Blind Tasting mit dem Blindenbus 5.0

Es wird höchste Zeit, dass ich mich selber mal wieder einem Blind Tasting stelle. Bereits im letzten Jahr fuhr der Blindenbus los und hat auch mich erreicht. Fünf Passagiere sind bei mir ausgestiegen und durch neue ersetzt worden. Habe ich einen der fünf erkannt?

Im Überblick

Blindenbus? Passagiere? Ich muss ein wenig ausholen, aber es ist ganz einfach und eine tolle Aktion! Im Forum DerWhisky.de gibt es einige Mitglieder mit tollen Ideen und eine davon ist der Blindenbus. In einer Blechbüchse, die die Form eines Busses hat, werden zehn Blind Samples auf die Reise geschickt über maximal 20 Stationen. Jeder darf höchstens 5 „Passagiere“ aussteigen lassen und muss dafür für ebenso viele neue sorgen. Die verkosteten Samples beschreibt man im Forum und bekommt danach die Auflösung. Ich war dieses Mal die vorletzte Station der fünften Ausflugsfahrt und habe fünf Passagieren eine Umsteigemöglichkeit geboten. Torfige Blind Samples werden übrigens mit einem (P) gekennzeichnet. Organisiert hat die Rundreise Carsten.

  1. Here Comes The Fire (P) von @Tom na Gruagaich
  2. Infecting The Program von @Tom na Gruagaich
  3. Man Overboard! (the dark hour of reason) (P) von @Tom na Gruagaich
  4. Miss Moneypenny von @der_ruessel
  5. 49ers von @HOK

Meine Tasting Notes

49ers

  • Nase: Mein erster Eindruck – Klebstoffnoten und frisches Fass (Virgin Oak) mit viel Würze. Obwohl er eher jung ist, kommt dann aber doch etwas Tiefe zum Vorschein. Süße mit Vanille und leicht ‚ungewöhnlicher‘ Rauch. Da kein P auf der Flasche ist, ist das aber reine Einbildung. 
  • Geschmack: Mild und leichtere Würze als erwartet. Ingwer-/Lakritzmischung.
  • Abgang: Kräftige Eiche aber auch viel Süße. 
  • Fazit: Relativ mild und würzig. Und doch schlägt eine leichte Süße mit. Das könnte ein Bourbon oder Rye sein, aber genauso gut ein (gelungener) deutscher Whisky. Ire könnte auch noch sein. Aber je länger ich daran rieche desto mehr verschlägt es mich nach Schweden: Mackmyra. 

Auflösung: Girvan 1965 Jack Wieber, 46yo, 49.1%

Nun, weder Ire noch Schwede. Und jung war er auch nicht, sondern mit 46 Jahren einer der ältesten Whiskys, die ich probieren durfte. Danke!

Infecting The Program

  • Nase: Reife Birne und grüne Äpfel. Leichte Kakaonote. Jung und frisch. 
  • Geschmack: Hier hat er schon etwas mehr zu bieten. Fängt ganz sanft an und steigert sich dann langsam. Vielleicht doch nicht so jung wie ich dachte. 
  • Abgang: Ein wenig versteckt Menthol und gedeckter Apfelkuchen. 
  • Fazit:  Ich tippe mal auf einen jungen Speysider. Mich würde nicht wundern, wenn das einer der älteren aus der C&S Reihe ist. Evtl. ein Benrinnes mit 52%.

Auflösung: Little Piggy von C&S (Glenfarclas?), Bourbonfass, 20yo, 50.6%

Mit C&S und den 52% bin ich nicht schlecht und Benrinnes und Glenfarclas liegen nicht weit auseinander (7,3 km). Aber aus dem Bourbonfass untypisch für die Destillerieabfüllungen. Und einen (jungen) Little Piggy hatte ich schon im Glas: Tasting: Little Piggy (Ballindalloch) – Ups…

Miss Moneypenny

  • Nase: Voll der reife Bananen Likör. Süß. Mit der Zeit kommen die eher typischen Sherrynoten. Der braucht etwas Zeit im Glas. Würzige Noten. 
  • Geschmack: Jung und spritzig und viel süße Banane. Ein wenig Obst. Würzig. 
  • Abgang: Hier schlägt hinter dem Menthol und der Banane die Würze eines frischen Fasses zu.
  • Fazit: Ich kenne nur einen Whisky der an der Nase dieses Bananenaroma hat: J.B.G. Münsterländer, also ca. 3-jähriger deutscher Whisky. Der hat aber um die >50% also vermutlich ein Single Cask?

Auflösung: Glenlivet, 2007, Signatory, Sherry Cask, 12yo, 65.8%

Auf einen Glenlivet wäre ich nie gekommen. Dann muss ich mir wohl merken, dass das mit der Banane auch andere machen…

Here Comes The Fire (P)

  • Nase: Da kommt erst mal viel Rauch. Dahinter etwas Ingwer. Dann etwas staubig und trocken. 
  • Geschmack: Scharf auf der Zunge. Der hat ordentlich Kraft. Wird mit der Zeit ölig. 
  • Abgang: Menthol. Trocken und Rauch. 
  • Fazit: Fassstärke mit 55% oder mehr. 10-12 Jahre. Würde mal auf Ledaig tippen. 

Auflösung: St. George, Cadenhead, 8yo, peated & unpeated, 64.6%

St. George’s habe ich bei der SMWS schon einige Male probiert und erinnern mich meist an Laphroaigs in heftigen Sherryfässern. Daran hat der mich nicht erinnert und mit fast 65% deutlich kräftiger als vermutet.

Man Overboard! (the dark hour of reason) (P)

  • Nase: Rauch und Schwefelnoten von abgebrannten Zündhölzern. Der Schwefel wird mit der Zeit immer kräftiger. 
  • Geschmack: Auch hier noch Schwefel- und Sherrynoten. 
  • Abgang: Sanft und leicht. 
  • Fazit: Kräftiger Schwefel aber wenig Prozente. Passt zwar nicht ganz, aber ich tippe auf Craigellachie mit 40% von einem unabhängigen Abfüller. 

Auflösung: Ben Nevis, Hidden Spirits, 12yo, 55.4%

Oh weh. Da hätte ich wohl den St. George nicht direkt davor verkosten dürfen. Mehr kann ich zu meiner Verteidigung nicht sagen…

Fazit

Das war wie immer eine sehr gelungene Rundreise mit dem Blindenbus. Mir hat es mal wieder gezeigt, wie wenig ich in einem Blind Tasting erkennen kann. Danke an Carsten und die anderen Teilnehmer – das hat mir wieder sehr gut gefallen und mit der Whiskyauswahl war ich sehr zufrieden.

(c) der Bilder: Whiskybase