Tasting

Tasting: Lagavulin 16yo – alt gegen neu

Durch Zufall bin ich in den Besitz einer älteren Flasche Lagavulin gekommen. Mein erster Favorit vor langer Zeit und zwischenzeitlich ein wenig in Vergessenheit geraten. Schmeckte der damals anders? Wie schmeckt er im Vergleich zu einer aktuellen Abfüllung? Ich habe es ausprobiert….

Standardabfüllung

Der Lagavulin 16yo ist eine sogenannte Standardabfüllung. Den gibt es schon seit vielen Jahren und es steht immer wieder Nachschub im Regal. Solche Abfüllungen tragen kein offensichtliches Kennzeichen, ob es noch genau das gleiche Produkt ist, oder ob sich die Rezeptur zwischenzeitlich geändert hat. Rezeptur? Eine solche Abfüllung wird aus vielen wenn nicht sogar sehr vielen Fässern gemischt. Das jüngste Fass gibt dabei das Alter vor, d.h. wenn man einen 16-jährigen Lagavulin in der Flasche hat, dann muss das jüngste Bestandteil mindestens 16 Jahre alt sein. Es können aber auch ältere Fässer dabei sein und manche Master Blender mischen auch ganz spezielle Anteile aus alten oder besonderen Fässern in Ihre Mischung. Ist die Charge verkauft, wird die nächste Charge mit anderen Fässern zusammengestellt (hier wird auch manchmal von „Batches“ gesprochen – je nach Menge eher bei kleineren Mengen). Meist ist es gewünscht einen ähnlichen Geschmack seinem Kunden immer wieder zu bieten, denn deshalb kauft er ja eine solche Standardabfüllung. Manchmal gelingt dies aber nicht und manchmal ist es wohl auch nicht mehr gewollt. Geschmäcker ändern sich schließlich.

Wie erkenne ich eine andere Abfüllung?

Das ist bei jedem Hersteller ein wenig anders, aber meistens gibt es einen sogenannten Bottle Code, d.h. einen Aufdruck auf der Flasche, der einem Auskunft über die Charge geben kann. In dem konkreten Fall bei dem Lagavulin steckt die Firma Diageo als Besitzer dahinter und die wenden das Schema bei allen ihren Standardabfüllungen an. Auf meiner Flasche finden sich zwei Zeilen mit schwarzer Schrift auf dunkler Flasche.

Mein BottleCode: L6325CM000 (und 05266304)

Nach ein wenig Recherche und einigen Tipps habe ich das Rätsel lösen können, von wann meine Flasche ist. Der Code 6 (aus L6) steht dabei für ein Jahr, das mit 6 endet (also 2016, 2006, 1996, etc.). Die 325 für den Tag im Jahr, wann die Flasche abgefüllt wurde. Da ich wusste, dass diese Flasche mehrere Jahre in einem Keller rumstand, konnte es nicht 2016 sein. Nun musste ich das Label noch mit zu Rate ziehen. Abgefüllt in Italien für die Firma Diageo. Nun muss man wissen, dass Diageo nicht immer Besitzer von Lagavulin war, sondern auf den „alten“ Abfüllungen andere Besitzer standen z.B. auch „White Horse“ (1924-1927). Wann der Wechsel von United Distillers zu Diageo passierte? Nun, Diageo hat Lagavulin 1997 übernommen. Damit war mein Rätsel einfach zu lösen. Meine Abfüllung ist aus 2006.

Nach ein wenig Umhören, habe ich dann auch jemanden gefunden, der mir ein aktuelles Sample zur Verfügung stellt (im Tausch gegen eines aus meiner Flasche. Danke Chris!): Aktueller BottleCode: L7221CM000 (aus 2017)

Aber wie groß ist der Unterschied im Geschmack? Waren solche Abfüllungen evtl. damals sogar besser?

Tasting Notes – Der direkte Vergleich

Tasting Alt gegen Neu - Lagavulin 16yo

Farbe

Ich würde mal sagen: kein Unterschied. Da die Fässer sich alle sehr unterschiedlich entwickeln und man vermutlich die Rezeptur nach Geschmack und nicht nach Farbe gewählt hat, gehe ich davon aus, dass Farbe (Zuckerkulör) hinzugefügt wurde. Diese wird häufig verwendet, um optisch ein stabiles Produkt zu präsentieren (vor allem in Asien wichtig).

Nase

  • 2006: Muffiger, fleischiger Torfrauch. Ich bin in einem Dunnage Warehouse mit schwarzen Mauern. Kraftvoll in der Nase. Wenn man dieses muffige mag, eine runde gelungene Variante.
  • 2017: Mentholischer, frischer Rauch. Anis und Marzipan. Im Vergleich wie ein junger Malt. Wenn der nicht auch mindestens 16 Jahre alt sein müsste, hätte ich auf zwei unterschiedliche Alter in einem Blind Tasting getippt. Mit der Zeit verfliegt diese mentholische Note ein wenig.

Das sind zwei völlig unterschiedliche Aromenprofile. Der eine eher muffig, der andere Menthol und Anis. Bei dem 2017 würde ich auf einen höheren Anteil frischer Bourbonfässer tippen.

Geschmack

  • 2006: Wie in der Nase erst etwas muffig. Öffnet sich langsam und es entwickelt sich eine Wärme im Mund. Da ist ein wenig Menthol hinter dem Rauch. Ein wenig Lakritz.
  • 2017: Leichtes Kribbeln auf der Zungenmitte. Weniger Menthol als in der Nase. Leichter und gefälliger mit weniger Rauch.

Auch geschmacklich unterscheiden die beiden sich deutlich. Der 2017 eher „langweilig“.

Abgang

  • 2006: Das muffige ist ein wenig frischer. Mehr Menthol. Hält lange mit einer Rauchnote an. Erst ganz gegen Ende mischt sich ein wenig Nuss / Eiche unter.
  • 2017: Zigarettenrauch, so wie ich ihn in Erinnerung habe, denn ich rauche schon lange nicht mehr (>20 Jahre). Deutliche Eichennote. Und das Kribbeln hält noch ein wenig an. Kräftige Würzigkeit aus frischen Eichenfässern.

Der Unterschied wird im Abgang erst richtig deutlich. Der 2017 ist sehr trocken und bringt viel Eiche mit.

Fazit

Ich habe mich vor langer Zeit vom 16-jährigen verabschiedet und seither nur noch die Destillers Edition („DE“, ebenfalls 16 Jahre alt) gekauft, denn diese fand ich einen Tick besser. Bei der DE gibt es ein Finish in PX Fässern. Das gefällt mir häufig bei rauchigen Malts und bei Lagavulin finde ich es besonders gelungen. Daher habe ich auch keine Geschmacks-Historie, an die ich mich erinnern kann.

Im direkten Vergleich: Für mich zwei deutlich unterschiedliche Malts. Bekomme ich (genau) die beiden als Blind Tastings vorgesetzt, traue ich mir zu, sie zuzuordnen. 100%ig. Ich tippe bei der aktuellen Abfüllung darauf, dass man deutlich besser auf das Fassmanagement geachtet hat und hochwertige, neue Fässer genutzt hat. Diese haben aber eben auch den Nebeneffekt, dass viel Würze aus dem Fass abgegeben wird. Welcher mir besser geschmeckt hat? Der aus 2006. Eindeutig.

Geschmack ist aber individuell. Feststellen kann ich auf jeden Fall, dass genau diese beiden Abfüllungen deutliche Unterschiede aufweisen. Ob dies für alle Abfüllung gilt? Bei genügend großem zeitlichen Unterschied: sicherlich. Die Veränderung findet aber vermutlich häufig schleichend statt und fällt deshalb nicht so stark auf. Ein direkter Vergleich ist hier also sehr aufschlussreich. Ich bin von dem deutlichen Unterschied aber überrascht und werde weiterhin Proben aus unterschiedlichen Zeiten miteinander vergleichen, denn das ist richtig spannend.

Falls noch jemand andere Jahrgänge zur Verfügung hat (gerne auch ältere) und an einem direkten Vergleich interessiert ist: meldet Euch.