Gastbeitrag: Whisky Weekend Leipzig 2020

In Leipzig fand die Whiskymesse bereits das fünfte Mal statt. Karsten, ein gebürtiger Leipziger, hat sich auch dieses Jahr wieder für uns umgeschaut und berichtet hier von seinen Eindrücken.

Bericht von der Leipziger Whiskymesse 2020

Leipzig, 28. Februar 2020, von Karsten Kirschner

Eigentlich wollte ich ja dieses Jahr nicht zum Whisky Weekend nach Leipzig fahren. Als ich jedoch las, dass die Veranstaltung im DaCapo in Plagwitz stattfindet und zudem durch die La Famiglia Nostra ein Springbank als Messeabfüllung angeboten wird, habe ich mich kurzerhand doch entschlossen, die Messe in meiner Heimatstadt zu besuchen. Und ich habe es nicht bereut, ganz im Gegenteil.

Wieder fand mein Besuch am Freitag statt, ganz einfach, weil man eventuell noch eine gesuchte Flasche zu einem vernünftigen Preis bekommt und der Besucherandrang noch überschaubar ist. Große Menschenmengen auf engstem Raum sind halt nicht so mein Ding und letztes Jahr in der Interimslösung am Martin-Luther-Ring war es doch recht „kuschelig“. Meine Befürchtungen diesbezüglich waren allerdings unbegründet, aber der Reihe nach. 

Das DaCapo steuerte ich per pedes an, da ich mir im Vorfeld das sich im ständigen Wandel befindliche Plagwitz anschauen wollte. Am DaCapo in der Karl-Heine-Strasse musste ich als kleiner Stift jeden Tag zur Schule gehen. Die Strasse war damals ein einziges Drecksloch, Schwerindustrie wie VEB BBG (Bodenbearbeitungsgeräte), die Kirow Werke, VEB IAL (Industriearmaturen und Apparatebau Leipzig) und andere waren dort beheimatet und die Luft war voller übler Dämpfe und Metallstaub. Und heute, 40 Jahre später, gehe ich hier zu einer Whiskymesse in das Oldtimermuseum & Eventhalle DaCapo. Was für ein Kontrastprogramm. Aber wie heisst es doch so schön: Nichts ist so beständig wie die Veränderung! Wie wahr, wie wahr.

Am DaCapo angekommen. musste ich erstmal meine Kamera auspacken und ein paar Fotos machen. Die alte IL-18 der INTERFLUG auf dem Dach des Nachbargebäudes sieht aber auch zu geil aus. Aber auch im Inneren der Event-Location gab es vieles zu entdecken. Jede Menge Teile und Accessoires von alten Flugzeugen und Autos hingen da an Decken und Wänden, u.a. ein abenteuerlich anzuschauendes Fluggerät mit einer ziemlich echt wirkenden Puppe. Wenn man zu späterer Stunde gedankenverloren und unter Einfluss diverser Drams mal zur Decke schaut, kann man schon mal zusammenzucken. Auch einen ollen 601er Trabi habe ich in irgendeiner Ecke gesichtet. Die Halle gehörte früher zum VEB BBG, fungierte wohl als Produktionshalle und wurde, ich meine schon in den 90ern, liebevoll restauriert. Der dunkelgrüne Anstrich von Treppen, Geländern, Fensterrahmen und Stahlträgern passt sehr gut zu den Backsteinwänden. Alles sehr rustikal, aber auch gediegen. 

Es gab eine kleine Bühne, eine gut (allerdings nicht mit Whisky) bestückte Bar sowie einen Essensbereich, wo man Soljanka, Flammkuchen usw. erstehen konnte. Die relativ große Empore war begehbar, es fanden hier auch die Tastings statt, blieb ansonsten aber ungenutzt. Ich habe dort aufgrund des schönen Blicks auf den größten Teil der Halle ungestört ein paar Fotos schiessen können. Die Stände wirkten in der großen Halle auf den ersten Blick verloren und der zentrale Bereich der Halle leer, was mich persönlich überhaupt nicht störte. Ganz im Gegenteil. Wenn ich da an die Hanse Spirit oder die Inter Whisky zum Samstag nachmittag denke….. Der Veranstalter wird das aber naturgemäß anders sehen. 

An dieser Stelle sei erwähnt, dass auch in diesem Jahr ein Manko des letzten Jahres bestehen blieb: die Garderobe. Es gibt keine. Punkt. Es gab zwar reichlich Möglichkeiten, seine Garderobe aufzuhängen, aber halt eben unbewacht. Es sollte doch seitens des Veranstalters machbar sein, eine betreute und bewachte Garderobe zu installieren. Ich glaube, die Kosten von 1, oder von mir aus auch 2 Euro, werden von vielen Besuchern gerne gezahlt. So bleibt immer der dumpfe Gedanke der Garderobe im Hinterkopf. 

Ca. 20 Aussteller hatten ihre Stände aufgebaut, wobei die Großen der Branche nicht sehr zahlreich vertreten waren. Laut Messe Website nur Borco und Diversa. Für mich interessanter sind aber eh die anderen, kleineren Aussteller wie feinBrand Taucha, Die Altstadtkneipe Nr.2 mit Jens Fahr, The Stillmans oder das Whisky Institut Chemnitz, um nur einige zu nennen.

Nicht unerwähnt lassen möchte ich, dass mich dieses Jahr eine gute Freundin begleitete. So konnte ich ein wenig über den Tellerrand blicken. Es gibt ja schliesslich noch andere Destillate neben dem gemeinen Malzbrand. Als Stichworte seien hier Gin und Whiskylikör genannt. Speziell bei Whiskylikör scheinen mir Mackmyra sehr umtriebig zu sein. Nicht alles sagt mir hier zu, aber trotzdem hochinteressant.

Nun aber zum eigentlichen Thema: der Whisky. Und es gab wieder eine ganze Menge interessanter Abfüllungen zu entdecken. Angefangen natürlich bei der Messeabfüllung von La Famiglia Nostra, der sich Memento Mori nennt und in einer edlen Flasche daherkommt, auf welcher neben den Eckdaten der Abfüllung auch das Leipziger Völkerschlachtdenkmal abgebildet ist. Sehr schick, muss ich sagen. Der Whisky selbst ist ein Springbank und soll ein Vatting aus verschiedenen Fässern sein. Das Fass, in dem der Springbank nachgereift wurde, war ein Re-Charred Sherry Cask mit einem Fassungsvermögen von 30 Litern. Im Glas macht es sich der Springbank so richtig gemütlich, fast wie Schweröl haftet er an der Glaswand. Natürlich ist er dann auch in Nase und Mund süss, schwer, nussig, schokoladig…… was für eine Wuchtbrumme.

Weiter ging es bei The Stillmans, worüber ich ja schon im letzten Jahr ein paar Sätze geschrieben hatte. Auch in diesem Jahr wurde man wieder von Mario Besoke und seiner Gattin auf’s Herzlichste begrüßt und mit Stories zu den Stillmans-Abfüllungen eingedeckt. Mario nimmt sich wirklich für jeden seiner Gäste Zeit und erzählt Geschichten und Anekdoten über seine Abfüllungen. Selbstverständlich habe ich zu späterer Stunde die Messe nicht ohne eine Flasche von ihm verlassen. Ein 11-jähriger Glenrothes aus einem, welch Überraschung, Sherry Fass sollte es dieses Mal sein. Aufgefallen ist mir die Abfüllung durch das fantastische Motiv des Etiketts, welches die Geschichte des Brandes des Lagerhauses No.1 der Distillery im Jahre 1922 erzählt. Es geht hier die Sage, dass der brennende Whisky aus den Fässern in den Burn Of Rothes gelangte und diesen zu einem brennenden Fluss machte. Ich liebe dieses Motiv einfach (siehe Foto).

Ansonsten probierten wir hier und da einen feinen Tropfen und kamen mit vielen netten Anbietern ins Gespräch. So machten wir auch einen längeren Halt beim Chemnitzer Whisky Institut. Dort probierte ich einen hervorragenden Port Charlotte aus dem VEB Whisky-Kombinat Karl-Marx-Stadt, eine der wenigen Kollaborationen des Kombinates mit einem Unternehmen des imperialistischen Klassenfeindes. Schade (oder auch gut, wie mein Geldbeutel mir zuflüsterte), dass es den nicht mehr käuflich zu erwerben gab, da hätte ich wohl noch ein Fläschchen mitgenommen. Aber auch so kamen wir mit den Kombinatlern in’s Gespräch und tauschten die eine oder andere Geschichte aus. Robert kannte ich ja schon von Facebook her, umso besser, dass man sich auch mal persönlich kennen lernen konnte. Hat mich gefreut. Ich hoffe, dass die heiligen Hallen des VEB BBG auch im nächsten Jahr wieder eine Abordnung des Kombinates begrüßen darf ;-).

Und so verging der Abend wie im Fluge, um zehn gingen die Lichter aus und ich bereute es, nicht für alle beide Messetage geplant zu haben. Aber im nächsten Jahr werde ich das ins Auge fassen, zumal dann auch noch ein paar whiskyaffine Freunde aus Leipzig dabei sein dürften. 

Eines kann ich schon mal sagen: Ich liebe diese Location. Ich habe gehört, dass die Messe in den nächsten Jahren wieder im DaCapo stattfinden soll und nicht im Bayerischen Bahnhof, wie letztes Jahr noch vermutet. Ich hoffe, dass es dabei bleibt. Da die Räumlichkeit platztechnisch noch über reichlich Potential verfügt, dürfte es von der Seite her keine Probleme geben. Ganz im Gegenteil. Ich gehe davon aus, dass neue Anbieter und Aussteller gerne gesehen sind.

Achso. Schade, dass ich nicht die Zeit fand, an dem Tasting „Neues von Wilson & Morgan“ mit Jens Fahr teilzunehmen. Dieser UA ist hierzulande relativ unbekannt, mir aber bereits im letzten Jahr durch seine wunderbare Abfüllung eines 18 Jahre alten Mortlach positiv aufgefallen. Vielleicht klappt es ja im nächsten Jahr.

Man sieht sich hoffentlich in 2021 im DaCapo.

Den Bericht aus dem letzten Jahr findet Ihr hier: Leipziger Whisk[e]y-Messe 2019

Danke Karsten für Deinen Bericht und die vielen Bilder!

Whisky Weekend 2020

Karsten Kirschner hat sich in Leipzig umgeschaut
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