Tasting: St. Kilian TWO in seine Einzelteile zerlegt

Der zweite Single Malt Whisky von der deutschen Brennerei St. Kilian ist erschienen und nennt sich TWO. Zusammengesetzt aus drei verschiedenen Fassgrößen mit Amarone. Ich darf die Einzelteile probieren und das fertige Produkt. Unterscheiden sich die Einzelteile, nur weil es unterschiedlich große Fässer waren? Mal sehen.

Im Überblick

Amarone ist ein Rotwein aus der italienischen Region Valpolicella. Alle Bestandteile des TWO sind vollständig in ehemaligen Amarone Fässern gereift. Und St. Kilian hat uns auch verraten, wie der TWO zusammengesetzt wurde.

Die verwendeten Fässer

  • #1: Ex Amarone , 325 Liter, 61%
  • #2: Ex Amarone, 225 Liter, 36%
  • #3: Ex Amarone, 50 Liter, 3%

Der fertige Single Malt Whisky

  • St. Kilian, TWO, 54.2%, 0.5 Liter, ca. 42.- EUR

Meine Tasting Notes

#1 – 325

  • Nase: Süße fruchtige Rotweinnote. Leicht und dazwischen eine malzige Note. Würzig. Pfirsich. Das erinnert mich an einen süßlichen Wein aber noch nicht so sehr an Whisky. Mal sehen, wie die Probe schmeckt.
  • Geschmack: Pfeffrig auf der Zungenspitze. Malzig und fruchtig, aber würziger als in der Nase.
  • Abgang: Pfeffer und Frucht bleiben noch lange.

#2 – 225

  • Nase: Nun bin ich überrascht. Deutlich anders. Der Rotwein ist dabei, aber deutlicher weniger. Birnen. Reifer, erwachsener und Whisky blitzt auch durch.
  • Geschmack: Etwas säuerlicher und flacher. Deutlich weniger Würzigkeit.
  • Abgang: Leicht, kurz und nicht besonders aussagekräftig.

#3 – 50

  • Nase: Knallig und würzig. Kommt mir deutlich kräftiger vor als die anderen beiden Proben obwohl sie alle mit der gleichen Stärke abgefüllt wurden. Erinnert mich ein wenig an Sherry mit fruchtigen Noten, Leder und Tabak. Erdbeeren in einer Bowle.
  • Geschmack: Auch hier erst der Pfeffer, aber dann wird er sanft und cremig. Schokolade und Haselnusscreme.
  • Abgang: Sanft und dann kommt ein wenig von der Würze. Ein wenig metallisch.

TWO

  • Nase: Malzig und würzig, wie ich es von dem ONE kenne. Menthol. Süße Früchte. Eine schöne Mischung aus den doch sehr unterschiedlichen Fässern. Die Süße aus dem 325 wird durch den 225 ein wenig im Zaum gehalten. Der 50 gibt dem Ganzen den Kick.
  • Geschmack: Malzig und der Rotwein ist da, unterspielt mit Menthol. Sahnebonbons? Vielleicht ein wenig. Aber auch hier kommt erst mal der Pfeffer zum Vorschein. Cremig und nussig. Schokolade und würzig.
  • Abgang: Menthol. Kirsche blitzt ein wenig auf. Dann trocken und würzig mit leichter Eiche und zum Schluß ein wenig von dem Rotwein.

Fazit

Ich bin überrascht wie unterschiedlich die drei Fassproben ausfallen. Noch mehr überrascht bin ich aber, wie man aus diesen drei Einzelteilen zu einem harmonischen Ganzen kommt. Und auch das Mischungsverhältnis ist spannend, denn nur mit 3% aus dem 50 Liter Faß ist den anderen beiden eine deutlich andere Richtung mitgegeben worden.

Ich bin nicht so der große Freund von „Finishings“. Der TWO ist über seine gesamte Reifezeit in den Fässern verweilt. Viel Wein und wenig Whisky. Den Vergleich der Einzelteile finde ich sehr spannend und das Endprodukt gelungen. Wer Whisky aus Weinfässern mag, wird auch den TWO mögen.

Den ONE habe ich auch probiert: St. Kilian One – ein deutscher Whisky nach schottischem Vorbild