Gastbeitrag: Glenmorangie Masterclass auf der Finest Spirits

Vom 26.-28.01.2018 fand die Finest Spirits in München statt. Ich hatte nur wenige Stunden Zeit und deshalb habe ich mir Verstärkung gesucht. Sue hat sich für mich eine der Masterclasses angeschaut. Was durftest Du probieren und wie hat Dir die Show von Thomas Zilm gefallen?

Sue (von Susanne) hat mir angeboten, mal einen Artikel für fosm.de zu schreiben. Auf der Finest Spirits haben wir uns persönlich kennengelernt und ich habe etwas für sie arrangiert: eine Masterclass bei Glenmorangie.

Das gab es zu verkosten:

  • Glenmorangie – New Make Spirit, 60%
  • Glenmorangie – The Original, 10yo, 40%, ca. 40.- EUR
  • Glenmorangie – The Cadboll, 5. Abfüllung der Legends Collection, 43%, Travel Retail, ca. 75.- GBP
  • Glenmorangie – Astar, 52,5%, ca. 80.- EUR
  • Glenmorangie – Signet, 46%, ca. 140.- EUR

So, nun lasse ich Sue zu Wort kommen. Wie hat Dir die Masterclass gefallen?

Glenmorangie and the pursuit of perfection

– von Sue –

Anlässlich der Finest Spirits 2018 durfte ich die Glenmorangie Masterglass besuchen. Der Clubraum ist bis auf den letzten Platz besetzt, als uns Thomas Zilm, Brand Ambassador von Glenmorangie & Ardbeg, herzlich begrüßt und uns in die Welt „seines“ Whiskys entführt. Zunächst erfahren wir viele interessante Fakten zu Glenmorangie, bevor es ans eigentliche Tasting geht und es wird schnell klar, dass Glenmorangie mehr ist als nur ein milder Einsteigerwhisky, nämlich ein eleganter und zugleich feiner Single Malt.

Glenmorangie – New Make Spirit

Mein Fazit: Mit seinen 60% ähnelt der New Make Spirit im Aussehen eigentlich eher einem klaren Schnaps. Das sehr fruchtige Aroma ähnelt hierbei einem Obstler oder Grappa. Mir persönlich ist dieser „junge“ Whisky leider zu stark, denn er brennt mir gehörig auf der Zunge.

Die Seele des Whiskys erfährt dieser immer erst durch die Dauer seiner Fasslagerung. Je nachdem, welche Fässer dabei verwendet werden, ändert sich auch der Geschmack grundlegend. Auch ein in den Brennereien üblicherweise verwendetes Ausbrennen der Fässer variiert den späteren Geschmack, je nachdem wie tief der Brennvorgang im Holz vorgenommen wurde. Heutzutage wird meist in amerikanische Weißeichenfässer abgefüllt. Beim „first fill“ fällt das Geschmackserlebnis immer sehr kräftig aus, beim „second fill“ ist es schon deutlich leichter und je öfter ein Fass benutzt wird, umso weniger „Seele“ hat der Whisky später. Daher setzt man bei Glenmorangie darauf, dass ein Fass maximal 2x genutzt wird, bevor man es ausrangiert. Ein Refill-Fass wird sogar bis zu 30 Jahre wieder verwendet. Und wir lernen weiter, dass anfangs die Art des Holzes wichtiger ist als der vorangegangene Inhalt. Aufgrund der Dichte eignen sich jüngere Hölzer nämlich gar nicht für eine Verwendung als Fass; je älter ein Baum ist, desto besser und leichter gibt er später Aromen ins Destillat ab.

Glenmorangie – The Original

  • Fasstyp: First und Refill Bourbonfässer

Mein Fazit: Der Verkaufsschlager von Glenmorangie bietet uns ein wunderbares Aroma von Vanille und Pfirsich. Er schimmert wie flüssiger Bernstein und schmeckt dabei fruchtig leicht mit einer ganz leichten Holznote.

Glenmorangie – The Cadboll (aus der Legends Collection)

Nicht nur für uns, sondern auch eine Deutschlandpremiere für Thomas Zilm, da der Cadboll gerade erst ausgeliefert wird und völlig neu auf dem deutschen Markt erscheint: Ein Glenmorangie Original als Basis, gereift in ehemaligen Weinfässern mit Muskat und Sémillon. Benannt wurde dieser Whisky mit seinen 43% nach einem silbernen Trinkgefäß aus dem 16. Jahrhundert und ist nach dem Duthac und dem Tayne die mittlerweile 5. Abfüllung der Legends Collection.

Mein Fazit: Man nimmt ganz deutlich das Aroma von Muskat, Zimt, Marzipan und Birne wahr. Beim Geschmack findet sich aber auch noch eine leichte Salznote mit ein wenig Zitronenschale. Der Whisky kommt irgendwie ein wenig mineralisch auf der  Zunge, was ihm aber sehr interessanten und überaus süffigen Charakter verleiht.

Glenmorangie – Astar

Die beliebte Abfüllung Astar erschien 2008 zum ersten Mal. Sie musste jedoch nach einigen Jahren wieder eingestellt werden, da die Bestände erschöpft waren. Der Malt reift in eigens dafür designten Bourbonfässern und wird mit einem kräftigen Alkoholgehalt (52,5%) abgefüllt. Für das Weihnachtsgeschäft 2017 erschien er wieder in limitierter Auflage. Astar ist das gälische Wort für Reise.

  • Fasstyp: Ex-Bourbonfässer aus Weißeiche

Mein Fazit: Sehr kräftiges Aroma mit Vanille und Holz. Irgendwie erinnert es an einen Aufguss. Trotzdem hat der Whisky wirklich „Griff“. Mit ein wenig Wasser gemischt öffnet er sich und blüht regelrecht auf. Er schmeckt nach wie vor wie das Original, nur mit einer dickeren, saftigeren und schweren Mundtextur.

Bei aller Verkostung darf man natürlich nie vergessen, dass Alkohol im Grunde genommen ein Nervengift darstellt und dass uns das Brennen auf der Zunge eigentlich nur davor warnen soll, zu viel davon zu trinken.

Glenmorangie – Signet

Der Signet ist ebenfalls eine Neukreation aus dem Jahr 2008. Für diesen Whisky wurde das Gerstenmalz stark angeröstet, so entsteht das sogenannte ‚high roasted chocolate malt‘. Die Abfüllung beinhaltet sehr seltene Malts, teilweise wurden dafür sogar die ältesten Fässer der Brennerei verwendet.

  • Fasstyp: Reifung in frischen Weißeichenfässern und Nachreifung in Oloroso-Sherry- und anderen Starkweinfässern

Mein Fazit: Ein Aroma von Kaffee und dunklen Gewürzen. Der Whisky „explodiert“ regelrecht im Mund und wird „größer und größer“. Definitiv mein Tageshighlight auf der Finest Spirits!

Zu Glenmorangie

Der Name Glenmorangie setzt sich aus den gälischen Wörtern für „Tal“, „groß“ und „Ruhe bzw. Frieden“ zusammen, also das „Tal der großen Ruhe“. Man setzt in der 1843 von den Brüdern Matheson gegründeten Brennerei vor allen Dingen auf 3 wichtige Kernelemente beim Geschmack: Hartes Wasser, Hefe und natürlich beste Eichenfässer. Und auch heute noch stehen die „16 Man of Tain“ für die Whiskyperfektion bei Glenmorangie, auch wenn dies in der heutigen Zeit nicht mehr einzig und allein nur Männer sind. Seit 1936 produziert man bei Glenmorangie durchgängig. Davor blieben die Brennblasen 5 Jahre lang kalt. Heute destilliert Glenmorangie rund 6 Millionen Liter Alkohol jährlich.

Das harte und mineralstoffreiche Wasser aus der Quelle des Tarlogie Springs ist durch dessen Ionengehalt äußerst wichtig bei der späteren Fermentation, um letztlich einen so fruchtigen und eleganten Whisky zu erschaffen. Bei Glenmorangie wird ausschließlich Gerste aus Schottland verwendet, die überwiegend aus der Nähe von Tain stammt; außerdem soll das Getreide möglichst nicht getorft sein. Glenmorangie hat im Vergleich zu Ardberg mit 55 ppm nämlich gerade mal 2 ppm Torfgehalt. In der Brennerei selbst arbeitet man nicht nur mit den höchsten, sondern inzwischen auch mit insgesamt 8 Brennblasen, die mit einer Höhe von 5,14 m genauso groß sind wie eine durchschnittliche ausgewachsene Giraffe. Wir lernen dabei: Je höher eine Brennblase, desto leichter und feiner ist der Whisky später im Geschmack.

Glenmorangie ist übrigens die 1. Brennerei mit einer eigenen Webseite. Mittlerweile unterhält die angesehene Northern Highland Distillery sogar 2 Forschungslabore in Edinburgh, die sich intensiv mit der Aromaforschung und dem Wood-Management beschäftigen

Das Markenemblem von Glenmorangie findet man auf allen Flaschen. Seinen Ursprung hat das Signet in einem, mittlerweile im schottischen Nationalmuseum befindlichen Sandstein aus der Zeit der Pikten, dem Hilton of Cadboll Stone, der ursprünglich im 18. Jahrhundert  gefunden wurde. Es symbolisiert bei aller heutzutage zur Verfügung stehenden Technik auch immer noch den Ursprung in der Whisky-Handwerkskunst … den „Spirit of Scotland“.

Fazit zur Finest Spirits

Ich bin immer noch völlig überwältigt von den vielen Eindrücken der Messe. Mir war bewusst, dass es unglaublich viele verschiedene Whiskysorten gibt, aber mit dieser Angebotsfülle aus so vielen verschiedenen Ländern habe ich tatsächlich nicht gerechnet. Ein einziger Tag reicht daher definitiv nicht aus, um alles kennenzulernen, was auf der Finest Spirits angeboten wird. Nächstes Jahr komme ich ganz bestimmt wieder!

Abschließend möchte ich mich an dieser Stelle zum einen bei Thomas Zilm für seinen informativen und mitreißenden Vortrag bedanken und zum anderen bei Peter Moser, der für mich überhaupt erst den Kontakt zu Glenmorangie hergestellt hat.


Danke Sue! Schön, dass Dir das gefallen hat. Und wenn Ihr jetzt noch ein paar Bilder zu Glenmorangie sehen wollt: VIP-Tour bei Glenmorangie – 16 Man of Tain.