JURA Vertical Tasting (VHS)

Im Mai geht es wieder zum Feis Isle nach Islay, und dieses Mal habe ich auch die Nachbarinsel Jura auf dem Programm. Von den Abfüllungen kenne ich nur wenige und so bot sich ein Vertical Tasting an. Bei der VHS Henstedt-Ulzburg wurde ein solches am 21.02.2014 angeboten, d.h. alle vorgestellten Whiskys sind von einer Destillerie und so bekommt man den besten Eindruck des Destillerie-Charakters.

Ernst Vollmer führte, wie immer gekonnt, durch den Abend. Die heute vorgestellten Single Malts waren:

  1. Jura „Origin“, 10 yo, 40%
  2. Jura „Elixir“, 12 yo, 46%, ncf
  3. Jura 1989/2002, 13 yo, 46%, Murray McDavid, nca, ncf
  4. Jura „Diurachs‘ Own“, 16 yo, 40%
  5. Jura Vintage 1995, 56,5%, „Boutique Barrels“, Bourbon JO Cask Finish
  6. Jura „Superstition“, 43%, Lightly Peated
  7. Jura 1989 / 20 yo, „Cask Strength“, 58,2%, Peated, Signatory, nca, ncf
  8. Jura „Prophecy“, 46%, ncf, Heavily Peated

ncf = no chill filtration (kein Kältefiltration)
nca = no color added (ohne Zusatz von Zuckerkulör)

Alle vorgestellten Abfüllungen waren Single Malts und alle, bis auf Nummer 3 und 7, sind sog. Originalabfüllungen (vom Hersteller selbst abgefüllt). Leider wird von der Jura Destillerie bei den meisten Abfüllungen auch Zuckerkulör hinzugefügt. Das macht zwar geschmacklich keinen Unterschied, stört aber manche Puristen wie mich trotzdem. Mir ist das „Original“ lieber als ein „aufgehübschter“ Whisky!

Auch bei diesem Tasting hat uns „Mr. Malt“ wieder mit acht Abfüllungen überrascht und uns auch gleich zu Beginn klar gemacht, dass wir uns damit reichlich viel vorgenommen haben. Die offizielle Veranstaltungszeit ist 20:00-22:45 Uhr, also knapp drei Stunden – je nachdem, ob noch jemand die letzte AKN erwischen muss. Der erste Whisky dauert in der Regel etwas länger. Gläser, Wasser und das selbstgebackene Brot werden verteilt, der Whisky wird eingeschenkt und die „Neulinge“ bekommen eine kleine Einweisung, wie man sich dem Ganzen nähern sollte. Und schaut man bei der Nummer zwei auf die Uhr, ist in der Regel mindestens eine dreiviertel Stunde vorüber. Das macht dann für die restlichen sieben Whiskys je ca. 17 Minuten. Das kann man, wenn man vorbereitet ist, aber etwas entschleunigen: ein zweites Glas und kleine Fläschchen zum Abfüllen mitbringen. Bei mir kam dieses Mal beides zum Einsatz und so nehme ich mir die Nummer 4 und Nummer 7 gerade in aller Ruhe vor.

Die größte Überraschung war für mich die Nummer 2 – „das“ Elixir. Der blieb im Glas und die Nummer drei kam ins (mitgebrachte) Extra-Glas. So konnte der von Murray McDavid bereits 2002 abgefüllte seltene Tropfen sich schon mal entwickeln, während ich mir noch den Elixir vornahm. Der hatte sich (auch ohne Zusatz von Wasser) immer weiterentwickelt und immer wieder neue Aromen zum Vorschein gebracht. Einfach nur schön, das macht das Nosing so spannend! Der zweite, der noch länger im Glas bleiben durfte, war die Nummer 5 und auch der war sehr interessant!

Die letzten drei waren allesamt „back to the roots“ und „heavenly“ peated, wie unser Referent immer so schön meint.

Das war ein sehr gelungener Abend, und nach meiner Einschätzung brauchen alle Jura-Abfüllungen Ihre Zeit im Glas mit Handwärme und Luftzufuhr. Keiner war sofort bereit, seine schönen Seiten zu zeigen, sondern wollte ein wenig „bearbeitet“ werden. Wenn man bedenkt, dass Herr Vollmer jede seiner Abfüllungen bereits „lüftet“ bevor er diese mitbringt, kann man gerne noch ein paar Extra-Minuten einkalkulieren. Das war sensorisch eine ganz schöne Aufgabe, die aber alle mit zufriedenen Gesichtern bewältigt haben.

Ich freue mich schon auf das nächste Tasting!

Die Bilder von meinem letzten Islay-Besuch u.a. mit Blick auf die Paps von Jura findet Ihr hier.