UA im Profil: Compass Box

Welche Abfüllungen gibt es von Compass Box? Wie viele Fässer besitzt die Firma und wie kommt sie an diese? Mal sehen, was Katy Moore verraten hat…

Zusammenfassung

John Glaser

Compass Box wurde 2000 von John Glaser gegründet. John war der Ansicht, dass es zu viele Firmen gibt, die Whisky auf die selbe Art und Weise herstellen und verkaufen. Als Amerikaner, der nach UK verpflanzt wurde und für einen großen Whiskyproduzenten gearbeitet hat, wollte er etwas Neues ausprobieren. Angefangen hat John damit in seiner Küche, nicht in seiner Garage. Das muss der europäische Einfluss gewesen sein. Heute hat das Unternehmen mit Sitz in London ein Office mit einem Blending Room und 12 Vollzeit Arbeitskräften. Einen Überblick über die Mitarbeiter, Informationen zu John und dem Unternehmen sowie viele interessante Informationen und Videos zum Thema Whisky findet Ihr auf der Webseite.

Katy Moore hat mir meine Fragen beantwortet. Katy ist die neue Marketing Managerin und hat Jonathan Gibson vor Kurzem abgelöst. Deshalb hat es ein wenig länger gedauert, diesen Artikel fertig zu stellen.

Adressen – real und virtuell

Marken und Ranges

Jeder UA hat eine oder mehrere Marken unter denen er seine Abfüllungen auf den Markt bringt.  Bei Compass Box läuft das meist etwas anders. Hier werden einzelne Blended Malts oder Blended Whisky kreiert und werden immer wieder aufgelegt.

Über die „mehr Infos“ Links findet Ihr eine der Besonderheiten von Compass Box. Zu vielen Whiskys ist die genaue Zusammensetzung nachzulesen. Seitlich ein Beispiel für die Infografik (Asyla).

Alle Ranges und Abfüllungen sind Scotch Whiskys. Bei der Signature Range und den Limited Editions wird auch immer ohne Kältefiltration (ncf) und ohne Zusatz von Farbe (nca) produziert. Blended Malt kennzeichnet Produkte, die aus mehreren Single Malts unterschiedlicher Destillerien „gemischt“ wurden. Blended Whisky diejenigen, denen darüber hinaus auch Grain Whisky hinzugefügt wurde. Blended Grain ist eine Mischung verschiedener Grain Whiskys (ohne Single Malts).

Signature Range

  • Asyla (Blended Whisky)
    40%, ncf, nca, Zusammensetzung: 50% Grain (Cameron Bridge, 12yo), 5% Glen Elgin (10yo), 23% Teaninich (11yo), 22% Linkwood (11yo) – mehr Infos.
  • Oak Cross (Blended Malt)
    43%, ncf, nca, Zusammensetzung: 60% Clynelish (10yo), 20% Dailuaine (10yo), 20% Teaninich (10yo) – dann noch Mal in zwei Batches für 1 Jahr nachgelagert – mehr Infos.
  • The Spice Tree (Blended Malt)
    46%, ncf, nca, die 2.te Edition. Die erste kam 2005 auf den Markt, die mit den Regularien der SWA (Scotch Whisky Association) nicht vereinbar war. 2009 kam die neue Version auf den Markt mit einer neuer Herstellungsmethode. Zusammensetzung: 60% Clynelish (10yo), 20% Dailuaine (10yo), 20% Teaninich (10yo) – dann noch Mal in vier Batches für 2 Jahre nachgelagert. Das liest sich von der Aufteilung erst Mal genauso wie der Oak Cross. Ist aber in vier Batches verteilt, länger und in anderen Fässern gelagert worden (mehr Infos).
  • The Peat Monster (Blended Malt)
    46%, ncf, nca, Zusammensetzung: 40% Laphroaig (10yo), 20% Ledaig (8yo), 13% Caol Ila (9yo), 26% Ardmore (9yo), 1% Highland Malt (9yo, ohne konkrete Nennung, vermutlich ist es auch egal, welcher) – mehr Infos.
  • Hedonism (Blended Grain)
    43%, ncf, nca, Zusammensetzung: 66% Grain (Cameron Bridge, 17yo), 32% Grain (Port Dundas, 20yo),  2% Grain (Port Dundas, neu belebtes Fass, 25yo). Hier gibt es verschiedene Batches, die sich unterscheiden, deshalb gibt diese Auflistung nur eine Idee – mehr Infos (pro Batch!).

Zu jedem Produkt der Signature Range gibt es ein Produktblatt und eine Infografik. Darüber hinaus kann man zu jedem die Altersinformationen der einzelnen Bestandteile abfragen. Compass Box darf dies nicht komplett in einer Übersicht darstellen. Diese Informationen dürfen nur auf Nachfrage herausgegeben werden. Auf einem Whisky und auf allen Marketingunterlagen darf nur das Alter des jüngsten Whiskys angegeben werden. Ich habe Euch meine Informationen verdichtet. Ich bin ja kein Produzent.

Limited Edition Releases

  • Spice Tree Extravaganza (Blended Malt), 46%, ncf, nca (mehr Infos)
  • Three Year Old Deluxe (Blended Malt), 49.2%, ncf, nca (mehr Infos)
  • Enlightenment (Blended Malt), 46%, ncf, nca (mehr Infos)
  • The Circus (Blended Whisky), 49%, ncf, nca (mehr Infos)
  • Flaming Heart (Blended Malt), 48.9%, ncf, nca (mehr Infos)
  • This is not a luxury Whisky (Blended Whisky), 53.1%, ncf, nca (mehr Infos)
  • Hedonism Quindecimus (Blended Grain) (mehr Infos)
  • Orangerie (Blended Whisky mit Infusion!) (mehr Infos)
  • The Double Single (Blended Malt), 46%, ncf, nca (mehr Infos)

Blended Whisky

  • Great King Street Artist’s Blend
  • Great King Street Glasgow Blend

Preise und Rahmenbedingungen der Abfüllungen

AltersrangeKeine Angabe
Preise£30-£200
Alkoholstärke40% – Cask Strength
Anzahl DestillerienVerschiedene Destillerien aus allen Regionen Schottlands
RegionenCampbeltown, Lowland, Islay, Speyside, Highlands & Islands
Abfüllungen / JahrKeine Angabe
Abfüllungen seit GründungKeine Angabe
Abfüllanlage und WasserBroxburn Bottlers, nähe Edinburgh

Fässer und Wood-Policy

Allzu viele Informationen wollte und konnte Katy nicht preisgeben. Compass Box besitzt keine eigenen Lagerhäuser. Wo die Fässer lagern und welche das sind und vor allem wie viele, wurde nicht verraten. Für Fässer, die man selber mit New Make abfüllt, arbeitet Compass Box mit Fassmachern in Schottland und Spanien zusammen und stellt so eine strikte Wood-Policy sicher.

Auswahl und Tasting Panel

Viele UAs haben einen ausgewählten Personenkreis, der eine „ausgebildete Nase“ hat. In einem solchen Tasting Panel werden dann nach hauseigenen Spielregeln Whiskys ausgewählt und/oder beschrieben.

Bei Compass Box sind für die Auswahl immer 3-4 Personen zuständig, u.a. auch John Glaser.

Katy, wie kreiert Ihr das nächste Produkt?

Katy: „We believe that there is no single way to create, and that inspiration can come from anywhere. Sometimes a new whisky idea comes from a special parcel of whisky we come across. Other times we take inspiration from another whisky or a different category altogether like wine or beer. Or it could start from an amorphous concept in the mind of our whiskymaker.

Blending Room
Blending Room

Ich habe auch noch Mal ausdrücklich nachgefragt, was mit einem Fass passiert, dass sich nicht so entwickelt, wie man es sich wünscht und der Whisky in dieser Form nicht abgefüllt werden kann. Hier ist die Antwort von Katy: „We seek and sample the best individual casks for our whiskies from about a dozen different distilleries.  Almost every single cask we use has been hand-selected for quality, so we don’t purchase a cask that isn’t up to our standards.  We are very picky about the mature whiskies we buy.

Besonderheiten

Hier ist nun der Platz, an dem sich der UA selber ins beste Licht rücken darf.

Katy, was macht Compass Box so besonders? 

Katy: „We believe that our approach to creativity and the resulting variation of styles and flavours in our range is unique in the industry. In an industry that remains steadfastly committed to ‘the way we’ve always done things,‘ at Compass Box we focus relentlessly on creativity, process innovations and exploring what Scotch whisky can be.“

Ihr habt das Wort „Whiskymaker“ erfunden. Was versteht Ihr darunter?

Katy: „Whiskymaker’ is a word we invented – you won’t find it in any dictionary.
To us, a Whiskymaker is someone who feels a need and an obligation to make things better – to ask questions, to challenge, to experiment. When it comes to whisky and its enjoyment, we keep our minds open to new possibilities – new production processes, new combinations of flavours, new ways of sharing and enjoying great whisky.

Ich möchte hier ausnahmsweise mal eine eigene Meinung ergänzen. Für mich ist es sehr außergewöhnlich, mit welcher Energie das Unternehmen versucht möglichst viel Transparenz für den Verbraucher herzustellen. Gegen alle Widerstände der großen Konzerne und der SWA. Schaut Euch die Detailinformationen zu den einzelnen Abfüllungen an. Hier habe ich auch schon mal über die Transparenz-Kampagne berichtet: Ist Transparenz bei Scotch Whisky verboten?.

Empfehlung von Compass Box

Auf die Frage, welche Flasche aus dem aktuellen Sortiment besonders zu empfehlen ist, antwortete mir Katy: „Our extensive range of whiskies covers the full spectrum of flavour Scotch whisky offers – from light, delecate and elegant to big, smoky and peaty. We encourage people to explore our blends to find the whisky for them, whatever style they appreciate and however they prefer to drink it.

Das meint die Maltkanzlei

Damit Ihr nicht nur meine Meinung zu den UAs bekommt, habe ich Dirk von der Maltkanzlei um seine Unterstützung gebeten. Dirk hat viele Abfüllungen von unabhängigen Abfüllern probieren können.

Dirk, was hältst Du von den Abfüllungen von Compass Box?

Dirk: „Compass Box unterscheidet sich naturgemäß signifikant von den UAs, zu denen ich hier an dieser Stelle zuvor meine Meinung beitragen durfte. Es sind eben Blends und keine Single Malts, die kreiert und vermarktet werden. In der Konsequenz besitze ich keine einzige der Abfüllungen – abgesehen von zwei Flaschen ‚The General‘, der aber auch eine Sonderstellung einnimmt. Warum keine Blends? Es ist ganz einfach. Ich habe für mich immer versucht, das Hobby halbwegs handhabbar zu gestalten. Einer der Parameter ist dabei die Beschränkung auf Single Malts. Hat das etwas mit Qualität zu tun? Ganz sicher nicht. Ich bewundere die Arbeit, die John Glaser bei Compass Box macht. Für meinen Geschmack entstehen dort ausgezeichnete Whiskys, die ihren Preis haben, sich aber vor vergleichbaren Single Malts auf keinen Fall verstecken müssen. Ein Blend ist halt sehr viel mehr vom Geschick des Blendmasters abhängig als etwa ein Single Cask Malt von der Kunst des jeweiligen Brennmeisters. Toll finde ich das Thema Transparenz. Klar, ein Whisky muss primär schmecken, alles andere ist zweitrangig. Aber wenn man ein wenig am Produkt und dem dahinter stehenden Verfahren interessiert ist, dann ist Transprenz hoch interessant. Verstehen, was man trinkt, woher es kommt, welchen Einfluss einzelne Komponenten möglicherweise auf den Geschmack haben können. Herrlich! John Glaser hat es vorgemacht, Adam Hannett und Bruichladdich haben den Weg mittlerweile ebenfalls beschritten, es kommt beim Kunden an und deshalb werden andere folgen. Eine sehr begrüßenswerte Entwicklung. Schaue ich meine Notizen durch, welche der Compass Box Abfüllungen mir in den letzten Jahren gefallen haben, so sticht der bereits erwähnte ‚The General‘ aus 2013 hervor. Ich habe Anfang 2014 an einem großen Blindtasting mit, wie sich dann später herausstellte, hervorragenden (!) Whiskys aus Schottlands namhaftesten Brennereien teilgenommen. 7 Single Malts, 2 Blends, einer war der ‚The General‘, den ich geschmacklich blind für einen uralten Glenfarclas gehalten hatte. ‚Family Cask 1960s…?‘ lautete mein etwas ratloser Eintrag auf dem Zettel. Ein fantastischer Whisky, den ich jedem Enthusiasten nur wärmstens empfehlen kann und der schon in der Nase jegliche Bedenken gegenüber Blends abprupt verstummen lässt. Ein echter Riese. Seinerzeit mit etwa 225,- EUR nicht geschenkt, drei, vier Jahre später würde er es nicht einmal mehr in die Regale schaffen. Die Zeiten ändern sich. Die ‚Flaming Hearts‘ sind vom Preis-Leistungs-Verhältnis meine Favoriten gewesen. Compass Box ist nie billig, aber dafür bekommt man auch Qualität. Hier bei den Flaming Hearts trifft die Qualität aber auf einen, wie ich meine, ausgesprochen fair kalkulierten Preis. Auch erstaunlich gut fand ich den ‚Circus‘, der ja in der Community recht kontrovers gesehen wurde. Hat mir auch etwas nicht so gut gefallen? Hmmmh… ja, der Preis des ‚This Is Not A Luxury Whisky‘ und das Geschmackserlebnis passten für mein Empfinden nicht so wirklich, obwohl der Luxury auch beileibe kein schlechter Whisky war. Klar ‚Daumen hoch‘ aus der Maltkanzlei für die Arbeit von John Glaser und dem Compass Box Team! 

Slàinte aus der Maltkanzlei.

Vielen Dank Dirk für Deine Meinung!

Mein Fazit

Mein erster und bisher einziger Whisky von Compass Box war der „The Spice Tree“. Dies war lange bevor ich angefangen habe, über Whisky zu schreiben oder mir Notizen zu machen. Aber auch damals gehörte dieser Blended Malt zu den teureren Whiskys. Wie Dirk schon ausgeführt hat, ist Compass Box kein typischer UA wie die anderen, die ich in dieser Reihe bisher betrachtet habe. Man kreiert Blended Malts, Blended Whiskys und Blended Grains. Keine Single Malts Abfüllungen, keine Single Casks. Der Fokus liegt auf dem kreativen Prozess eines Whiskyblenders und dem Erzeugen von besonderen Geschmackserlebnissen. Besonders gut finde ich bei Compass Box das Thema TRANSPARENZ (Ist Transparenz bei Scotch Whisky verboten?).

Von mir bekommt Compass Box eine klare Empfehlung! Hier findet Ihr alle Artikel zu Compass Box.

Den Hintergrundartikel und die Links zu den anderen Artikeln findet Ihr hier: Whisky-Wissen: Unabhängige Abfüller – was steckt dahinter und welche gibt es?.