Tasting: Ardbeg Renaissance, Alligator und 1815

Zum Jahresausklang habe ich mir drei besondere Proben aufbewahrt. Diese stammen von der Ardbeg 200-Jahrfeier, die mein persönliches Highlight der diesjährigen Feis Ile Events war.

Ardbeg Feuerwerk
Rückblick: 200 Jahre Ardbeg, (c) Ardbeg

Ich tue mich immer schwer mit dem richtigen Moment, wann ich meine kleinen Schätze endlich probieren soll. Aber auch wenn meine Sinnesorgane nicht in der besten Verfassung sind, wollte ich mich am Silvesterabend zum Jahresausklang noch mal an die Feierlichkeiten erinnern.

  1. Renaissance, 1998, 10yo, 46%, ursprünglich ca. 85.- jetzt 240-300.- EUR
  2. Alligator, 51.2%, ursprünglich ca. 85.- jetzt 200-400.- EUR
  3. 1815, 74/75, 300 Flaschen, 3.000.- GBP (nur in der Destillerie)

Tasting Notes

Renaissance

  • Nase: sofort kommt der Torf angerauscht, Minze, speckiger Rauch, Marzipan, sobald der Rauch verfliegt. Süße Honignoten und auch ein wenig floral. Anis. Ölig. Jod. Dann kommt der speckige Rauch wieder in den Vordergrund. Fruchtige Kaugumminoten.
  • Geschmack: Minze gepaart mit einer nussigen Süße. Leicht öliges Mundgefühl. Torf. Malzige Süße.
  • Abgang: Die torfige und malzige Süße dominiert auch den angenehmen Abgang. Der Geschmack bleibt eine ganze Weile erhalten.

Alligator

All zu viel ist vom Alligator nicht übrig. Trotzdem ein paar Eindrücke im direkten Vergleich.

  • Nase: Weniger Rauch dafür mehr vom Malz. Mehr Süße und Vanille. Toffee und Pfeffer.
  • Geschmack: Kaltes Lagerfeuer, Pfeffer und Asche. Mit Wasser deutlich weniger Minze.
  • Abgang: Nicht so langanhaltend wie der Renaissance. Etwas trockener.

Den Alligator mag ich sehr gerne. Evtl. hat die Probe zu viel Luft abbekommen, aber im direkten Vergleich fällt der ab.

1815

  • Nase: Wow. Nicht vergleichbar mit heutigen Abfüllungen. Süße Früchte. Der Rauch hat sich ein wenig versteckt, arbeitet sich aber nach vorne. Mahagoni, alter Ledersessel. Leichter Anflug von Rum-Rosinen-Schokolade. Kaffeearomen. Mokka. Toffee und Vanille. Der Sherry braucht ein wenig Zeit. Dann kommt auch noch der speckige Rauch. Mit etwas Wasser kommen weitere Gewürze zum Vorschein.
  • Geschmack: Der hat noch Kraft. Pekanuss. Leichte Süße. Pfeffer. Gewürze. Muskat? Ingwer. Malzig mit leichter Torfnote.
  • Abgang: Schön ausgewogen und auch im Abgang noch komplex.

Für diesen Tropfen sollte man sich besonders viel Zeit lassen. Der kommt immer wieder mit einer kleinen Überraschung.

Ich durfte während der Feierlichkeiten auch eine Fassprobe aus dem Jahr 1974 probieren. Solche Flaschen gibt es teilweise noch bei Auktionen zu erstehen und sind etwas günstiger als der 1815. Aber auch die sind nicht mehr die Preisklasse, in der ich mir Whiskyflaschen kaufe.

Schön, dass Ardbeg diese Abfüllungen während des Feis Ile seinen Fans zugänglich gemacht hat. Mal sehen welchen besonderen Dram ich mir für das Jahresende 2016 aufhebe.