Tasting: Exile Casks – Trojan und Wanderer

Von Exile Casks habt Ihr noch nichts gehört? Dann habt Ihr etwas verpasst. Ihr habt nichts abbekommen? Dann wart Ihr zu langsam. Ich konnte beide Abfüllungen rechtzeitig bestellen und probiere sie nun beide nebeneinander.

  • Exile Casks, The Trojan, 25yo, 1990, Cask# 3110, 57.3%, 293 Flaschen, 0.5l, 65.- GBP
  • Exile Casks, The Wanderer, 24yo, 1992, Cask# 1602, 54.6%, 188 Flaschen, 0.5l, 75.- GBP

Beide Abfüllungen stammen von zwei unterschiedlichen Destillerien aus der Speyside und für beide haben sich die Macher eine Geschichte ausgedacht, die unter anderem in einem Begleitschreiben erklärt wird.

Tasting Notes – The Trojan

Offizielle Notes

Auf der Shopseite findet sich folgende Geschichte: „It could only happen in the strange world of Scotch whisky production, one company’s precious liquid in a competitor’s cask. No one quite knows how that happened but since it went into the cask on a fine June morning in 1990 the whisky has developed its character of steadfastness and endurance, hidden in the dark wooden walls, waiting for the right time. We tracked this unique cask down and released its heroic contents for you to enjoy with some modern warrior companions of your own.

  • Appearance: Dark and sultry
  • Aroma: Layers of chocolate truffles, warm brown sugar and long, lingering coffee notes leading into rich oak and lemon zest
  • Taste: A surprising hidden spice note with ginger and nutmeg leading into creamy vanilla oak and sweetened Earl Grey tea
  • Finish: Surprising break out of sharp citrus that will live long in the memory

Meine Notes

  • Nase: Feine Sherrynote mit mächtig „Rumms“. Die Alkoholnote verspricht viel Kraft, aber erstaunlicherweise kommt der Sherry deutlich zur Geltung. Der ist schön vollmundig und ausgewogen. Vanille. Sobald sich der Alkohol verzieht, kommen weitere Aromen zum Vorschein. Sehr komplex. Reife Früchte. Eingelegte Rosinen. Kaffeenote und Zitronenschale kann ich erahnen. Zwischen den süßen Noten verstecken sich Gewürze, die sich schön einbetten. Mit etwas Luft und ein paar Tropfen Wasser kommt noch Ingwer dazu.
  • Geschmack: Viel Kraft. Die Früchte halten sich zurück, aber Schokolade und Kaffee machen sich bemerkbar. Angereichert mit Gewürzen. Mit Wasser nicht mehr ganz so kräftig, aber Pfeffer ist trotzdem noch da. Vanille.
  • Abgang: Trocken und ein wenig säuerlich. Hält lange vor.

Tasting Notes – The Wanderer

Offizielle Notes

Auch zu dieser Abfüllung gibt es eine Geschichte: „A life full of purpose and promise seemed assured for this liquid in April 1992 as it entered a regular customer’s American oak cask but things in life don’t always turn out as expected. The customer no longer required it and so it began its wanderings around Scotland, passing from warehouse to warehouse as it looked to find a home and fulfil its destiny. It was even swapped for another cask (referred to as a Mature exchange, but don’t google that) it disappeared from records for a while but we tracked down this wanderer and have finally given it a deserved home in a small release of bottles for you to enjoy and remind ourselves that travel can broaden the mind.

  • Appearance: Sunshine Gold
  • Aroma: Rich Vanilla, Lemon Meringue Pie and Lavendar
  • Taste: Tropical Fruits To Toasted Marshmallow
  • Finish: Medium With More Tropical Fruits

Meine Notes

  • Nase: Litschi mit Vanille. Zitrone. Birne. Eine sehr ungewöhnliche Kombination. Sehr leicht an der Nase. Von der Alkoholnote nicht viel wahrzunehmen. Leichte Gewürze und Marshmallow. Buttertoffee. Mit etwas Wasser und Zeit ergänzt Orangenschale das Spektrum.
  • Geschmack: Scharf auf der Zunge. Da ist der Alkohol. Tropische Früchte kommen hinter dem Alkohol zum Vorschein. Aber nur ganz leicht. Nicht der Sherry sondern das Bourbon Cask hat hier die Geschicke gelenkt. Auch der kann die Tropfen Wasser gut vertragen. Bleibt scharf auf der Zunge doch deutlich milder und mehr Vanille. Die Orange kommt mit.
  • Abgang: Die tropischen Früchte werden abgelöst von Birne und Gewürzen. Langer Abgang der trocken endet. Mit Wasser kommt die Pfefferschärfe lange durch. Dann Frucht und trockener Abgang.

Der Destilleriecharakter kommt mir bekannt vor, aber ich kann es nicht genau eingrenzen, woran mich das erinnert. Ein sehr schöner und ausgewogener Malt, der viele Überraschungen bereit hält.

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Infos zu Exile Casks

Hinter Exile Casks stecken zwei bekannte Whisky-Experten: Neil Ridley und Joel Harrison. Das motto für ihre Abfüllungen: „Unearth the uncommon„. Im Begleitschreiben findet sich ihre Mission: „What was once lost, we’ve now found. Very rare whiskies that are rich and complex, packed full of character and personality – too good to be left incarcerated in the depths of vast warehouses. We’re on a mission to set these casks free from their shackles. Releasing them to lovers of quality everywhere to discover, liberate and enjoy.

Mehr Hintergrundinformationen findet Ihr auf der Webseite von Exile Casks.

Weitere Abfüllungen

Aktuell gibt es nur die beiden hier betrachteten Abfüllungen. Aber die beiden haben sicher schon das nächste Fass ausgewählt und werden darüber informieren. Die beiden Macher wollen alle Ihre Abfüllungen als 0,5 Liter Flaschen in Fassstärke auf den Markt bringen.

Fazit

Die beiden haben mir sehr gut gefallen. Beides sehr ungewöhnliche Whiskys mit denen man viel Zeit verbringen kann, um hinter ihre Geheimnisse zu kommen. Neil und Joel haben nicht viel Werbung betrieben und trotzdem waren die beiden Abfüllungen schnell vergriffen. Mir hat besonders gut gefallen, dass ich als Käufer des Trojan eine Gratisprobe des Wanderer zugesendet bekommen habe. So bindet man seine Kundschaft. Die ersten Abfüllungen mussten etwas ganz besonderes sein. Ich hoffe, dass die beiden noch mehr so ungewöhnliche Abfüllungen auf Lager haben. Mein Favourit? Der Trojan.