Virtual Tasting von Raasay – 6 x Signature Cask Strength

Bereits Ende letzten Jahres ging es los mit den Virtual Tasting von Raasay. Dabei werden sechs Fassproben an die Teilnehmer versendet, aus denen der zukünftige Whisky zusammengesetzt wird. Bei diesem Tasting probieren wir uns an der Rezeptur. Die Kombination ist sehr ungewöhnlich, aber überzeugt.

Im Überblick – 6 Proben in Fassstärke

Die Fassproben haben unterschiedliches Alter und sind noch kein Whisky. Zu jedem der drei Fasstypen Virgin Chinkapin, Ex-Bordeaux und Ex-Rye gibt es ein getorfte und eine ungetorfte Variante. Das sind die sechs Standardvariationen von Raasay aus denen der Single Malt dann komponiert wird. In meinem Set waren die folgenden Proben:

  1. Virgin Chinkapin, Unpeated, 27 Monate
  2. Ex-Bourdeaux, Unpeated, 29 Monate
  3. Ex-Rye, Unpeated, 28 Monate
  4. Virgin Chinkapin, Peated, 30 Monate
  5. Ex-Bourdeaux, Peated, 30 Monate
  6. Ex-Rye, Peated, 32 Monate

Alle Proben wurden in Fassstärke (58-61%) in einem hübschen 5cl Probenfläschchen abgefüllt. In der o.g. Reihenfolge habe ich die Proben (weniger als 2cl pro Dram) verkostet. Bezahlt habe ich 54.- GBP für das komplette Set (40.- GBP ohne Versand). Mein Set ist bereits aus dem September und damit sind die Proben einige Monate jünger als die aktuellen (ca. 3-5 Monate). Wer das Tasting also jetzt bucht, der bekommt fast schon “Whisky” (muss ja mindestens 3 Jahre gereift sein).

Ablauf des Virtual Tasting von Raasay

Alle Teilnehmer haben einen Zoom-Link bekommen. Mein Tasting ging am 21.01.2021 um 20:00 Uhr los. Unsere Gastgeber das Abends waren William Dobbie (Commercial Director und Sohn eines der Gründer) und Callum, der mich 2019 durch die Destillerie geführt hat. Die meisten Teilnehmer hatten ihr Videobild an und waren auf stumm geschaltet während uns William und Callum durch die sechs Proben geführt haben. Fragen haben wir via Chat gestellt und es gab rege Beteiligung. Ich war vermutlich der einzige deutsche Teilnehmer, aber es waren auch weitere internationale Gäste aus nah und fern dabei. William hat den Part der Verkostung und der Hintergrundinformationen zum “Spirit” und späterem Whisky übernommen und Callum hat über die Destillerie erzählt, Bilder davon gezeigt und über die Entstehungsgeschichte berichtet.

Wirkung der drei Faßtypen

Der New Make wird in die drei verschiedenen Fasstypen gefüllt und reift dort die ganze Zeit, d.h. es findet kein Finishing statt. William hat uns zu den drei Typen erklärt, welchen Einfluss diese auf die Rezeptur haben sollen:

  1. Virgin Chinkapin
    Die Fässer werden mit “high char” und “high toast” vorbereitet. Durch diese Vorbehandlung soll nicht nur eine dunkle Farbe, sondern auch süßes Holz im Geschmack entstehen.
  2. Ex-Bordeaux
    Hier kommen die dunklen Fruchtnoten her. Weniger süß. Rotweinaromen. Im Abgang fügen diese Fässer Würzigkeit und Trockenheit dazu. Die Fässer kommen aktuell exklusiv aus drei französischen Weingütern: Château Margaux, Château Palmer und noch einem dritten.
  3. Ex-Rye
    Die gewünschten Aromen sind schwarzer Pfeffer und Butterscotch. Die Fässer sind auch für das gewünschte Mundgefühl zuständig. Aktuell werden nur Fässer von Woodford Reserve genutzt.

Verkostung

Ich habe vor allem auf die Unterschiede geachtet. Noch sind die Aromen nicht vollständig ausgebaut, aber dieses Tasting sollte uns ja auch mehr die Einzelteile und die Rezeptur näher bringen.

  1. Bereits sehr dunkle Farbe, süßes Holz
  2. Leicht rötlich / Rosé, schwarzer Pfeffer, geschmacklich eher dünn, weniger süß als 1), im Abgang trocken
  3. Die hellste der bisher drei Proben, der schwarze Pfeffer und die Würzigkeit sind (wie erwartet) vorhanden
  4. Analog 1) in der Farbe, noch süßer als die 1) mit Karamell, fruchtig und Torf. Ein Teilnehmer meinte “sticky bbq ribbs” – kann ich bestätigen
  5. Salzig und malzig mit Weinnoten, Torf hält sich zurück
  6. Würzig und viel Pfeffer mit Vanille und Torf. Für mich sehr spritig.

Die ersten drei ungetorften Spirits haben tatsächlich die gewünschten Noten gezeigt. Für mich war der Ex-Bordeaux nicht so überzeugend, aber der braucht einfach länger als die 29 Monate, die meine Probe hatte. Die anderen Teilnehmer waren von ihren 33 Monate alten Proben bereits sehr angetan. Die torfigen Varianten wurden aus Malz von Crisp mit ca. 48-50ppm Highland Torf hergestellt. Ferner werden die torfigen um ca. 1-2°C heißer destilliert als die ungetorften Varianten.

Rezeptur

Die Rezeptur für den Single Malt hat Alisdair Day (einer der beiden Gründer) entwickelt. Bereits beim “Raasay While you wait” wurde der gewünschte Stil nachgebildet, aber die Kombinatorik hat Alisdair wohl bei keiner anderen Destillerie gefunden. Wir haben unsere Proben in folgendem Verhältnis vermählt, um eine erste Idee zu bekommen, wie diese zusammenwirken und der spätere Single Malt werden könnte:

FasstypUnpeatedPeated
ex-Rye30%30%
Virgin Chinkapin15%15%
ex-Bourdeaux5%5%

Ich habe einiges über das Thema Blending eines Single Malts dazu gelernt, obwohl ich schon an ein paar “Deconstruction Sessions” teilnehmen durfte. Zum einen: man braucht eine gute Grundlage und arbeitet in Schichten. Bei Raasay übernimmt dies der ex-Rye. Zum anderen habe ich gelernt, dass das gewünschte “Haupt-Aroma” (bei Raasay sind das dunkle Früchte) mit dem geringsten Anteil in die Mischung kommt. Das ist hier der Ex-Bordeaux. Überraschend war für mich, dass die Anteile von Unpeated (ungetorft) und Peated (getorft) jeweils gleich waren. Das liegt aber daran, dass man einen lightly peated Whisky herstellen möchte. Verglichen zu anderen dürfte dies aber schon medium peated sein.

Fazit

Das war ein unterhaltsamer Abend und eine lehrreiche Fortbildung zum Thema Fässer und Blending. Für mich war der deutliche Sieger des Abends der Peated Chinkapin. Im Gegensatz zu anderen Chinkapin Abfüllungen war dies mein erster in Vollreifung und nicht nur ein Finish. Dies ist ein deutlicher Unterschied und gerade in der Variante getorft hat mir das sehr gut gefallen.

Raasay - Blick aus dem Lager
Raasay – Blick aus dem Lager

Der erste offizielle Single Malt (nach dem Inaugural Release im letzten Jahr) soll dann ab Mai 2021 verfügbar sein und mit der Zeit aus immer älteren Whiskys entstehen bzw. aus verschiedenen Jahrgängen zusammengestellt werden. Ich bin gespannt, wie mir die fertige “Mischung” gefällt. Noch interessanter aber wird für mich das erste Single Cask mit peated Chinkapin. Die Probe vier ist bei den meisten Teilnehmern sehr gut angekommen und William hat versprochen, auf seine Kunden zu hören. Mal sehen….

Die noch verfügbaren Tastings findest Du hier: Raasay Webshop. Die Tastings sollen auch nach Erscheinen des neuen Whiskys weitergehen, werden dann aber ein “deconstruction” mit einigen Fassproben und dem Single Malt werden.

Wenn Du Dich jetzt ein wenig umschauen willst: Destillerietour Raasay – die kleine Nachbarinsel von Skye ist um eine Attraktion reicher