Online Tasting: Highland Park 15yo Viking Heart

Seit Ende September ist er erhältlich: Highland Park 15yo Viking Heart. Ich hatte die Möglichkeit, über die Rückkehr des 15-jährigen Highland Park mit Brand Ambassador Martin Markvardsen zu sprechen. Dabei haben wir natürlich auch verkostet und noch ein wenig über die Ausrichtung des Produktportfolios gesprochen. Ist der neue Highland Park 15yo sein Geld wert oder nur eine weitere Wikinger Saga? Nun, ich war überrascht…

Im Überblick – Highland Park 15yo

  • Highland Park 15yo, Viking Heart, 44%, ncf, nca, ca. 93,50 EUR

ncf = no chill-filtration (keine Kältefiltration), nca = no color added (ohne Zusatz von Zuckerkulör), yo = years old (Altersangabe)

Als erstes fällt auf, dass der Highland Park 15yo statt in der sonst üblichen Glasflasche in einer weißen Keramikflasche auftritt. Auch bei den Volumenprozenten ist man mit 44% einen eigenen Weg gegangen (40% beim 10yo und 12yo, 43% beim 18yo und 46% bei 21yo und älter). Der 15-jährige ist keine Sonderedition, sondern wird wieder in die Standard Range aufgenommen und wird zumindest vorübergehend auch mit der Keramikflasche erhältlich sein. Die besondere Flasche wurde zur Feier der Wiedereinführung gewählt. Das „Viking Heart“ findest Du übrigens auf der Rückseite der Flasche.

Der 15yo wurde 2016 eingestellt, denn die Fässer wurden für den 18-jährigen benötigt. Begonnen wurde der 15-jährige einst für Sainsbury’s und nach Ende des Vertrages nach 2 Jahren noch eine Weile mit geänderter Rezeptur fortgeführt. Jetzt gibt es wieder genügend Lagerbestand. Der Relaunch ist aber keine Kopie, sondern es werden zusätzlich American Oak Fässer genutzt und eben auch die höhere Alkoholstärke von 44% unterscheiden ihn. Auch die aktuelle Zusammensetzung hat Martin verraten: ca. 25% 1st fill european oak ex-sherry, 10% american oak ex-sherry und die restlichen 65% refill Fässer. Das Mischungsverhältnis kann sich aber von Batch zu Batch etwas verschieben, um den gewünschten Charakter zu erhalten.

Highland Park 15yo Viking Heart

Leider habe ich Highland Park noch nicht besuchen können, aber probiert habe ich schon einige: Highland Park auf fosm.de. Mehr zu Highland Park erfährst Du auf der offiziellen Webseite.

Meine Tasting Notes Highland Park 15yo

  • Nase: Delikater Rauch und tropische Früchte mit Ananas und gezuckerten Feigen
  • Geschmack: Honig, Vanille, sanft am Anfang, dann stürmischer und die tropischen Früchte tauchen auf umrahmt von etwas Torf und Heidekraut
  • Abgang: schöner Torfrauch im Abgang mit vielen tropischen Früchten
  • Wertung: +

Die 1st fill american oak Fässer und die 44% sind laut Martin verantwortlich für die Aromen der tropischen Früchte. Das gefällt mir in der Kombination mit dem Torf.

Mein Bewertungsschema

Bewertet wurde(n) die Probe(n) nach folgendem einfachen Schema und rein auf Basis des persönlichen Geschmackes:

+gefällt mir, würde ich mir kaufen
ook/gefällt mir, muss ich aber nicht haben
trifft nicht meinen Geschmack

Was Du bei einer Verkostung beachten solltest und wie ich dabei vorgehe findest Du übrigens hier: Whisky-Wissen für Einsteiger. Und: wenn ich einen Whisky zur Verkostung zur Verfügung gestellt bekomme, ändert dies nichts an meiner Bewertung. Ich versuche immer fair zu bewerten, sage aber auch, wenn der Whisky nicht meinen persönlichen Geschmack trifft.

Das passiert bei Highland Park

Martin Markvardsen hat neben Details zum Highland Park 15yo auch ein wenig Hintergrund Informationen berichtet. Unter dem Serientitel „Wild Harmony“ wird die Standardrange in den Fokus gestellt. Die Destillerie, Orkney und die Natur sollen eine wichtigere Rolle spielen. Das bedeutet, dass es aktuell keine neuen Serien geben wird, sondern mehr von den besonderen Fässern für die Standard-Abfüllungen (10 bis 50 Jahre) verwendet werden. Neben der Standard Range wird es in nächster Zeit nur Single Cask Abfüllungen für einzelne Märkte geben.

Martin ist bereits seit 2006 Brand Ambassador bei Highland Park und hat alle diese Marketing Serien mitgemacht. Er ist zufrieden mit der Rückbesinnung auf die Standard Range, aber er hält an den Wikingern fest. Er ist schließlich Däne und die Orkneys fühlen sich ihrem Ursprung (Skandinavien) mehr zugehörig als Schottland. Deshalb und weil man mit dem Zusatz „Vikings“ ganz gut Marketing machen kann, wird Viking als Name der Abfüllungen weiterhin eine Rolle spielen.

Als lokale Gerste wird Tartan und ansonsten Laureate verwendet. Es gab ein paar Versuche mit unterschiedlichen Gerstensorten, aber die Wahl fiel auf Laureate und das obwohl man damit 12-15 Liter weniger Alkohol pro Tonne Gerste erzielen kann. Martin erzählt von den Floor Maltings und dem Torf, der noch auf Orkney (wieder) per Hand gestochen wird. Der Torf wird dabei für 18 bis 24 Stunden im Kilnofen verbrannt. Der Torfverbrauch konnte reduziert werden und das freut die Umwelt. Ursprünglich wurden 2 Tonnen Torf mit Flamme verbrannt, um 7.5 Tonnen Gerste (green malt, d.h. nach der Keimung) zu trocknen. Nun werden ohne Flamme nur noch 1.5 Tonnen benötigt. Der Jahresverbrauch liegt bei 150 Tonnen, denn der Rest wird ungetorft verarbeitet (wird von Simpsons geliefert). Highland Park hat die Erlaubnis pro Jahr 300 Tonnen Torf zu stechen.

Die getorfte Gerste hat normalerweise 40-45 ppm und wird im Verhältnis 20:80 mit ungetorfter Gerste für die Produktion vermengt. An 4-5 Wochen pro Jahr wird die Gerste aber nicht gemischt und dann wird „Heavily Peated“ produziert. Wie Martin hat anklingen lassen, könnte das in ein paar Jahren auch als Abfüllung erhältlich sein, aber aktuell sind die ältesten Fässer gerade mal 10 Jahre alt und brauchen noch ein wenig.

Fazit

Ein schöner Plausch mit Martin und eine gute Gelegenheit den Highland Park 15yo endlich zu probieren. Mir hat er sehr gut gefallen. Die Kombination aus einem besonderen Torfgeschmack verbunden mit den tropischen Früchten machen ihn spannend. Bisher war der Highland Park 18yo mein Lieblingswhisky, aber der ist zwischenzeitlich so teuer geworden, dass ich nur noch eine „alte“ Flasche übrig habe. Die ganzen Wikinger Abfüllungen waren mir ehrlich gesagt ein wenig zu viel und haben mich auch mehr abgeschreckt als angezogen. Die Rückbesinnung auf die Standardrange gefällt mir hingegen sehr gut und wenn dann auch noch ein „Heavily Peated“ irgendwann daherkommt, dann freue ich mich umso mehr.

Danke an Martin und Highland Park sowie Annabel von Headspace für die Organisation und die Probe!