Tasting: Whic – Arran, Craigellachie, Cameronbridge & Tobermory

Gleich vier Proben haben sich von Whic angesammelt. Whic ist einer der sehr aktiven Online-Shops mit eigenen Abfüllungen. Ich bin gespannt, denn die klingen alle vier recht spannend.

Im Überblick

Alle Abfüllungen sind SC, CS, ncf und nca. Die vier habe ich probiert:

  • Arran, NoWC, 2005/2019, 13yo, 50.3%, 363 Flaschen, 84.90 EUR
  • Craigellachie, NoWC, 2006/2019, 12yo, 54.3%, 239 Flaschen, 59.90 EUR
  • Cameronbrige, Single Grain, 25yo, 57.6%, 503 Flaschen, 99.90 EUR
  • Tobermory, LoT, 12yo, 65.4%, 140 Flaschen, 84.90 EUR

LoT = Landscape of Taste, NoWC = Nymphs of Whisky Collection, ncf = no chill-filtration (keine Kältefiltration), nca = no color added (ohne Zusatz von Zuckerkulör), CS = Cask Strength (Fassstärke), SC = Single Cask (Einzelfass)

Mein Bewertungsschema

Bewertet wurde(n) die Probe(n) nach folgendem einfachen Schema und rein auf Basis des persönlichen Geschmackes:

+gefällt mir, würde ich mir kaufen
ook/gefällt mir, muss ich aber nicht haben
trifft nicht meinen Geschmack

Was man bei einer Verkostung beachten sollte und wie ich dabei vorgehe findet Ihr übrigens hier: Whisky-Wissen für Einsteiger. Und: wenn ich einen Whisky zur Verkostung zur Verfügung gestellt bekomme, ändert dies nichts an meiner Bewertung. Ich versuche immer fair zu bewerten, sage aber auch, wenn der Whisky nicht meinen persönlichen Geschmack trifft.

Meine Tasting Notes

Arran

Madeira Finish

  • Nase: Süße Fruchtbonbons ist mein erster Gedanke. Frisches Sauerteigbrot – eine Mischung aus malzigen und teigigen Noten mit einer leichten Säure. Kirschkerne. Mit ein paar Tropfen Wasser verschwinden die säuerlichen Noten, aber er wird dafür etwas schärfer.
  • Geschmack: Pfeffrige Schärfe macht sich im Mundraum breit. Dahinter kommen Aprikosen zum Vorschein. Eingelegte Erdbeeren. Mit Wasser milder und noch etwas fruchtiger. Kaffee macht sich bemerkbar. Mit einem Hauch Orange.
  • Abgang: Leichte Schärfe mit Aprikosen und Kaffee. Mit Wasser auch hier mehr Orange und vielleicht etwas Ingwer.
  • Wertung: o

Mit Wasser und etwas Zeit verändert der Arran sich zu seinen Gunsten und wird deutlich harmonischer.

Craigellachie

First Fill Bourbon Barrel

  • Nase: Ich habe mit Schwefel gerechnet, aber erst einmal überwältigt mich eine kräftige Vanille- und Karamellnote. Zitronentorte. Klar, frisch und spritzig. Mit ein paar Tropfen Wasser dreht der nochmal richtig auf und zeigt weitere Aromen. Er wird noch süßer mit Hagelzucker. Nur um sich im nächsten Moment wieder seiner Zitrusseite zuzuwenden.
  • Geschmack: Sehr sanfter Antritt mit Birnen und Schokolade, Karamell und Vanille. Ich bilde mir auch eine leichte Ledernote wie bei einem Sherryfass ein, kann mir aber nicht erklären, wo die herkommen sollte. Auch hier mit Wasser etwas süßer.
  • Abgang: Würzig, leichter Schwefel und leichte Eiche. Wo kommt das denn jetzt her?
  • Wertung: +

Das ist mal ein ganz anderer Craigellachie. An der Nase viel Süße und Zitrone und dann der weiche Geschmack im Mund. Die für mich typischen Schwefelnoten hatte ich erst im Abgang.

Cameronbrige

Sherry Reifung

  • Nase: Süße mit einer schweren Sherrynote kommt mir aus dem Glas entgegen. Als ob ich direkt an einer Sherry Fassdaube riechen würde, ein wenig von der Röstung mit leichter Kohle, aber auch die eingelegten Früchte. Schwefel wie bei einem Zündholz. Mit Wasser verschwindet der Schwefel und Schokolade macht sich bemerkbar. Aber nicht lange und der Schwefel ist wieder zurück. Ein ganz schönes Sherry-Monster.
  • Geschmack: Süße Kraft mit Datteln und Trink-Schokolade mit Schuss und einem Sahnehäubchen obendrauf. Mit Wasser kommt jetzt der Schwefel und verdrängt die Schokolade.
  • Abgang: Leichte Eiche aber ganz viel Sherryfrüchte. Mit Wasser deutlich schärfer im Abgang.
  • Wertung: o

Ein schöner Grain, aber für mich ein wenig zu Sherry-lastig.

Tobermory

Sherry Reifung

  • Nase: Maritime Noten und leichter Rauch (obwohl da keiner ist). Ein wenig Menthol und dann ganz langsam kommen ein paar Sherryfrüchte hervor. Er wird immer süßer an der Nase. Mit 20 Tropfen Wasser verschließt er sich. Eine Wacholder-Note?
  • Geschmack: Pfefferschärfe auf der Zungenspitze. Fruchtig und spritzig. Die 65% sind mal eine Ansage. Meine Zunge und Mundraum sind taub. Mit Wasser verliert er die Schärfe (etwas) aber eher wie bei einer Chili, denn sie kommt zurück. Obstbrand sind immer noch meine ersten Gedanken.
  • Abgang: Obstbrand kommt mir zuerst in den Sinn, aber meine Geschmacksnerven sind noch betäubt. Das ändert sich mit Wasser auch nicht sehr.
  • Wertung: –

Mit dem Tobermory werde ich nicht warm. Der wurde vermutlich mit mehr als den üblichen 63.5% ins Fass gelagert, denn er hat nach seinen 12 Jahren noch über 65%.

Fazit

Am besten gefallen hat mir der Craigellachie. Der ist mal deutlich anders ohne zu überfordern. Der Tobermory ist nicht mein Ding. Den müsste ich vermutlich deutlich herunter verdünnen und ihm viel Zeit geben. Die anderen beiden haben mir gefallen. Alle vier sind spannende Single Cask Abfüllungen und zeigen die Vielfalt von Einzelfässern.

Vielen Dank an Melisa von whic.de für die Proben!