Tasting: Ardbeg 10 2007 L7 vs. 2017

Endlich komme ich wieder mal zu einem Vergleich zweier Standardabfüllungen aus unterschiedlichen Jahren. Bei Ardbeg wurde der 10-jährige 2008 umgestellt und somit war der 2007 mit dem Flaschencode L7 der letzte der „alten“ Ardbegs. Riecht und schmeckt man da jetzt wirklich einen Unterschied von einem aktuellen 10-jährigen zum Ardbeg 10 2007 L7?

Im Überblick

  • Ardbeg, 10yo, 2007, 46%
  • Ardbeg, 10yo, 2017, 46%

Die beiden Proben stammen von einem Freund, der mir neben der alten Abfüllung auch eine Probe eines aktuellen 10yo (aus 2017) zur Verfügung gestellt hat.

Tasting Notes

Ardbeg – 10yo / 2007 (L7)

  • Nase: Ist noch ein wenig verschlossen und muffig. Weniger Zitrusnote und weniger Würzigkeit. Ein wenig „old style“ bilde ich mir jetzt ein aber weit weg von einem Ardbeg aus 1974, sondern sehr nah an einem heutigen 10er. Teer und Leder sowie die Lakritzsüße sind vorhanden. Insgesamt sind die Aromen aber dichter miteinander verwoben. Mit der Zeit übernimmt frisch poliertes Leder. Kaffee kommt jetzt plötzlich zum Vorschein. Und so ein wenig Gummiabrieb macht sich ebenfalls bemerkbar. Umami ergänzt das komplexe Aromenprofil. Mit Wasser etwas flacher.
  • Geschmack: Erst ganz sanft und dann ein wenig Pfeffer auf der Zungenspitze. Auch im Geschmack ein wenig muffig / old style. Torf und leichte Süße. Mit Wasser kommt plötzlich Sahnebonbon und Karamell zum Vorschein, aber das muffige bleibt.
  • Abgang: Torf und ein wenig Menthol.
  • Wertung: o

Ardbeg – 10yo / 2017

  • Nase: Gleich von Anfang sehr frisch. Zitrusnoten hinter dem Torf. Vanille und Würzigkeit von frischen Eichenfässern. Die Lakritzsüße ist hier präsenter und auch einen Tick „parfümiert“ im Vergleich zur L7. Wird mit der Zeit erdig und erinnert mich an Geranien. Mit Wasser: Karamellbonbon.
  • Geschmack: Würziger und frischer. Mehr Zitrone hinter dem Torf und leichte Süße. Mit Wasser tritt die Würzigkeit ein wenig zurück und es kommt auch im Geschmack zum Menthol noch Karamell hinzu.
  • Abgang: Deutlich mehr Eiche. Der Torf ist hier eher wie kalte Asche eines Lagerfeuers.
  • Wertung: o

Mein Bewertungsschema

Bewertet wurde(n) die Probe(n) nach folgendem einfachen Schema und rein auf Basis des persönlichen Geschmackes:

+gefällt mir, würde ich mir kaufen
ook/gefällt mir, muss ich aber nicht haben
trifft nicht meinen Geschmack

Was man bei einer Verkostung beachten sollte und wie ich dabei vorgehe findet Ihr übrigens hier: Whisky-Wissen für Einsteiger. Und: wenn ich einen Whisky zur Verkostung zur Verfügung gestellt bekomme, ändert dies nichts an meiner Bewertung. Ich versuche immer fair zu bewerten, sage aber auch, wenn der Whisky nicht meinen persönlichen Geschmack trifft.

Fazit

Also in einem direkten Vergleich unterschieden die beiden sich schon. Vor allem eine dezente „Muffigkeit“ gegen die Frische des 2017ern ist ebenso deutlich wie die Würzigkeit. Beide haben aber auch starke Ähnlichkeiten. Ich vermute mal, dass die neuen Abfüllungen mit deutlich besseren (neueren) Fässern abgefüllt wurden. Das würde auch die Würzigkeit der neuen Abfüllung erklären. Für mich sind solche Vergleiche immer wieder sehr spannend, denn auch wenn die Produzenten versuchen die „Standard-Range“ immer sehr ähnlich zu halten, gibt es über die Jahre Veränderungen.

Danke an Kai für die beiden Proben!