Tasting: St. Kilian One – ein deutscher Whisky nach schottischem Vorbild

Mit deutschem Whisky kann ich meist nicht viel anfangen, denn er erinnert mich an deutsche Obstbrände und ist meist sehr „rein“. Die gereiften Spirit Drinks von St. Kilian fand ich aber interessant und so freue ich mich darauf, den ersten Whisky von St. Kilian probieren zu können.

Am 10. Mai wurde er der Presse vorgestellt, da war ich aber noch in Schottland und konnte den allseits gelobten Event nicht miterleben. Aber nun hat mich eine Probe des neuen St. Kilian One erreicht und ich muss ihn probieren.

Im Überblick

  • St. Kilian, ONE, deutscher Single Malt Whisky, 0.5l, 45%, UVP 38.90 EUR

Es ist nur ein halber Liter, aber in einer sehr schönen Flasche, die einer Potstill nachempfunden ist. Die ausgewählten Fässer sind prozentual angegeben:

  • Ex Bourbon: 37%
  • Ex Martinique Rhum: 37%
  • Ex PX Sherry: 18%
  • Kastanie: 5%
  • Ex Bourbon Quarter Casks: 3%

Du hast richtig gelesen: Kastanie! In Schottland ist das für die Herstellung von Whisky nicht zulässig, in Deutschland schon. Das ist ein bunter Fass-Mix und ganz das Gegenteil von dem, was man von einem jungen deutschen Whisky erwartet. Aber bei St. Kilian produziert man nicht nur nach schottischem Vorbild (Washbacks und Potstills nach schottischem Vorbild), sondern man geht auch eigene Wege. Die Kastanie und das bunte Mix sind dabei wohl nur ein kleiner Anteil. Jetzt bin ich aber auf das Produkt gespannt…

Tasting Notes

Offizielle Notes

  • AUSSEHEN: Goldgelb
  • GERUCH: Süße Fruchtnoten von Birne, karamellisiertem Apfel und Mango mit sanften Aromen von Malz und Sahnebonbons
  • GESCHMACK: Weich und mild-fruchtig, dann eine ausgewogene Würze und ein malziger Abschluss

Meine Notes

  • Nase: Nimmt man eine kräftige Nase nachdem man das Glas frisch geschwenkt hat, dann bekommt man Alkohol und eine leichte Klebstoffnote. Wartet man aber einen kleinen Moment, dann ist der an der Nase frisch und leicht. Passend zur Hitze. Buttertoffee und Heidehonig. Karamell und Vanille. Doch auf der anderen Seite auch schon recht komplex. Verändert sich im Glas, auch wenn die kräftigen Aromen mit ihrer Süße präsent bleiben. Ich finde auch immer wieder etwas Birne und Aprikose. Im Hintergrund lauern ein wenig Menthol und Frühstückszerealien. 
  • Geschmack: Erst süß, dann ein wenig schwarzer Pfeffer auf der Zungenspitze. Birne. Honig. Gewürze. 
  • Abgang: Leichter Abgang, der mit der Zeit trocken wird. Ein wenig Eiche kommt zum Vorschein. 

Fazit

Das junge Alter merkt man ihm zwar an, aber er kommt mir deutlich älter als ein dreijähriger Whisky vor. Das liegt vermutlich an der komplexen Fassauswahl, die ihm zusätzliche Tiefe gibt und mehr Reife suggeriert. Sehr gelungen. Der gehört zu den ersten deutschen Whiskys, die ich probiert habe und die mir schmecken, denn ich mag komplexe Whiskys….

Meinen Eindruck zu den Spirit Drinks findet Ihr hier: Tasting: 3x St. Kilian – The Spirit of St. Kilian

Danke an St. Kilian und Michael Holzapfel für die Probe!