Tasting: Glengoyne Whisky meets Sherry – 1999 Palo Cortado

Habt Ihr schon mal den Sherry passend zum Finish eines Whiskys probiert? Die Möglichkeit bekommt man nicht so häufig. Glengoyne hat im Set einen Whisky mit Sherry Finish und den passenden Sherry dazu angeboten. Das Set nannte sich „Glengoyne Whisky meets Sherry“ und ich habe ein Sample Set abbekommen. Ich bin gespannt wie stark ich den Sherry im Whisky erkennen kann.

Im Überblick – Glengoyne Whisky meets Sherry

  • Bodegas Tradicion, Palo Cortado, V.O.R.S. 30yo, 19.5%, 477 Flaschen
  • Glengoyne, 1999/2012, Palo Cortado, 53.8%, Whiskybase #33666, 477 Flaschen

Hinweis: Bei Sherry wird mit einem Solera Verfahren gearbeitet und das Alter gibt das durchschnittliche Alter an. VORS (Vinum Optimum Rare Signatum) ist dabei ein Qualitätshinweis, denn hier wurde das Alter für die Abfüllung extern bestimmt und zertifiziert.

Möglich gemacht hat mir diesen Vergleich Simon Vieth, der nach solchen Paarungen gesucht und auch eine gefunden hat.

Glengoyne Whisky meets Sherry

Tasting Notes Palo Cortado Sherry

Simons Notes

  • Nase: Limette, Orange und saftige Rosinen mischen sich mit Wasabi und einem trockenen, dunkelroten Wein. Walnussöl, Lakritz und Essigsäure, dazu frisch aufgeschlagene Sahne, die sich zusammen in einem  wachsigen, ranzigen Eindruck von moderigem, saurem Stroh konzentrieren.
  • Geschmack: Extrem sauer und trocken zieht der Sherry die Schleimhäute zusammen! Limettenkonzentrat und gesalzene Erdnüsse, Eichenholz und Kerzenwachs. Qualitätsmerkmale alter Palo Cortados, aber durchaus gewöhnungsbedürftig; für mich persönlich schon zu prägnant-sauer.
  • Abgang:  Muffiges Holz und intensiv nussiges Salzkaramell verraten das Erbe aus 30 Jahren im Fass. Die trockene Säure aus dem Geschmack lässt den Eindruck von saurem Stroh und Orangenhaut noch lange haften.
  • Wertung: –

Meine Notes

  • Nase: Dezente Süße und zugleich eine leicht säuerliche Note. Erinnert mich ein wenig an Sherry-Essig. Maggikraut wabert als würzige Note über dem Glas.
  • Geschmack: Das säuerliche überwiegt und überlagert für mich alle anderen Eindrücke. Mit nur 19.5% herrscht natürlich ein sehr sanftes Mundgefühl.
  • Abgang: Sehr kurz und die Würznote kommt im Abgang wieder zum Vorschein mit einer säuerlichen Note.
  • Wertung: –

Nun ich bin kein Sherry-Kenner und trinke diesen auch nur sehr selten. Vermutlich ist das ein ganz toller Sherry, aber er trifft weder meine Erwartungshaltung noch meinen Geschmack.

Tasting Notes Glengoyne

Simons Notes

  • Nase: Zunächst intensives Karamell, dann kommen Früchtearomen durch. Der Sherry-Einfluss ist unverkennbar, Orangen, Kiwi und etwas Heu, mit einer fast schon essigartigen Note von Limette und Wasabi. Spitze Frische/Säure und die Karamellsüße wechseln sich immer wieder ab, mit mehr Luft werden aber  die süßen Eindrücke zunehmend dominanter mit Salzkaramell, Haselnusseis, Nougat und saurer Sahne. 
  • Geschmack: Trocken und adstringierend drehen sich auch im Mund die Salzkaramellsüße und Wasabi-Schärfe umeinander. Beim zweiten Schluck tritt die spitze Zitrusnotes von Orangen und Limetten zugunsten von Haselnussnougat und Bitterschokolade etwas in den Hintergrund. Spannend und abwechslungsreich, aber auch etwas fordernd – kein einfaches Sherry-Profil.
  • Abgang: Ölig und schokoladig, Salzkaramell und Erfrischungsstäbchen Orange sowie Traubenzucker, zum Ende hin trockene Eiche alter Möbel, die auf dem Gaumen noch mittellang prickelt und ein leicht taubes Gefühl zurücklässt.
  • Wertung: +

Meine Notes

  • Nase: Eine leichte bittere Note habe ich in der Nase aber das ist ein deutlich anderes Aromenspektrum. Mit der Zeit kommt etwas mehr von dem Sherry zur Geltung, aber in Verbindung mit dem Whisky wesentlich harmonischer. Ein wenig bekomme ich eine Schwefelnote wie von einem abgebrannten Streichholz. Der braucht Zeit und bringt immer wieder neue Aromen zum Vorschein. Das gefällt mir. Mit Wasser etwas süßer.
  • Geschmack: Sehr sanft und gefällig. Dann entwickelt sich auf der Zungenspitze Pfefferschärfe und wärmt den Mundraum. Getrocknete Früchte – Feigen? Und ein klein wenig bekomme ich jetzt vom Maggikraut. Verrückt, denn ohne den Sherry vorab hätte ich das sicher nicht so entdeckt. Und dann kommt auch der Sherry zum Vorschein aber süßer und bei weitem nicht so bitter. Mit Wasser ist die Schwefelnote und der Sherry präsenter.
  • Abgang: Leicht trocken und würzig mit einer dezenten Fruchtnote. Mit Wasser etwas schärfer mit Mentholfrische.
  • Wertung: o

Mein Bewertungsschema

Bewertet wurde(n) die Probe(n) nach folgendem einfachen Schema und rein auf Basis des persönlichen Geschmackes:

+gefällt mir, würde ich mir kaufen
ook/gefällt mir, muss ich aber nicht haben
trifft nicht meinen Geschmack

Was man bei einer Verkostung beachten sollte und wie ich dabei vorgehe findet Ihr übrigens hier: Whisky-Wissen für Einsteiger. Und: wenn ich einen Whisky zur Verkostung zur Verfügung gestellt bekomme, ändert dies nichts an meiner Bewertung. Ich versuche immer fair zu bewerten, sage aber auch, wenn der Whisky nicht meinen persönlichen Geschmack trifft.

Fazit

Das war ein sehr spannendes Experiment. Ich hatte weder damit gerechnet die Spuren so deutlich wieder zu finden noch damit, dass der Whisky sich behaupten und dem Ganzen einen Impuls in eine andere Richtung geben kann. Was ich damit sagen will? Nun, der Sherry war nicht so mein Fall. Der Whisky hat die Noten übernommen, aber konnte sich behaupten und hat mir besser gefallen. Vermutlich hätte mir der Whisky ohne den Sherry vorab besser gefallen.

Danke an Simon für die Samples, die Bilder und damit die Möglichkeit für diesen Direktvergleich!