Tasting: Diageo SR 2017 – Lagavulin vs. Caol Ila (1/5)

Die neun Proben der Diageo Special Releases werde ich in fünf Etappen verkosten. Heute zwei Single Malts von Islay: Lagavulin 12yo gegen den älteren Caol Ila 18yo. Welcher gefällt mir besser? Setzt sich meine Vorliebe für Lagavulin durch oder kann sich der Caol Ila behaupten?

Das sind die beiden Abfüllungen aus dem Special Release 2017:

  • LAGAVULIN, 12yo, 56.5%, Islay, Refill American Oak Hogsheads, Limited, 88.95 GBP
  • CAOL ILA, 18yo, 59.8%, Islay, Refill American Oak Hogsheads, Limited, 98.95 GBP

Beide sind wohl nicht „sonderlich“ limitiert, denn einige der anderen Abfüllungen haben bereits mehr als 5.000 Flaschen und da ist die Anzahl angegeben.

Meine Notes – die beiden Abfüllungen im Vergleich

Lagavulin gehört zu meinen Lieblingsdestillerien und Caol Ila hat es meist schwer bei mir. Ein ungerechter Vergleich? Mal sehen.

Lagavulin

  • Nase: Kräftiger Speckrauch an der Nase. Verändert sich über die Zeit. Der Rauch bleibt, aber das speckige darin nimmt ab und geht eher über in ein Lagerfeuer. Dahinter finde ich erdige, grasige Noten. Auch fruchtige Noten von Äpfeln und süßen Birnen sind dabei. Mit Wasser kommt Lemon in den Vordergrund.
  • Geschmack: Kräftig. Kommt langsam mit dem Prickeln aus der Zungenmitte. Ein wenig Lakritze. Süß und erdig. Mit Wasser kommt mehr Rauch und mehr Speck. Wird mit der Zeit richtig ölig.
  • Abgang: Jetzt kommt Rauch und bleibt lange. Süßer Ausklang mit ein wenig Eiche. Mit Wasser: Menthol.

Der erinnert mich ein wenig an eine Mischung aus einem alten Lagavulin mit seiner Rauchigkeit und gleichzeitig an einen noch unreifen, wilden, jungen 8-jährigen mit viel Menthol.

Caol Ila

  • Nase: Der ist deutlich süßer und ohne Speck. Ich bin positiv überrascht. Toffee und Vanille. Nein, der Speckrauch kommt auch hier, aber erst nach ein wenig Zeit. Fleischig. Und dann wieder brauner Rohrzucker. Mit Wasser mehr Menthol.
  • Geschmack: Auch der prickelt ein wenig aus der Zungenmitte kommen. Süß. Aber auch gleichzeitig bitter und salzig. Hagelzucker, süße Candies. Birne. Und dahinter merkt man die Kraft der fast 60%. Mit Wasser verliert er die Süße, die ihm so gut stand.
  • Abgang: Würzig und bitter. Orangenschale. Mit Wasser auch hier Menthol und ein Prickeln bleibt auf der Zunge zurück.

Das ist nicht der klassische Caol Ila. Wasser kann man machen (das klappt nicht immer bei Caol Ila), bringt aber bei der Fassstärke erst Mal Menthol in der Vordergrund.

Fazit

Das Rennen ist anders ausgegangen, als ich erwartet habe. Der Caol Ila hat mir besser gefallen. Er ist auch sechs Jahre älter. Gegen einen 18-jährigen Lagavulin hätte er wohl keine Chance gehabt, aber der Caol Ila ist runder und bringt sehr viele süße Aromen mit, die ihm gut stehen. Gefällt mir. Beide haben mir ohne Wasser besser gefallen.

Obwohl die beiden die günstigsten aus der diesjährigen Special Release sind, würde ich mir keinen von beiden kaufen. Wenn, dann wäre es wohl der Caol Ila. Vielleicht wird sich Diageo ja in 2018 untreu und füllt mal einen älteren Lagavulin ab. Das wäre mal was….

Weitere Informationen

Die Special Releases 2017 habe ich in einem Leitartikel vorgestellt. Dort findet Ihr auch die offiziellen Verkostungsnotizen sowie die Links auf meine anderen Verkostungen: Tasting: Diageo Special Releases 2017 mit offiziellen Tasting Notes.

Vielen Dank an Thomas Plaue für die Proben!