Tasting: Mortlach Challenge

Als Mortlach Fan bin ich auf der Suche nach meiner Lieblingsabfüllung. Bisher ist es die von G&M, aber jetzt habe ich die Möglichkeit drei weitere Abfüllungen direkt damit zu vergleichen. Die vier Single Malts sind von verschiedenen Abfüllern und bewegen sich zwischen 60.- (mein bisheriger Liebling) und 310.- EUR. Wer gewinnt die Herausforderung?

  • Gordon & MacPhail, Mortlach, 15yo, Distillery Label, ncf, nca, 43%, ca. 60.- EUR
  • Diageo (OA), Mortlach, 18y0, 0.5l, ca. 180.- EUR
  • SMWS, Mortlach, 76.100, 19yo, Cherry Walnut Loaf, 214 Flaschen, ncf, nca, SC, CS, 58.1%, ca. 90.- EUR
  • SMWS, Mortlach, 76.137, 30yo, Complete Nirvana, 180 Flaschen, ncf, nca, SC, CS, 50.5%, ca. 310.- EUR

ncf = no chill-filtration (keine Kältefiltration), nca = no color added (ohne Zusatz von Zuckerkulör), CS = Cask Strength (Fassstärke), SC = Single Cask (Einzelfass)

Meine Challenge

Mortlach hat einen sehr eigenen Charakter und den mag ich. Allerdings habe ich mich beim Probieren verschiedener Abfüllungen immer schwer getan, DEN Mortlach zu finden, der mich begeistert.

Meine bisher beste Abfüllung ist die 15-jährige von G&M. Die aktuelle Serie von Diageo als Originalabfüllungen in 0.5 Liter Flaschen konnten mich bisher nicht überzeugen. Nicht geschmacklich und erst recht nicht vom Preis-Leistungs-Verhältnis. Allerdings habe ich mir die auch nie ernsthaft vorgenommen, sondern nur direkt auf einer Messe probiert. Demnächst soll es hier (lt. TTB-Datenbank) evtl. auch neue Abfüllungen geben.

Als SMWS Mitglied und -Fan habe ich mir zum Geburtstag eine 35-Jahre-SMWS-Jubiläumsabfüllung gegönnt und will mir erneut einen Überblick verschaffen. Damit ich nicht nur meinen Liebling mit meiner Geburtstagsflasche vergleiche, hat mir ein Freund mit einer Probe der OA (danke Kai) und ein weiterer mit einer jüngeren und günstigeren Probe der SMWS (76.100, danke Karsten) ausgeholfen.

Tasting Notes – G&M

Offizielle Notes

  • Aroma: Initially sweet, fresh, and fragrant with a distinct malty nose. Citrus elements develop – fresh orange peel. Well rounded.
  • Taste: More subtle sweetness with hints of candied fruits. A rounded Sherry edge is evident and some raisin and sultana notes emerge. Aroma with Water Malty and fresh on the nose with a subtle sweetness present; defined Sherry influences and a hint of chocolate and orange linger in the background.
  • Taste with Water: Light and very delicate with a subtle malty edge with a rounded Sherry influence and a hint of vanilla. Slightly mouth warming. Body Light to medium.
  • Finish: Long and delicate.

Meine Notes

  • Nase: Lacht mich ruhig aus, aber typischerweise habe ich hier eine fleischige Note zum Anfang. Kalter Schweinebraten. Mit ein wenig Geduld und etwas Luft kommen dann die süßen und fruchtigen Aromen zum Vorschein. Orangenschale. Vanille. Im Hintergrund lauern erdige und malzige Noten. Leder und Minze. Die Zitrusnoten verstecken sich bei mir ein wenig hinter der Minze. Ich habe den jetzt über eine Stunde mit Deckel drauf stehen lassen und jetzt ist der sowas von süß. Ein Bonbonladen ist nichts dagegen.
  • Geschmack: Für nur 43% hat der einen kräftigen Antritt. Leder und Orangenschale. Dann ein wenig süße Sherryfrüchte. Pflaumen. Schokolade.
  • Abgang: Die Schokolade verbindet sich mit den Früchten und dem Leder und hält mit Minze lange an.

Tasting Notes – OA

Offizielle Notes

  • Nose: Delicate at first with the light fruity aroma of fresh green apples, giving way to a savoury core suffused with candied sweetness.
  • Palate: Cautious and creamy at first, with flashes of intense sweetness before an espresso coffee note develops. This is Mortlach at its most robust.
  • Finish: Coating, with a sparkling bitter-sweetness as found in a traditional cloudy lemonade. Ultimately drying and warming.

Meine Notes

  • Nase: Auch hier habe ich erst Mal die fleischige Grundnote. Dann kommt gekochtes/gebackenes Obst. Apfelkuchen. Der braucht Luft zum Atmen – mit meinem Deckel drauf bewegt der sich nicht weiter. Mit Luft und Umdrehungen wird er ein wenig süßer. Nach einiger Zeit finde ich hier metallische Noten.
  • Geschmack: Leichte Süße mit einem Schuß Milch. Dann kommen Fruchtnoten und die Süße wird stärker. Die Kaffeenote kann ich nachvollziehen, aber das erinnert mich eher an die geröstete Kaffebohne.
  • Abgang: Kaffee und ein wenig Eiche.

Tasting Notes – SMWS 76.100

Offizielle Notes

Refill Ex-Sherry Butt

  • Nose: We were greeted by a wonderful complex nose neat; sun soaked raisins, sticky toffee pudding, honeyed cashew nuts and three fruit marmalade. With time we were rewarded with aromas of slightly burned cinnamon toast and a cherry walnut loaf.
  • Taste: The taste does not disappoint, very chewy like a cinnamon stick and sweet with a hint of bitterness – Brazil nuts covered in dark chocolate
  • Finish: in the finish a mild Indian curry mix.
  • With water: Be very careful adding water; the nose initially turns slightly soapy and sour before sweeter notes of milk chocolate, Madeira cake and scented wood replace it. The taste is now that of oranges and after dinner mints, it melts in your mouth. One Panel member described this sample from the oldest distillery in Dufftown as very ‘unctuous!’

Meine Notes

  • Nase: Kräftige Sherrynote mit ein wenig Linoleum. Der hohe Alkoholgehalt macht sich an der Nase bemerkbar. Nachdem der Alkohol etwas verflogen ist, finde ich auch hier die fleischige Note. Aber viel dezenter, denn die Sherryfrüchte sind dominant. Kirschen und Nuss.
  • Geschmack: Der hat Kraft. Die Nüsse mit Schokomantel passen ganz gut als Beschreibung.
  • Abgang: Chilli und Minze über den süßen Früchten. Das indische Curry passt ganz gut, aber keine Mangos und keine Bananen.

Tasting Notes – SMWS 76.137

Offizielle Notes

Refill Ex-Bourbon Hogshead

  • Nose: We were sunbathing by a private mimosa-surrounded pool, box of expensive cigars, cappuccino, croissants and blossom honey – nothing could burst this bubble.
  • Taste: On tasting, we were instantly sophisticated and in perfect harmony with the world – juicy tropical fruits, orange blossom, dark chocolate thins and a hand-rolled Cuban – complete nirvana.
  • With water: Water brought balm to any troubled soul – orange oil, bergamot, juniper and pot-pourri – aromatherapy in a glass! After a long, meditative time with the whisky constantly developing, we were left floating in a perfumed, mellow and relaxing place, Beethoven’s Moonlight Sonata drifting over Lake Lucerne.

Meine Notes

  • Nase: Sanfter an der Nase als der 76.100. Viele schöne Fruchtnoten. Nach einiger Zeit kommen Gartenkräuter zum Vorschein. Tabaknoten und Vanille. Auch hier ein wenig Kaffeebohne.
  • Geschmack: Vergleichbar sanft im Antritt. Süß und fruchtig. Ananas. Rund und ausgewogen mit exotischen Früchten und einem Hauch von Schokolade.
  • Abgang: Auch der Abgang ist angenehm rund und sanft. Eine schöne fruchtige Eichennote bleibt.

Fazit

Das ist schwierig. Die OA ist erst Mal raus. Nicht so schlimm, wie ich sie in Erinnerung habe, aber „nothing special“. Da haben die unabhängigen Abfüller eindeutig die Nase vorn. Der 76.100 hat einen kräftigen Sherryeinfluss und lässt mir zu wenig vom Brennereicharakter übrig. Wenn mir einer erzählt hätte, dass der 76.137 aus dem Sherryfass kommt, hätte ich das geglaubt. Eine richtige schöne Ex-Bourbon-Lagerung. Die 30 Jahre haben ihn trotz der hohen Alkoholstärke sehr rund gemacht und nicht zu viel Eichenaroma gebunden. Das ist mein bisher bester Mortlach, aber der G&M bleibt mein Preis-Leistungs-Sieger.