UA Berry Bros. & Rudd

UA im Profil: Berry Bros. & Rudd

Welche Abfüllungen gibt es von Berry Bros. & Rudd? Wie viele Fässer besitzt die Firma und wie kommt sie an diese? Mal sehen, was Doug McIvor verraten hat…

Zusammenfassung

Ihr kennt Berry Bros. & Rudd (BBR) nicht? Nun, eigentlich ist es im Ursprung ein Londoner Weinhändler. Der Laden ist die No.3 (James Street), gegründet 1698 von einer Frau, die nur als Witwe Bourne bekannt war. Die Vergangenheit war „bunt“ und so war man während der Prohibition auch am Schmuggel nach Amerika beteiligt. Dabei entstand durch BBR 1923 der berühmte Cutty Sark Whisky (nach dem gleichnamigen Segelschiff).

Der Laden wurde in den zwischenzeitlich über 300 Jahren von Generation zu Generation weitergegeben und es waren immer wieder Frauen, die wichtig waren für das Unternehmen. So wie Ethel Rudd, Chairman von 1949-1965. Aktueller Chief Executive bei BBR ist Dan Jago. Dan war lange bei Tesco bevor er im September 2015 zu BBR kam. Simon Berry ist nach wie vor Besitzer und Chairman des Unternehmens. BBR ist immer noch ein Familienunternehmen. Neben Simon arbeiten fünf weitere Familienmitglieder Vollzeit im Unternehmen. Das jüngste Mitglied ist damit bereits die achte Generation. International ist BBR mit ca. 350 Mitarbeitern in London, Hampshire, Irland, Asien und Amerika aktiv. Seit der Regentschaft von König George dem III ist BBR auch Hoflieferant der britischen Königsfamilie (1903).

Bereits 1994 wurde die Website gelaunched und damit ist BBR nach eigenen Angaben der erste Online-Weinhandel (bbr.com wurde erst 1997 registriert). Aktuell wird in den Shops, Lagerhäusern und Outlets in UK und Asien eine Auswahl von mehr als 4.000 Flaschen Wein und Spirituosen angeboten. Der Rest der Welt muss sich mit dem Online-Shop begnügen.

Doug McIvor

BBR ist stark auf Wein fokussiert, aber seit 2010 betreut man die Marke „Glenrothes“ für Edrington, denen die Destillerie gehört. Und das offizielle Motto bei der Auswahl von Wein und Spirituosen gefällt mir: „Most importantly, we still believe that everything you should look for in a wine or spirit comes down to one simple question: “Is it good to drink?” When you buy from Berry Bros. & Rudd you can be confident the answer is “yes”.

Doug McIvor, Spririts Buyer bei BBR, hat mir einen Einblick hinter die Kulissen gegeben. Dougie ist vor allem für den Whisky zuständig und treibt den Markenausbau voran. Ein sehr schöner Auszug aus dem Interview mit ihm (im Original im Artikel) ist, dass wenn uns eine Abfüllung von BERRYS  nicht schmeckt nur einer daran schuld ist: er selbst.

Ein sehr schönes Interview mit ein wenig Hintergrund zu Dougie findet Ihr bei Steve Rush (The Whisky Wire – aus 2011 aber lesenswert).

Adressen – real und virtuell

Marken und Ranges

Jeder UA hat eine oder mehrere Marken unter denen er seine Abfüllungen auf den Markt bringt.  Bei Berry Bros. & Rudd ist es einfach, denn man hat nur eine Single Malt Range:

Berrys' Range

  • Exceptional Cask Bottlings (links im Bild)
    Unter diesem Label werden nur die seltensten der Malts, Single Grains und Rums abgefüllt. Mit schöner Box und hochwertiger Flasche.
  • Berrys‘ Own Selection (rechts im Bild)
    Neben Single Malts werden auch Grain Whiskys unter diesem Label abgefüllt. Üblicherweise handelt es sich dabei um einfache Flaschen mit einem großen BERRYS‘ auf dem Label. Die meisten Abfüllungen haben 46% und sind Einzelfässer. Manche haben auch 53%. Die Flaschen haben einen Farbcode für Regionen bzw. „Grain“.

Neben den Single Malt und Grain Abfüllungen gibt es auch noch Blue Hanger Blended Malt und Craoi na Mona Peated Irish Malt von BBR. Alle Ranges werden ohne Kälftefiltration und ohne Zuckerkulör abgefüllt.

Ich habe auch eine kleine Neuheit erfahren: es wird ab 2017 neue Labels geben. Hier seht Ihr alt (links) und neu (rechts) im direkten Vergleich. (Das neue ist aber ein Druck Proof)

Neue Labels für BBR

Preise und Rahmenbedingungen der Abfüllungen

Altersrange Bei BBR geht es nicht ums Alter sondern um Reife.
Preise Die Preise bewegen sich zwischen 45.- und 800.- GBP. Im Schnitt bewegen sich die Flaschen um ca. 100.- GBP.
Alkoholstärke Der Großteil wird mit 46% und der Rest mit Faßstärke abgefüllt, aber das Verhältnis dreht sich gerade langsam um.
Anzahl Destillerien Keine Einschränkungen.
Regionen Alle Länder und Regionen. Keine Einschränkungen. Solange Preis und Qualität passen.
Abfüllungen / Jahr Pro Jahr werden zur Zeit um die 240 Fässer abgefüllt. Tendenz steigend.
Abfüllungen seit Gründung Whisky wird schon seit den späten viktorianischen Zeiten abgefüllt, aber erst seit den letzten 13 Jahren wurde BERRYS‘ wieder re-released. Viele Unterlagen sind verloren gegangen, aber es gab alte Abfüllungen aus 1902.
Abfüllanlage und Wasser Abgefüllt wird bei einem langjährigen Dienstleister in Schottland. Das Wasser stammt aus der Region Glasgow und wird de-ionisiert. Vor hundert Jahren wurde noch in den Kellern der St James’s Street abgefüllt.

Fässer und Wood-Policy

In verschiedenen Lagerhäusern quer über Schottland verteilt werden circa 2.500 Fässer gelagert. Diese Zahl schwankt naturgemäß, da laufend neue Fässer dazu gekauft, abgefüllt oder gehandelt werden. Aktuell werden jeden Tag neue Fässer gekauft, um Lücken in Alter, Regionen Profil und Stil zu füllen.

Wie lange werden die reichen?As long as there are distilleries making whisky we should be OK for stock„, meint Dougie dazu. Die Streuung in diversen Lagerhäusern ist eine Risiko-Mitigationsstrategie, die ich auch von einigen Destillerien schon gehört habe. Dougie umschreibt das so: „we don’t want all of our eggs in the same basket in case of fires etc„.

Welche Fässer nutzt Du?

Dougie: „Personally, my favourite type of cask is a refill hogshead. As long as the wood is good then all you have to do is wait for the spirit to get to the right maturity to be in balance but still keep the distillery character. We have historical links with distillers and brokers to source supply and occasionally we will make exchanges to help diversify our maturing stocks. Very often we will supply our own re-coopered casks to be filled. Often there are shortages of casks so this is becoming more of a necessity.

Dougie, was hat BBR so in den Lagerhäusern und worauf können wir uns in der Zukunft freuen?

Dougie: „We are happy to consider bottling casks from anywhere around the world as long as the quality and price works. The company has been bottling scotch whisky since the late Victorian period but it was really around 13 years ago that we re-released Berrys’ Own Selection and began to establish it as a player in the world of Independent Bottlers. Our tradition was like many others being mainly scotch but I am sure we will be diversifying more in the future.

The cask profile is varied. We try to have a good range of styles and age profiles and we have anything from recently filled casks to 40 year old plus. It is always work in progress. We have a few finishing projects we are working on which is a new adventure for us as we have been very traditional with the Berrys’ bottlings so far. Watch this space!

Auswahl und Tasting Panel

Viele UAs haben einen ausgewählten Personenkreis, der eine „ausgebildete Nase“ hat. In einem solchen Tasting Panel werden dann nach hauseigenen Spielregeln Whiskys ausgewählt und/oder beschrieben. Dougie, wer ist denn bei BBR im Tasting Panel?

Dougie: „The tasting panel is me. But I do offer samples for colleagues to comment on and as we expand I will need more help with this. As long as the cask sample is clean I look for three things: balance, complexity and texture. If someone doesn’t like a Berrys’ whisky it is my fault. There are no excuses! I am constantly receiving samples which I nose and taste and decide whether they are ready or need more time and indeed whether they are good enough to use. I usually have three glasses in front of me and will pour a little of the sample into each. Glass 1 is a control at cask strength. Glass 2 is slightly diluted and Glass 3 is reduced to half and half. I look at this glass first to see if there are any obvious flaws in the whisky. If it is good then I try Glass 2 which is nearer to the bottled product but opened up and giving off aromas nicely.

Ich habe auch noch Mal ausdrücklich nachgefragt, was mit einem Fass passiert, dass sich nicht so entwickelt, wie man es sich wünscht und der Whisky in dieser Form nicht abgefüllt werden kann. Hier ist die Antwort von Dougie.

Dougie: „We rarely get stock that is not good and have arrangements in place if we find something we cannot use. Sometimes a cask can be clean but does not show much character because the wood is tired out. These can be used as fillers in a blend or re-racked into another cask to allow time to add more flavour.“

Besonderheiten

Hier ist nun der Platz, an dem sich der UA selber ins beste Licht rücken darf. Dougie, was macht BBR so besonders?

Dougie: „Sometimes the old ways are the best ways. We continue to seek out good casks in the traditional sense but we are also looking to the future with some experimental projects. Some of these will work and some may not but we are forward thinking considering our 300 year heritage and traditions.

Empfehlung von Berry Bros. & Rudd

Auf die Frage, welche Flasche aus dem aktuellen Sortiment besonders zu empfehlen ist, antwortete mir Dougie: „Berrys’ has been voted Independent Bottler of The Year on 2 occasions in recent years. It goes back to a simple philosophy which is the same with our wine buyers. We just ask ourselves if it is good to drink! I would like to think that any bottle of Berrys’ would be a good bet for you to try but I appreciate that we all have different preferences which is the importance of attending as many whisky tastings and festivals as we can so that people can try our range and make their own minds up.

Das meint die Maltkanzlei

Damit Ihr nicht nur meine Meinung zu den UAs bekommt, habe ich Dirk Lunken von der Maltkanzlei um seine Unterstützung gebeten. Dirk hat viele Abfüllungen von unabhängigen Abfüllern probieren können.

Dirk, was hältst Du von den Abfüllungen von Berry Bros. & Rudd?

Dirk: „Berry Bros. & Rudd habe ich in der Vergangenheit eher stiefmütterlich behandelt. Warum eigentlich? Einen wirklich nachvollziehbaren Grund gab und gibt es nicht. Im Gegenteil, denn die wenigen Malts von Berry Bros. & Rudd, die ich über die Jahre versucht habe, waren samt und sonders gelungen. Insbesondere die älteren Abfüllungen, die in den 1980er Jahren mit herrlich altmodischem Old Bond Street Label und Schraubverschluss auf den Markt gekommen sind, waren hervorragend. Speziell Macallan und Highland Park sind mir in guter Erinnerung geblieben, auch wenn ich seinerzeit – es muss Anfang/Mitte der 1990er Jahre gewesen sein, als ich Gelegenheit hatte, die Malts zu verkosten – leider weder schriftliche Notes noch sonstige Aufzeichnungen erstellt habe. Aber auch wenn Berry Bros. & Rudd als Abfüller bislang bei mir, wohl zu Unrecht, eine eher untergeordnete Rolle spielte, eine traumhafte Abfüllung aus jüngerer Zeit möchte ich dennoch empfehlen. Im Jahr 2014 erschien der Glengoyne Sherry Cask #1140, in der Szene mitunter auch gerne als ‚Black Glengoyne‘ bezeichnet, Ein 15-jähriger Ausnahmemalt, der mir immer wieder eindrucksvoll vor Augen führt, dass Glengoyne im Sherrybereich keinerlei Konkurrenz zu fürchten braucht.

Slàinte aus der Maltkanzlei.

Vielen Dank Dirk für Deine Meinung!

Mein Fazit

Ich erinnere mich noch an meinen ersten (und bisher einzigen) Dram aus einer BERRYS‘ Abfüllung. Einer aus dem Salesteam von BBR hat 2013 die Gruppe begleitet mit der ich auf den Ben Rinnes gewandert bin und hatte als Gipfelschluck einen Braeval von BBR dabei. Der war sehr lecker, aber das kann auch an dem sonnigen Ausblick über die Speyside gelegen haben.

Wenn Ihr Euch mal im Online-Shop von BBR umschaut, werdet Ihr selber wahrnehmen, dass das Thema Whisky und dabei vor allem der eigene nur eine sehr untergeordnete Rolle hat. Teilweise haben die Abfüllungen gar keine Angaben (außer der Destillerie und der Alkoholstärke). Es stehen zwar die Fassnummern und meist auch Tasting Notes in der Beschreibung, aber eine Aussage zu Kühlfiltration, Alter und Farbzusätzen sucht man im Shop vergebens. Auch verzichtet man darauf, zu den eigenen Whiskys etwas zu sagen. Das sollte Euch aber nicht vom Probieren abhalten. Dougie ist sehr engagiert und wer sich mit den Abfüllungen auseinandersetzt, wird sicher nicht enttäuscht. Und wenn doch? Dann lag es an Dougie…

Hier findet Ihr alle Artikel zu Berry Bros. & Rudd. Meine Reise rund um den Ben Rinnes ist in meinem ersten Artikel nachzulesen: SPEYSIDE WHISKY FESTIVAL 2013 – EIN GANZ PERSÖNLICHER LESERBERICHT.

Den Hintergrundartikel und die Links zu den anderen Artikeln findet Ihr hier: Whisky-Wissen: Unabhängige Abfüller – was steckt dahinter und welche gibt es?.

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