Tasting

SMWS 112.59 – neue Deutschland Exklusivabfüllung

Im Januar hat die SMWS wieder mal nach Freiwilligen gesucht, die aus drei Proben blind die nächste Exklusivabfüllung für Deutschland auswählen. Ab Montag 21.09.2020 wird der Inchmurrin mit der Nummer SMWS 112.59 nun verkauft. Karsten war einer der Freiwilligen und auch ich habe die Tage eine Probe erhalten. Hier unsere Eindrücke.

Im Überblick

  • SMWS 112.59, „Kaffeepause in der Möbelfabrik„, ncf, nca, SC, CS, 63.2%, 13yo, 251 Flaschen, 55.80 GBP

ncf = no chill-filtration (keine Kältefiltration), nca = no color added (ohne Zusatz von Zuckerkulör), CS = Cask Strength (Fassstärke), SC = Single Cask (Einzelfass)

Auswahlverfahren

Karsten, wie lief das ab mit dem Auswahlverfahren?

Karsten: „Als im Januar diesen Jahres die SMWS ihre deutschen Mitglieder dazu aufrief, sich an einer Verlosung zur Auswahl einer Sonderabfüllung nur für Deutschland zu beteiligen, dachte ich mir: Warum nicht, kost‘ ja nix. Also flugs meine Daten eingegeben und ab die Post. Die Überraschung kam dann einige Wochen später, als die gezogenen Namen bekannt gegeben wurden. Tatsächlich stand mein Name mit auf der Liste und meine Freude war entsprechend gross. Ein paar Tage später bekam ich ein Päckchen mit den drei zu verkostenden Probanden und einer kurzen Anleitung.

Die Farben der drei Kandidaten waren schon mal sehr unterschiedlich und vielversprechend. An einem ruhigen Abend startete ich also meine Verkostung. Ich goss mir von jedem Sample etwas in die bereitstehenden Gläser und liess den Tropfen noch einige Minuten Zeit sich im Glas zu öffnen. Der erste Kandidat war auch gleich mein Favorit und hat bei mir und letztlich auch bei allen Panel-Teilnehmern das Rennen gemacht. Wobei ich für mich auf einen Glen Moray aus einem Weisswein Fass getippt hätte und nicht auf einen Inchmurrin, der in einem ausgekohlten Eichenfass gelegen ist.

Tasting Notes SMWS 112.59

Karsten Blindsample / Panelteilnahme

Hier meine damaligen Verkostungsnotizen, die ich so auch an die Society gesendet habe:

  • Farbe: bernsteinfarben
  • Nase: feuchter Waldboden nach einem Regenguss, frisches Harz, welches aus Baumrinde hervorquillt, Kräuter, ein wenig Rosmarin, würzig
  • Geschmack: dunkle Herrenschokolade, starker ungesüsster Espresso, leicht holzig, Tannine, die von einem Weisswein kommen könnten, trocken im Abgang, aber nicht unangenehm, ledrig und leicht bitter
  • mit Wasser / Nase: verliert an Intensität und Charakter, leicht parfümiert / Geschmack: keine Ecken und Kanten, nicht mehr so bitter und holzig

Karsten neu

Aus gegebenem Anlass habe ich mich heute dann entschlossen, den 13-jährigen Inchmurrin mit dem sinnigen Namen „Kaffeepause in der Möbelfabrik“ noch einmal zu verkosten, da die Society den Teilnehmern des German Member Panel durch Matthias Rech noch ein Sample vom 112.59 hat zukommen lassen. Vielen Dank dafür.

SMWS 112.59
Sample SMWS 112.59, (c) Karsten Kirschner

Hier also meine aktuellen Tasting Notes, die zugegebenermassen etwas voreingenommen sein dürften, da ich die Eckdaten ja nun kenne. Da beim ersten Tasten die Zugabe von Wasser den Whisky hat wässrig und glatt werden lassen, habe ich dieses Mal auf die Zugabe von Wasser verzichtet.

  • Kurz nach dem Einschenken entsteigt dem Glas schon eine leicht leimige Note, wie als wenn ein wenig Grain Whisky mitspielt. Nachdem er ca. 10 min im Glas verweilte, hatte ich wieder den feuchten Waldboden. Irgendwie erinnert mich die Nase an alte 35er Abfüllungen mit Weisswein-Finish, mit den leicht schmutzigen und würzigen Anklang. Daher wahrscheinlich auch meine Assoziation mit Glen Moray beim ersten Verkosten. Irgendwann entsteigt dem Glas dann noch ein leichter Duft nach Milchschokolade, sanft und sehr verlockend.
  • Der erste Schluck brachte eine herbe Holzigkeit und Würze mit, die 63.2% vol. sind deutlich vorhanden, nicht so sehr auf der Zunge, aber hintenheraus am Gaumen. Ein wenig geraspelte Orangenschale und ein kräftiger Espresso vervollständigen das Profil dieser Abfüllung. Auch diese Ledernote habe ich wieder, sowohl in der Nase als auch auf der Zunge.
  • Der Abgang ist ziemlich lang und hinterlässt einen trockenen Gaumen.

Peter

  • Nase: Feuchte Sägespäne und feuchtes Papier. Dann ein alter Ledersessel. Dunkle Früchte wie Kirschen und Feigen mit etwas Kaffee. Mit der Zeit ein wenig Eiche. 
  • Geschmack: Oh was ist das denn für eine Fruchtexplosion mit ein wenig Pfeffer. Deutlich sanfter als erwartet. Orangenlimonade mit sehr wenig Zucker. 
  • Abgang: Auch hier sehr sanft. Ein wenig Kirsche und Tabak. 
  • Wertung: +

Mein Bewertungsschema

Bewertet wurde(n) die Probe(n) nach folgendem einfachen Schema und rein auf Basis des persönlichen Geschmackes:

+gefällt mir, würde ich mir kaufen
ook/gefällt mir, muss ich aber nicht haben
trifft nicht meinen Geschmack

Was Du bei einer Verkostung beachten solltest und wie ich dabei vorgehe findest Du übrigens hier: Whisky-Wissen für Einsteiger. Und: wenn ich einen Whisky zur Verkostung zur Verfügung gestellt bekomme, ändert dies nichts an meiner Bewertung. Ich versuche immer fair zu bewerten, sage aber auch, wenn der Whisky nicht meinen persönlichen Geschmack trifft.

Fazit SMWS 112.59

Was meinst Du zu der Abfüllung Karsten?

Karsten: „Da hat die Society ein richtig gutes Fass ausgewählt, eine Flasche von dem Inchmurrin habe ich mir schon bestellt. Eine schöne Abfüllung nach der eher mittelprächtigen letzten DE-Abfüllung, dem 66.158. Der Ardmore wurde ja damals sehr ambivalent aufgenommen. Mal sehen wie es bei dieser Abfüllung wird, ich denke aber, dass er auf breitere Zustimmung stossen wird als der Ardmore seinerzeit. Meiner Meinung nach sollte Name erweitert werden zu Kaffeepause in der Möbelfabrik, in der Baumharz statt Holzleim verwendet wird.“

Karsten hatte wie die restlichen Panel-Teilnehmer schon die Möglichkeit, sich vorab ein Flasche zu bestellen. Ich werde mir auch eine bestellen, denn mir hat er richtig gut gefallen und für den Preis sicher kein Fehlkauf. Haltet die Augen am Montag auf – ich würde vermuten ab 10:00 Uhr bei der smws.com!

Weitere Informationen:

Danke an Karsten für seine Mithilfe und an die SMWS und Matthias Rech für das Sample!