UA im Profil: Riegger

Welche Abfüllungen gibt es von Riegger? Wie viele Fässer besitzt die Firma und wie kommt sie an diese? Mal sehen, was mir Sebastian Lauinger verraten hat. So viel schon mal vorweg: auch Riegger ist besonders auf seine Art.

Zusammenfassung

Whisky Riegger firmiert offiziell als Viktor Riegger GmbH. Geschäftsführer sind Olaf und Uwe Lauinger. Sebastian Lauinger ist der Sohn von Olaf, kümmert sich um die Lagerbuchhaltung und Abfüllorganisation und hat mir meine Fragen beantwortet.

Bereits 1880 wurde das Unternehmen als Küferei mit Weinkellerei von dem Urgroßvater der beiden Geschäftsführer Johann Nepomuk Riegger in Villingen gegründet. Nach Johann Nepomuk Riegger wurde sie von Viktor Riegger übernommen, der sie später an seine jüngste Tochter Mechtilde Lauinger (geborene Riegger) und deren Ehemann Günter Lauinger, weitergab. Weiterentwickelt hat sich Riegger dann zur Weinhandlung mit direktem Weinimport und Großhandel. Seit 1993 setzen Olaf und Uwe Lauinger, die ältesten Söhne von Günter und Mechtilde Lauinger, diese Tradition mit viel Freude und Engagement fort. Seit 2001 ist die Firma auch als unabhängiger Abfüller auf dem Markt.

Während der ganzen Firmengeschichte fand eine stetige Weiterentwicklung statt. So enstand aus der damaligen Holzküferei mit Brennerei, eine Weinhandlung mit einem Sortiment von 1.200 Weinen. Hinzu kommen über 1.600 weitere Spirituosen, darunter Whisky, Cognac, Grappa, Rum und vieles mehr.

Im Unternehmen arbeiten insgesamt (alle Bereiche) 9 Mitarbeiter.

Adressen – real und virtuell

Marken und Ranges

Riegger füllt seine eigenen Abfüllungen unter der Marke „Riegger’s Selection“ ab.

Rieggers Range

  • Riegger’s Selection
    Einzelfassabfüllungen (Single Cask) in Trinkstärke oder Fasstärke. Allesamt keine Scotch Whisky, da sie in Deutschland abgefüllt werden. Alle werden als 0,5 Liter, ohne Kältefiltration (ncf) und ohne Farbzusatz (nca) abgefüllt werden.

Preise und Rahmenbedingungen der Abfüllungen

Altersrange7-30 Jahre
Preise49-199.- EUR
AlkoholstärkeSowohl in Trinkstärke mit 43%-48% als auch in Cask Strength, in der Regel 1/3 zu 2/3
Anzahl DestillerienCa. 40 verschiedene, darunter: Laphroaig, Glenallachie, Glenlivet, The Spey, „Eagle of Spey“ (Glenfarclas), Tomatin, Caol Ila, Linkwood, Bunnahabhain, Littlemill, Highland Park, Longmorn, Miltonduff, etc.
RegionenCampbeltown, Lowland, Islay, Speyside, Highlands & Islands
Abfüllungen / JahrCa. 5-8 Fässer pro Jahr
Abfüllungen seit GründungInsgesamt ca. 70 Abfüllungen bis dato
Abfüllanlage und WasserAbfüllung findet in Deutschland statt, daher lediglich die Bezeichnung als „Single Malt“ ohne Verwendung der Bezeichnung „Scotch“, deutsches Quellwasser aus dem Schwarzwald.

Fässer und Wood-Policy

Die Riegger Lagerhäuser in Villingen-Schwenningen beinhalten ca. 200 Fässer und decken damit in etwa den Bedarf für die nächsten 10 Jahre. Das spezielle Fasslager mit ca. 400 Fässern Lagervolumen kann besichtigt werden.

Sebastian, wo bekommt Ihr Eure Fässer her?

Sebastian: „Auf die Fassauswahl legen wir sehr großen Wert und kaufen gezielt aus verschiedenen Herkünften besondere Fässer. Die Fässer mit Whisky werden direkt von Destillerien sowie auch Brokern gekauft, zudem direkt aus großen Blending Bonds. Wir lassen auch New Make abfüllen.

Auswahl und Tasting Panel

Viele UAs haben einen ausgewählten Personenkreis, der eine „ausgebildete Nase“ hat. In einem solchen Tasting Panel werden dann nach hauseigenen Spielregeln Whiskys ausgewählt und/oder beschrieben.

Bei Riegger sind für die Auswahl drei Personen zuständig: Olaf, Uwe und Sebastian Lauinger.

Sebastian, wie wählt Ihr die nächste Abfüllung aus und was erwartet uns?

Sebastian: „Nach Reifezeitpunkt und zum Teil nach Destillerie ( je nachdem welche Abfüllung aktuell ins Sortiment passt). Zu den kommenden Bottlings kann ich keine Angaben machen, da ansonsten ständig die Nachfrage kommt, wann das Fass gefüllt wird und wir möchten dies nur anhand des Geschmacks entscheiden.

Ich habe auch noch Mal ausdrücklich nachgefragt, was mit einem Fass passiert, dass sich nicht so entwickelt, wie man es sich wünscht und der Whisky in dieser Form nicht abgefüllt werden kann. Hier ist die Antwort von Sebastian: Diese werden weiterverkauft, sollte keine Beeinflussung mehr über eine weitere Reifung möglich sein.

Besonderheiten

Hier ist nun der Platz, an dem sich der UA selber ins beste Licht rücken darf. Sebastian, was macht Riegger so besonders? 

Sebastian: „Das Fassmanagement, gezieltes Nutzen von besonderen Fässern, komplette Nachvollziehbarkeit der Bottling – keine Fassteilungen, Abfüllung mit Fassnummer etc. Die Wine-Cask-Finishes sind unsere Spezialität. Durch den engen Kontakt zu Winzern, bekommen wir einfach geniale Fässer die immer ganz frisch sind und daher besonders gut geeignet sind zur Nachreifung. Denn als Familienbetrieb hebt uns genau das von den großen Schottischen Abfüllern und Distilleries ab.
Dafür haben wir auch das Lager gebaut. So können wir die Reifung direkter kontrollieren und immer wieder probieren wie weit die Fässer sind. Wenn alles in Schottland liegen würde, hätten wir diesen direkten Zugriff nicht.

Sebastian, Ihr habt auch eine eigene Brennerei?

Sebastian: „Wir haben noch das Brennrecht, sind in der Brennerei aber auf Obstbrände spezialisiert.

Empfehlung von Riegger

Auf die Frage, welche Flasche aus dem aktuellen Sortiment besonders zu empfehlen ist, antwortete mir Sebastian: „Wir suchen Fässer aus die aus der Standardrange der Destillerie herausstechen und einen besonderen Charakter haben, zudem machen wir diverse Finish in Weinfässern die wir sehr frisch von den Winzern bekommen und die somit einen hohen Einfluss auf den Whisky haben.

Das meint die Maltkanzlei

Damit Ihr nicht nur meine Meinung zu den UAs bekommt, habe ich Dirk von der Maltkanzlei um seine Unterstützung gebeten. Dirk hat viele Abfüllungen von unabhängigen Abfüllern probieren können.

Dirk, was hältst Du von den Abfüllungen von Riegger?

Dirk: „Der Schwarzwald ist doch recht weit entfernt von der Köln-Bonner Bucht, und so ist Riegger erst in den letzten Jahren über Messen und die einschlägigen Whiskygruppen und -foren wirklich aktiv in mein Genießerbewusstsein vorgedrungen. Der ein oder andere mag sich daran stören, dass die Abfüllungen in Deutschland gelagert sind. Ehrlich gesagt, es gibt wesentlich Schlimmeres. Wichtiger allerdings, man sollte Weinfinishes zugetan sein, wenn man sich mit Riegger als Abfüller beschäftigen möchte, denn hier liegt klar die Präferenz und Kompetenz des Abfüllers. Man ist traditionell auch bestens mit einer Reihe von Winzern vernetzt, die gute und ausgefallene Fässer zur Verfügung stellen. Ich persönlich habe nichts gegen Weinlagerungen als Ergänzung zu den üblichen Sherry- und vor allem Bourbonlagerungen. Allerdings führen Weinfinishes oftmals zu sehr ungewöhnlichen Geschmackserlebnissen. Von Top bis Flop reicht da nach meiner Erfahrung die mögliche Bandbreite, speziell bei Einzelfässern. Es gilt also noch mehr als sonst – probieren hilft, wer blind kauft, kauft häufig blöd. Lässt man sich darauf ein, so finden sich bei Riegger tolle Abfüllungen. Unvergessen etwa der recht junge, süße, 2014 abgefüllte Bunnahabhain aus dem Cahors-Malbec Fass, der leider viel zu schnell ausverkauft war oder. Empfehlenswert finde ich bei Riegger, sich das Preis-Leistungs-Verhältnis anzusehen, denn hier gibt es einiges zu entdecken. Der junge 2009er von der Speyside Distillery etwa, Beerenauslese Süßweinfass, war ein richtig schöner, weicher Malt zum sehr fairen Preis. Qualitativ begeistert hat mich vor einigen Jahren der 1995er Bowmore aus dem Nicaragua Rumfass. So sehr, dass der Wirt einer einschlägig bekannten, früheren Oberhausener Whiskykneipe sich am Abend sogleich von seinem Restbestand trennen musste. Bald geht es zur Whiskyfair nach Limburg. Ich freue mich schon sehr auf die 2017er Riegger Messeabfüllung, wird sicher wieder spannend!

Slàinte aus der Maltkanzlei.

Vielen Dank Dirk für Deine Meinung!

Mein Fazit

Besonders an Riegger ist, dass man keinen Scotch Whisky abfüllt, denn abgefüllt wird zwar schottischer Whisky, aber in Deutschland. Auch reift man selber nach und hat dafür ein eigenes Fasslager in Deutschland. Die meisten Abfüller, dich ich bisher im Profil beleuchtet habe, lassen in Schottland abfüllen und verkaufen dann auch Scotch Whisky. Ich habe noch keine Abfüllungen von Riegger probiert.

Hier findet Ihr alle Artikel zu Riegger.

Den Hintergrundartikel und die Links zu den anderen Artikeln findet Ihr hier: Whisky-Wissen: Unabhängige Abfüller – was steckt dahinter und welche gibt es?.