Tasting: GlenDronach 12yo 1985/2011/2014 – alt gegen neu

Dieses Mal habe ich drei 12-jährige alt gegen neu im Vergleich. Auch habe ich den Flaschenteiler um seine eigenen Notes gebeten. Der eine GlenDronach wurde 1985 abgefüllt, der andere 2014. Dann habe ich mir von einem Freund noch ein 2011er Sample besorgt. Ich bin gespannt, ob die sich in den 30 Jahren verändert haben.

  • GlenDronach, 12yo, 1985, WB:9096, 43% (Reini)
  • GlenDronach, 12y0, 2011, WB:27548, 43% (Marc)
  • GlenDronach, 12yo, 2014, WB:3967, 43% (Reini)

Standardabfüllungen

Vor Kurzem habe ich zwei Lagavulin 16yo gegeneinander verglichen (Tasting: Lagavulin 16yo – alt gegen neu) und mich dabei ein wenig mit dem Thema auseinandergesetzt. Auch dies sind drei Standardabfüllungen. Die Altersbestimmung haben mir dieses Mal die Flaschenteiler abgenommen und so kam ich drei Mal zu der Abfüllung eines GlenDronach mit einem Alter von 12 Jahren.

Wurde die Rezeptur über die Jahre verändert? Schmeckt der „alte“ anders als der aus 2014? Und wie groß sind die Unterschiede zwischen 2011 und 2014? Dieses Mal habe ich einen der Flaschenteiler um seine eigenen Notes gebeten und so habt Ihr nicht nur meinen Vergleich, sondern auch den von Reini.

Tasting Notes 1985er

Meine Notes

  • Nase: Erst Mal etwas verschlossen, obwohl er schon seit 20 Minuten mit Deckel im Glas ruht. Etwas modrig. Feuchter Keller (nicht der von Reini!). Nun kommt er und öffnet sich. Trockenfrüchte, nicht sonderlich süß, sondern eher „staubig“ trocken. Trotz der „nur“ 46% kommt ein wenig frisches Menthol zum Vorschein. Der entwickelt sich noch ein wenig, wenn man ihm Zeit lässt. Trauben. Gegen Ende kommt ein wenig…. Latex? Nach weiteren 20 Minuten habe ich jetzt kräftige Honignoten.
  • Geschmack: Leichte Pfeffernote. Fruchtige Noten. Würzig. Auch im Geschmack stellt sich beim zweiten Nip deutlich Honig ein.
  • Abgang: Jetzt kommt die Eiche kräftiger zum Vorschein. Die bleibt lange da und hinterlässt einen trockenen Mund.

Notes von Reini

  • Nase: Muss gestehen, der erste Geruch war etwas modrig und ungewohnt. Es kam aber recht schnell eine sehr milde Süße mit einem undefinierbaren Aroma hinterher. Bei weiterem riechen erkenne ich getrocknete Trauben und Trockenobst. Er wird von Nase zu Nase immer angenehmer und süßer
  • Geschmack: Sehr ölig und mild. Eine süße und kräftige Eiche schiebt sich hervor, gefolgt von einer leichten Bitterkeit. Wird beim dritten Schluck pfeffrig und ich schmecke eine dunkle Schokolade.
  • Abgang: Mittellang. Die Eiche bleibt noch eine ganze Weile auf der Zunge und er wird etwas bitter.

Tasting Notes 2011er

Meine Notes

  • Nase: Ganz was anderes. Nichts von dem modrigen. Sehr viel frischer und aggressiver an der Nase. Ich habe ein wenig Latex. Ungewöhnlich. Jetzt kommen langsam die Fruchtnoten. Ein wenig süßer. Dann kommt langsam die Sherrynote hervor. Wird süßer über die Zeit.
  • Geschmack: Sehr viel runder und leichter. Süß. Trockener Sherry. Dunkle Beeren.
  • Abgang: Würzig. Die Eiche macht sich auch hier bemerkbar und hält lange an. Auch hier bleibt ein trockener Mundraum zurück.

Tasting Notes 2014er

Meine Notes

  • Nase: Aber jetzt. Die kräftigste Sherrynote von allen dreien. Schön rund und ausgeglichen. Vanille und Karamell. Wenn ich ganz genau darauf achte, finde ich die Latexnote auch hier.
  • Geschmack: Erst süß, dann kribbelt er ein wenig auf der Zungenspitze. Die Süße kommt zurück mit Früchten. Auch hier sind dunkle Beeren dabei. Panna Cotta.
  • Abgang: Sehr würzig und noch ein Stück mehr Eiche zwischen den Zähnen.

Notes von Reini

  • Nase: er riecht sofort sehr süß und etwas schärfer als der 1985er. Hier habe ich sofort diesen bekannten Sherry Geruch in der Nase.
  • Geschmack: Im Vergleich ist die jüngere Abfüllung nicht so ölig. Die Süße ist auch im Geschmack gleich da, gefolgt von einer Schärfe. Ich schmecke dunkle Beeren und bei einem weiteren Schluck eine unbeschwerte Süße. Nun kommt auch etwas Eiche durch.
  • Abgang: immer noch recht süß und die Eiche macht sich auf der Zunge breit.

 Fazit

Reini meint: „Sehr interessantes Tasting zweier Whiskys die doch sehr unterschiedlich sind.

Die beiden jüngeren waren sich sehr ähnlich, aber der 2014 hatte am meisten Sherry-Anteil in Nase und Geschmack. Der 1985 ist ein ganz anderes Kaliber. Die „alte“ Art von Whisky, die man heute selten noch ins Glas bekommt. Der hat noch Ecken und Kanten. Das muffige erinnert mich etwas an die Noten beim Lagavulin. Ich meine feststellen zu können, dass der Sherry-Anteil bei den neueren höher wurde.

Ich hätte nicht gedacht, dass es hier ebenso deutliche Unterschiede gibt, die nicht nur auf den unterschiedlichen Sherry-Anteil zurückzuführen sind. Gefallen haben mir alle drei. Schönes Experiment.

Danke an Reini und Marc, dass Ihr mir den Vergleich möglich gemacht habt!