auf der Seitennavigation (alphabetisch). Die Webseite der Tullibardine Distillery hilft Dir bei den Touren weiter. 

Danke Ros, Sabine und Sam für die Tour!